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Reviews
- Spring 2006 (all other reviews of the year 2006 below)
So,
es ist endlich geschafft, die Frühjahrsrezensionen sind endlich
fertig. Dieser Frühling ist extrem, unzählige Veröffentlichungen
drängen auf den Markt und wollen gehört zu werden. Es wurde
versucht so viel wie möglich zu besprechen, da zahlreiche gute
Platten dabei sind. Danke auch an Stefan für seine Beiträge.
Amen Ra "Mass III" CD (Hypertension Records)
Man kann bei dieser Band schon so einige Gründe finden, die Musik
nicht gut zu finden. „Amen Ra“ ist in der ägyptischen
Mythologie eine Gottheit: auch Amon-Ra bzw. Amon-Re: der König
der Götter. Irgendwoher kennt man das doch wohl… Auf der
CD befinden sich 6 Songs, bei ca. 45 Minuten Spielzeit. 3 davon waren
schon in der ein oder anderen Form auf vorherigen Releases zu hören
(Am Kreuz, Ritual, From Birth To Grave. Letzteres in einer anderen Version).
Vor, ich glaube, 2 Jahren habe ich Amen Ra als Vorband von Pelican in
Straßburg, Frankreich live gesehen. Ziemlich viel Spaß hat
mir das damals gemacht, auch wenn es an so mancher Stelle „zu
sehr“ nach älteren Cult Of Luna klang, danach hab ich immer
wieder versucht an Songs der Band zu kommen, aber ich war leider nur
mäßig erfolgreich. Mit der neuen Veröffentlichung dürfte
sich das wohl ändern und die Musik einem breiteren Publikum zur
Verfügung stehen. Vielleicht, oder wahrscheinlich, auch daher die
„Neuaufnahmen“ der schon veröffentlichten Songs. Musikalisch
ist das ganze oft etwas monoton, vielleicht könnte man auch „stumpf“
sagen, denn mit der Art von Minimalismus wie er z.B. auf der neuesten
Switchblade Veröffentlichung zu hören war hat das nicht allzuviel
zu tun. Nichtsdestotrotz ist Monotonie ein bewährtes Mittel um
Stimmung und Atmosphäre aufzubauen. Bei Amen Ra wird dahingehend
weniger subtil als vielmehr recht brachial zu Werke gegangen, und genau
das ist es was mit damals live und auch heute noch bei allen „Aber’s“
an der Platte so gut gefällt: dass sie bei allen Anleihen doch
immer ziemlich nahe und unverbraucht an dem so abgelutschten Begriff
„Metal“ bleibt.
Rating: 7/10
-Stefan Schauber
Bird Show "Lightning Ghost" CD (Kranky)
Nach "Green Inferno" ist "Lightning Ghost" nun das
zweite Bird Show Album um Ben Vida, welcher von vielen Projekten, unter
anderem Town & Country, Pillow oder Central Falls bekannt ist. "Lightning
Ghost" ist eine quirlige, meditative und mystisch wirkende Angelegenheit
und damit sicher nicht für jeden etwas. Das Album ist das Ergebnis
von Vidas heimischen Soundexperimenten und in seiner Vielfalt auch schwierig
zu beschreiben. File under Neo Folk/ Psych ist die richtige Richtung
um "Lightning Ghost" auf die Schliche zu kommen. Es fiepst,
knuspert und knarzt. Ja es nervt, fiedelt, hat hypnotischen Rhythmus,
wird zu Zeremonie unter Gleichgesinnten, ist laut, abgedreht und wummert
mit massiven Drones umher. Abgedreht, überdreht und trotzdem bewusst
strukturiert. Wer mit dem amerikanischen Free-Folk-Psyche Bereich kann
und bekannt ist, mag sich frei hier heran trauen. Stellenweise erinnert
der Gesang an Beck. All denen jedoch, denen meine Beschreibung eher
Verwirrung einhaucht, sollten lieber mit Vorsicht an Bird Show herantreten,
nicht dass "Lightning Ghost" dann tatsächlich zur verrückten
Vogelshow wird... Um so schöner die Überraschung aber, wenn
man direkten Zugang findet, so wie ich beim vierten ("First Path
Through") der neun Stücke.
