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Reviews Spring 2007 (all other reviews of the year 2007 below):
Beehoover
"The Sun Behind The Dustbin" CD (Exile On Mainstream)
Dass Beehover aus Deutschland nur zu zweit agieren hört man überhaupt
nicht, denn das Duo bringt ein Soundkleid zustande, das wohl kaum von
"richtigen" Bands zu unterscheiden ist. Die Beschreibung,
dass Beehoover wie eine "atmosphärisch-abgefahrene Mixtur
aus Psychedelica, Americana und Doom" klingt, gefällt mir
ganz gut. Ich würde diese Beschreibung noch mit einer kräftigen
Portion "Heavy Rock" würzen und einige "Stoner-
Rock" Elemente zur Verfeinerung beifügen. Die 10 Tracks strahlen
etwas zerbrechlich- Trauriges, ja beinahe emotional Schwächliches
aus: der Ausdruck psychotische Melancholie trifft es da ganz gut. Unterlegt
von einer allumfassenden Vehemenz und Leidenschaft sind die Lieder auf
"The Sun Behind The Dustbin". Ist man zuerst von der eigenwillig-
spröden Ausstrahlung der Stücke zu Beginn des Albums irritiert,
so stellt man etwa während dem dritten Lied fest, dass gerade dies
der faszinierende und fesselnde "Groove" ist, der Beehover
irgendwie ausmacht. Bereits seit vier Jahren macht das Duo um Claus-
Peter Hamisch (Drums) und Ingmar Peterson (Bass) gemeinsam Musik und
nun erscheint mit "The Sun Behind The Dustbin" nach zwei selbstveröffentlichten
Demos das erste, richtig hörenswerte Album, welches am Anfang vielleicht
der Geduld und Zeit bedarf um sich in den Kosmos von Beehover einzuleben.
Rating: 7/10
Bee
And Flower "Last Sight Of Land" CD (Tuition Music)
Multiinstrumentalistin Dana Schechter veröffentlicht mit "Last
Sight Of Land" ihr zweites Bee And Flower Album, welches auf allen
11 Stücken durch seine sensible, gefühlsgeladene und klare
Stimmung auffällt. Die Instrumentierung klingt durchweg durchdacht
und detailliert umgesetzt: Verschiedene Gastmusiker wie Thomas Wydler
(Nick Cave & The Bad Seeds, oder Kristof Hahn (Les Hommes Sauvages,
Angels Of Light, Swans) haben bei der Umsetzung von Dana Schechters
musikalischer Vision mitgeholfen. Auch zahlreiche Streicher, Klavier,
Bass und Schlagzeug, sowie fein eingesetzte Elektronik sind als erfolgreich
eingesetzte Werkzeuge zu nennen. Die Produktion und Arrangements von
Toby Damit sorgen für eine fast märchenhafte Stimmung die
"Last Sight Of Land" umgibt. Das Album weist eine Vielzahl
von Einflüssen, Arrangements und fragilen Klangcollagen auf, die
nahezu ausnahmslos zu einem vielschichtigen und tief ineinander verwobenen
Ganzen komponiert wurden. Weit wie das Meer öffnen sich der Pool
an Stilrichtungen auf "Last Sight Of Land": Chicago-Blues,
Jazz, klassische Musik, Folk-Einflüsse und orchestrale Stimmungen
untermalen Dana Schechters melancholischen Gesang. Textlich geht es
dabei persönlich und oft existentiell zu und so handeln die Stücke
von Liebe und Hoffnung, Erneuerung und Loslassen. Im Design und Artwork
des Album scheint sich die musikalische wie textliche Weite von "Last
Sight Of Land" wiederzuspiegeln. Die CD ist in ein Digipack gehüllt
und das umfangreiche Booklet enthält neben zahlreichen Fotos alle
Lyrics des Albums. -
Rating: 8/10
Black Elk "s/t" CD (Crucial Blast)

Black Elk gehen auf ihrem Debüt recht sperrig, abgehackt und zerfahren
zur Sache. Zwar sind immer wieder melodische Ansätze und Melodiebögen
zu finden, diese werden aber in der Regel schnell gegen die Wand gefahren
und zerhackt. Der Sänger wechselt dabei zwischen fast gesprochenem,
leiserem Gesang und sprödem Gekeife hin und her. Was in diesem
Zusammenhang auffällt: Die Vocals sind relativ weit in den Hintergrund
gemischt, was die punkige Seite von Black Elk nur unterstreicht. Ansonsten
bleibt zu sagen, dass die 10 Stücke immer wieder an den Katalog
von Amp. Reptile Veröffentlichungen der frühen 90er erinnert.
Also klanglich irgendwo zwischen wütendem Noise-Rock mit viel Hardcore
und etwas Punk angesiedelt und sinnvoll durch psychedelische, fiebrige
Elemente erweitert und gestreckt bis Melodien entstehen, die an Cave
In vor ihrer "Jupiter" Phase erinnern. Wobei da noch Einflüsse
von Gruppen wie Jesus Lizard, Melvins und Black Flag zu nennen wären.
Das Artwork ist gelungen, es hätte aber vielleicht noch detaillierter
sein können. So oder so, den verstörten und verschrobenen
Eindruck der Musik weiss es wiederzugeben.
Rating: 7/10
Dälek "Abandonded Language" CD (Ipecac Recordings)
Nun, nach 2 Jahren erscheint Däleks Nachfolger von "Absence"
mit dem Titel "Abandoned Language". Und irgendwie ist (oberflächlich)
alles beim alten geblieben, Stichwort: dunkler Hip- Hop. Hört man
das Album die ersten Male, so findet man sicher Zugang dazu über
die Melodien und Rhythmen. Hört man sich aber tiefer in "Abandonded
Language" ein, so nimmt man nach und nach die Vielschichtigkeit
und tiefe Tragweite, die Verstörtheit des Albums wahr, beziehungsweise
wie "fucked up" es ist, wie es der gleichnamige MC des Duos,
Dälek, nennt. So gesehen umschliesst das Album den Hörer und
zieht es in seinen Bann von einer seltsamen, entarteten Welt. Was man
da sieht und was da ins Blickfeld wandert, sieht man vielleicht nicht
gerne. Dunkler Hip- Hop, dunkle Botschaft, so die kurze wie prägnante
Formel. Dass ist es, was "Abandonded Language" ausmacht: einerseits
ein fast auf die Masse ausgerichteter offener, leichter Zugang über
Melodien, Groove und was- weiss- ich. Andererseits bietet es genug zerfahrene
Vielschichtigkeit und Komplexität um jeden "Ich- bin- so-
avant-blablabla" zu beeindrucken. Gute Sache, und viel besser als
die alten Sachen. Weiter so!
Rating: 8/10
Deerhunter "Cryptograms" CD (Kranky)
"Cryptograms" ist das zweite Album der Band und das Debut
für Kranky. Deerhunter haben im Jahr 2001 angefangen, Musik mit
dem Ziel zu machen, die einlullenden und hypnotischen Momente von Ambient
und minimalistischer Musik einzufangen und mit den rauheren Tönen
des Garage Rock zu kombinieren. Genau betrachtet besteht "Cryptograms"
aus zwei EPs, denn das Gesamtergebnis entstand komplett an zwei Tagen
in zwei Sessions. Und so ist auch das Ergebnis dieser beiden Aufnahmen
ein unterschiedliches: Der eine Tag war geprägt von meist instrumentalen,
hypnotischen Aufnahmen und der andere beschwingt-leicht und poppig.
Interessant dabei ist die Kombination von Pop und Drone/ Noise und Ambient
artigen Klangcollagen. Beide Teile ihrer CD wissen zu überzeugen
und sind interessant in Szene gesetzt. Tanzbar versus Noise. Bekiffter
Pop versus Drone. Der Hörer bleibt entrückt und... ja beglückt
zurück.
Rating: 8/10
Do Make Say Think "You, You're A History In Rust" CD (Constellation
Records)

Tolles 5. Album von Do Make Say Think und wieder so eine Pflichtscheibe
von Constellation, natürlich auf 180g Vinyl in schöner Aufmachung,
der es gelingt, einige der Stimmungen von "You, You're A History
In Rust" einzufangen und zu visualisieren. Akustikgitarren, Percussion,
warmer, träumerischer Gesang und angenehme, entspannte Stimmungen.
Frühlingsnacht in der Großstadt. Hier klingt nichts akademisch,
am Reisbrett aufgezogen und geplant. "You, You're A History In
Rust" klingt mehr nach Lust auf gemeinsam musizieren und mal sehen
was bei rumkommt. Dass die Band dabei vollkommen organische, nicht-lineare
Songs entdeckt ist kaum verwunderlich für den Hörer, der den
Backkatalog der Band kennt. Man spielt und komponiert gemeinsam, nimmt
zusammen auf und mischt und mastert anschliessend alles in Eigenarbeit.
Völlig losgelöste Stimmungen und Stücke entstehen dabei
mit einer Vielzahl an Klangfarben und Nuancen. Hier ist Musikmachen
noch lebendig.
Rating: 8/10
Farewell To Words "Tear Down This Wall" MCD (Bastardized Recordings)
Wenn man weiss, dass Farewell To Words aus Berlin kommen, gewinnt der
Titel des dieser EP eine bedeutungsschwangere Tiefe, die eigentlich
nicht sein müsste. Musikalisch holzen 6 Berliner auf den 5 Stücken
von "Tear Down This Wall" eine durchaus gekonnt umgesetzte
und gar "massentauglichen" Mischung von (Nu)Metal, Doom, New
School Hardcore und Emo herunter, die vor Power strotzt und knallig
produziert und eingespielt ist. Der klare, teils weibliche Gesang erinnert
streckenweise an die Grossen wie System Of A Down. Ansonsten müssen
Bands wie Walls Of Jericho, Boy Sets Fire oder Evanescence herhalten.
Für eine EP gut und kurzweilig genug, aber für ein komplettes
Album müssen noch mehr Variationen und strukturelle Unterschiede
her. -
Rating: 6/10
Fear Falls Burning "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace"
LP (Equation Records)
Der optische Eindruck von "I'm One Of Those Monsters Numb With
Grace" ist ein starker: Das Vinyl dick und schwer, natürlich
180g, und die Farbe auch eine eher besondere: dreckiges, fast grünliches
Gold. Eingepackt ist dieses auf 50 Stück limitierte Schmuckstück
(weitere 349 existieren auf silbernem Vinyl) in eine Gatefold LP- Hülle
aus dickem Karton in der noch eine weitere bedruckte LP- Hülle
sitzt. Rein optisch gesehen, die beeindruckendste Verpackung aller bisherigen
Fear Falls Burning Vinyl Veröffentlichungen, die alle ein hohes
Qualitätsbewusstein vermitteln. Die Fotografie von Martina Verhoeven
tut ein übriges um das gesamte Artwork von "I'm One Of Those
Monsters Numb With Grace" als ein hochwertiges, ja detailverliebtes
erscheinen zu lassen. Die LP enthält zwei lange, epische Stücke,
die insgesamt rund 40 Minuten von träumerischer- lichter Drone
Musik mit harten Gitarren Akkorden und vielen aufeinander aufbauenden
und sich steigernden Repititionen ausmachen. Schimmernd wie die Wasseroberfläche
eines Sees glitzert und blinkt es auf "I'm One Of Those Monsters
Numb With Grace", der Hörer wird zum Spielball der Elemente
und gibt sich der Traumreise voll und gerne hin. Um mit Vergleichen
hausieren zu gehen: die endlosen Loops von Eno und die harten Takte
und Akkorde von Sunn O))), verschmolzen zu einer ganz eigenen minimalistischen
Klanglandschaft in die der Hörer wie in ein helles, blendendes
Lichterbad eintaucht und wegschlummert. Die Produktion ist vital und
neben dem vielschichtig- flächigen Charakter der Dronen besticht
sie durch die stimmige und griffige Natürlichkeit der beiden auf
"I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" präsentierten
Stücke.
Rating: 9/10
Fear Falls Burning "Woes Of The Desolate Mourner" 7"
EP (Tonefloat/ Ikon)
Dirk Serries' Fear Falls Burning gehörte im letzten Jahr konstant
zu den Projekten die mich durch das ganze Jahr begleitend, qualitativ
auf hohem Niveau, live wie auf Polyvinylchlorid, zu überzeugen
wussten. Man erkennt, sofern man zu dieser minimalistischen Musik Zugang
findet, einfach den roten Faden und das, was da mit aller Konsequenz,
Leidenschaft und Professionalität verfolgt wird. "Woes Of
The Desolate Mourner" ist ein aus 2 atmosphärischen Drone-
Stücken bestehender Mitschnitt der ersten Hälfte eines Konzerts
in Nijmegen, Holland vom vergangenen Oktober. "Woes Of The Desolate
Mourner" erscheint in minimalistischer aber dennoch extravaganter
Aufmachung auf aussagekräftigem, durchsichtigem Vinyl und ist streng
limitiert.
Rating: 7/10
Hacride "Amoeba" CD (Listenable Records)
Hacride sind ein ganz schöner Sturm oder sollte ich Blitzkrieg
sagen? Zumindest sehen es die Presseinfos so. Es gibt manchmal Tage,
da läuft man durch die Gegend und würde gerne jedem, der einem
begegnet und einen dummen Spruch loslässt, gerne eine... ähm
ja, falscher Anfang. Es gibt da so Wintertage an denen es den ganzen
Tag nicht viel heller wird wie morgens um 8 Uhr. Nebel, Dunkelheit und
da! Am Waldrand lauter Fratzen! Nein, sind beim näherkommen wohl
doch nur die Äste und irgendwelche abgestorbenen Bäume. Moorlauf.
Angst im Sumpf zu verrecken. Und was ist das jetzt schon wieder? Doch
Blitzkrieg? Abflussrohr oder doch ein im Dickicht versteckter Panzerlauf?
"Amoeba" ist das zweite Album der Brutal- Metaller von Hacride
und ist tatsächlich ein kleiner Panzer, eine Sounddampfwalze geworden,
die sich nicht verstecken muss. Musikalisch direkt, innovativ und das
ABC des Metals beherrschend, so dass genug Raum und Können bleibt,
"Amoeba" zu einer durchweg interessanten Platte zu machen,
die mit ihrer Durchschlagkraft und dem Sinn für Melodien und verschiedene
Elemente zu einem homogenen Ganzen zu fusionieren dem Metaller sicher
Laune nach mehr macht.
Rating: 7/10
Hella "There's No 666 In Outer Space" CD (Ipecac Recordings)
Das Duo des Gitarristen Spencer Seim und des super fit agierenden Schlagzeugers
Zack Hill hat schon über 10 Veröffentlichungen hinter sich
und veröffentlicht nun, zum Quartett angewachsen, ein neues Album,
welches nicht mehr nur ein Zwei- Köpfe- Chaos- Gewitter ist, sondern
voll in die The Mars Volta Kerbe einschlägt. "There's No 666
In Outer Space" ist ein super dynamisches und druckvolles Album,
mit Einflüssen aus dem Prog- Rock genauso wie aus ihren "Mathrock"-
Zeiten. Hörgenuss für gehobene Ansprüche sozusagen. Es
ist dabei weder der Gesang, die Gitarre oder die Drums als das agilste
Element des Vierers herauszuheben, nein, denn ein Jeder ist hier der
den anderen absolut ebenbürtige Protagonist. Und so kann das Fazit
auch nur lauten: Hier hat sich gefunden, was zusammengehört. Der
Gesang, ist druckvoll wie variationsreich und erklimmt erstaunliche
Melodiebögen ohne grössere Schwierigkeiten. Der Gitarrist
arbeitet ebenso wie der Bassist absolut präzise und überzeugend
und ja da ist dann noch das Getrommel... Nun, es klingt einfach wie
von einem anderen Stern und scheint alle menschlichen Grenzen der Instrumentenführung
zu sprengen, ihr zu widersprechen. Einfach durchweg einschlagend und
gekonnt. Wo jeder The Mars Volta Fan am Ende seiner Träume angekommen
zu sein scheint und wunschlos wie sprachlos dem gegenüber steht,
was er da vorgesetzt bekommt, legen Hella noch einmal zu, ziehen das
Tempo an und überrennen diesen Punkt völlig locker und zurückgelehnt,
als gäbe es kein Morgen mehr. Grosse Rock- Lektion in 11 Teilen!
Rating: 8/10
Loren Dent "Empires and Milk" CD (Contract Killer Records)
"Empires and Milk" ist die zweite Veröffentlichung des
aus Austin, TX stammenden Loren Dent. "Empires and Milk" nahm
Loren über Monate hinweg auf und hat damit ein richtig schönes,
episches Drone/ Ambient/ Field-Recordings Werk in 15 Akten geschaffen.
Wer Growing, Tim Hecker, Belong und Brian Eno mag, wird an "Empires
and Milk" kaum vorbeikommen, denn seine Stücke sind in sich
stimmig, voller Stimmung. Wohlig warme Klangflächen mit meditativem
wie manipulierenden Charakter heben den Hörer in Trance. Das ist
Musik, die nachts im Dunkeln ebenso wie tagsüber beim Sonnenbad
gehört werden kann. Sie wirkt wie das anziehende Parfüm einer
Frau, die einem nicht aus dem Kopf gehen will und über den Tag
seine Wirkung am Körper verändert, aber niemals die Magie
und Anziehungskraft von solchen Momenten verliert...
Rating: 7.5/10
Last Grain In The Hourglass "s/t" CD-R (self released)

Last Grain In The Hourglass sind eine deutsche Band die im Frühjahr
2006 gegründet wurde und zum Ergebnis von Ideen und Visionen der
Freunde wurde. Mit an Board ist auch der Sänger der Münchner
Chaos- Kapelle Rapture am Gesang. Im Proberaum aufgenommen und selber
Abgemischt weisen die 3 Stücke der selbstbetitelten MCD ursprünglichen
und rauhen Charakter auf, was mir insofern gut gefällt, dass mich
Last Grain In The Hourglass an Emo- Hardcore Kapellen aus den frühen
90er Jahren erinnert. Musikalisch fliessen aber auch dezente Einflüsse
aus der Progressive- Rock Ecke mit ein, die mit weiteren Elementen aus
dem "Heavy- Rock" gepaart, eine gesunde Mischung ergeben:
einerseits klingen die 3 Stücke (auch durch den Gesang) rauh, erbarmungslos
und andererseits ist da Raum für Ruhe und Atmosphäre, wie
man sie bei nur ein bei Bands wie Isis, Transmission0 etc. findet. Auch
Integritys "Closure" Album kommt mir in den Sinn, denn streckenweise
werden ähnliche Stimmungen transportiert und kreiert. Ein guter
Anfang. Das komplette Demo gibt es auf der Band Homepage kostenlos zum
Download inklusive ausdruckbarem Cover: lastgraininthehourglass.de
Rating: 6/10
Light Yourself On Fire "s/t" MCD (Kiss Of Death Records)

Light Yourself On Fire entstammen dem sonnigen Florida, wo bekanntlich
ja auch die saftigsten Orangen wachsen. Nicht ganz so sonnig ist der
durch emotionale Facetten angereicherte (Death) Metal. Aggressiv, komplex
und mit viel Kraft spielen sich Light Yourself On Fire durch 7 Stücke,
womit wir beim Stichwort "Power" sind, denn die Band um den
ehemaligen Reversal Of Man Sänger Ken Karg nennt ihre Musik "Power
Death", zusammengesetzt aus den Stilrichtungen "Power Violence"
und "Death Metal". Ich will ehrlich sein: zwar schwingt bei
den Stücken dieser typische Florida- Vibe mit, der mir damals bei
Bands wie Morning Again oder Bird Of Ill Omen ein feuchtes Höschen
bescherte, mich heute aber leider kaum mehr zu überzeugen weiss.
Zu abgegriffen und durchschaubar wirkt das einst grosse Gütesiegel
Floridas. Und woanders wachsen ja auch schöne Orangen.
Rating: 6/10
Maserati "Inventions For The New Season" CD (Golden Antenna)

