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Switchblade "s/t 2006" CD (Trust No One Recordings)



Um ehrlich zu sein, hatte ich von der neuen Switchblade anderes erwartet. Wenn man sich die Veröffentlichungen in diesem Genre (und ich werfe jetzt Switchblade in eine Kiste mit Bands wie Neurosis, Isis, Cult of Luna ….) ansieht, dann muß man mittlerweile wohl keine allzu großen Überraschungen mehr „fürchten“. Was ich in diesem Zusammenhang oft gehört habe ist, das manch einer die Brachialität in der Musik vermißt. Die Tendenz zu immer mehr ruhigen, melodiösen Passagen öffnet musikalisch zwar neue Räume und Möglichkeiten, auf der anderen Seite kommen einem die Stücke nicht mehr wirklich „zwingend“ vor. Die ruhigen Anteile werden zu einer Art Selbstzweck.
Zurück zu Switchblade: Was ich schon immer an Switchblade besonders fand, war das sie für genau diese Tendenzen eine Art „sezierenden“ Blick hatten, gerade bei dem letzten Full Lengh Release von 2004 fiel mir das besonders auf: Der musikalische Minimalismus, der Hang zu Monotonie hatte für mich immer etwas davon diesem „Genre“ einen Spiegel vorzusetzen: „seht, so einfach ist das“. Switchblade waren für mich immer sozusagen die „Physiogomy of Heavy Music“. Ich denke das damit auch viel der Kritik zusammen hängt die ich bisher gegenüber Switchblade gehört habe: das es doch viel zu simpel, monoton, einfach sei. Doch genau das ist der wesentliche Moment: ob man nun vertracktere Rhythmen spielt, mehr und schnellere Wechsel einbaut: den Grad der Komplexität steigert, alles läßt sich im Grunde auf ein Weniges reduzieren; die daraus abgeleitete Komplexität ist keine zwingende mehr, sondern eine aufgesetzte.

Mit der neusten Veröffentlichung machen Switchblade einen weiteren Schritt: Der vorgehaltene Spiegel zeigt nicht das „was ist“ sondern das Ziel, den Fluchtpunkt an dem diese Musik angekommen kann: Das Verstummen.

Kurz ein Paar „technische“ Daten: Die CD beinhaltet zwei unbetitelte Stücke, das eine 19 Minuten, das andere 16 Minuten lang. Verbunden werden sie durch ein ca. 7 Minuten langes Zwischenstück. Im Vergleich zu den älteren Releases wird wesentlich mehr mit Gesang gearbeitet: als Gäste sind E (WATAIN) und Matthias Friedberg von LOGH vertreten, weitere Gesangsparts kommen, wie auch schon früher, vom Bassisten der Band.
Lange Strecken der Songs bestehen aus ausklingenden Akkorden, die sich minutenlang wiederholen. Es gibt kaum durchgehende Parts. Vor allem der Eindruck beim ersten Hören ist überraschend: der lange Anfangsteil, in dem nur eine Gitarre zu hören ist, sich wiederholende, ausklingende Töne, bestimmen den Eindruck der sich auch über den Rest des Albums hält: die CD ist eine die mit jedem hören wächst, da man die Teile zu kennen und die Arrangements zu verstehen beginnt. War das letzte reguläre Album noch relativ harmonisch/melodiös ist es nunmehr einzig der Gesang Friedbergs (im zweiten Teil der Platte) der die Zugänglichkeit der Musik erhöht: Und daraus entsteht nicht nur ein interessanter Kontrast zur Dissonanz der Töne im gleichen Stück, sondern auch zu den gequälten Lauten des „Gesangs“ im ersten Teil des Albums.
Dieses Release ist aber nicht zuletzt auch ein Gesamtwerk in dem sowohl das Artwork als auch die Produktion einen nachhaltigen Eindruck erzeugen. Was mir besonders gefällt ist das hier Brachialität nicht um jeden Preis erreicht werden will. Switchblade schaffen es ihren eigenen Sound zu kreieren. Die Direktheit der Aufnahme erinnert mehr an z.B. ein Shellac Album, als an das meiste was von „ähnlichen“ Bands produziert wird bzw. wurde.

Ich sprach vorhin vom Verstummen der Musik, worauf ich noch ein wenig eingehen möchte: was mit eine Rolle spielt ist, denke ich, das Stille, Verstummen, wenn es musikalisch werden soll nicht erreicht wird durch ein „Nichts“ an Klängen, Tönen, sondern gerade durch Geräusche die eben Stille ausmachen: Stille ist kein „Nichts“ sondern das ständige Geräusch das sich nicht näher fassen läßt: das Blut, daß uns durchs Ohr rauscht, alltägliche Klangkulissen egal ob technischen oder natürlichen Ursprungs: Stille ist ein Etwas. Auch das ein Eindruck mit dem Switchblade arbeiten: viele Nebengeräusche, Kratzen und Rauschen, sind auf der CD zu hören, der ganze Mittelteil besteht aus solcher „Stille“: Spannung zwischen zwei Polen.
Auch die langen Wiederholungen und die Langsamkeit verstärken den Gesamteindruck des Albums: Musik unterliegt immer einer zeitlichen Abfolge; durch eben diese Mittel, Wiederholung und Langsamkeit, versucht sie sich dieser zu entreißen. Was jedes Bild, jedes Photo kann, einen Moment „einfreiren“, das vermag Musik nur in ihrem eigenen Stillstand, und das ist es, was das Album zeigt.
Man mag einwenden, daß sich aber doch genau das Gegenteil während des Hörens vollzieht: Dem langsamen Anfang steht ein schneller/brachialer Abschluß entgegen. Ich denke dass das Album „eigentlich“ rückwärts läuft: weil es die Zeit nicht aufheben kann, nicht endlich „schwebend“ werden kann wird die Abfolge umgekehrt: das erzeugt auch die Prägnanz des ersten Höreindrucks: Das Schwebende des Anfangs wirft seinen Schatten auf das Ende, von dem es zerreißen werden will; wenn hier überhaupt von „Anfang“ und „Ende“ die Rede sein kann.

Zu guter Letzt: was mir beim Hören immer durch den Kopf ging: „Shellac spielen Bohren & Der Club Of Gore“

Bewertung: 10/10

-Stefan Schauber

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