Rating: 6/10
Black Ox Orkestar "Nisht Azoy" CD (Constellation)
Nach "Ver Tanzt?" das zweite Album von Black Ox Orkestar aus
dem Silver Mt. Zion, Sackville Umfeld aus Montreal, Kanada. Hierbei
handelt es sich um jüdische Musik, mit jiddischen Texten. Lustig
und durchaus nett anzuhören, aber sicher nicht für jeden etwas.
Ich mag die charmante, unkomplizierte Ausstrahlung der 8 Stücke
auf "Nisht Azoy". Die Lieder klingen warm, direkt und wirken
wie in einer Kneipe vor lauter gut gelaunten Menschen vorgetragen. Die
Instrumentierung bewegt sich zumeist im "klassischen" Rahmen
von Stimme, Geige, Drums etc. Alle vier Musiker von Black Ox Orkestar
weisen einen Hintergrund aus dem Folk, Punk-Rock und Free Jazz auf,
was man den Stücken unbedingt anhört. Musikalisch werden hier
verschiedene Musikrichtungen vom Balkan, Zentralasien, Arabien und slavischer
Musik zu einem bunten Teppich zusammengewebt. Textlich werden, soweit
ich das verstehen kann, auch eher klassische jiddische Themen bearbeitet.
Die folkloristische Aufmachung des Artworks passt mit seiner dezenten
Art gut zur Musik. Black Ox Orkestar sind mit "Nisht Azoy"
nicht etwas für jeden Tag und mit Sicherheit auch nicht für
jeden was. Aber wer mit dem Constellation Label bekannt ist, weiss dass
dies keine so ungewöhnliche Veröffentlichung ist.
Rating: 6/10
Boris "Pink" CD (Southern Lord Recordings)
Boris Fans haben es schwer, denn sie brauchen einen vollen Geldbeutel
um bei der Veröffentlichungsflut der Band mithalten zu können.
Zahlreiche Releases jedes Jahr in allen möglichen Versionen und
Variationen. Dies ist nun die "Pink" Version von Southern
Lord mit einem anderen Artwork als die Japanische. Spektakulär
anders sieht sie allerdings nicht aus, auch wenn Stephen O'Malley das
schöne Design kreiert hat. Aber sicherlich leichter zu bekommen,
war doch die japanische Vinyl Pressung in 500'er Auflage nach nicht
mal einer Stunde ausverkauft. Momentan tingelt das Power-Trio durch
Europa um seinen positiven Eindruck der letzt jährigen Tour mit
Sunn O))) auszubauen. Was mir nach ein paar Durchgängen von "Pink"
positiv auffällt: das erste Mal habe ich den Eindruck, dass Boris
es geschafft haben, ihre ganze Bandbreite an Stilen und Facetten auf
eine Platte zu bannen und zu konzentrieren. Auf "Blackout"
kommt die monströse, Gitarren-Drone Seite wuchtig zum Vorschein.
Auf Stücken wie "Nothing Special" oder "Six, Three
Times" kommt die zerfahrene Punk-Rock Seite zu Tage, während
Songs wie "Afterburner" nur noch psychedelisch, spaceig und
abgedreht wirken. 70'er Acid Rock wird einem mit japanischem Gesang
auf "Pink" sauber und direkt serviert. So gesehen also eine
ziemlich runde Sache und durch das Gespür für schräge
wie "catchy" wirkende Melodielinien haben Boris den Bogen
raus!
Rating: 8/10
Bricks For Shoulders "You Are, Therefore I Am" CD
(Far Between Records)
Massiv, brutal und sehr wuchtig holen Bricks For Shoulders mit einer
kleinen Besetzung, welche nur aus Gitarrist und Drummer besteht, weit
mehr aus ihren instrumentalen Möglichkeiten heraus, als so manche
08/15 Hardcore Band. Das gänzliche Fehlen des Basses fällt
nicht mal auf und die rohe Brutalität entstammt meist dem Gesang.