Maserati machen seit nunmehr fast 6 Jahren konsequent Instrumentalmusik
und sind, trotz 8 Veröffentlichungen an mir komplett vorbeigegangen.
Hätte ich nur gewusst, wie gut das US-amerikanische Quartett ist.
Vielleicht ein wenig zu glatt und poliert aber super "tight"
und geschmeidig präsentieren Maserati ihre 8 neuen Stücke.
Die Art und Weise, wie die einzelnen Lieder konzipiert sind, ist meist
relativ: Lichte und klare Gitarrenriffs schrauben sich kontinuierlich
nach oben, wirken dabei fast wie eine Loop-Maschine und der Bass wummert
angenehm mit. Schliesslich platzt die Situation und die sich minutenlang
aufgetürmte, melodische Klangwelle zerfliesst in alle Richtungen
und flacht wieder rhythmisch-pulsierend ab. Dann beginnt das Spiel wieder
gekonnt von vorne unter Beihilfe aller möglicher Variationen. Also
langweilig wird einem definitiv nicht. Im Songwriting der Band sind
definitiv Reminiszenzen an Bands wie Ash Ra Tempel, Can, Harmonica etc.
Was aber wie oben angedeutet Maserati von den genannten Bands der wilden
70'er unterscheidet, ist die "Glätte" der Stücke.
Damals war man wesentlich ungeschliffener, unruhiger und auf abgedrehte
musikalische Momente aus. Maserati hingegen schaffen da Räume,
Luft und sphärische Weiten, die mich an Bands wie Red Sparowes
erinnern. Die Durchschaubarkeit von Maserati liegt im (zu)polierten
Sound, die Unvorhersehbarkeit hingegen im Songwriting, das vergleichbar
mit einem Laubwirbel ist: Man weiss nie genau wohin und in welche Richtung
der Wind ihn dreht. Die Produktion ist kompakt-vielschichtig, warm und
klar. Auch Aufmachung und Artwork in gelben und roten Farbtönen
sind stimmig und so fügt sich "Inventions For The New Season"
zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Erhältlich auch als 2xLP.
Rating: 8/10
Microwaves "Contagion Heuristic" CD (Crucial Blast)

Microwaves sind ein absolut nervtötendes "sci-fi no wave thrash/
freakout trio" aus Pittsburgh, PA und mit "Contagion Heuristic"
erscheint bereits das dritte Album der Band. Mit der zitierten Soundbeschreibung
ist eigentlich tatsächlich alles gesagt; treffender und kürzer
geht es kaum. Musikalisch irgendwo zwischen Shellac und Mathematik-
Core wie ihn Bands wie Don Caballero oder Ruins zelebrieren. Verzerrt,
verschoben, nervende Gitarren und "Bleeps", untermalt von
röhrendem Bass und störrischem Schlagzeug, so kommen die Mikrowellen
den Gehörgängen absolut schadend daher. Aber auch das kompromisslose
Schaffen von schweren, wabernden, tiefgestimmten Tönen wie im instrumentalen
"Ruin The Night" beherrscht die Band. Dissonante Stimmungen,
thrashige Rhythmen, nerviges Quicken und Quitschen machen "Contagion
Heuristic" zum interessanten wie... ja fast zynischen Gehörgangmonster
und der Sänger klingt doch irgendwie gut paranoid und wie auf Pillen.
Hier wird jeder Blick zum gekonnt inszenierten Schielen einer bis zur
Unkenntlichkeit entrückten synthetischen Welt voller musikalischer
Abnormalitäten.
Rating: 7/10
Moerta "Below The Stones Of Healing" CD (Freakstone Records)

Die deutsche Band Moerta besteht aus vier Musikern, die sich schon seit
den 80ern mit harter Musik beschäftigen und die vor vier Jahren
den Weg zueinander gefunden haben. Moertas kleines Monster an experimenteller
Rock Musik mit fast 60 Minuten Spielzeit und "nur" 6 Stücken
erinnert mich zu allererst stark an Neurosis. Die Band schafft ähnliche
Stimmungen, strukturelle Spannungsbögen – und Räume
und Melodien, wie sie auch die einzigartige Rock Band aus San Francisco
seit gut 20 Jahren aus dem Boden stampft oder aus dem Äther schröpft.
Mit etwas Abstand dazu lassen sich auch noch kleinere Elemente von Bands
wie Isis oder Tool ausmachen, wobei diese keinesfalls kopiert oder aufgesetzt
wirken. Überhaupt, fallen mir da im Direktvergleich einfach nur
Neurosis ein. Die langatmigen, ausufernden Klanglandschaften von Moerta
wirken oft melancholisch und verletzlich, doch auf eine episch- grossartige
Art verstehen sie es, dem Hörer all ihre Macht und Monstrosität
aufzuzeigen und zu vermitteln. Dafür hat man ja auch Zeit bei den
langen Spielzeiten der 6 Songs. Surreales wie Psychedelisches unterliegt
den Stücken, so dass sich die tiefe Wirkung und Atmosphäre
von "Below The Stones Of Healing" schnell als hypnotische
Fesseln ums Gehör schlingen. Einzig der etwas zu sakral klingende
Gesang wirkt streckenweise zu künstlich und aufgesetzt, was den
Vorbildern aus San Francisco nie passiert.
Dahin geht dann auch mein Rat: noch mehr für Natürlichkeit
und Homogenität und gar eine alchemistische Herangehensweise im
Songwriting sorgen, wer mich hier versteht... Aber, diese Note aus dem
Blues im Gesang überzeugt mich ganz, sie sorgt auch für eine
gewisse Eigenständigkeit und Eigentümlichkeit, die der Band
gut zu Gesicht steht. Abschliessend: "Let Mind Wander" –
der Slogan der Band sei jedem Hörer von "Below The Stones
Of Healing" mitgegeben, er könnte von Wichtigkeit sein. File
under: Psychedelic Doom Rock. Website: moerta.de
Rating: 7/10
Monikers "Eat Your Young" MCD (Kiss Of Death Records)

Angewidert vom Artwork war ich gespannt, was mich erwartet und na ja,
überzeugt bin ich nicht. Die Monikers spielen rockenden und streckenweise
treibenden Punk Rock, der sich nur leider insgesamt zu durchschaubar
durch die 5 Stücke "fräst" und natürlich die
Live- Energie einfangen will, was für mich die gelangweilte Ausrede
des Pressefritzen ist, der die Presseinfos schreiben und zusammenstellen
muss und eigentlich auch nicht wirklich weiss, was er da eigentlich
schreiben soll. Fazit, schon nett, interessante Ansätze im Gitarrenspiel,
der Gesang schön rauh, wie gesagt, schön treibend und nach
vorne.
Rating: 5/10
Nurse With Wound "An Awkward Pause – Special Edition"
2xCD (United Jnana)
Mit "An Awkward Pause" wird die legendäre Platte von
Nurse With Wound, kurz NWW, neu veröffentlicht. Nurse With Wound
sind eine britische Gruppe, die 1978 von Steven Stapleton, John Fothergill
und Heman Pathak ins Leben gerufen wurde. Nurse With Wound machten sich
schnell einen Namen durch Musik, die von freien Improvisationen und
Krautrock geprägt war. Und so gibt sich auch diese 2xCD wild, frei
und ungezügelt. "An Awkward Pause" wurde ursprünglich
1999 veröffentlicht und featured u.a. auch David Tibet, den man
ja von Current 93 kennt. Zusätzlich zum ursprünglichen Album
ist hier eine weitere CD mit 13 unveröffentlichten Stücken
der Band enthalten. Essentielle Wiederveröffentlichung.
Rating: 8/10
Oren Lavie "The Opposite Side of the Sea" CD (Tuition
Music)

Mit "The Opposite Side of the Sea" hat Oren Lavie eine Platte
geschaffen, die so gut zu folgendem Szenario passt: Es ist Sonntag morgen,
so etwa 9:45 Uhr, und man schält sich noch verschlafen aus den
Tiefen des Bettes. Man fährt sich über's Gesicht, Haare fettig
und Dreitagebart. Aha. Rasieren? Kein Bock. Erstmal schnell ins Bad,
verdammt,über die Türschwelle gestoplert, der Zehennagel zieht
wie sau. Egal. Ok, Wetter checken. Scheisse man, es regnet in Strömen.
Gut, was jetzt? Küche, Kaffee machen. Damn it, Milch ist leer.
Egal, die Sahne geht auch. Ist eh offen, von der Lasagne gestern, deren
Reste noch farblich die triste Stimmung der Küche beleben. Kaffee
ist auf dem Herd und jetzt die Zeitung von gestern schnappen und erstmal
aufwachen und lesen. Was fehlt? Richtig, Musik. Machen wir mal die neue
von Oren Lavie rein, passt irgendwie. Und ausserdem, der kommt ja auch
von hier, ist aus New York hergezogen. Diese Situationen kennt jeder
und zu solchen "Sonntagsstimmungen" passt die teilweise bombastische
Musik von Oren Lavie ganz gut. Sauber, vielleicht zu sauber produzierte
10 Stücke, die schönen Gesang mit halbakustischer Instrumentierung
enthalten. Orens Stimme klingt voll und warm und trägt seine poetischen
Texte erstaunlich leicht und luftig. Dennoch, beinahe jedes Stück
auf "The Opposite Side of the Sea" wirkt wie ein kleines romantisches
Bild, facettenreich gemalt, aber von einer, das Album durchziehenden
Bombastik in den Arrangements geprägt. Hier die leise Kritik des
freudigen Hörers: Hin und wieder etwas dreckiger, wie Berlins Strassen,
dürften die Kompositionen sein.
Rating: 7/10
Seconds In Formaldehyde "II" CD (Gears Of Sand)
"II" steht nun also für den Zweitling des hinter dem
Pseudonym "Seconds In Formaldehyde" stehenden Martin Fuhs.
Ruhige, langatmige Drones ziehen den Hörer über sich in die
Weite üppig ausdehnende Klangfelder, die wie die pure Entspannung
nach einem Sturm wirken. Für den unerfahrenen Hörer mag das
aber durchaus wie ein monotones sich- in- der- Welt- verlieren klingen,
dass mehr Schrecken wie Genussfreude beziehungsweise imaginative Kräfte
ausstrahlt und verbreitet. "II" erscheint im März diesen
Jahres auf dem US- Label Gears Of Sand. Gängige Gitarrenklänge
sind diesmal noch schwerer und spärlicher auszumachen. Die streckenweise
eingestreuten und verzerrten Akkorde (auf "And I Dissolved Into
Small Particles Of Dust) bilden im Spiel von Ruhe und struktureller
Gelassenheit einen angenehmen Kontrapunkt, der hierbei sicherlich nicht
zufällig gewählt ist und auf Fuhs' Gespür für sensiblen
Forschungsgeist am Kern der Musik hindeutet.
Rating: 7/10
Seconds In Formaldehyde "Inaudible" CD (Suggestion Records/
Verato Project)
(no cover available)
Auch "Inaudible" besticht wiederum durch die angenehm- zurückhaltende
Art des Künstlers, musikalisch, wie auch im persönlichen Auftreten.
"Inaudible" beginnt mit sanften Drones die irgendwo da zuhause
sind, wo die Grenze zwischen Himmel und Ozean am Horizont verschwimmt.
Grenzgang wie Naturerfahrung gleichermassen. Lange Akkorde tragen den
Hörer durch weite, spärliche Klangfelder. Die wohl grösste
Neuerung diesmal sind die minimalen, auf leichten Füssen daherkommenden
Beats, sowie die Percussion Loops, die an minimalistische Elektronische
Musik erinnern. Ich mag es, wenn sich Künstler, die sich einem
bestimmten Genre zugehörig fühlen, trotzdem den Mut haben,
neue Schritte zu gehen, andere Wege zu beschreiten. Wer würde bei
Fear Falls Burning, Aidan Baker und Konsorten damit rechnen, dass eine
Platte plötzlich Beats aufweist? Wohl eher niemand. Um so interessanter
dies nun bei Seconds In Formaldehyde verfolgen zu können. Die Beats
sind sehr dezent und gekonnt zurückhaltend gestreut, was den typischen
ruhigen Drone-Klangforschungen keinerlei Abbruch tut. Dennoch, es ist
hier Vorsicht geboten, denn die Beats haben leicht die Tendenz, zu artifiziell
und generiert zu klingen. Etwas mehr erdig-lebendiges ist hier gefragt,
um die eben oben genannten Naturerfahrungen im Geiste entstehen zu lassen
und weniger das Gefühl von, auf die Schnelle, ganz pauschal: "Computermusik.
"Inaudible" erscheint in einer Kleinstauflage von 60 handgemachten
Digipacks auf dem Suggestion Underlabel Verato Project.
Rating: 7/10
Sofy Major "s/t" MCD (Argghh!! Records)
Der Fünfer Sofy Major kommt aus Frankreich und hat sich 2005 gegründet
um "Noise Hardcore" zu spielen, so brandmarkt sich die Band
selber. Musikalisch geht es durchaus noisig zur Sache und zum Beispiel
Breach standen beim Sound von Sofy Major Pate. Aber auch abgehackte
Rhythmen, wie man sie von Fugazi kennt sind hierbei als Einflüsse
festzuhalten. Im Prinzip eine interessante Angelegenheit, allerdings
schwächelt die Stimme des Sängers durch ihr Pseudo- Gefühl
gewaltig. Rohes, brutales Geschrei wie es dir die wirklichen Breach
immer gnadenlos geboten haben wäre hier wesentlich angebrachter
und würde für die Durchschlagkraft der Band sprechen. Stattdessen
gibt man sich fast verzweifelt, dem heutzutage als Einheitsbrei verkommenen
und degradierten "Screamo" hin, was den Charme einer lokalen
Schüler- Hardcore- Combo hat. Immerhin, das Artwork ist halbwegs
gelungen und erinnert in seiner ganzen Schwäche an den Grossen
Derek Hess.
Rating: 6/10
The Hidden Hand "The Ressurection Of Whiskey Foote" CD (Southern
Lord)
Legende Scott "Wino" Weinrich und Bruce Falkinburgh melden
sich mit "The Ressurection Of Whiskey Foote" mit Hilfe des
Drumm-Neuzugangs Evan Tanner zurück. Wie eine sich rückwärts
drehende Spirale ackert, stampft und rockt sich "The Ressurection
Of Whiskey Foote" durch 10 neue Stücke. Mit Wino hat man ja
die Referenz für den Sound gleich zur Hand: St. Vitus, The Obsessed,
Spirit Caravan und Place Of Skulls. Allesamt Projekte von und um Wino.
Schöner Doom-Rock voller Agonie, Depression und leichten psychedelischen
Anleihen. Gerade die, in Verbindung mit den kernigen Gitarren, machen
meiner Meinung nach das besondere Feeling des Album aus. Brachiale Rhythmen
und steile Gitarrenwände werden hier erklommen und gleichermassen
zum Einsturz gebracht. Dieser Tick Classic-Rock in den Stücken
macht sich ebenso gut wie der Titel des Albums. Artwork passt natürlich
auch zur "Southern-Rock-Stimmung" von "The Ressurection
Of Whiskey Foote". Hier beweisen Southern Lord endlich mal wieder,
dass sie immer noch grundsolide und grundgute Platten veröffentlichen
können.
Rating: 7/10
Titan
"s/t" CD (Paradigms Recordings)

Dies ist die erste offizielle Veröffentlichung der "Rough-Magic-Kraut-Mystics
aus Brooklyn, New York. Zuerst fällt die schöne, komplexe
Aufmachung auf und dass diese CD auf 750 Stück limitiert ist (wie
üblich für Paradigms Recordings). Musikalisch wird eine kosmische
Freakout Parade in 3 Akten aufgeführt. Nicht nur namentlich (alle
Titel sind deutsch) wird der Krautrock- Vergangenheit unseres Landes
Tribut gezollt, denn musikalisch klingen und erinnern Titan an eine
schwere Version von Acts wie As Ra Tempel, Klaus Schulze und Konsorten.
Auch das Spiel mit ruhigeren, schimmernden und verträumten Klangpassagen
versteht die Band und lässt so das letzte Stück "Die
Sonne Ist Fast Am Untergehen" dezent ausklingen. Als aktuellen
musikalischen Bezug fallen mir Zombi ein. Also wer mehr als 45 Minuten
voller Sinn und Verstand erweiternder kosmischer Musik hören will,
ist hier genau richtig.
Rating: 8/10
Titan "A Raining Sun Of Light & Love, For You &
You & You..." CD (Tee Pee Records)

Stilistisch schon etwas anders als noch das Debut kommt "A Raining
Sun Of Light & Love, For You & You & You..." daher
und beeindruckt mich schwer. "A Raining Sun Of Light & Love,
For You & You & You..." ist sicher die im laufenden Jahr
von mir am meisten gehörte Platte und schon der Hippie-Titel ist
ein kleiner Knaller. Musikalisch einordnen würde ich "A Raining
Sun Of Light & Love, For You & You & You..." dann auch
irgendwo zwischen ausuferndem, episch-schwerem Stoner/Prog-Rock mit
einer klaren psychedelischen Linie zu den Klassikern des Genres wie
Can, Hawkwind und schwereren, pompöseren Einflüssen von Uriah
Heep. "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You &
You..." ist ein Spiel von nur 4 Stücken in guten 41 Minuten.
Das "Dudel-Potential" ist damit klar. Das Album ist sauber
und kompakt produziert, die Lieder klingen dadurch homogen und das Gesamtbild
ist ein schön organischer, krautig-schwerer Jam des Vierers aus
Brooklyn, NY. Wilde Trommelwirbel, Acid-Gitarren-Jams , windige Synthie-Attacken
und ein tiefes knochiges Bass machen "A Raining Sun Of Light &
Love, For You & You & You..." zu einem dynamischen, verspielten
und die Galaxy erfüllenden kosmischen Farbenknall an dem der geneigte
Hörer nur schwer vorbeikommen wird, und erst recht nicht wenn er
morgens Pilzmarmelade auf dem Brot hatte!
Rating: 9/10
Trencher
"Lips" (Southern Records)
"Casio- Grindcore" nennt man das also. Wieder was dazu gelernt.
Trencher sind ein Trio aus London , das eben diesen "Casio- Grindcore"
spielt. Zerfahren, brutal und brutal schnell, komplex und irgendwie
streckenweise lustig klingen die 9 kaputten Stücke auf "Lips".
Trencher bestehen aus Bass, Drums und einem Spielzeug Keyboard, das
für die Sounds zuständig ist, mit denen die kleinen Grindattacken
unterlegt sind. Seit 5 Jahren betreiben die 3 Londoner dieses kontrollierte
Kinderzimmerchaos und haben schon verschiedene limitierte Veröffentlichungen
hinter sich gebracht. "Lips" ist das zweite Album der Band
und für jeden interessant, der auch schrägen Vögeln wie
den Daughters, The Locust oder Discordiance Axis gerne beim Lärm
machen zuhört. Zum Schluss ist noch in aller Kürze festzuhalten,
dass das Artwork hässlich ist und die Spielzeit knapp 25 Minuten
beträgt. -
Rating: 6/10
Voodooshock "Marie's Sister's Garden" CD (Exile On
Mainstream Records)