Deftiger Metalcore denkt man zuerst, aber Bricks For Shoulders sind
doch etwas mehr und variieren ihren Sound mit allerlei Indie und Post
Hardcore Elementen. Was auch immer das jetzt genau heissen mag. Die
7 Stücke auf "You Are, Therefore I Am" sind halt nicht
nur stumpfer Metalcore, auch wenn man das immer wieder denkt. Die hektischen,
jazzigen Linien und die Artsy-Licks, die immer wieder auftauchen, würzen
die Suppe, den deftigen Einheitsbrei. Meine Empfehlung: Jungs, baut
mehr abgefahrenes Zeugs ein, Jazz was weiss ich... dann kann das was
werden. Bands wie Candiria, Bloodlet etc. haben es vorgemacht. -
Rating: 6/10
Chihei Hatakeyama "Minima Moralia" CD (Kranky)
Mit "Minima Moralia" von Chihei Hatakeyama veröffentlicht
Kranky direkt ein gelungenes Album zu Beginn dieses Jahres. Chihei Hatakeyama
ist hauptsächlich mit Opitope im Raum von Tokyo zu Gange, ausserdem
ist er noch in der Improvisationsgruppe Copa del Papa tätig. Ob
sich Chihei Hatakeyama beim Titel seines Erstlingswerkes von Adornos
Frühwerk mit dem gleichen Titel inspirieren liess, soll hier nicht
weiter beleuchtet werden. Die 52 Minuten Musik auf "Minima Moralia"
hingegen in Augenschein zu nehmen, lohnt sich allemal. Die warmen, ausufernden
Klangbilder – und Landschaften, teils fernöstlich anmutend,
kreiert Hatakeyama mit verschiedenen Instrumenten (Gitarre, Vibraphon...)
und verarbeitet sie dann mit Hilfe des Laptops zu dem homogenen Erlebnis,
das "Minima Moralia" ist. Die Drones ziehen sich weitläufig
hin, plätschern unentwegt in Bewegung, von sanftem Rauschen unterlegt,
durch ein Klangtal das nie zu enden scheint. Klare, warme und feingewebte
Harmonien schmelzen zusammen zu einem dichten Netz an Tönen, sie
haben die Kraft zu tragen, wirken aber gleichzeitig sehr intim und zerbrechlich.
Vielleicht liegt hierin die Besonderheit von Hatakeyamas "Minima
Moralia".
Rating: 8/10
Cortez/ Ventura "s/t" Split 10" (Get A Life!
Records)
Hier die zweite Veröffentlichung eines noch jungen, schweizerischen
Labels, das von Leuten betrieben wird, denen es ein Anliegen ist, gute
Musik auf einer unabhängigen Basis zu veröffentlichen. Und
mit Cortez, die ich von meiner Arbeit für sie kenne und schätze
hat das Label einen guten Griff gelandet. Beide Bands sind mit je 2
Track auf dieser 10" EP vertreten. Während Cortez gewohnt
brachial, noisig und einigermassen komplex agieren, sind Ventura weitaus
rockiger, rhythmischer und ausgelassener. Beides fügt sich aber
bei dieser auch optisch nett gestalteten 10" gut zusammen und lässt
keine Eintönigkeit aufkommen. Das Sprungbrett für Ventura
um richtig Musik zu machen war die Verwendung ihrer Musik im Film "Rollow"
von Emanuelle Antille, der auch beim Internationalen Film Festival in
Locarno gezeigt wurde. Ihr Sound ist ebenfalls noisig, aber lange nicht
so brutal und durchschlagend wie der von Cortez. Die stimmliche Emotionalität
von Ventrua erinnert mich hin und wieder an Walter Schreifels zu Rival
Schools oder Walking Concert Zeiten. Nicht so schlecht also. Cortez,
weitgehend immer noch Geheimtip, haben erst kürzlich ihr Album
"Initial" veröffentlicht, das von überall mit positiven
Rezensionen auf sich aufmerksam macht.
Rating: 7/10
Cortez "Initial" CD (Exutoire Records/ Radar Swarm)

Cortez aus der Schweiz… Bands aus der Schweiz? Hmm… Celtic
Frost? Knut. Allzu viele Bands kommen mir da im Moment nicht in den
Sinn. Relativ offensichtlich begibt man sich jedoch hier in das Fahrwasser
der letztgenannten. Bands wie eben Knut sind kein allzu schlechter Vergleich.
Düster-bedrohlicher „Hardcore“, der mit Verspieltheit
und technischer Finesse wieder die Geschwindigkeit in ein Genre bringt
das sich langsam schon verabschieden wollte. Anleihen an die „großen“
Bands wie Cult Of Luna werden hier mit der chaotischen Intensität
von Bands wie z.B. Breather Resist gekonnt verbunden.
Dass Cortez aus der etwas ungewöhnlichen Formation von nur 2 Instrumentalisten,
Schlagzeug und Gitarre, sowie einem Sänger besteht sollte wohl
noch erwähnt werden. Zumindest auf der CD vermißt man kaum
eine zweite Gitarre oder den Bass. Manchmal denkt man sich nur, dass
eben mit zumindest einem Bass mehr Dynamik möglich gewesen wäre.
Auf einer CD sind solche „Einbußen“ natürlich
relativ einfach zu überbrücken, bzw. tut die (leider etwas
„digital“ klingende) Produktion ihren guten Teil daran,
dass das Soundgewand nie zu dünn wirkt. Wie das ganze dann Live
klingt würde mich schon sehr interessieren. Mein persönlicher
Favorit: Song 2: „Mine De Rien“.
Rating: 6/10
-Stefan Schauber
Cretin "Freakery" CD (Relapse Records)
"Freakery" ist das Debut Album von Cretin, einem Grindoutfit
mit Leuten von Exhumed, Repulsion und Citizen. In der Szene scheinbar
seit langem herbeigesehnt, denn die erste EP der Band hat sich anscheinend
problemlos ein paar tausend Mal verkauft. Auf "Freakery" knüppelt
sich die Band in bester späte 80'er Grindmanier gepaart mit Elementen
des Death Metal durch 16 schnelle, dreckige Stücke und kreiert
damit einen richtigen Kotzbrocken an Musik. Am Ende des fünften
Tracks ist auch das erste kurze Solo zu hören. Trotzdem, mich reizen
Alben wie diese überhaupt nicht. Da passiert mir auf die Albumlänge
gesehen zu wenig und ist mir schlichtweg zu langweilig, auch wenn das
in einschlägigen Kreisen als Offenbarung gehandelt werden mag.
Rating: 3/10
Diario "Things In The Mirror Appear Closer Than They Are"
CD (Velocity Sound Records)
Faszinierend was diesen Frühling alles so erscheint, neben dem
neuen Album von Ostinato ein absolutes Highlight für mich in diesem
Segment. Leider habe ich aber "Things In The Mirror Appear Closer
Than They Are" nur als CD-R ohne grossartige Cover etc. bekommen.
Trotzdem weil die Musik so grossartig ist, soll hier nun ein kurzer
Blick auf Diario geworfen werden. Als Grundbesetzung besteht die Band
aus 3 Mitgliedern, die aber auf ihrem nun dritten Album durch 2 Gäste
nicht unwesentlich, wie ich meine, ergänzt und unterstützt
werden. Instrumentaler Rock im weiteren Sinne spielen Diario, der sich
durch eine schöne Art von Kompaktheit und Homogenität hervortut.
Spielfreude und Experimentierfreudigkeit, ebenso wie Zurückhaltung
und von Melancholie getragene Stimmungen, beherrschen die Leipziger
gleichermassen. Musikalisches Können, Gespür für Melodien
und eine Instrumentierung, die irgendwie so entspannt gleichberechtigt
klingt, machen "Things In The Mirror Appear Closer Than They Are"
zu einem der besseren, interessanteren Hörerlebnisse diesen Frühlings.