Gar vier Jahre hat es gedauert bis das zweite Album der deutschen Doom-Rocker
von Voodooshock nun erscheint. Auf "Marie's Sister's Garden"
präsentiert die Band 11 melodische Stücke, die den grossen
Helden wie Pentagram, Saint Vitus, The Obsessed etc. Tribut zollt. Volle,
satte und groovende Basslines und jammernder, leidenschaftlicher Gesang
steht langsamerem Zeitlupen-Rock gegenüber, der wiederum einen
angenehmen Kontrast zum psychedelischeren "Feeding Flames With
Letters" bildet. Voodooshock verstehen es, verschiedene Einflüsse
und Stilrichtungen geschickt und durchaus homogen in ihre Stücke
einzuweben, und dabei immer in der selben melancholischen Stimmung zu
bleiben. Dabei stagniert die Band in keinster Weise. Doom mit Blick
über den eigenen Tellerand. Besonders die langsamen, mächtigen
Walzen wie "Funeral Farewell", "I Need A Rest" und
Diamond Queen" wissen durch ihre zähen Strukturen zu begeistern.
Hier fliesst die Lava zäh und glühend heiss den Hang hinunter,
brodelnd und zischend ins Meer.
Rating: 7/10
Reviews - Late Spring 2007:
Einiges
hat sich in den letzten Wochen angesammelt und die Bereiche und Nischen
an guter Musik sind wieder reichlich besetzt. Auffällig ist, dass
labelspezifisch mehr als nur ein gutes Album zu finden ist. Es wird
für fast jeden Geschmack etwas dabei sein, ob es sich dabei um
zeitgenössische elektronische Musik, Noise und Drone oder mehr
die gitarrenorientierte Musik handelt. Viel Freude beim Lesen auch diesmal.
Aidan
Baker "Candescence" CD-R (Verato Project)
"Candescence" hat eine dezente, einfache Aufmachung die in
einen braunen Frauennetzstrumpf eingefasst ist und damit beim ersten
Anblick für Verwunderung sorgt.
"Candescence" sind sechs Stücke vom Drone und Ambient
Wunderkind Aidan Baker, der ja praktisch laufend neue Alben veröffentlicht.
Baker ist auch bekannt durch die Band Nadja, die in eine ähnliche
Richtung, aber härter, mehr Indrustrial und Doom orientiert arbeitet.
Auf den Tracks dieser CD sind schöne, ruhige Ambient Stücke,
der erste Song basiert direkt auf einem Autechre Stück. Zur Aufnahme
wurde kein Computer verwendet, sondern alle Sounds mit Gitarren und
Bass eingespielt. Trotz der Ruhe der Stücke wirken sie mächtig
und voluminös und erhaben.
Rating: 8/10
Andreas Bertilsson "Paramount" CD (Komplott)
Andreas Bertilsson (ehemals Son of Clay) hat einen Soundtrack ohne Film
gemacht. Das ist insofern angenehm, als die Musik nicht einem allermeistens
hohen Tempo eines Filmes folgen muss.
Die Musik: Ist das jetzt ein Ruderboot, das ich da plätschern hör-
obwohl, das Stück heißt „Plains of the Buffalo“
vielleicht sind es eher schlabbernde Kühe an denen jemand zieht?
Später: wir befinden uns in einer ehemaligen Garage, eher noch
in einer inneren Garage, also in einem Teil der Seele, den ich z. B.
noch ganz gut im Griff hab`. Hier wird dem Sound nach geschabt, geschreddert,
geschliffen, eben wie es sich anhört wenn man eines der Biester
in sich hart ran nimmt. Schließlich, im letzten Teil, hat einer
gewonnen (auch egal wer, sind ja alle ich) und es breitet sich Versöhnung
aus.
Rating 8/10
-Rezensiert von J. Jaschke
Austin Lucas "The Common Cold" CD (Sabotage Records)
Dass Austin Lucas seit seiner Zeit in der Wiege von Musik umgeben war,
merkt man ziemlich schnell. Sein Vater war Musiker und bei jeder Gelegenheit
quasi machte die Familie gemeinsam Musik, singen beim Auto fahren etc.
Ihr kennt das Spiel. Ausserdem begleitete der kleine Austin alljährlich
seinen Vater zu diversen Folk und Bluegrass Festivals, wo dieser auftrat.
Es folgten in Austins Kindheit Jahre in denen er in verschiedenen Chören
sang bis er davon, kurzgesagt, die Schnauze voll hatte und sich ab dem
Alter von 12 Jahren für die nächsten 16 Jahre mit Punk und
Hardcore beschäftigte. Momentan lebt Austin Lucas in der Tschechischen
Republik und verbringt seine Zeit entweder als Solomusiker oder als
Gitarrist in der Crust-Band Guided Cradle. "The Common Cold"
ist ein gelungenes, schönes Soloalbum, auf dem Austin Lucas die
traditionelle Roots-Musik seiner amerikanischen Kindheit mit Einflüssen
aus der heutigen Indie-Szene mischt. Das Album ist treibend und dynamisch
und ein erfrischender Hörgenuss für jeden Country und Indie/
Lo-fi Akustik Fan, denn seine Gesangsharmonien sind schön und angenehm
zurückhaltend.
Rating: 7/10
Baroness/ Unpersons "A Grey Sigh In A Flower Husk"
CD (At A Loss Recordings)
"A Grey Sigh In A Flower Husk" ist ein unkonvetionelles Besipiel
dafür, wie gute, schwere Musik klingen kann und mit ansprechendem
Design auch optisch in Szene bzw. weiter aufgewertet werden kann. Während
Baroness "nur" zwei Tracks besteuern, hauen die Unpersons
gleich doppelt so viele Stücke raus. Beide Bands überzeugen
durch ihre Schwere und haben musikalischen Schneid. Atmosphärische
Räume wie planvolle Härte und schwerer, rockender Drive macht
die 6 Stücke der beiden Bands aus. Sie bieten damit einen aktuellen
wie zukünftigen Blick auf ihr Schaffen und darauf, was musikalisch
in ihrer Heimat Savannah, Giorgia so möglich ist. Baroness veröffentlichen
ihr nächstes Album auf Relapse, man darf also gespannt sein.
Rating: 8/ 10
Beale Street Love "s/t" MCD (self releaed)
Ich mag die Frau auf dem Cover, niedlicher Mund, küssen und so.
Beale Street Love sind eine noch weitgehend unbekannte Band aus New
Jersey und spielen auf dieser 5 Song Promo CD melodischen Indie-Rock
mit treibenden Gitarren und einem talentierten Sänger, der es beherrscht,
laut und kraftvoll, wie leise und sachte zu singen. Eigentlich gibt
es mehr nicht zu sagen, denn die 5 Herren scheinen bis jetzt alles richtig
zu machen und mit der richtigen Plattenfirma im Rücken kann das
doch was werden. "Our goal is to let the melodies take hold of
the song", so der Bassist John Michael Santora und daran halten
sich die Jungs auch.
Rating: 7/10
Berserk For Tea Time "Ink... And Paper" CD (Get A
Life! Records/ Saiko Records)
Lassen wir den Bandnamen aussen vor, so präsentieren Berserk For
Tea Time auf "Ink... And Paper" eine interessante Verquickung
von Stilen wie Jazz, Rock, Funk, Metal und eben Hardcore. Ihre Schweizer
Kollegen von Cortez fallen mir als Vergleich ein, und Pate haben sicherlich
auch die "Grossen" wie Botch oder The Dillinger Escape Plan
gestanden. Diese harten, technischen und komplexen Parts finde ich auch
gelungen, während die ruhigeren, leiseren Stellen mir persönlich
zu nichtssagend und weinerlich klingen. Auf erstere sollte sich die
Band konzentrieren und lieber ein knalliges, technisches und schizophren-durchgedrehtes
Album mit Jazz-Licks einspielen, denn das beherrschen sie, trotz des
stellenweise holprigen Charakters von "Ink... And Paper" schon
ganz gut. Das Artwork ist bis auf die Innenseite gelungen und nett abstrakt.
Rating: 7/10
BlindeKinder (helfen bauen) "s/t" CD (Everest Records)
BlindeKinder (helfen bauen) ist das Debut Album von Jonas Kocher und
Raphael Raccuia. Die 5 Stücke sind ein obskure Klangsammlung von
unüblichen Sound-Schnipseln, die wie die Musik zu einem seltsamen
Traumfilm wirken. Skurril, abwechslungsreich und voller klanglicher
Überraschungen. Jeder Hörer wird hierbei bestimmt einen ganzen
eigenen Höreindruck haben, der ebenso unterschiedliche Bilder entstehen
und assoziieren lässt. Dass diese Bilder kaum etwas mit der Realität
zu tun haben können versteht sich beim Hören fast von alleine.
Die entstehenden Bilder sind klanglich oft scharfkantig und unmittelbar,
was aber das Auge sieht ist durchweg verschwommen und wird zum einfachen
grauen Umriss, zur Fassade.
Rating: 7.5/10
B°TONG "s/t" 3 Inch CD-R (Verato Project)
Unheimliche, apokalyptische Horror-Reise durch düsterste elektronische
Gefilde. B°TONG klingt wirklich verstörend und unruhig, wie
ein fiebriger Traum in kaltem Schweiss. You picture it. Absolut negative,
50 Grad unter Null Noise-Geräusche. Wohnt hier der Teufel? Und
dabei sieht die 3 Inch CD so niedlich aus, aber was da einem in einer
guten Viertelstunde geboten wird, ist es definitiv nicht. B°TONG
klingt wie eine kalte Maschine deren einziges Ziel Zerstörung ist.
Die Maschine ist schon komplett verrostet, droht auseinanderzufallen.
Korrosion überall. Maschinenwelt. Bist du in dieser Matrix gefangen?
Rating; 6/10
Causa Sui "Free Ride" CD (Elektrohasch Schallplatten)
Die beigefügten Presseinfos beschreiben Causa Su so: "Stell
dir vor, Hendrix und Blue Cheer jammen zusammen mit dem jungen Iggy
Pop und abgemischt wird das ganze von den Jungs von Can." Hat was,
die Beschreibung. Die Band spielt auf ihrem Zweitling überzeugenden,
genreübergreifenden psychedelischen Rock, mit Druck und Groove.
Stellenweise schrauben und drehen sich die 7 Stücke in wilder Ekstase
nach oben, driften völlig ab ins Space-Gefilde und tanzen dann
frei und entrückt und völlig bekifft in den Sonnenuntergang.
Der Jam-Charakter der Stücke lässt den Hörer immer wieder
aufspringen und die Anlage noch lauter aufdrehen. Causa Sui machen Spass
und das vorliegende Album ist tatsächlich ein lebendiger, zeitloser
"freier Ritt" durch die vergangenen Jahrzehnte der Musikgeschichte.
Let the lava flow!!
Rating: 7/10
CTAICK
"Amur Region" CD-R (Verato Project) & CTACIK "In
Order To Prevent Sense" CD-R
CTACIK
ist dunkel as fuck und bewegt sich mit seinen Klangforschungen irgendwo
im Dark Ambient, Noise und Field Recordings Bereich. Weite mächtige
Klangfelder mischen sich mit nervtötenden Radiowellen und verschiedenen
Samples von Stimmen und Tieren, welche ineinander wallen- und wabern,
generiert durch synthetische Sounds. Dass hier keine schöne angenehme
Musik geschaffen wird, dürfte klar sein. CTAICK wirkt eher ungeschliffen,
dreckig und entfremdet von jeglicher menschlicher Kommunikation. Entstellte
Maschinen dominieren hier die Erde. Interessant wie verstörend.
Rating: 7/10
Dragontears "2000 Micrograms From Home" CD (Bad Afro Records)

"2000 Micrograms From Home" ist ein Jam-Album, das merkt man
gleich. Mitglieder von Baby Woodrose, On Trail und Spids Nogenhat haben
das Kopenhagener Projekt Dragontears gegründet und als erstes Lebenzeichen
6 psychedelische, Space-Stücke geschrieben, und in langen Jam-Sessions
aufgenommen. Schon der Opener "Microdot" hat was hypnotisches,
ein Eindruck, der sich im nächsten Stück "Borderline"
verfestigt und auch die weiteren Stücke überdauert. Mit der
laschen Faulheit von Kula Shaker und der psychedelischen Kraft der 70'er
Jahre ist "2000 Micrograms From Home" eine schwül-sumpfige
Angelgenheit zum Treiben- und völligen Hängenlassen des Seins.
Verträumte Psych-Momente hüllen den Hörer in einen seltsam-entspannten
Liebeskosmos ein, aus dem man nicht ganz so schnell entlassen werden
möchte. Orgeln, Wah-Wahgitarren, Autoharp, Tamburin, spaceige Klangcollagen
und Hintergrund-Percussion sowie der sanfte, treibende Gesang sind die
Hauptwerkzeuge für dieses völlig entspannte und fein gewebte
Klangreich. Need some drugs? Immer nur herein.
Rating: 7.5/10
Dyse "s/t" CD (Exile On Mainstream)
Bei Dyse bleibt kein Stein auf dem anderen, das holländische Duo,
benannt nach dem Dysecatmotel, kämpft mit aller Macht gegen eine
stagnierende (musikalische)Welt und ackert hier immer nach vorne, durch
einen sperrigen und knochigen Noise-Rock Batzten, der es dem Hörer
nicht leicht macht. Quälende Gitarren, Drums wie eine Abrissbirne
und dazu Geschrei, der völlig entartet und wirr klingt. Auf CD
durchaus nervtötend und schwierig, live aber bestimmt die Offenbahrung
für jeden von der Welt verlassenen und angepissten Noise-Rocker.
Dyse klingen auf ihrem selbstbetitelten fast 40 minütigen Debut-Album
knallhart und direkt. Sympathisch.
Rating: 6/10
Electric
Orange "Platte" CD (Sulatron Records)

Anno 2003 in Kleinstauflage auf Vinyl erschienen, gibt es diese Perle
an Neo- oder Nu-Kraturock nun auch endlich in digitaler Form auf CD.
"Platte" begeistert durch eine ruhige, reduzierte Struktur
die einen weiten Raum öffnet für meditative, schwebende Orgel/Synthie-Passagen
und monotonem, über Minuten gleich bleibenden Rhythmus der Drums.
"Holzbock" wirkt lauter, hat eine direktere Art, durch den
stampfenden, hölzernen Rhythmus. Die hypnotischen, kontemplativen
Orgelflächen werden ab und an durch verspieltere Parts unterbrochen.
Hier erscheint dann die Gitarrenarbeit deutlicher und tragender. Der
unterschwellige, schwüle und psychedelische Charakter der Stücke
lässt "Platte" wesentlich subtiler und verletzlicher
erscheinen als die früheren Arbeiten der Band. Als Referenzen zu
nennen sind Tangerine Dream, Popul Vuh und Can. Die 3 regulären
Stücke von "Platte" sind erweitert um die beiden Bonustracks
"Dedicated To MK" und "Flurstück". Der Improvisationscharakter
und die langen, ausladenden Jams lassen "Platte" in einem
völlig zeitlosen Kleid erscheinen, hier ist jeder Blick auf die
Uhr überflüssig und man sitzt praktisch irgendwo zurückversetzt
in den Siebzigern auf einem alten, zersessenen Ledersofa bei dämmrigem
Licht und nuckelt an seinem Longdrink herum. Für mich sind Electric
Orange der Bohren und der Club of Gore des Krautrock. Völlig gespannt
auf das neue Album der Band wartend verbleibt ein begeisterter Rezensent...
Rating: 8/10
End
Of Level Boss "Inside The Difference Engine" CD (Exile On
Mainstream)
End Of Level Boss aus London zelebrieren auf ihrem zweiten Album einen
schweren, organischen Leidensweg, der sich zäh und schleppend hinzieht
und ewig zu gehen scheint.
Dicker Wüsten-Rock a la Kyuss und noisiger, unruhiger Heavy Metal
bilden angenehme Kontrapunkte auf "Inside The Difference Engine"
und lassen selbst noch Raum für sphärische, uferlose musikalische
Momente. Bei diesen Momenten meint man gar, die CD sei hängengeblieben,
aber ein Blick auf's Display des CD-Spielers zeigt: alles Absicht. Einerseits
geben sich End Of Level Boss dadurch betont ruhig und bizarr, gar warm,
andererseits wird es nicht viel später wieder noisig-wüst
und wild. Unsane wie auch Voivod oder Helmet fallen als Referenzen ein.
Rating: 7/10
Eve And The Last Waltz "Straight Up To The Sky" CD
(Rhythm Ace Recordings)
Schon beim Lesen des Namens lief es mir eiskalt den Rücken herunter
und dieser Eindruck sollte sich noch zum Beinahe-Kollaps vertiefen,
als die Sängerin, Eva Lalander, mit ihrem super gepressten, kehligen
Gesang anfängt zu singen. Muss die Schmerzen haben. Grauenhaft.
Eve And The Last Waltz sind eine schwedische, fünfköpfige
Band und veröffentlichen mit "Straight Up To The Sky"
ihr drittes Album, das laut Presseblatt 9 "shiny new Songs taken
directly from first hand experiences from the surrounding world's slow
decay and fast transformations". Nun gut, auch bei so einem Satz
läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Soll hier mein Ratschlag
sein: Bitte geht sterben? Musikalisch wird dem Hörer dann auch
ein nervtötender Alternative/Country/Folk-Brei geboten Auch der
Einsatz der Hammond-Orgel rettet da nichts. Kurze Frage: Hat Frau Lalander
ihren Gesang beim Kacken aufgenommen? Sorry, aber das konnte ich mir
jetzt nicht verkneifen...
Rating: 3/10
Fear Falls Burning "The Rainbow Mirrors A Burning Heart"
LP (Auf Abwegen)
Hier haben wir das Konzert vom 13. Oktober 2006 im Kulturbunker Mullheim
zu Köln auf Vinyl gefasst. Äusserst minimal beginnt diese
dezent gestaltete LP, praktisch nur ein statischer Ton über Minuten.
Stichwort "Minimal Drone". Erst nach und nach werden einzelne
Akkorde angeschlagen und der kontemplative Charakter wird langsam und
allmählich dynamischer. Die zweite Seite beginnt, wie die erste
aufhörte und schraubt sich auch erst allmählich und gemächlich
ihrer Bestimmung zu. Ungleich verschrobener geht es hier zur Sache,
gespenstische Stimmungen entstehen, die Klangwand ist mystisch-schimmernd.
Die Akkorde werden zunehmend unruhiger, lauter und die Herangehensweise
ist direkter wie unmittelbarer. "The Rainbow Mirrors A Burning
Heart" ist eine gelungene und auf 300 Exemplare limitierte Veröffentlichung
und wahrscheinlich schon ausverkauft.
'
Rating: 7/10
Fear Fallls Burning "We Slowly Lift Ourselves From Dust" Picture
10" (A Silent Place)
"We Slowly Lift Ourselves From Dust" entält 2 Stücke
und 28 Minuten unveröffentlichter Drones von Fear Falls Burning.
Bereits 2005 aufgenommen, erscheint "We Slowly Lift Ourselves From
Dust" erst jetzt auf dem italienischen A Silent Place Label. Die
Aufmachung ist edel und überzeugt durch die bedruckte Abspielfläche
des 10 Zoll Vinyls. Abgebildet sind makroskopische und abstrakte Aufnahmen
von Martina Verhoeven. Ist die erste Seite fast mit einer punkigen,
rauhen Stimmung ausgestattet, so wirkt die zweite Seite mehr wie eine
krautige Spacedrone mit einer variierenden Intensität. Klanglich
knüpft sich die 10" auch zu Beginn an die oben besprochene
"The Rainbow Mirrors A Burning Heart" LP an. Der Charakter
der beiden auf "We Slowly Lift Ourselves From Dust" enthaltenen
Tracks ist unmittelbar und ungeschönt. Nicht verwunderlich, denn
beide Stücke wurden nicht nachbearbeitet, sondern einfach wie sie
sind zur weiteren Dokumentation des Live-Charakters der 10" verwendet.
Rating: 8/10
Fear
Falls Burning/ Nadja "s/t" CD (Conspiracy Records)
Mit dieser CD kommt nun nach der letztjährigen, limitierten LP
die zweite Zusammenarbeit von Dirk Serries aka Fear Falls Burning und
Aidan Baker und Leah Buckareff als Nadja. Ähnlich wie die LP, bietet
dieses Gemeinschaftsprojekt 4 epische, pulsierende und dynamische Drone-Stücke
mit mutigen, weiten Klangflächen, grosser atmosphärischer
Dichte und üppigem ausladendem Raum. Psychedelische Halluzinationen
wie rauschhafte Träume finden ebenso ihren Raum auf diesem selbstbetiteltem
Album wie die zahlreichen okkult-gespenstischen und melancholischen
Momente, die von Nadja eingebracht werden. Das Album erscheint in einem
zurückhaltend gestalteten Digipack und ist auf 1000 Exemplare limitiert.
Damit wird eine Reihe von Veröffentlichungen von Fear Falls Burning
auf Conspiracy eingeläutet, als nächstes stehen die FFB/ Birchville
Cat Motel CD an, ebenso wie das nächste reguläre FFB Album
Anfang 2008.
Rating:
8/10
Goon Moon "Licker's Last Leg" CD (Ipecac Recordings)
Goon Moon ist ein All-Star Ding, das aus Jeordie White aka Twiggy Ramirez
von Marilyn Manson, Nine Inch Nails und Chris Goon, dem Frontman der
Masters Of Reality und dem Produzenten von Acts wie Kyuss, Queens Of
The Stone Age besteht. Musikalisch ist "Licker's Last Leg"
ein buntes Spektakel und Potpourri. Man erkennt etwas von den oben genannten
Bands im Sound von Goon Moon, ebenso wie von den neuen Folk Acts, wie
Devendra Banhart oder Johanna Newsom. Ausserdem spielen auf "Licker's
Last Leg" mit: Zach Hill (Hella), Josh Freese (The Vandals, A Perfect
Circle, Nine Inch Nails), Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Dave
Catching (Eagles Of Death Metal, Mondo Generator), Whitey Kirst (Iggy
Pop) und Peter Perdichizzi von The Flys. Durchaus eine interessante
und beeindruckende Liste an Namen, die für ein ebenso interessantes,
wie vielseitiges fast 55 minütiges Album stehen. Um mit Name-dropping
zu schliessen: Das gelungene Artwork stammt von Mackie Osbourne, der
fast alle Melvins Plattens seit 1994 gestaltet hat.
Rating: 8/10
Hero Dishonest "When The Shit Hits The Man" CD (Sabotage Records)
Geiles Finnen-Filet aus 21 Trash Stücken die durchweg arschtreten
und knallen. Hero Dishonest veröffentlichen nach über 300
Live-Shows mit "When The Shit Hits The Man ihr 4. Album und präsentieren
sich "tighter" und geschmeidiger denn je: hier wird nicht
nur stumpf nach vorne geballert, nein, sondern auch mal Raum und Luft
gegeben für 30 Jahre Punk Geschichte, in der ja bekanntlich viel
Platz hat: Black Flag, die Big Boys und Wrangler Brutes. Hero Dishonest
sind Hardcore-Punk mit Nuancen und allerlei wilden Drehungen, Wendungen
und genialen Rhythmen die schon tief verwurzelt im originalen US-Hardcore
verwurzelt scheinen. Das Artwork passt perfekt und das dicke Booklet
enthält die sarkastischen Lyrics von "When The Shit Hits The
Man".
Rating: 8/10
Insense "The Silent Epidemic" CD (Black Balloon Records)

Hier wird ein ganz schöner Dampfhammer losgelassen, der durch die
technische Finesse wie sie auch Bands wie The Dillinger Escape Plan
haben, besticht. Aber auch "moderne" Metal- Elemente (cleaner
Gesang, abgehackte Rhythmen etc.) von Bands wie Slipknot oder den angesagten
Nu-Metal Kapellen, zeichnen Insense aus. Und das, ohne nach Kopie zu
klingen. "The Silent Epidemic" ist also ziemlich vielfältig
und wird über die Spanne von 10 Songs nicht langweilig. Die Devise
lautet auch durchweg: Angriff! Insense zeichnet einerseits die Schnelligkeit
und Präzision der knallharten Stücke aus. Sie können
daher voller Wut und Rage zerfahren nach vorne preschen, andererseits
jedoch ist da Raum für seichtere Melodien mit klarem Gesang, melodischen
Riffs- und Leads. Das Artwork ist schön fies: Der Bauch eines Mannes
bricht auf und allerlei Gewürm und Schlangen bahnen sich ihren
Weg nach aussen. Dem Herren, dem das geschieht, scheint es zu gefallen,
oder wie ist sonst sein diabolisches Grinsen zu deuten?
Rating: 7/10
Josiah "No Time" CD (Elektrohasch Schallplatten)

Josiah bringen mit "No Time" einen dicken Brocken Fuzzrock
heraus, der unbedingt laut gehört werden will. Schon das klassische
Heavy Metal Artwork, vollkommen in Schwarz/ Weiss gehalten, stösst
bei mir auf pure Verzückung. Tonnenschwere Riffs, eine knöchern-trockene
Aufnahme und reichlich 70'er Heavy Metal Feeling sorgen für die
musikalische Begeisterung. Den Highway runter, Dosenbier, Trucks'n'Harleys
überall. Abendstimmung. Und ab in den Sonnenuntergang geht's. "No
Time" strahlt eine gewisse Kompromisslosigkeit aus, denn es scheint,
als schere sich das Trio aus England nun mal gar nicht um irgendwelche
Attitüden, hier geht es nur um die Liebe zum schweren Rock. Die
dunklen Lyrics der 9 Stücke geben dem Album noch die nötige
apokalyptische Würze. Die beiden ersten Josiah Alben, der selbstbetitelte
Erstling, sowie "Into The Outside" werden wegen der grossen
Nachfrage im Juli von Elektrohasch wieder veröffentlicht. Die Band
befindet sich in den nächsten Wochen und Monaten auf ausgedehnter
Europatour.
Rating: 8/10
Malkovich "Kings N' Bosses" CD (Go Kart Records Europe)
Malkovich entziehen sich beharrlich jeglicher Kategorisierung und haben
es dadurch vielleicht schwerer einen festen Platz in einer Szene zu
finden. Nach Reflections sind die 5 sympathischen Holländer nun
bei Go-Kart Records gelandet und veröffentlichen mit "Kings
N' Bosses" ein dynamisches, eingängiges und abwechslungsreiches
neues Album mit 12 Stücken. Lustig, nach wie vor tragen die Lieder
keine Titel sondern sind nur schlicht durchnumeriert, im Fall von "Kings
N' Bosses" heisst das Nummer 042 bis 047, was vermutlich für
die Gesamtzahl an geschrieben Songs steht. Malkovich vereinen auf "Kings
N' Bosses" gekonnt Elemente aus verschiedenen Genres wie Hardcore,
Punk, Metal, Rock und sogar Jazz. Immer wieder erinnert die Band an
Refused, was aber keineswegs nach einer plumpen Kopie klingt, sondern
eher auf die Art des Songwriting verweist. Dass auch nerviger Techno
mit in die Musik einfliesst um nach kurzem Beatintermezzo voll nach
vorne loszurocken, unterstreicht zwar den Spass-Faktor und Party-Charakter
des Albums, hätte aber meiner Meinung nach nicht sein müssen.
Rating: 7/10
Mathon "Muntsuleij" CD (Everest Records)
Mathon ist ein auf über 1500 Metern gelegenes Dorf in den Schweizer
Bergen mit einem unvergleichlichen Ausblick auf die Schweizer Alpen.
Seit dem Jahr 2003 besucht "Aurel" Leuenberger den stillen
Ort immer wieder mit verschiedenen Musikern, um, inspiriert von der
Umgebung, Musik aufzunehmen. Die 5 enthaltenen Stücke auf "Muntsuleij"
wurden im März 2006 mit Thomas Augustiny, Markus Koller und Roger
Stucki aufgenommen. Sie reflektieren den Einfluss der kalten, verschneiten
Berglandschaft unmittelbar in mächtigen, nebligen wie hochaufgetürmten,
von monströsen Wolken verhangenen, Klangbildern. Die Stimmung der
fünf Ambient- und Drone-Stücke ist eiskalt. Dumpfe Schläge
und Knacken hören sich an wie tiefe Gebirgshöhlen in denen
das Eis bricht, sich Lawinen mächtige Abhänge hinunterstürzen
oder sich plötzlich der Wind dreht und in Sekunden die Berge von
Wolken verhangen sind und ein Schneesturm losbricht. Teilweise wirken
die Klänge wie ein Schneegrab: Da liegt man unter dem Schnee begraben
und hört nichts als die Geräusche der Natur, die einen in
ihren Klauen hat. Klaustrophobische Zustände vermengt mit weiten
Panoramabildern und gleißendem Licht. Grandios.
Rating: 8/10
Neurosis "Given To The Rising" CD (Neurot Recordings)
Eines vorweg, der Soloauftritt von Steve von Till im Rahmen seiner Promo-Tour
Anfang April unter dem Harvestman-Banner hat mich eher enttäuscht,
wie begeistert. War noch das anfängliche Material seiner zwei Solo-Alben
atmosphärisch und durchaus überzeugend, so waren die anschliessenden
Stücke aus dem Harvestman-Repertoire eine komplette Blamage für
den Herren, da er praktisch nichts seiner "Lashing The Rye"
CD live umsetzen konnte. Und ganz ehrlich, diese ewige "Blut-Fluss-Ahnen-Symbolik"
fängt mich langsam auch an zu nerven. Und auch wenn "Given
To The Rising" überzeugend ist; es sind eben Neurosis und
die erfinden sich nach über 20 Jahren auch nicht mehr neu. Klar,
müssen sie auch nicht. "Given To The Rising" wirkt wieder
direkter, erdiger und ein Tick schwerer wie der Vorgänger. Die
Band scheint die Langsamkeit neu entdeckt zu haben. Langsam, zäh
und psychedelisch klingt "Given To The Rising". Diese psychedelischeren
Elemente sind neben der rohen Ungehobeltheit im Sinne vom Klassiker-Album
"Enemy Of The Sun" die Neuerungen zum Vorgänger "In
The Eye Of Every Storm". Mit "Given To The Rising" meldet
sich die Band einmal mehr als absolut markant, durchschlagend und mächtig
zurück und wird somit kaum einen der zahlreichen Fans enttäuschen.
Wie viele Alben braucht man noch von den Berufsneurotikern!?
Rating: 7/10
Nine "It's Your Funeral" CD (Spinefarm Records)
Einsame Wiese, kahle Bäume, vertrocknetes Gras. Wer hat mich herbestellt?
Zack, neben mir fährt ein Spaten in die Erde. Shit man, woher kommt
denn der? Ok, der Sensenmann ist da. Alles klar. So einfach, so lakonisch
steckt da der Spaten neben mir in der Erde. Weit und breit niemand zu
sehen, aber ich spüre, er ist da. Graben anfangen, die oberste
Schicht ist durch das lange Gras vom letzten Sommer zäh, die Erde
gefroren. Bald kommt Schnee. Ich hacke mich durch. Verzweiflung, verdammt
warum ich? Hilft nichts, weitermachen, das Leben noch ein letztes Mal
am Schlawittchen packen. Wurzelwerk, ich brauche meine ganze Kraft.
Die Hände platzen auf, Blutschlieren am Griff des Spatens. Scheisse
zwar, aber nicht nur das tut mir weh. Haufenweise weiche Erde, immer
nur heraus damit, das Loch ist noch nicht tief genug, nicht weit genug,
nicht breit genug. Schweiss und Angst. Tränen und Blut. Die letzte
Wut. Es ist deine Beerdigung, also mach' dich bereit. Und noch was,
die Beerdigung ist um neun... Ok, Scheisse Mann, das war klar.
Rating: 7.5/10
Oh Lucky Star "A Place In The Sun" CD (Rhythm Ace Recordings)
Oh Lucky Star machen sperrige, verschrobene Instrumentalmusik, die man
am besten mit Filmmusik zu irgendwelchen "Tarantino-Style-Movies"
vergleichen könnte. Die 10 Stücke sind allesamt dynamisch,
druckvoll und meist so mitreissend, dass man das Interesse an "A
Place In The Sun" nicht verliert. Zahlreiche Einflüsse und
Stile wie Country oder afrikanische Gitarrenmusik hört man heraus.
Die musikalischen Landschaften, welche die Band kreiert erinnern an
weite Steppen, trockene Erde, staubige Luft und karge Buschlandschaft.
Manchmal unterliegt den Songs so ein seltsame Beschwingtheit (hat was
von schwarzem Humor) die darauf verweist, dass es der Band bestimmt
Spass macht, zu dritt live zu spielen und sich gegenseitig mitzureissen.
Der legendäre Jim Diamond (Dirtbombs, White Stripes) ist von Oh
Lucky Star so begeistert, dass er direkt Interesse angemeldet hat, die
Band zu produzieren. Das Artwork ist Understatement pur und das Gelbgrün
des Covers zeigt auch visuell die verschrobene, sperrige aber charmante
Haltung von "A Place In The Sun" an.
Rating: 7/10
Or,
The Whale "Light Poles and Pines" CD (self released)
Or, The Whale haben sich im Jahr 2005 in San Francisco, CA gegründet
und für ihr relativ junges Bestehen schafft es die aus 7 Leuten
bestehende Band recht abwechslungsreiche, dynamische und vielfältige
Lieder zu schreiben. "Light Poles and Pines" ist im weiteren
Sinne epischer, schöner Indie Rock Pop mit einem Hang zu traditioneller
amerikanischer Folk- und Country Musik. Or, The Whale vermitteln mit
ihrem Debüt Album beides: Gefühl und Gespür für
Harmonien die den Hörer einnehmen, wie auch das Spiel mit den lauten
Tönen und direkteren, intensiveren Rock'n'Roll'n'Country Melodien,
die wie ein Auftritt in einer Bar wirken. Clichéhaft wirken Or,
The Whale dabei nicht, was sie um so interessanter, authentischer und
"frischer" macht. Die CD ist in ein Digipack gefasst, welches
optisch die die Country-Seite der Band schön interpretiert und
wiedergibt. "Light Poles and Pines" wurde von der Band selber
veröffentlicht und ist über orthewhale.com zu erstehen.
Rating: 7.5/10
The
Blackout Argument "Munich Angst" MCD + "Munich Valor"
MCD (Bastardized Recordings
Auch wenn
auf diesen beiden EPs sicher nichts neu erfunden wird, macht The Blackout
Argument Spass. "Munich Angst" die Debut EP der Band um ehemalige
Mitglieder von Paint The Town Red und Flyswatter bietet 5 kleine Hardcore
Granaten, die um allerlei moderne, melodische Facetten erweitert werden.
The Blackout Argument schaffen es auf jeden Fall, ein homogenes Gesamtbild
abzugeben, das mitreisst und Stimmung macht. Gesanglich erinnert mich
"Munich Angst" auch an Boy Sets Fire, ein Eindruck, der sich
auf der anderen, neueren EP "Munich Valor" noch verstärkt.
Während das Debut Album der Band bei Lifeforce Records erscheinen
wird, bringt Bastardized die einst bei Engineer in England erschienene
erste EP der Band, sowie "Munich Valor" mit 6 neuen Stücken
heraus. Diese sind dann doch etwas anders, The Blackout Argument haben
sich neu positioniert und liefern härtere, harschere Stücke,
die prägnant und nach vorne gespielt sind. Gefällt mir besser,
da sich die Band wesentlich spielfreudiger und energetischer zeigen.
Der geschriene Gesang hat auch zugelegt und die gesamte stimmliche Performance
wirkt bissiger, aggressiver und der cleane Gesang besser integriert.
Die Frage ist nur, ob The Blackout Argument dieses hier gezeigte Potential
auch über Albumlänge geschickt und intelligent halten können.
Hier jedenfalls gelingt es über die Länge von 5 Songs plus
Intro.
Rating: 7/10
Tomahawk "Anonymous" CD (Ipecac Recordings)
Zum Trio geschrumpft veröffentlichen die Herren Duane Denison (Jesus
Lizard), John Stanier (Battles, Ex-Helmet) und Mike Patton (Faith No
More, Fantomas...) ein ungewöhnliches Album, das diesmal dem Bandnamen
alle Ehre macht und sich wirklich mit indianischer Musik des frühen
20. Jahrhunderts befasst. Musikalisch ganz anders wie die Vorgänger-Alben,
aber trotzdem exzellent: Man könnte "Anonymous" gar als
Fantomas auf Reisen in den ewigen Jagdgründen sehen. Die 13 Stücke
sind von Pattons einzigartiger Stimme geprägt, die düster
indianische Gesänge zelebriert und interpretiert. Beim ersten Mal
noch für etwas nervig befunden, bleiben die Songs nach mehrfachem
Hören durchaus mit Wiedererkennungswert in den Gehörgängen
hängen. "Anonymous", der Albumtitel verweist auf die
zahlreichen unbekannten Quellen, aus denen diese indianischen Lieder
stammen. Tomahwak haben die Grundstrukturen und Themen verwendet, wie
sie beispielsweise von Natalie Curtis Burlin, die mit den Hopi Indianern
gearbeitet hat, übersetzt worden sind."Anonymous" ist
dabei sehr facetten- und abwechslungsreich, frisch etc. und man hätte
mit solch einem Album wohl kaum gerechnet.
Rating: 8/10
Unicorn/ Torso "s/t" CD (Divorce Records)
Diese Split CD ist Klangterrorismus der krasseren Sorte. Schon beim
ersten Track der CD von Torso geht einem der Arsch auf Grundeis. Ohne
Scheiss. Man stelle sich das Gekreische von Steve Austin von Today Is
The Day auf der "In The Eyes Of God", nur potenziert, quasi
auf Acid und Speed. Und das, unterlegt von fiesem, manipuliertem, kaum
ertragbarem, PC-generiertem, brutalem (White)Noise und von Tonnen von
Electronics. Herrlich erschreckend wie beeindruckend. Today Is The Day
auf Acid meets die Powerdrones von Skullflower. Hinter Torso verbirgt
sich der "Musiker" Sandy Saunders aus Kanada. Unicorn hingegen
ist das Baby des US-amerikanischen Sound-Veteranen Bill Nelson von Bastard
Noise und Sleestak. Sein Teil der CD ist ein netter, ruhigerer aber
düsterer Ausgleich zu Torso. Weiter Raum, Drones und feine elektronische
Spielereien. Die über 70 minütige CD erkundet auf intelligente
Weise das Gebiet von minimalen Drones und harschem, kraftvoll-brutalem
Noise. Das Artwork der CD ist auf braunen Karton gedruckt und wirkt
fast wie eine ruhige Fassung, um all das in Zaum zu halten was auf der
CD wiederum klanglich losgelassen wird. "Human sickness, Eyes of
hate, Running faster, Can't escape. In Solitude, i ease the pain, Knife
and violence, Black blood rain.
Rating: 8.5/10
Unsane "Visqueen" CD (Ipecac Recordings)
Unsane sind eine unermüdliche Band, die seit 1988 stetig und unablässig
ihren Weg geht und alle paar Jahre durch eine neue Platte von sich Reden
macht. Ihr schwerer Noise-Rock ist dabei zu ihrem unverwechselbaren
Kennzeichen geworden. Alben wie "Scattered, Smothered & Covered"
und "Occupational Hazard" gehören dabei zu den Highlights
der Band- Geschichte. Nachdem sie zuletzt auf Relapse mit "Blood
Run" doch etwas stagniert haben, überzeugt "Visqueen"
mit seinem fast 45 Minuten- verquertem Noise-Rock wieder voll und ganz.
Es ist direkt, ungeschliffen und klingt mindestens so kalt wie eine
gefrorene Leiche im Eisschrank im Keller... "Visqueen" wird
neue wie alte Fans begeistern und die wichtige Position der Band im
Underground noch weiter untermauern. Abzüge gibt es für das
fehlende Booklet und die dürftige Aufmachung.
Rating: 8/10
Wäldchengarten "Reservatet" CD-R (Verato Project)
Wäldchengarten ist der Soundtrack zu Teilen des Buches "Reservatet"
von Christian Haun. Wäldchengarten kommen aus Dänemark. Die
Musik dazu ist ein einziges, 30 minütiges Drone-Stück. Es
ist ausufernd, weit, laut und eher schwer wie schimmernd und licht.
Es hat etwas von Post-Rock und wirkt erdig und dann und wann psychedelisch.
Das Artwork suggeriert eher, dass es sich bei der CD um den Soundtrack
zu einem Film handelt, auf der Innenseite des Booklets sind Auszüge
aus dem Buch von Christian Haun abgedruckt.
Rating: 6.5/10
V/A
Expedition_2 "s/t" CD (Everest Records)
Die Expedition_2 Compilation gibt einen ausgezeichneten Eindruck über
das aktuelle und künftige Programm des (Schweizer) Everest Labels
in Sachen zeitgenössischer elektronischer Musik und Drones. Die
partizipierenden Künstler sind wie folgt: Alphatronic, D'incise,
[sic], Meienberg, Softland, Falls Of Mute, Hopen, Jotta, Paral-lel,
OP Rechts/ matu, Eakui, TSUKI, Steinbrüchel, Uniform und Misel
Quitno. Das "Schlachthaus-Artwork" ist einigermassen roh und
brutal, passt aber irgendwie bestens zu den 15 relaxten Tracks auf "
Expedition_2".
Rating: 8/10
Reviews - Summer 2007
108
"A New Beat From A Dead Heart" CD (Deathwish Music)