Rating: 8/10
Disco Doom/ Ventura "s/t" Split 10" (Get A Life! Records)
Weiter oben wurde die zweite Veröffentlichung von Get A Life! Records
besprochen, und mit dieser Disco Doom/ Ventura Split 10" nun die
Erste. Die Zürcher Disco Doom sind schon seit Ende der Neunziger
dabei und musizieren sich mit ihrem lauten Rock mit Pop-Appeal durch
den schweizerischen Underground. Neben 2 Alben und diesem Split Beitrag
veröffentlicht die Band bald ihr drittes Album. Hier sind zwei
treibende, rockende Songs von Songs von Jack, während Ventura weiterhin
durch ihren emotionalen, kehligen Gesang auffallen. Während man
bei den Songs der Split mit Cortez noch Vergleiche zu Walter Schreifels
(Rival Schools, Walking Concert) ziehen konnte, wirkt der Gesang diesmal
cleaner und eigener. Zu erwähnen ist noch, dass Ventura aus ehemaligen
Mitgliedern von Iscariote und Ilord bestehen. -
Rating: 7/10
Earthride "Vampire Circus" CD (Southern Lord Recordings)
Traditioneller, mit Absicht zurückgebliebener Doom Metal, der vom
rauhen Klang und der kehligen, versoffenen Stimme von Sänger David
Sherman lebt. Lustig die Whiskey Flasche auf den Tisch! Klingt als ob
Lemmy auch dabei wäre. Die brutale, wahrlich nicht auf diamantenen
Feinschliff ausgelegte Produktion kommt von Mike Dean, dem Basser von
Corrosion Of Conformity. Optisch auch in typischer metallener Orthographie
unterwegs und auch die extra grobkörnigen Bildausschnitte, untermalen
nur den Eindruck den man beim hören dieses Biestes bekommt. Schwer
verdaulich und mit tonnenweise mächtigem Groove ackert sich die
Band durch die 10 wuchtigen Stücke auf "Vampire Circus".
Manchmal ist man geneigt anzunehmen, dass diese dreckige Rockwand, dass
der Truck namens Earthride gleich völlig zum erliegen kommt, einfach
stehen bleibt und auseinanderfällt. Ich bleibe schon nach dem zweiten
Track sturzbesoffen im Graben liegen und passe. Trotzdem nett anzuhören.
Rating: 6/10
East West Blast Test "Popular Music For Unpopular People"
CD (Ipecac Recordings)
Wieder so ein wahnwitziges Projekt, das bestens auf Pattons Ipecac Label
aufgehoben ist, fehlt nur noch, dass der Meister da auch mitmischen
würde. Ist aber nicht wirklich von Nöten, denn "Popular
Music For Unpopular People", das zweite Album der musikalischen
Verbindung von Chris Dodge (Spazz, Burn Your Bridges, Stilky, No Use
For A Name etc.) und dem grossartigen Schlagzeugmeister Dave Witte,
der durch seine Arbeit bei Bands wie Melt-Banana, Discordance Axis,
Municipal Waste, Burnt By The Sun, Phantomsmasher, Humans Remains etc.,
bekannt ist, überzeugt auch so. Zur Arbeitsweise von East West
Blast Test: Witte hat immer wieder im Studio ganze Drum Tracks aufgenommen
und seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Dass er da recht experimentierfreudig
gewesen ist, versteht sich von selbst. Drum Tracks mit irren Geschwindigkeiten
und einer Komplexität, für die die der Name Witte steht und
bekannt ist. Dann hat er Dodge die Aufnahmen von New Jersey nach Kalifornien
geschickt und der sah sich der herausfordernden Aufgabe gegenübergestellt,
damit was anzufangen und dazu Musik zum schreiben. Hat er getan und
nicht weniger interessante Ideen parat wie Witte. Dodge hat sich dazu
verschiedene Musiker eingeladen, die ihm in der Instrumentierung der
Lieder zur Seite standen. Diese ist ihm auch meiner Meinung nach gelungen.