Nach der Diskographie CD im letzten Jahr und der limitierten Demo CD
zur letzt jährigen Tour hier nun nach über 10 Jahren ein neues
Studio Album von 108. Die Band zeigt sich 2007 weit nicht mehr so ideologisch
und extrem wie einst, denn viel hat sich verändert im Leben der
Herren, was sich auch optisch bemerkbar macht. Robert Fish hat einiges
an Gewicht zugelegt und Vic, der alte Verwandlungskünstler sieht
fast aus wie eine Transe. Bis auf den noch relativ jungen Drummer, Tom
Hogan, ist108 im Original Line-Up, bestehend aus Vic DiCara, Rob Fish
und Tim Cohen. Einigermassen skeptisch war ich ja schon, denn oft geht
das Experiment einer Wiedervereinigung nach langer Zeit schief. Nicht
so bei 108. Die Band veröffentlicht mit "A New Beat From A
Dead Heart" ein absolutes Kraftpaket, das mit viel Geschick und
Können überzeugt. Vertrackter, noisiger Hardcore mit brachialer
Energie, der über die 13 Stücke nicht langweilig wird. Überraschend
gut. Auch die Produktion von Kurt Ballou (Converge) ist kraftvoll, leicht
dreckig und schön rauh. Präzise und intelligent gleichermassen.
Die Texte sind intelligent-kritisch und haben eine gar poetische Dimension
und sorgen auch 2007 dafür, dass 108 eine Band mit Message sind,
die aber weit angenehmer schmeckt wie damals zur Hochphase der Krishna-Core
Bewegung.
Musikalische Einflüsse lassen sich auch erkennen, etwas Converge
in den chaotischen Teilen, Refused und Melodien die an Fugazi und Bad
Brains erinnern, wie etwa in "We Walk Through Walls". Die
Metal Attacke von Song namens "My Redemption Song" erinnert
stark an die 90'er und Bands wie Morning Again. Insgesamt haben diese
neuen 108 Stücke auch viel von Robert Fishs Band die er nach der
Auflösung von 108 gründete, The Judas Factor. Bleibt noch
das Artwork zu erwähnen, dass von Jacob Bannon (Converge) stammt.
Sicherlich gelungen, aber dennoch langweilig. Zu durchschaubar präsentiert
der talentierte Designer Bannon in letzter Zeit seine Arbeiten. Und
auch die Jungs von 108 müssen hierbei kritisiert werden: Jetzt
nach der ganzen langen Zeit wäre auch endlich die Möglichkeit
gegeben, sich im Artwork des Albums von dieser langweiligen, klischeehaften
indischen Krishna Symbolik zu verabschieden. Trotzdem, 108 haben sich
mit "A New Beat From A Dead Heart" wieder eindrucksvoll zurückgemeldet.
Rating: 8/10
AMP
"All Of Yesterday Tomorrow" 3xCD (RROOPP)
AMP haben sich in ihrer 15 jährigen Existenz immer als Experimentierfeld
und Garant für zeitgenössische und experimentelle Musik verstanden
und etabliert. Die Band um Richard Amp und viele, wechselnde Mitglieder
veröffentlicht mit der fulminanten 3xCD "All Of Yesterday
Tomorrow 38 Stücke, die den Bogen um eine ganze Dekade spannen;
für die Gesamtheit des AMP Oeuvre stehen. "All Of Yesterday
Tomorrow" beinhaltet dabei 12 unveröffentlichte Stücke,
verschiedene Alternativ-Versionen, Outtakes, sowie die Tracks des ausverkauften
Single-Albums "Passé, Présent" (1998), einige
Vinyl-Only-Tracks sowie Sampler Beiträge. Die 3 Cds kommen in einem
wahrhaft dicken Digipack, der auch noch ein beinahe ebenso dickes, zwanzigseitiges
Booklet mit vielen Fotos, Beiträgen, Diskographie und Biographie
enthält. Das Digipack ist stilvoll und detailliert gestaltet. Musikalisch
wird soviel geboten, dass dafür die kurze Besprechung und der Wortschatz
des nichtigen Rezensenten kaum ausreicht: Hier spielt man sich durch
sämtliche Genres des Experimentellen, von A wie Ambient, über
E wie Elektronica, F wie Field Recordings, P wie Postrock oder S wie
Spacerock. Die Vielseitigkeit und Ideenvielfalt überrascht mich
dabei immer wieder auf das Neue, und lässt "All Of Yesterday
Tomorrow" zu einem gar unerschöpflichen Quell werden, den
es immer wieder neu zu entdecken und entschlüsseln gilt. Wunderbar.
Rating: 8/10
Chang FFOS "Trust This Arcane Device" CD (Moonlee Records)

Chang FFOS geben auf "Trust This Arcane Device" richtig Gas
mit einer intelligent und kraftvoll umgesetzten Mischung aus schwerem
Rock mit verschiedenen Einflüssen aus psychedelischem Rock, Sludge,
Doom, Noise und Wüsten-Rock. Dabei klingen sie, oder anders; ist
die Herangehensweise nicht unähnlich wie es die grossen Vorbilder
seit Jahr und Tag machen: Die Schwere und groovige Zerfahrenheit von
Neurosis, den stetig andauernden Energiepegel von Converge, die Durchgeknalltheit
von Kiss It Goodbye und Today Is The Day. All das findet man zuhauf
auf "Trust This Arcane Device" wieder. Und über allem
ein stetiges, breites Band aus kraftvollem Wüstenrock, Kyuss lassen
hier grüssen. Man sieht, ein Haufen Namen die hier genannt werden,
aber Chang FFOS schaffen es mit ihrem Sound tatsächlich von jeder
genannten Band etwas mit in ihre Musik einfliessen zu lassen. Und nichts
davon klingt kopiert. Heavyiness, Durchschlagkraft und Intelligenz über
die volle Spielzeit fast 47 Minuten.
Rating: 7/10
COG "Curseoverground" CD (Moonlee Records)
COG sind eine Band aus Osijek, Kroatien, die schon seit 1997 besteht.
Mir bislang allerdings unbekannt. Mit Sicherheit kann man sagen, dass
COG zu den besseren Bands im Bereich des Noise-Rock in Kroatien gehören.
Ihre Musik klingt dynamisch und spröde-abgehackt. Fesselndes Drumming,
dichter, wummernder Bass und lockere, hektische Gitarrenarbeit und der
melodisch-jammernde Gesang machen COG "Curseoverground" zu
einem Gesamtpaket aus 9 Stücken, dass mitunter sogar Shellac meets
Slinth Momente versprüht. Dass offensichtlichste Manko für
mich ganz persönlich ist die eher unterirdische Produktion. Sie
klingt zu dünn, zu metallisch... irgendwie meint man alles durch
ein Dachrinnenrohr zu hören.
Rating: 6/10
Hemlock "Bleed The Dream" CD (Candlelight Records)

Hemlock kommen aus Las Vegas, Nevada. Dort sind sie aber selten anzutreffen,
denn die Band geht lieber mit Acts wie Slayer, Hatebreed, Soulfly, Slipknot,
Sepulture und anderen Metal-Kapellen auf Tour. Musikalisch liegen dann
auch die 12 auf "Bleed The Dream" enthaltenen Stücke
irgendwo in diesem Terrain. Brutaler Metal, mit vielen Breakdowns und
melodischen Hooks (so they say...). Hemlock gehen einerseits und zumindest
teilweise schon gewitzt zur Sache, was "Bleed The Dream" etwas
metallerne Würze verleiht, andererseits ertrinkt die Band absolut
in den ganzen Klischees, die man sich nur so vorstellen kann und aus
dem Bereich zur Genüge kennt. Bis zur Kreativität ist es noch
ein weiter Weg. Live zündet Hemlock vor dem geneigten Publikum
bestimmt und kommen richtig... sagen wir "dick" rüber.
Rating: 5/10
Kiss The Anus Of A Black Cat "Turn Hegel On Your Head" 7"
(Implied Sound)

Folk is the new black! Gut, über den Namen lässt sich streiten,
aber die Musik ist ganz wunderbar. Kiss The Anus Of A Black Cat, das
Projekt um den Belgier Stef Irritant veröffentlicht nach 2 CD-Alben
auf Kraak nun eine erste Veröffentlichung auf Vinyl. Die 7"
Single enthält 2 Stücke, das erste fängt langsam und
steigert sich mit brodelndem, sich wiederholendem Singsang. Ein sehr
schönes, emotionsgeladenes Stück. Auch der Text. Erinnert
mich vom Gesang her an Current 93. Black Folk at its best. Besonders
schön und gelungen auch der Hintergrund Gesang/Chor. Das zweite
Stück ist etwas ruhiger und zerfahrener. Es strahlt eine eigentümliche
Melancholie aus, ist subtiler und langsamer. Das dezente Artwork, passend
zum weissen Vinyl stammt von Kristof Meers' Serie "The Inversion
of Hierachy". Kiss The Anus Of A Black Cat werde ich auf jedem
Fall im Auge behalten bzw. mir die beiden Alben anhören.
Rating: 8/10
Kongh "Counting Heartbeats" CD (Trust No One Recordings)
Kongh aus Schweden waren mir zuvor komplett unbekannt und doch ist "Counting
Heartbeats" das Beste, was ich seit Ewigkeiten gehört habe.
Das, was diese Platte so gut macht, ist, dass man sie nicht wirklich
fassen kann - vergeblich der Versuch, sie in eine Schublade stecken
zu wollen. Gewisse Referenzen liegen dennoch nahe: das Label von Tim
Bertilsson von Switchblade, Artwork von Seldon Hunt und man kann sich
schon ungefähr vorstellen, was dann auch musikalisch passiert.
Dabei wirken Kongh aber gleichzeitig frischer und "traditioneller"
als das meiste, was ich in letzter Zeit gehört habe. Irgendwo passen
Vergleiche mit Bands wie High On Fire, Neurosis, Mastodon oder Isis.
Vielleicht jedoch mehr in Bezug auf die Art und Weise wie diese sich
versuchen, als dass "Counting Heartbeats" nur ein irgendwie
zusammengebasteltes Plagiat wäre. Keiner der 5 Songs hat eine Spielzeit
unter 10 Minuten und die Produktion klingt unglaublich klar, direkt,
eindringlich. Kongh verstehen es mit ihrer Musik Landschaften entstehen
und wieder verschwinden zu lassen, ohne dass die einzelnen recht heterogenen
Stücke in Widerspruch zu einander geraten. Vor allem die clean-gespielten
Teile sind nicht nur ein Mittel, um sie danach, verzerrt und pseudobombastisch,
wie das so oft der Fall ist, aufzubauschen, sondern gerade diese machen
die Stücke äußerst dynamisch, und verleihen ihnen eine
neue Klangfarbe, ohne mit der Grundstimmung der Musik zu brechen. Insgesamt
ein äußert abwechslungsreich, mitreissend und konsequent
gespieltes und produziertes Album.
Anspieltip: "Adapt The Void".
Rating: 9/10
-Rezensiert von S. Schauber
New Idea Society "The World Is Bright And Lonely"
CD (Exotic Fever Records)
New Idea Society ist ja bekanntlich das Baby von Mike Law von Eulcid
und unterstützend von Stephen Brodsky (Cave In). Irgendwie hatte
ich auch angenommen, dass man Brodsky auch gelegentlich singen hört,
was aber nicht der Fall ist. Auch nicht weiter tragisch, da "The
World Is Bright And Lonely" auch so ein spannendes, interessantes
Album ist. Der grösste Pluspunkt liegt in der warmen Aufnahme,
die auch ohne Schnickschnack live gemeinsam eingespielt wurde. Nicht
zuletzt dadurch liegt über dem Album so eine gewisse 60'ies Stimmung,
Die 12 Stücke sind allesamt um die Lyrics von Mike Law gestrickt.
Ist man einerseits erstaunt über die simple Herangehensweise im
Songwriting, so überzeugt andererseits die Eingängigkeit und
Treffsicherheit der Lieder. Die Komplexität der Stücke offenbart
sich erst nach ein, zwei Durchgängen. "The World Is Bright
And Lonely" ist ein warmes, energetisch-geladenes und melodiös-kraftvolles
Album. Es fliesst von Anfang bis zum Ende. Die Aufmachung ist relativ
einfach und unspektakulär, aber die rot-gelben Farbtöne nehmen
die warme Live-Stimmung und das 60'ies Gefühl der Songs auf und
strahlen es visuell ab.
Rating: 7.5/10
NID "Solar Flare" (Verato Project)
NID ist ein weitgehend anonymer Zusammenschluss aus 3 Leuten, die hier
musikalisch die Entfernung von Basel, Bremen und München überbrücken.
"Solar Flare" ist eine atmosphärisch dichte und dunkle
Angelegenheit. Ein weites, flächiges Panorama wechselt mit wabernden,
schwülen "Urwald"-Momenten. Die 7 auf "Solar Flare"
präsentierten Ambiancen überzeugen auf jeden Fall, eine Live
Beschauung wäre sicherlich interessant. "A solar flare occurs
when magnetic energy that has built up in the solar atmosphere is suddenly
released." Mehr dazu im Booklet der limitierten CD Veröffentlichung.
Rating: 7/10
Ninth Desert "Collision H" 3" CD-R (Verato Project)
"Collision H" enthält eine lange, 20 minütige Soundcollage
die ziemlich dunkel und tief erscheint. Feld-Aufnahmen, rabenschwarze
Ambiancen und schwere elektronische Frequenzen wabern und brodeln irgendwo
ganz weit unten im Berg herum. Nur ein leichtes Drönen erinnert
immer wieder an diesen Klangkanal, der so dunkel und trostlos ist, dass
man, wenn man ihn entdeckt hat, auf keinen Fall hinuntersteigen möchte.
Die Aufmachung hingegen ist hell und simpel. Die kleine 3 Zoll CD-R
ist in eine schöne Kartonhülle zum aufklappen eingefasst.
Eine gelungene Veröffentlichung.
Rating: 7/10
Orphax
"Sand In Boxes" CD-R (Verato Project)

"Sand In Boxes" ist ein nettes, auf 60 Stück limitiertes,
Kleinod an Ambient und Drone, in dessen CD tatsächlich Sand zu
finden ist... und gar nicht mal so wenig, wie der Hörer erstaunt
feststellte. Auf dieser, seiner zweiten CD, untersucht Orphax verschiedene
Wege des Ambient und der Dronenwelt. Einerseits kratzig und noisig und
düster bis zum Anschlag. Andererseits atmosphärisch und erstaunlich
bedrückend. Field Recordings, Gitarren und einiges an Computer-Gewurschtel
sorgen hier für eine Reise in die dunkleren Gegenden und Abgründe
des Ambient. Eine nicht untypische Verato-Project Veröffentlichung.
Rating: 7/10
Pi Cab Alter "Kinoteraptik" CD-R + "Mémoire
De L'éther Fluctuanmémoire De L'éther Fluctuan"
CD-R (Verato Project
Schon
die Aufmachung der "Kinoteraptik" CD-R verspricht viel: Sie
ist eingefasst in einer kleinen runden Metalbox die wie eine Filmrolle
aussieht. Innen sind dann noch 3 kleine Dia-Streifen beigelegt. Musikalisch
bietet das französische Projekt auch eine interessante Reise durch
einen Kosmos von Klängen, Geräuschen, atmosphärischen
Dronen und tiefen Ambiancen. Kopfkino passt hier als Stichwort ganz
wunderbar. Streckenweise fast magische Atmosphären von mystischer
Tiefe. Zu hören am besten nachts im Dunklen statt eines dämlichen
Hörspiels zum Beispiel. Immer wieder werden die atmosphärischen
Parts durch noisigere Flächen durchbrochen, die nicht weniger hypnotisch
sind. Besonders interessant der Einsatz von subtilen Beats, die dem
ganzen noch mehr Bewegung geben. "Mémoire De L'éther
Fluctuanmémoire De L'éther Fluctuan" geht in die
gleiche Richtung, erscheint mir aber teilweise verspielter und direkter...
ja verträumter. Erinnert auch an Filmmotive von obskuren, alten
Filmen. Grossartige atmosphärische, flächige und vielschichtige
Klangcollagen für die man auch wieder Stunden in Ruhe braucht um
"Mémoire De L'éther Fluctuanmémoire De L'éther
Fluctuan" völlig zu durchschauen, was im Endeffekt ohnehin
nicht funktionieren wird. Die ätherische Atmosphäre, die immer
wieder hell und klar und so schimmernd hervortritt, ist beeindruckend.
Rating: 8/10
Pleasure Forever "Bodies Need Rest" CD (Conspiracy Records)
"Bodies Need Rest" ist eine posthume Veröffentlichung
von Pleasure Forever und beinhaltet unveröffentlichte und rare
Aufnahmen der Band. Zuerst als EP von 4 Coverversionen gedacht, sind
nun noch 4 weitere bis zu den frühen Tagen (1999) von Pleasure
Forever reichende Stücke dazugekommen. Die Stücke sind gelungen
und haben einen einzigartigen Touch, der wieder einmal bestätigt,
dass man immer wieder Bands entdeckt und für gut befindet, nachdem
sie das zeitliche gesegnet hat. Die 4 eigenen Stücke sind tolle
Indie-Rock Kracher mit einer ordentlichen Portion 90'er Grunge und "Schrammel-Attitude".
Bei den Coverversionen sind von Alice Cooper "Black Juju"
und von Black Flag "The Bars" hervorzuheben, zwei kleine Klassiker,
wie ich meine. Die Aufmachung ist simpel und relativ schüchtern,
genügt aber allemal um "Bodies Need Rest" zu einer Song-Collection
zu machen, die man gerne hat.
Rating: 8/10
Qui "Love's Miracle" CD (Ipecac)

Ok, anhand dieser CD muss mal wieder ein Exempel statuiert werden. Grund:
Die CD kam ohne Booklet ins Haus geflattert und das ist mir ein wenig
zu lieblos. Also liebe Labels, bitte schickt euren Kram in anständiger
Form, denn diese Publikation legt Wert auf den Gesamteindruck eines
Werks und dazu gehört nun einmal auch die optische Aufmachung.
Deswegen ungefähr locker 2 Punkte Abzug. Und da ich gerade in Urlaubslaune
bin, mache ich es mir einfach mit den Worten zum "Love's Miracle"
Album von Qui: Ja, es gefällt mir. "Love's Miracle" ist
eine eigentümliche Mischung aus Punk, Noise, Metal und allerhand
experimentellem Kram. Inklusive Coverversionen von Pink Floyd ("Echos")
und Frank Zappa ("Willie The Pimp"). Ach ja: David Yow von
The Jesus Lizard/ Scratch Acid singt hier.
Rating: 5/10
Souvenir's Young America "An Ocean Without Water"
CD (Crucial Blast)
Mit "An Ocean Without Water" veröffentlichen die Souvenir's
Young America ihr zweites Album nach dem Erstling auf Underradar. "An
Ocean Without Water" ist ein sechsteiliger Opus von atmosphärischen,
quasi-konzeptuellen Instrumental-Stücken, die eine gesunde und
kräftige Mischung aus Instrumental-Rock a la Red Sparowes und weiten
"Western-Landschaften" ist. Also mehr so Prärie-Rock
mit weiten Ebenen, trockener Hitze und flimmerndem, schimmerndem Licht.
Earth grüssen hier vorsichtig. Die Melodien sind schön und
präzise ausgearbeitet und die Produktion klingt angenehm dicht
und warm. "An Ocean Without Water" ist eine recht homogene
Angelegenheit. Auch gekonnt wirkt der Spagat von schweren, doomigen-Gitarren-Passagen
und einem 70'er Jahre Gefühl, das durch die Electronics und Keyboards
entsteht. Popuul Vuh und Prog-Rock Einflüsse standen hier wohl
mit Pate. "An Ocean Without Water" ist eine pulsierende, hypnotische
wie mächtig und episch-monumentale Platte, die auch die Tiefe und
Einsamkeit eines Canyons ausleuchten kann. Ganzen Tag mit dem Pferd
durch die Steppe geritten, Rothäute am Horizont. Geier kreisen,
da hat's wohl jemanden erwischt etc. You get the picture. Exzellente
Platte mit allem Drum und Dran und das Artwork des Digipacks in den
braun- und gelb Tönen ist auch ansprechend gestaltet.
Rating: 9/10
The Skull Defekts "Blood Spirits & Drums Are Singing"
CD (Conspiracy Records)
Nach einigen kleineren Veröffentlichungen ist "Blood Spirits
& Drums Are Singing" die erste Platte, die unter professionellen
Bedingungen in einem richtigen Studio eingespielt wurde. Während
die älteren Veröffentlichungen sehr experimentell waren- man
operierte mit Doom Variationen, und elektronischem Noise und anderen
"schwereren" Sound Spielereien. Auf "Blood Spirits &
Drums Are Singing" lässt sich das Kürzel "Avant-Rock"
als schneidige Zusammenfassung gut anbringen. Hier geht es um um sich
kreisende Melodiebögen, um zahllose Repetitionen und um Funk und
Sex. "Blood Spirits & Drums Are Singing" hat definitiv
Groove und Sex. Dieses sich wiederholende Dauer-Ausharren ist fast das
einzigste was an den Drone-Sound früherer Tage erinnert. Die Produktion
klingt sperrig, spröde-schön was dem Dauer-Loop-Charakter
der 6 Stücke gut zu Gesicht steht. Die Aufmachung des Digipacks
ist halluzinogen-ansprechend, wie die Musik scheint man auch hier auf
einem Trip hängengeblieben zu sein. The sound the sound... the
sound the sound... the sound the sound. Wer "Blood Spirits &
Drums Are Singing" kennt, weiss was ich meine.
Rating: 8/10
Vert "Accepting Denial" CD (Casket Music)
Die etwas nichtssagende Aufmachung der CD trägt nicht unbedingt
dazu bei, Intereese bei potentiellen Hörern zu wecken, da hätte
mehr gehen können, das wird schnell klar. Die aus den Midlands
in England stammenden Vert haben sich 2002 gegründet und nach fleissigem
Üben, diversen EP Veröffentlichungen und vielen Live Auftritten
veröffentlicht die Band nun ihr erstes Album "Accepting Denial".
Musikalisch bewegt sich die Band im weiteren Bereich des modernen Metals
und Rocks, meist im Midtempo gespielt und ganz nettem, melodischen Gesang,
der dann und wann durch wütendes, wüsteres Gekeife abgelöst
wird. Ich finde die 10 Stücke gelungen, auch wenn mich jetzt keines
vom Hocker haut. "Accepting Denial" ist angenehme rockige
und dynamische Musik, die auch nur so zur Unterhaltung taugt, schnell
wird einem aber klar, dass hier keine grossen Überraschungen mehr
kommen.
Rating: 7/10
Vuneny
"V2" CD (Moonlee Records)
Das kroatische Trio von Vuneny präsentiert mit "V2" einen
knapp einstündigen Soundtrack, der sich eher schwer beschreiben
lässt. Dass mit dem Soundtrack ist gar nicht so weit her geholt,
denn manche Stücke sind tatsächlich als Musik zu Filmen entstanden.
Die anderen Songs sind Improvisationen, Remixe oder live eingespielte
Lieder. Im Prinzip sind die 14 Stücke der Kroaten allesamt Instrumentals,
aber mit Sprach- und Stimmsamples, Radiomitschnitten und wenig Gesang.
In Szene gesetzt ist "V2" mit Keyboards, Gitarrenspiel und
elektronischen Beats und anderen Elektro-Spielereien. Insgesamt ist
"V2" eine ruhige, softig-verspielte Angelegenheit, die am
besten als Hintergrund Musik oder eben Filmmusik fungieren kann. Die
lauten Teile wirken elektronisch und wie die Hektik einer Großstadt,
während die ruhigeren Teile mehr homogen und atmosphärisch
erscheinen. Die Aufmachung und Artwork der CD ist gelungen und graphisch
ansprechend.
Rating: 6.5/10
Reviews - Autumn 2007:
Treibe
ich mich im Privaten momentan weiter stark in den 50er, 60er und 70er
Jahren herum, so werde ich für diese kleine Publikation mit guter,
aktueller Musik geradezu überschüttet. Nur eine relativ strenge
Auswahl und die ein oder andere eher kürzere Rezension helfen mir,
mit diesem positiven Dilemma, umzugehen. Ich bitte mir das nachzusehen.
Viel Spass beim lesen auch diesmal.
A
Whisper In The Noise "Dry Land" CD (Exile On Mainstream Records)
Haben mir A Whisper In The Noise live im Vorprogram von Steve von Till
(Neurosis, Harvestman) nicht gefallen und kamen mir eher vor wie eine
durchschnittliche Schülercombo, so bin ich ein wenig überrascht
über ihr "Dry Land" Album, da es streckenweise doch recht
gut überzeugen kann. Die 11 atmosphärischen Stücke sind
entrückt, orchestral und schlicht schön. "Dry Land"
sind schöne, melancholische Klangforschungen und die Band aus Hanska,
Minnesota um Songwriter West Thordson versteht es, intelligent und dezent
klassische Instrumente wie Piano, Cello und Violine homogen in ihre
Stücke zu integrieren. Stimmungen enstehen da wie man sie von Bands
wie Bee And Flower, Black Heart Procession oder den Enablers kennt und
mag. Auch überrascht war ich, wer da hinter den Aufnahmeknöpfen
sass: nämlich kein geringerer als Steve Albini in seinen legendären
Electric Audio Studios zu Chicago. Auch die Aufmachung von "Dry
Land" ist exklusiv, so erscheint das Album mit passendem Artwork,
eingeschlagen in hand-siebgedruckten Bögen aus mehr als 100 Jahre
altem Zeitungspapier.
Rating: 7/10
Chrome Hoof "Pre-Emptive False Rapture" CD (Southern Records)
Cathedral Bassist Leo Smee hat um 2000 herum mit seinem Bruder Chrome
Hoof gegründet um seiner Liebe für 70'er Jahre Funk und Disco
zu frönen. Nun, nach einigen Jahren und vielen Live Shows später
erscheint nun das, was sich so über die Jahre an Liedern angesammelt
hat und entstanden ist. Zugegeben, ich bin mit "Pre-Emptive False
Rapture" etwas überfordert und lange kann ich mir das nicht
anhören. Und so viel Funk und Disco entdecke ich da jetzt auch
nicht. Chrome Hoof sorgen auf "Pre-Emptive False Rapture"
eher für eine wilde Mischung aus Doom Metal, Grind, Prog, Rock
und eben Funk und Disco. Und tonnenweise Spektakel-Krach. Die silberne
Aufmachung und das Disco Bandfoto können was.
Rating: 6/10
Cloudland Canyon "Silver Tongued Sisyphus" CD (Kranky)

"Silver Tongued Sisyphus" wurde in New York, Memphis und Hamburg
aufgenommen und ist der Nachfolger vom Erstlingsalbum "Requiems
Der Natur 2002-2004", auf Tee Pee Records erschienen. Musikalisch
sind die beiden Songs auf "Silver Tongued Sisyphus" eine neo-psychedelische
Reise durch vergangene Jahrzehnte, sprich die späten 60'er wie
auch die 70'er Jahre. Immer wieder fühlt man sich an legendäre
Bands wie Ash Ra Temple, This Heat oder The Mahavishnu Orchestra erinnert,
wenngleich nichts kopiert oder aufgesetzt wirkt. Die beiden Stücke
sind psychedelische Jams mit vielen Loops und aufgewühlten Gitarren.
Ebenso wie mit den oben genannten Einflüssen, wird auf "Silver
Tongued Sisyphus" mit Enflüssen aus dem Ambient, Drone sowie
auch Electronica geschickt gearbeitet. "Silver Tongued Sisyphus"
ist übrigens über das deutsche Meudiademorte Label auch auf
Vinyl erhältlich gewesen, in der lächerlichen Aufläge
von 96 Stück. Eine weitere Pressung davon soll demnächst erhältlich
sein.
Rating: 8/10
Don't Mess With Texas "Los Dias De Junio" CD (Moonlee Records)
Don't Mess With Texas ist eine seit 2004 bestehende Band auch Zagreb,
Kroatien. Aufgenommen hat die Band ihren dynamischen Instrumental-Opus
in einem Filmtheater und nach Begleitmusik für einen Film klingt
"Los Dias De Junio" auch ein wenig. Ausladende, uferlose Klangfelder
im Wechsel mit lauteren, spannungsgeladenen Passagen, die dem Album
mehr Würze und Beachtung schenken. Don't Mess With Texas schaffen
es für eine ruhige, ausgeglichene Klarheit in ihren Songs zu sorgen,
ohne grossartig pompös oder überproduziert zu wirken. Steht
ihnen gut. Trotzdem ist man geneigt "Los Dias De Junio" als
Hintergrundmusik laufen zu lassen, was aber vielleicht beabsichtigt
ist, da die Band nach eigener Aussage sorgfältig konstruiert und
komponiert hat. Don't Mess With Texas klingen wie eine Fahrt auf der
Autobahn in den frühen Abendstunden. Grosse Weite, viele Wolken,
Windräder in den Feldern neben der Strasse, eine untergehende Sonne.
Schattenspiele überall. Die Windräder findet man dann auch
im Artwork wieder.
Rating: 6.5/10
Erdem Helvacioglu "Altered Realities" CD (New Albion Records)
Erdem Helvacioglu ist ein, der schönen, kulturell interessanten
Stadt Istanbul entstammender zeitgenössischer Musiker, der sich
mit elektronischer Musik und akustischen Gitarren beschäftigt.
Sein Erstlingswerk "A Walk Through The Bazar" wurde 2003 über
das amerikanische Label Locust Music veröffentlicht. Helvacioglus
zweites "Altered Realities" Album ist vor kurzem über
das renommierte Label New Albion Records in Amerika erschienen. "Altered
Realities" wurde live in Echtzeit eingespielt, ohne irgendwelches
Mixen und nachbearbeiten. Das Album bietet neben dem Grundgerüst
einer Akustikgitarre viele Loops, Texturen und "Glitch", wie
man sagt. Die Melodiebögen sind fast durchgehend fragil und zart,
ja weich und sie bieten kaum Kanten, Brüche oder auffallende Kontrapunkte.
Dies ist wohl beabsichtigt, lässt aber immer wieder das Zusammenspiel
aus klassischen akustischen Gitarren und digitalen Elektrospielereien
etwas aufgesetzt und zu glatt erscheinen. Dennoch, die elektroakustische
Reise durch die Helvacioglu den Hörer in 7 Ambiancen sicher führt,
zeugt von der Fähigkeit verschiedene Einflüsse, Klangkulturen
und Sounds aufeinandertreffen zu lassen und diese sinnlich miteinander
zu verweben und verschmelzen. Die Aufnahme klingt persönlich, manchmal
fast intim. Sie zeugt von musikalischer zielgerichteter Ruhe, Reinheit
und Raum in einer von Klangminimalismus geprägten Welt.
Rating: 8/10
Fear Falls Burning "Once We All Walk Through Solid Objects"
5xLP (Tonefloat)
Lange angekündigt, endlich fertig und fast schon wieder ausverkauft
ist dieses auf 500 Stück limitierte Mammutprojekt von Dirk Serries
aka Fear Falls Burning. Zehn ausgewählte Musiker aus verschiedenen
Bereichen und Ländern bearbeiten und kollaborieren hier mit Fear
Falls Burning. Und was habe ich mich gefreut, als das Teil einfach so
zum Beschreiben für diese schüchterne Publikation vor meiner
Haustüre lag. "Once We All Walk Through Solid Objects"
ist ein Höhepunkt im immer schneller wachsenden Oeuvre von Fear
Falls Burning.
Vor mir liegt eine Box mit fünf (!) Schallplatten in klarem 180g
Vinyl. Die Box ist braun und das Artwork erinnert an diese Archiv-Kisten
oder Pappschuber von irgendwelchen Ämtern oder Institutionen. Einerseits
Understatement pur, andererseits ästhetisch hochwertig und beeindruckend.
Denn jede der fünf LPs ist in eine bedruckte, durchsichtige Kunststofftasche
gefasst, die leicht bläulich bedruckt sind mit Fotografien der
belgischen Fotografin Martina Verhoeven. Aufgedruckt auf die sogenannten
LP-Labels sind zu jedem der zehn Stücke die nötigen Informationen.
Jeder der beitragenden zehn Musiker dokumentiert auf seine ganz eigene
Weise wie die experimentelle Gitarrenmusik von Fear Falls Burning auf
ihn wirkt, wie er mit ihr umzugehen weiss. Die zehn bearbeiteten Stücke
sind deshalb weniger Remixe im eigentlich Sinne, sondern eher eigene
Bearbeitungen oder Meditationen über die Musik von FFB.
Im Folgenden ein kurzer Abriss über die einzelnen Künstler
und ihre Interpretationen von Fear Falls Burning.
Bass Communion: Schön mit Apple G4 Book und Gitarre bastelt Bass
Communion (Steven Wilson/Porcupine Tree, UK) aus dem FFB-Grundgerüst
ein Stück, das wabernd anfängt und sich zu einem gar Orgelhaften,
orchestralen Drone Stück steigert. Final: Hinter Final verbirgt
sich ja bekannterweise JK Broadrick (Godflesh, Jesu, UK) der hier wesentlich
rauher und improvisierter vorgeht: Über das musikalische FFB-Drone-Skelett
spielt er seinen Beitrag ein und verwebt ihn gleich live mit dem Ausgangstück.
Freiband: Frans de Waards (Beequeen, Holland) Beitrag wirkt völlig
entfremdet, fast insektenhaftes Surren und hohes Dröhnen bestimmt
den Track. Hier zeigt sich, ob das Vinyl dieser extremen Klangcollage
überhaupt gewachsen ist. Keine Sorge, hier knickt es jedenfalls
nicht ein. Anfangs noch eher verhalten, Insekten hier und da, verdichtet
sich die Drone zu einem extrem starken, dichten und flirrenden "Insekten-Dronen-Tanz"
von massiver und feuriger Intensität. Einer der Höhepunkte
von "Once We All Walk Through Solid Objects".
Harvestman: Steve von Tills (Neurosis, USA) Bearbeitung ist wieder lauter
und dreckiger, gitarrenorientiert. Nur im Hintergrund ist licht und
leicht das Grundgerüst von FFB flächig zu vernehmen. Birchville
Cat Motels (Neuseeland) Stück lässt sich nur sehr schwer bestimmen,
es wirkt kalt, maschinell und scheint digital bearbeitet und verfälscht
zu sein. Die Fear Falls Burning Dronen sind in ihrer Flächigkeit
gebrochen und kommen eher unterschwellig durch. Der hypnotische Dauermanipulationslärm
muss so laut gehört werden, dass schier die Lautsprecher bersten.
Byla: Kevin Hufnagel und Colin Marston (Dysrhythmia, USA) bilden mit
ihrer Bearbeitung den ersten richtigen Kontrapunkt auf "Once We
All Walk Through Solid Objects". FFB bekommt den Einstiegsvortritt
und die beiden Herren legen einfach ein fast fröhliches, und hell
anmutendes Akustikgitarrenduett über den FFB Grundbaustein. Mit
Dauer-Akustigitarren-Loop geht das Stück dann auch zu Ende. Aidan
Baker (Nadja, Kanada) verstärkt das FFB Stück um bekannte
sphärische und beklemmende, doomige Elemente, wie man sie von seinen
Solo Arbeiten oder Nadja kennt. Johannes Persson: Nach Final und Harvestman
versucht sich auch Johannes Persson (Cult of Luna, Schweden) mit offensiveren
Gitarrenakkorden und verwebt diese deutlich, aber geschickt in das Ausgangstück
von FFB. Teilweise recht wummernd, knöchrig und desperat. Zum Ende
hin dann konzentriert-verdichtend. Jefre Cantu-Ledesma: Auch ein kleinerer
Bruch in der Reihe der fünf LPs, der aber die Vielseitigkeit und
Vielschichtigkeit dieser monumentalen Veröffentlichung offenlegt.
Dunkel, eher in den dunkelsten Bereich des Drone und Ambient reichend
ist der Beitrag von Jefre Cantu-Ledesma (Tarentel, USA). Langsames Hallen
und Dröhnen. Tief und bedrückend. Schachtmusik. Stefano Pilia:
Mit dem zehnten Stück schliesst Stefano Pilia (3/4HadBeenEliminated,
Italien). Seine Herangehensweise ist auch nicht auf Offensichtlichkeit
ausgelegt, eher subtil und metallisch wirkend, gleitet das Stück
dahin. Er lässt meist der FFB-Drone den scheinbaren Vortritt.
Fear Falls Burning hat mich nun bereits mehr als ein Jahr kontinuierlich
begeleitet und ich habe dabei den Werdegang dieses Projekts immer wieder
schreibend begleitet. Man muss jetzt aber, nach dem epischen "Once
We All Walk Through Solid Objects" 5xLP Set nicht annehmen, dass
nun eine Pause im Schaffen von FFB kommt, nein. Es scheint fast so,
als gehe es jetzt erst richtig los: Im Oktober erscheint, auf nur 136
Stück limitiert "First By A Whisper, Then By A Storm"
auf LP und CD, kurz danach als letztes im laufenden Jahr die Schallplatte
"When Mystery Prevades The Well, The Promise Sets Fire" Sie
ist der erste Vorbote auf brandneue FFB Stücke, die im neuen Jahr
mit dem Titel "Frenzy Of The Absolute" über Conspiracy
erscheinen.
Rating: 9.5/10
Fresnel/ Vancouver Split 7" EP (Noise Appeal/Division Records)
Nach vielen zähen Monaten, Besetzungswechseln, der Abkehr vom Live-Spiel
und der Veröffentlichung der "Scenario" MCD im Jahr 2003
war es ruhig geworden um Fresnel. Ihr Beitrag auf der 2 Track Split
EP ist ein eindrucksvolles Stück mit dem sich da die Band aus Wien
zurückmeldet. Der Gesang wurde kurzerhand über Bord geworfen,
was eine richtige Entscheidung war, denn umso mehr Wirkung hat ihr Stück.
"Grim Fandango" ist ein ultraschweres Instrumental-Stück
bei dem offenkundig gar nicht so viel passiert, aber die Wirkung ist
mächtig und gross. Die tiefergestimmten Gitarren reissen einfach
alles weg. "Grim Fandango" ist eine grimmige, rauhe, wüste
und zerklüftete Klanglandschaft. Und die Produktion ist ebenfalls
ultradick, dicht und heavy. Hoffentlich bald mehr, in Form eines Albums!?
Die schweizerischen Vancouver gehen da etwas gemässigter und im
Heavy Kontext gängiger vor, wobei ihr Stück "Staghunt"
in eine ähnliche, aber mehr Sludge-orientrierte Richtung geht.
Es ist in jedem Fall auch wuchtig und kräftig, wie dynamisch. Die
Instrumental-Passagen erinnern an Bands wie Isis und Konsorten. Beides
starke Stücke, aber Fresnel liegen vorne und gewinnen bei diesem
Rennen um Schädelknochen... Das Artwork ist ebenfalls durchweg
gelungen, liegt optisch irgendwo zwischen Pelican Platten-Design und
Blackmetal-Feeling.
Rating: 8/10
Japanische Kampfhörspiele "Rauchen und Yoga" CD (Bastardized
Recordings)

"Forget about Grindpunk! This is Popgrind!" Ganz so ist es
dann doch nicht geworden, das neue Album von Japanische Kampfhörspiele
aber man merkt einen kleinen Unterschied schon. "Rauchen und Yoga"
ist etwas progressiver, entschlossener geworden und die Stimmeinlagen
einen Tick gewagter und frischer (poppiger?). Die Produktion ist wesentlich
brutaler und wuchtiger, weht alles um. Japanische Kampfhörspiele
präsentieren sich mit "Rauchen und Yoga" immer noch knackig,
abgefuckt und super schnell. "Rauchen und Yoga" steht den
Vorgänger Alben in nichts nach und zerstört wie sau. Ganz
salopp gesagt. Für das Artwork hat die Band den Kinderbuchautor
Daniel Kratzke ("Der Raabe mit dem roten Schal") angeheuert,
das Ergebnis ist gelungen und überzeugt.
Rating: 8/10
Maninkari "Psychoide/ Participation Mystic" CD (Conspiracy
Records)

"Psychoide/ Participation Mystic" ist die Debut EP der Pariser
Brüder Olivier und Frédéric Chalot. Neben den 2 regulären
Tracks wurden JK Broadrick (Jesu, Godflesh, Final) und Robin Rimbaud
(Scanner, Githead) angeheuert um beide Stücke nochmals zu remixen.
Das Ergebnis ist klingt durchaus warm, üppig und cineastisch. Besonders
der Einsatz von klassischen Instrumenten wie Geige oder Klavier überzeugt.
Während "Psychoide" anfangs noch ruhig und verhalten
beginnt, steigert es sich zu einem lauten, epischen Post-Rock Brocken,
mit massiven Drums und ekstatischen Streicher-Einlagen. Das zweite Stück
"Participation Mystic" ist eine eher ruhige wenn auch nicht
weniger gespannte Meditation aus Pizzicato-Streichern, hynotischen Klangwellen
und einem subtilen Ambient-Charakter. Nach einigen Minuten setzt dann
fast primitiver, motorischer Drum-Rhythmus ein, welcher das Stück
in eine fast jazzige Richtung lenkt. Und wieder setzen Streicher ein...
Die beiden Stücke im Remix fügen sich nahtlos an ihre Grundform
an und sind gelungen. Ihr Charakter ist von noch pulsierenderer, hypnotischerer
und vorantreibenderer Qualität. Diese EP ist die gelungene Einleitung
zu einer interessanten Band, deren erstes Album noch dieses Jahr erscheinen
soll.
Rating: 8/10
Papier Tigre "s/t" CD (Effervescence)
Papier Tigre ist eine dreiköpfige Band aus Frankreich die sich
ohne Bass, dafür aber mit 2 Gitarren durch 8 Stücke ackern.
Ihr Musikstil ist dynamischer, emotionaler Indie-Rock, mit schroffen
Ansätzen und sperrige, unterbrochene Rhythmen, die an Fugazi erinnern.
Andere Bands, die spontan in den Sinn kommen sind Q And Not U und etwas
June Of 44. Dass kein Bass vorhanden ist stört nicht weiter, da
dies die Gitarren durch nette, spannende Melodiebögen dynamisch
wieder wettmachen. Papier Tigre sind auf den ersten Blick vielleicht
nicht sonderlich spektakulär, aber hat man sich einmal in die Songs
eingehört, eröffnet sich einem doch mehr als zuerst gedacht.
Die Band versteht es, Stimmungen zu transportieren, was auch nicht zuletzt
durch den energetischen Gesang geschieht. Auch das Artwork ist eher
unspektakulär und unauffällig gehalten, passt also ganz gut.
Rating: 7/10
Seconds In Formaldehyde "Suddenly Silence Burst Into My
Ear" CD-R (Tosom)
Gleich zu Anfang vorweg: hier präsentiert Seconds In Formaldehyde
sein bislang stärkstes Material. "Suddenly Silence Burst Into
My Ear" ist eine auf 150 Exemplare limitierte und handnumerierte
CD-R, die in eine DVD-Hülle verpackt ist. Sowohl die äussere
Aufmachung wie auch die auf Fotopapier gedruckten drei Inserts sind
durch ihre dezente Farbigkeit und die eher unkonventionelle Optik im
Oeuvre von Seconds In Formaldehyde gelungen. Am meisten überzeugt
mich diesmal die musikalische Vielschichtigkeit von Seconds In Formaldehyde.
Klar, es geht um Drone, aber dennoch ist da viel Spielraum für
Stimmungen, Klanglandschaften und atmosphärisch-dicht geladene
Dronen und Ambiancen. "Suddenly Silence Burst Into My Ear"
enthält 5 Stücke, die vollkommen live eingespielt und improvisiert
wurden, ohne jegliche Nacharbeiten. "Suddenly Silence Burst Into
My Ear" offenbart zum ersten Mal auf erstaunlich gelungene Weise
das Spiel von schönen, weiten wie ruhigen Flächen und lautem,
unterbrechendem Dröhnen mit meditativem Charakter. Dazwischen zahlreiche
fragilere Momente. Es werden Erwartungen minuziös minutenlang aufgebaut,
nur um sie dann mit einer einzelnen Note abrupt vom Thron zu stossen,
zu zerstören. Da verschwinden dann die beinahe flüssigen Ambiancen
in einem harschen, kalten See aus Rückkopplungen, Noise und kraftvollen,
melodischeren Klanglinien. Mit "Suddenly Silence Burst Into My
Ear" hat es Martin Fuhs, der Mann hinter Seconds In Formaldehyde,
nun geschafft, mein Interesse an seinen Arbeiten richtig zu wecken und
eigentlich wäre "Suddenly Silence Burst Into My Ear"
auch eine schöne Vinyl Veröffentlichung, wie man sie ja auch
von Genre-Kollegen Aidan Baker oder Fear Falls Burning kennt.
Rating: 8/10
Seconds In Formaldehyde "Construct" 3" CD-R (Waterscape
Records)
Auf "Construct", einer niedlichen, schön aufgemachten
3" CD-R, zeigt sich Seconds In Formaldehyde, natürlich im
weiteren Sinne, von seiner romantischen Seite. Und so sind die 22 Minuten
von "Construct" nichts als schöne, dezente und ruhig
schimmernde Dronen mit "Glitch-Appeal". Fragil, persönlich
und zerbrechlich wie tanzende Lichtstrahlen auf der Oberfläche
eines Sees und farbig wie der bunte Herbst. Erschienen in einer kleinen
Auflage von 50 Exemplaren auf dem hauseigenen Label.
Rating: 7/10
Sunburned Circle "The Blaze Game" CD (Conspiracy Records)

Musica excellenti! Sunburned Man Of Hand und Circle vorzustellen erspare
ich mir hier mal, wer die Bands nicht kennt, verpasst was. Beide haben
im September letzten Jahres zusammen Konzerte gegeben und sind schliesslich
im selben Aufnahmeraum in Finnland gelandet. Das wunderbare "The
Blaze Game" Album mit über 40 Minuten Spielzeit ist das Ergebnis.
Sunburned und Circle spielen sich durch 7 reguläre Stücke
und ein CD-only Bonus Stück. Die Vinyl Version von "The Blaze
Game" kommt mit Poster und ist auf nur 750 Exemplare limitiert.
Sunburned und Circle fangen auf "The Blaze Game" verhalten
an und steigern sich im Laufe der Spielzeit zu einem hypnotischen Jam.
Man beachtet die einzelnen Stücke eigentlich gar nicht, sieht das
mehr wie ein grosses, nahtlos übergehendes Stück mit starkem
Improvisationscharakter. Wer die Vielseitigkeit beider Bands kennt,
der weiss, was einen hier eigentlich nur erwarten kann: Improvisationsmusik
mit spaceigem Hippie Einschlag, freie und entrückt-verzückte
Rhythmen, komische und noisige Rock-Einlagen, Free Folk. "The Blaze
Game" ist daher ein ungemein interessantes und vielfältiges
Album. Und das feurig-bunte Artwork komplettiert diesen Eindruck nur
noch mehr, ich empfehle die Vinylversion. Beide Bands jeweils diesen
Herbst auf Europa Tour.
Rating: 8/10
Ulf Schütte "Summer Ist Äther" CD-R (Meudiademorte)

Ulf Schütte steckt hinter einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen
auf Meudiademorte, einem der interessanteren deutschen Labels momentan.
Ulf Schütte ist bei Asouke dabei, Cones Or Scanners, Shivers und
der Meudiademorte Labelband Datashock. Ausserdem betreibt er noch das
Tape Label Tape Tektoniks. "Summer Ist Äther" ist seine
erste Veröffentlichung unter seinem richtigen Namen. Die CD-R kommt
in einem bedruckten Pergament-Cover und sieht recht ansprechend aus.
Dass "Summer Ist Äther" auf lächerliche 25 Stück
limitiert ist, nur am Rande... also schnell sein. Musikalisch ist "Summer
Ist Äther" ein reiner bausteinförmiger 70'er Jahre Synthie-Wahnsinn
in 5 Akten. Neben absolut nervtötenden Momenten mit vielen Pieps-Attacken
hat "Summer Ist Äther" etwas hypnotisierend-verstörendes
und psychotisches an sich. Sci-Fi-Psyche for the murder minded. I like
it.
Rating: 7/10
White Rainbow "Prism Of Eternal Now" CD (Kranky)
Hinter White Rainbow versteckt sich Adam Forkner, der auch ein wenig
durch sein Yarnlazer Label und Mitarbeit bei Dirty Projectors, Jackie-O
Motherfucker und Devendra Banhart bekannt ist. "Prism Of Eternal
Now" ist eine entspannte bunte "Hippie-Jam-Drogen" Angelegenheit
mit warmen Synthie-Sounds und jeder Menge mantrischen Chants und klappernder
und ratternder Hintergrund Percussion. Die Gitarren entrücken dann
alles Richtung Himmel und lassen einen guten Teil von "Prism Of
Eternal Now" sehr transzendental und abgedreht wirken. Forkner
taucht ein, in die verschiedenen Genres von Krautrock, Hippie-Folk über
Prog-Rock und Ambient zu Drone. Einerseits ist das Album schon eine
"Free-Your-Mind-Meditation" für innere Erfahrungstrips,
andererseits stagniert "Prism Of Eternal Now" irgendwann doch
etwas und verliert sich in Endlos-Loops und lichten Dauer-Drones. Das
knallige Pink/Rosa Artwork und die auf der Rückseite aufgedruckten
Sätze passen perfekt. Now! Eternity now! White Rainbow full spectrum
vibrational prism of eternal now!
Rating: 8/10
Worlds
Between Us "Downsides" CD (Noise Appeal Records/ Capeet Records)
Worlds Between Us sind in Wien daheim und zelebrieren auf ihrer zweiten
CD nach "Life In Colored Squares" (Engineer Records, 2005)
flotten, heisseren wie kehligen Hardcore, der, so scheint es, mit Leidenschaft
und dem nötigen Spass an der Sache gespielt wird. Die 5 auf "Downsides"
vorgestellten Stücke klingen frisch, kräftig und haben die
nötige
spielerische Würze (Gitarren!) um nicht in der grossen Masse an
Hardcore Bands unterzugehen. Für ein längeres Album allerdings
müssen noch ein paar "innovativere" Momente her, um nicht
eintönig zu wirken. "Downsides" kommt im dezent gestalteten
Digipack.
Rating: 6/10
Reviews - Winter 2007:
Die
letzten Rezensionen für dieses Jahr. Wie immer viel zu spät
und hintendran, aber auch diesmal wieder viel Gutes dabei. Man sieht
sich... nächstes Jahr.
Aluk
Todolo "Descension" CD (Public Guilt)
Nach der obskuren, wie grossartigen ersten EP auf Public Guilt, folgt
nun das erste Album der Franzosen, die sich den okkulten Kräften
von musikalischer Trance verschrieben haben. Aluk Todolo sind dabei
eine extrem interessante Band, schaffen sie es doch, diesen esoterischen
Touch, welcher der gesamten Band- Konzeption unterliegt, musikalisch
mit einer Mischung von Krautrock Einflüssen und Black Metal- artiger
Kälte zu vermengen. Schnelle, zwanghafte Rhythmen, herrlich tiefgründige,
disharmonische Gitarren, unterschwellige Vibrationen und komische magische
Beschwörungen... all das macht Aluk Todolo aus. Die Produktion
klingt archaisch, rauh und rostig. Eigentlich dermassen lo-fi, dass
einem ganz Bange wird. Lo-fi, aber trotzdem dicht, eng gedrängt
und so zerfahren und schwer. Aluk Todolo sind unvorhersehbar, unberechenbar
und auf ihre Weise so unkompliziert minimalisiert-hypnotisch und psychedelisch.
Dieses psychedelische Moment wird einzig und allein durch eine heruntergeschraubte,
fast blechern erscheinende Instrumentierung geschaffen. Das hat fast
schon wieder etwas Industrial-artiges. Aluk Todolo klingen gefährlich,
klingen mysteriös und dunkel. Die Gitarrenjams, der simple, schleifende
und schleppende Rhythmus wirken träumerisch und entfremdet. Das
Artwork ist ähnlich bizarr und voller seltsamer Abbildungen.
Rating: 9/10
Audiopain "The Switch To Turn Off Mankind" CD (Vendlus Records)
Audiopain sind eine seit 1996 bestehende norwegische Thrash Metal Band
und machen ihr Handwerk auf "The Switch To Turn Off Mankind"
ordentlich und solide. Eigentlich gibt es an Audiopain nichts weiter
auszusetzen oder zu schreiben, so ist das ja oft bei Thrash Metal. Die
6 Stücke sind einfach knackig, mit ordentlich Biss und Druck nach
vorne. Die Geschwindigkeit macht Spass, und die Gitarren und Bass wirken
wie der treibende, röhrende Motor einer Hochgeschwindigkeitsmaschine,
sie sind sozusagen die vielen Pferdestärken. Die Stimme des Schreihalses
ist rauh und kehlig. Passt also auch und bereitet damit den nötigen
Spass um sich "The Switch To Turn Off Mankind" anzuhören.
Kreator fallen mir als Vergleich ein. Das Artwork ist so dunkel wie
es sein sollte und stinkt ganz schrecklich nach Druckfarbe. Die Jungs
erfinden zwar nicht das Rad neu, machen aber alles richtig.
Rating: 7/10
Be Not Idle In Preparation Of Thy Doom "Sermons From The Unwelcome"
& "Saturine Malediction" CD (self released)
Be Not Idle In Preparation Of Thy Doom ist das Soloprojekt von Christopher
MacKinnon von Desecrative Phoneticism. Die Absicht war es, trostlose
und kalte Musik zu schaffen und das ist gelungen. In der CD ist der
Hinweis abgedruckt, diese CD in Dunkelheit, kurz vor dem Schlafengehen
und nach der Einnahme einer Flasche tschechischen Absinths oder polnischen
Vodkas zu hören. Dem kann ich beipflichten, würde es aber
dann doch bei ein paar Bier belassen um nicht in klaustrophobische Angstzustände
zu kommen. Denn Be Not Idle In Preparation Of Thy Doom ist dunkel, traurig
und kalt so kalt. Kalte, doomige Ambiancen, verfremdete Gitarren und
bedrückende Stimmanipulationen kriechen hier in den Gehörgang
in über einer Stunde Spielzeit. Hier wird jeder Versuch, etwas
schönes in der Welt zu entdecken komplett im Keim erstickt. Hier
wird jedes bedingungslose Eintauchen in diese Schattenwelt aus 10 Stücken
zum von Verzweiflung gepressten Untergehen in einer Tiefsee, in der
sich nur die schlechten und traurigen Gefühlsmonster bewegen. Keine
leichte Kost, aber hier wird etwas gestillt, das jeder in sich entdecken
kann und abgrundtief ist. Und schwarz so schwarz. Während die ersten
7 Stücke, also "Sermons From The Unwelcome" in kompletter
Isolation in den Sommernächten von 2006 aufgenommen wurde, war
es die Lust und Verzweiflung nach Rache, welche die letzten 3 Stücke,
also "Saturine Malediction" zur Entstehung motiviert hat.
Mehr auf desecrativephoneticism.com/bni.html
Rating: 8/10
B°Tong "Microsleep" CD-R (Verato Project)
(no picture available)
Wirklich ein seltsam-düsteres, interessantes Album, das Chris Sigdell
mit "Microsleep" vorlegt. Schnell sein, denn die CD-R ist
nur auf 60 Stück limitiert. Alle Sounds der CD wurden mit einem
Laptop und verschiedenen Samples aus natürlicher Umgebung wie auch
aus Filmen, Radio etc. kreiert. Dabei ist ein wirklich sehr spezielles
Gruselkabinett an Klängen und Ambiancen entstanden, wie sie dunkler
und bedrückender kaum sein können. Man stelle sich vor, man
steht im Dunklen vor einem tiefen Schachteingang und hört weit
unten unter sich Geräusche, Stimmen, ein Knacken und Krachen. "Microsleep"
wurde von einem Trip nach Australien inspiriert, wo am Wegrand immer
wieder die Schilder stehen, die vor "Microsleep", also Sekundenschlaf
warnen und drauf hinweisen, Ruhepausen einzulegen. Thematisch dreht
sich alles um Übermüdung, Einsamkeit, Träume und Alpträume
auf einer Strasse ins Nichts.
Rating: 7/10
Continuum "2" CD (Soleilmoon Recordings)
Hinter Continuum verbergen sich Dirk Serries (VidnaObmana , Fear Falls
Burning) und Steven Wilso (Porcupine Tree, Bass Communion, Blackfield).
Continuum ist die zweite Veröffentlichung in einer Serie von limitierten
Alben auf Soleilmoon Recordings. Jede einzelne dieser Veröffentlichungen
wird in einem übergrossen Digipack (DVD Hüllenformat) und
dem schönen Artwork von Lasse Hoile präsentiert. Continuum
"2" enthält eine knappe Stunde Musik, die in 3 Teile
gefasst ist. Zusätzlich sind noch 3 Karten mit Abbildungen des
Designs beigelegt. Musikalisch wird ein höllischer Bastard aus
Metal und Ambient geboten, schwer zu beschreiben. Hier treffen sich
Bass Communion mit den schweren Dronen von Sunn O))) oder Black Boned
Angel. Es hört sich auf jeden Fall an, wie der Soundtrack zu der
Vision einer verlassenen, kargen und dunklen Erde, die von Maschinen
beherrscht wird. Die Stimmung schwankt dabei zwischen roher, kalter
Brutalität und beklemmenden, ruhigen wie schwellenden Ambiancen.
Insgesamt ist die Stimmung auf dem Zweitling von Continuum sehr kalt
und maschinell und sicher nichts für schwache Nerven. Der Hörer
muss aufpassen, dass er nicht selbst unter die Räder dieser, alles
organische Leben vernichtenden Maschine gerät. Am besten gefällt
mir das letzte Stück, in dem neben der maschinellen Kälte
auch etwas träumerisches und pulsierendes miteingearbeitet ist.
Rating: 8/10
Fear Falls Burning & Birchville Cat Motel "s/t" CD (Conspiracy
Records)
Verhalten und unterschwellig fiebrig fängt diese Zusammenarbeit
von Fear Falls Burning und Birchville Cat Motel aus Neuseeland an. Das
einzige Stück der CD ist ein fast fünfzig minütiges Stück,
das so vordergründig nicht unbedingt spannend oder allzu interessant
anmutet. Es kommt mehr von hinten, schleichend und hinterrücks
an den Hörer heran, es wirkt wie eine Droge deren Wirkung man erst
nicht erkennt, die aber doch schon lang eingesetzt hat. Begreift man
das, erschrickt man und bemerkt den kalten Schweiss, der den Rücken
hinunter rinnt. Die Wirkung der Droge ist sehr halluzinogen und der
Hörer wird unruhig, rastlos und so nervös.... Am besten gefallen
mir die Momente, wenn die Dronen und Rückkopplungen völlig
entrückt wirken und ihr Gesicht verlieren. Sie werden zu einer
Maske, leer und hohl starrt die Fratze den Hörer an. Ausdruckslos
und kalt wie eine Maschine, durchdringend wie eine Röntgenblick
(siehe Artwork!). Diese Kollaboration von FFB und Birchville Cat Motel
ist verstörend und zerfahren, gänzlich ohne Rhythmus und so
einnehmend. Am besten in tiefster Dunkelheit hören.
Rating: 8/10
Heat From A Dead Star "The Lighthouse" CD-R (self released)

Heat From A Dead Star sind in London zuhause und schaffen es, auf "The
Lighthouse" eine eigenwillige, aber interessante und träumerisch-
fesselnde Mischung von Musik zu präsentieren. Einserseits abgehackt,
instrumental und fast mit Industrial Einflüssen, andererseits aber
fahren Heat From A Dead Star mit träumerischem Post-Punk und noisigem
Indie-Rock/ Brit-Pop auf, der auch etwas von Radiohead hat. Mir fehlt
ein bisschen die Zielrichtung, da nicht so ganz ersichtlich wird, was
genau die Band eigentlich schaffen will. Nicht weiter schlimm, da sich
die Band ja noch im Experimentierstadium befindet und erst zu Beginn
des neuen Jahres ihr ersten reguläres Album im legendären
Electrical Audio Studio von Steve Albini in Chicago aufnimmt.
Rating: 6.5/10
Hildegard Kleeb & Pelayo Arrizabalaga "Am(vr)ree" CD (Everest
Records)
"Am(vr)ree" ist das Ergebnis einer Kollaboration der Pianistin
Hildegard Kleeb und dem Künstler und Performer Pelayo Arrizabalaga.
Aufgenommen und eingespielt wurde das Album in den Studios des Schweizer
Radiosenders DRS in Zürich. Pelayo Arrizabalaga bedient alte Lenco
und Phillips Plattenspieler aus den 50'er und 60'er Jahren. Neben einem
Stück von Franz Schubert und einem von Duke Ellington, haben die
beiden alles selbst komponiert. Herausgekommen ist eine ungewöhnliche
und interessante Platte: Zahlreiche Aufnahmen von Jimi Hendrix, John
Coltrane, Arthur Honegger, Igor Stravinski, Herbie Hancock, Sophia Gubaidulina
und vielen Anderen wurden als Loops, Playbacks oder Scratches mit in
die Musik eingewoben und integriert. Das besondere Spannungsmoment von
"Am(vr)ree" liegt in der Vermengung von Piano-Stücken
und diesen animierten Sounds. Denn dadurch werden die 18 Stücke
zu einem abwechslungsreich pulsierenden, organischen wie auch polarisierenden
und vibrierendem Ganzen. Fast jazzig und sehr frei improvisiert wirken
die Stücke streckenweise und werden durch die Piano-Einlagen immer
wieder zurückhaltend-schüchtern, minimalistisch und intim.
Die gelungene Aufmachung des Digipacks wirkt fast grell kontrastierend
zur Musik des Album, schafft es aber, die Improvisationen einzufangen.
Rating: 8/10
Jan-M. Iversen "Det Er Det Det Er" CD-R (Verato Project)
(no picture available)
Dieses, knappe 39 Minuten lange Stück von Jan-M. Iversen gleicht
einem langen Nebelgang. Man ist draussen und spaziert lange Minuten
still und leise und mit den Gedanken ganz bei sich, tief im Zwiegespräch
mit sich selbst. Man beobachtet nur die Zeichen der Natur: die Vögel
die immer wieder auffliegen, die tristen, in sich zurückgezogenen
Bäume. Alles richtet sich nach Innen. Erspäht man irgendwo
Menschen, so wendet man sich schnell wieder ab. Nur nicht zu viel Unterbrechung,
nur nicht meinen stillen Gang durchbrechen. Doch er wird durchbrochen,
zermahlen und zerhackt. Ab gut der Hälfte der CD kündigt es
sich langsam an. Da zieht etwas herauf. Laut, maschinell und unbarmherzig,
hier gibt es kein Zurück. Störgeräusche, sich brechende
Klangwellen bringen alles zum biegen und wackeln. Der Nebel hat plötzlich
Gesichter und Fratzen. Man denkt, hört das denn nimmer auf? Doch.
Plötzlich verzieht sich der Fratzennebel und alles klärt sich
und wird ruhig und läuft aus...Was genau Iversen hier macht, wie
genau er seine langatmigen, Soundscapes kreiert und auf was er es anlegt,
soll hier nicht erörtert werden. "Det Er Det Det Er"
ist für jeden etwas, der mit Drone und Ambient etwas anfangen kann,
dem intime Soundgeständnisse nicht zu langweilig sind, der da etwas
entdeckt, wo es scheinbar nicht allzu viel zu entdecken gibt.
Diese auf 60 Stück limitierte CD-R ist in einer goldenen, extravaganten
briefumschlag- ähnlichen Hülle gefasst und könnte auch
edle Pralinen beherbergen, was das enthaltene Stück ja auch durchaus
ist. Gelungen.
Rating: 7.5/10
Maninkari "Le Diable Avec Ses Chevaux" 2xCD (Conspiracy
Records)
Nach der "Psychoid/ Participation Mystic" EP veröffentlichen
die Gebrüder Chalot mit "Le Diable Avec Ses Chevaux"
einen Opus auf zwei CDs. Klanglich schwer einzuordnen und zu definieren,
schaffen es die beiden Brüder, ausdruckstarke, cineastische Musik
zu schaffen, die man irgendwo in einer epischen Post-Rock Welt mit etwas
Jazz Einflüssen einordnen kann. Oft sind die Melodien quirlig,
unruhig und tantrisch verspielt. Rhythmen bauen sich spiralartig über
Minuten auf, unter dem Einsatz von fernöstlichen Instrumenten,
wie Cymbalom und Santoor. Die nervösen Violinen- Vibratos erzeugen
immer wieder hypnotische,wie verschreckende Momente, man fühlt
sich wieder an Kino Filme erinnert. Am meisten beeindruckt die unkonventionelle,
ja fast besondere Herangehensweise der Brüder, um Stücke von
seltsamer Schönheit zu erschaffen. Ist man aber noch zu Beginn
der zweiten CD aufmerksam und interessiert, so vergeht das schnell und
man ist geneigt, ob der Macht von komplexer, experimenteller Musik,
aufzugeben. Es hätte auch die Musik der ersten CD gut ausgereicht.
Das Artwork des Digipacks ist schlicht und minimalistisch gehalten.
Rating: 8/10
Marble Sheep "Message From Oarfish" (Fünfundvierzig)
CD
Schon am bunten Regenbogenfarben-Hippie-Artwork erkennt der geneigte
Hörer, was einen da erwartet: rauher psychedelischer Rock. Neben
Acid Mothers Temple und White Heaven sind die Japaner aus Tokyo nicht
umsonst für ihre hypnotische Energie seit 13 (!) Alben bekannt.
Auf "Message From Oarfish" gibt es 8 neue Kracher im bekannten
Gewand. Krachig, direkt und ekstatisch wie hypnotisch und noisig präsentieren
sich die Jungs einmal mehr. Der obligatorische Rock'n'Roll und 60's
Garage Einfluss, ist auch diesmal wieder dabei. Die rohe Verspieltheit
und druckvolle Energie beeindruckt mich am meisten. Die Produktion klingt
auch ordentlich abgefuckt und übersteuert, wie in einer Nacht aufgenommen.
So muss das sein. Was noch mehr schreiben? Entweder man mag Marble Sheep
oder nicht. Jetzt sind sie bis Weihnachten wieder auf ausgedehnter Europa
Tour, mit an Board ihre Seelenbrüder von Drive By Shooting. Live
bestimmt noch besser wie auf Platte.
Rating: 6/10
Mariska Baars/ Wouter Van Veldhoven/ Rutger Zuydervelt "Zeeg"
CD (Digitalis Recordings/ ACE)

"Zeeg" ist eine seltsame und ruhige Angelegenheit, die viel
Zeit braucht. Was genau da die drei holländischen Künstler
fabrizieren wird auch nicht wirklich klar. Man muss sich diese Frage
aber auch nicht stellen. Denn "Zeeg" ist auch so ein schönes,
minimalistisches Album, das seine Schüchternheit erst nach einigen
Durchläufen verliert und sich dann umso mehr offenbart. Der erste
Eindruck ist nicht sehr vielversprechend. Zwar ist dicke Kartonverpackung
und Aufmachung der CD schon reizvoll, aber was heisst das schon!? Hat
man die CD eingelegt, so passiert die ersten Minuten nicht viel und
der Blick auf das Display des CD-Spielers verrät nur einen Track
und über 30 Minuten Spielzeit. Schnell wieder ausmachen oder Ruhe
und Geduld haben. Sanfte Drohnen verteilen sich dann in aller Ruhe zu
Gitarrenklängen und allerlei Knistern, Rascheln und Raunen im Raum.
Später verwandelt sich "Zeeg" zu einem wabernden Klangwesen,
das sich grossflächig und sägend im Raum verteilt. Dronenteppiche
wie man sie von Growing kennt. Das Album ist ein ganz und gar zeitloses,
welches zu einer tiefen Reise in die Klangwelt einlädt. Sicher
wurde der grösste Teil des Albums von den Dreien improvisiert und
live eingespielt, was nicht zuletzt die organische Wärme des langatmigen
Stücks erklärt. Nach gut der Hälfte der Spielzeit ist
man völlig abgetaucht in diese minimalistische Klangwelt und gibt
die eigene Identität für das Gefühl, das "Zeeg"
ausstrahlt gerne auf. Schön.
Rating: 8/10
MGR "Wavering On The Cresting Heft" CD (Conspiracy
Records)
Nach "Nova Lux" und der letztjährigen "Impromptu"-Kollaboration
mit SirDSS nun das nächste Soloalbum von Michael Gallagher von
Isis. Gleich vorweg, es gefällt mir ausgesprochen gut und weit
besser wie das Debut-Album. Gallagher schafft es diesmal, die 6 enthaltenen
Stücke homogen, kompakt und natürlich aussehen zu lassen,
was sicher daran liegt, dass er nicht mehr zwanghaft versucht, die Verbindung
zu Isis zu negieren bzw. ganz rauszuhalten. Klar, die Grundstruktur
und Herangehensweise ist immer noch die gleiche wie auf "Nova Lux",
allerdings lässt Mike Gallagher diesmal auch die Einflüsse
von seiner Arbeit bei Isis zu. Auch die streckenweise härtere,
direktere Gangart auf "Wavering On The Cresting Heft" tut
gut. Den Grundton bilden immer noch sanfte, weit ausufernde und tragende
Dronen, mit Mikes hellem, wie ein Lichtblick über der ganzen einsamen
Melancholie liegenden, akustischem Gitarrenspiel. Also, insgesamt eine
Weiterentwicklung zu mehr tonaler Struktur mit stärkeren Verzerrungen
hin und wieder. Anstatt epischem Dauer-Ambient Geplänkel, sind
die Stücke auf "Wavering On The Cresting Heft" strukturell
klarer und wirken mehr wie einzelne, in sich geschlossene Songs. Das
Artwork ist unspektakulär-melancholisch. Alle Fotografien stammen
von Gallagher selbst.
Anspieltip: "It Darkens His Door"
Rating: 8/10
Maurizio Bianchi (w/ Hue & Fhievel) "Erimos" CD (Digitalis
Recordings)
Maurizio Bianchi hat vor fast 30 Jahren angefangen, Musik zu machen
und seit den frühen 1980er Jahren konzentriert er sich dabei auf
die Verwendung von elektronischem Equipement. "Erimos" ist
eine Klang- und Geräuschmanipulationsorgie, die sich gewaschen
hat. Über 40 Minuten in der Länge werden hier Töne manipuliert
und umstrukturiert und dabei entstehen durchaus eigenwillige aber auch
sphärisch weit tragende Dronen. Die Schönheit von "Erimos"
liegt im Organischen und Warmen dieses langen Stückes, das doch
immer wieder einer Entdeckungs- und Forschungsreise durch dichte Klangwelten
gleicht. Immer wieder bilden sich neue Klangkreise, einer webt um den
anderen und wogt auf und ab. Geräusche, wie das Nahen eines Insektenschwarms,
der Meterhoch und ungesehen über einem Sumpfgebiet an einem schwülen
Sommertag steht und surrt. Dumpfes Wabern einer Maschine. Alles das
vereint "Erimos" auf ganz natürliche Weise. Wenn man
sich die Zeit nimmt und "Erimos" aufmerksam erkundet, zeigt
sich die wahre Grösse des Albums.
Rating: 7/10
Mudboy "Hungry Ghosts! These Songs Are Doors" CD (Digitalis
Recordings/ ACE)

Elegante, meditative Harmonium- Halluzinationen auf CD gepresst."Hungry
Ghosts! These Songs Are Doors" ist eine wirklich seltsame und spannende
Angelegenheit zugleich: Man ist hin und her gerissen, zwischen Dunkelheit
und Licht, Tag und Nacht und klaren wie verwirrten Zuständen. Mudboy
befindet sich nie wirklich lange an einem Ort, nie wirklich lange in
einem Zustand. Und so ist "Hungry Ghosts! These Songs Are Doors"
ein detaillierter wie desorientierender Eiertanz mit viel Psychedelia
und kreisenden musikalischen Bewegungen. Das Album ist hypnotisch und
fesselnd, wie verwirrend und musikalisch irgendwo zwischen Drone und
Freak-Folk aus den Wäldern Finnlands anzusiedeln. Der Hörer
läuft durch einen riesigen Spiegelsaal und weiss nie wirklich,
wohin drehen und gehen, da sich alles spiegelt, wandelt und dreht. Dass
Mudboys analoge Klangspielereien es durchaus schaffen, phasenweise ruhig
und meditativ zu wirken,sei auch noch lobenswert erwähnt. Auf LP
erschien "Hungry Ghosts! These Songs Are Doors" über
Not Not Fun Records, aber auch diese CD Version überzeugt mit einer
detailverliebten Aufmachung: Die CD, von einem lasergeschnittenen oder
gestanzten Papier eingefasst, das leicht angebrannt wurde. Zusätzlich
ist noch "Orthern Lights", ein Video, als Bonus auf der CD
enthalten.
Rating: 8/10
Pocahunted/ Robedoor "Hunted Gathering" 2xCD (Digitalis Recordings)
Röhrend und brodelnd beginnt das erste Stück von Robedoor.
Man findet sich mitten in einem altindianischen Totemritual. Gleich
zu Beginn, das beste Stück des langen Albums. Pocahunted ist mehr
auf der träumerischen Seite zu Hause. Geister erwecken im Schlaf,
sozusagen. Ihre Stücke klingen auch lichter, wärmer und vom
irdischen Leben entrückt. Während Robedoor immer wieder die
Knochen der Ahnen hervorbuddelt, aus Höllen zieht und am Tageslicht
untersucht. Knochentanz. "Hunted Gathering" ist ein Split,
wie auch ein Kollaborationsalbum. Fast abwechselnd gibt man sich die
Klinke in die Hand um das epische finale Stück gemeinsam zu zelebrieren.
Diese beiden CDs sind ein Fest für jeden Fan von Doom infizierten
Dronen, einen besseren Nenner wird man für das vollvolumige Dröhnen
auch kaum finden. Verstorbene und Wesen aus Geisterwelten werden hier
auf schöne, wie verschreckende Weise sichtbar gemacht. Pocahunted
und Robedoor sind quasi die Schwellenhüter am Tor zur anderen Welt.
Nicht alles ist schön was man da sieht, aber für das unwissende
Auge um so spannender. Erwähnenswert vielleicht noch, dass die
beiden männlichen (Robedoor) und weiblichen (Pocahunted) Protagonisten
miteinander verheiratet sind und zusammen das Not Not Fun Label betreiben.
So schön kann also Eheleben sein. Das Artwork zeichnet erstaunlich
genau den Spannungsbogen zwischen dem musikalischen, indianischem Totentanz
und den lichten, träumerischen und psychedelischen Momenten der
Musik von Pocahunted und Robedoor nach.
Rating: 8/10
Rotor "3" CD (Elektrohasch/ Swamp Room)

Zugegeben, auch wenn mich das Cover der CD eher abgeschreckt hat, so
war ich doch gleich nach wenigen Sekunden Fan. "Auf's Maul?"
heisst der erste Track und so klingt der Song auch. Direkt, verspielt,
dreckig und druckvoll. Live hauen Rotor bestimmt auch alles weg, mit
ihrem dicken, stellenweise psychedelischen Stoner Rock. Der Sound ultra-dicht,
zeitlos und warm. Vintagesound at its best. Auf "3" ist echt
alles dabei und ob als Hintergrund-Musik für einen Kiffer-Abend
oder zum schnell die Autobahn entlang bügeln, passt echt immer.
Neben den ruhigeren, und gar jazzig-verspielten Momenten halten die
drei Rocker von Rotor aus Berlin auch kernige Basslines und deftig-homogene
Moshteile parat. Der warme Klang sorgt dafür, dass Rotor nie gekünstelt
und verkrampft klingen, im Gegenteil, da funktioniert das Zusammenspiel
wohl ohne grosse Worte. Das Album macht Spass und groovt mächtig,
es bleibt spannend bis zur letzten Note. Nach dem Durchhören komme
ich selbstverständlich auch mit dem Artwork des Albums klar.
Rating: 8/10
Seizure Crypt "Hello My Name Is... Madness" CD (3:16
Productions)
Direkt aus dem Herzen von New York wurde mir diese CD zugeschickt. Das
langweilige Artwork liess mich nichts allzu gutes erwarten, aber das
war absolut unbegründet. Denn sofort hat mich an der Musik von
Seizure Crypt ein Gefühl gefesselt, welches mich an die alten New
Yorker Hardcore Bands erinnert hat. Ein Blick auf den Infozettel zeigte
dann auch, dass New York Hardcore Altmeister Don Fury "Hello My
Name Is... Madness" aufgenommen und produziert hat. Die 8 so entstanden
Stücke sind wuchtig, durchtrieben und manchmal richtig knallig
und brutal. Neben dem erwähnten guten, alten NY Hardcore vereint
die Band noch Elemente aus dem Metal und Punkt. Und das einigermassen
frisch und intelligent. Es scheint der Band jedenfalls Spass zu machen
und das mal live irgendwo in NY zu sehen, ist bestimmt ein lustiges
Erlebnis.
Rating: 7/10
To Blacken The Pages "The Urgency" CD (Colony Records)
Hinter To Blacken The Pages verbirgt sich Paul McAree aus Dublin in
Irland. Wieder einmal hat sich hier jemand vorgenommen, Musik zu machen,
diese schön und hochwertig zu verpacken und auf dem eigenen Kleinstlabel
herauszubringen. Erstes Ergebnis ist nun "The Urgency", ein
auf 100 Exemplare limitiertes und numeriertes Kleinod in einer bräunlichen
Kartonhülle, die dunkel bedruckt ist. Wirklich gelungen und erinnert
etwas an die Aufmachungen des Archive Labels. "The Urgency"
enthält einen einzigen, langen und massiven Track mit über
47 Minuten Spielzeit. Das Stück beginnt mit ausufernden, üppigen
Gitarren und erinnert von der Stimmung immer wieder an Neil Youngs "Deadman"
Soundtrack. Weite Landschaften, Einsamkeitsgefühle etc. Nach einigen
Minuten gehen die Gitarren in laute Feedbacks über, die wie Gewittergrollen
sich hin und her bewegen und im Raum verteilen und über den Hörer
stürmisch und machtvoll hinwegbrausen. Bassige Dronen vermengen
sich mit dicken, schweren Rückkopplungen und wälzen sich so
auf und ab. Dabei bilden sich Schichten um Schichten von dicken Klangwellen,
die dann nach und nach wegziehen, abebben und zerbröckeln und sich
in den Weiten des Raumes verlieren. "The Urgency" von To Blacken
The Pages hat auf jeden Fall mein Interesse am Schaffen von Paul McAree
geweckt, mehr Infos auf toblackenthepages.com
Rating: 8/10
YOG "Years Of Nowhere" CD (Get A Life Records!)

Seit gut 7 Jahren gibt es YOG aus dem schweizerischen Neuchchatel schon,
allerdings hat es die Band durch eine Vielzahl von Veränderungen
im Band Line-Up, nie wirklich weit geschafft. Das könnte sich jetzt
ändern mit "Years Of Nowhere". Das Album ist ein brutal,
wuchtiger und vertrackter Klotz aus extremem Hardcore und Metal,wie
wir ihn alle zur Genüge von den Grossen wie The Dillinger Escape
Plan, Converge oder Pig Destroyer kennen. Die 13 Stücke auf "Years
Of Nowhere" sind dynamisch, schnell und kantig. Die Band wirkt
dabei technisch fit und bietet ein ums andere Mal interessante, schnelle
Attacken. Da gibt's nur auf die Fresse und alles peitscht immer nur
nach vorne mit derben Geschwindigkeiten. Der Sänger hat mit seinem
wüsten Gekeife und Gekreische auch ordentlich was zu leisten und
zeigt Einsatz. Das Artwork schafft es leider gar nicht an die Musik
heran, es wirkt uninspiriert und langweilig. Da bietet die Musik von
YOG schon deutlich mehr.
Rating: 7/10
Vancouver/
Zatokrev "s/t" Split CD (Get A Life Records!)
Die beiden grössten (laut Infozettel) schweizerischen Metalcore
Bands treffen sich um mit dieser gemeinsamen CD, 4 Stücke vorzustellen.
Zatokrev enstammen dem schönen Basel und machen soliden, direkten
metallischen Hardcore, der zwar nicht unbedingt kreativ erscheint,aber
dennoch Wirkung hat. Zatokrev klingen dunkel, böse und schwer und
ackern sich in beiden Songs zäh durch etwa je 5 Minuten.
Die beiden Stücke von Vancouver stammen aus der gleichen Aufnahmesession,
wie die, des Songs für die Fresnel Split 7". Waren auf der
genannten Split 7" noch die Österreicher die eindeutigen Gewinner,
so haben hier Vancouver die Nase vorn. Klanglich werden durchaus Erinnerungen
an frühe Breach wach, wenngleich man natürlich nicht an die
unglaublichen Schweden heranreicht. Die Produktion ist gelungen und
die Band bewegt sich zwischen schweren Klangwänden und eher zurückgelehnten,
ruhigeren Momenten, gefolgt von wüsten Ausbrüchen von klanglich
kernigem, brechendem Charakter. Das Artwork ist nicht sonderlich spektakulär,
aber gelungen und die Zeichnung der abgebildeten Hand ansprechend.
Rating: 7/10
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