Stilistisch bewegen sich die 23 Stücke in einem weiten, freien
Feld. Es reicht locker von Grindcore, Noise, Thrash zu irgendwelchem
experimentellerem Funk Kram, Lounge und Jazz-Licks sowie allerlei vielen
anderen Nuancen und Schichten. Hier werden Grenzen neu überdacht
und Rahmen gedehnt wie gesprengt. -
Rating: 7/10
Enablers "Output Negative Space" CD (Neurot Recordings)
Nach "End Note" das zweite Album dieser Band um ehemalige
Mitglieder von Swans, Tarnation, Nice Strong Arm , Toiling Midgets etc.
und mit dem Underground Literaten Pete Simonelli, dessen Sprechgesang
eine recht eigenwillige, private wie melancholische Stimmung erzeugt.
Mal lauter, mal leiser plätschern die 9 Stücke so vor sich
hin. Simonelli veröffentlicht seit Jahren seine literarischen Ergüsse
in einschlägigen Journalien und mit den Enablers werden seine Gedichte
das erste Mal auch musikalisch unterlegt. Natürlich sind alle Texte
im Booklet abgedruckt und ein näherer Blick darauf lohnt sich.
Interessant sind die Wechsel von Stimme und Instrumentierung: mal hat
man den Eindruck die Musik bewegt sich nur um die Stimme Simonellis,
mal scheint die Musik die Richtung der Vocals zu bestimmen und ist der
Musik ganz Untertan. Mit "Output Negative Space" ist den Enablers
wieder eine schöne, dynamische und rhythmisch abwechslungsreiche
Platte gelungen, welche in den Abendstunden gehört, nicht langweilig
wird.
Rating: 7/10
Fear Falls Burning "The Carnival Of Ourselves" LP
(Tonefloat)
Musikalisch wie optisch sehr schön gestaltete LP, die in der "C"
Vinyl Reihe von Tonefloat für experimentelle Musik erschienen ist.
Die Auflage dieser Lp auf klarem 180g Vinyl ist 3x100 Stück und
wird separat nacheinander verkauft. Dies hier ist also die erste Pressung
in einem ästhetisch hochwertigen wie schlichten, handgemachtem
Cover. "The Carnival Of Ourselves" unterscheidet sich wohl
in seiner sehr atmosphärischen Art vom Vorgängerwerk "He
Spoke in Dead Tongues".
Warme, weiche gitarrengenerierte Drones und Loops erfüllen den
Raum und breiten sich wellengleich aus, treffen auf Widerstände
und wabern wohlig zurück. "The Carnival Of Ourselves"
ist eine in sich stimmige Platte, sie wirkt wie eine dichtgewebte Einheit,
die nur durch das Wenden der Platte kurz unterbrochen wird. Die direkte,
ursprüngliche Art der beiden langen Ambiancen zeigt sich auch,
wie angedeutet, im Artwork. So ist die Numerierung jeder Platte und
das Wachssiegel nur der Abschluss, die "The Carnival Of Ourselves"
für jeden Hörer zu einem Kleinod machen.
Rating: 8/10
Final "3" Do-CD (Neurot Recordings)
Final ist JK Broadricks erstes Projekt überhaupt. Gestartet im
Alter von 13 (!) Jahren war Final immer eine Experimentierplattform
des Ausnahmemusikers von Napalm Death, Godflesh, Techno Animal, Jesu.
Mit "3" kommt nun ein weiteres, eben drittes, Album mit über
2 Stunden an obskurer, dunkler Musik heraus, das sich in einem weitgehend
freien Raum von Ambient, Drone und Industrial bewegt. Klaustrophobie
auslösende wie auch sphärische Klangcollagen entstehen auf
"3", dunkle Räume werden geöffnet, man schreckt
zurück, findet aber auch Ruhepole von emotionaler Tiefe und Bewegung.
Entstanden ist das Material dieser Doppel-CD zwischen 2000 und 2006.
Eine Schwierigkeit ist vielleicht die immense Länge des Albums,
in einem Durchgang kommt da wohl niemand durch. Eigentlich aber nicht
schlimm, da man gut und gerne immer mal wieder in die CD hören
kann. Es spielt kaum eine Rolle wo man ansetzt, unterbricht und wieder
anknüpft. Die Für JK Broadrick typischen Stimmungen findet
man auf "3" auf alle Fälle wieder: melodische, warme
und atmosphärische Momente ebenso wie diese statisch-kalten und
mechanisch-maschinell wirkenden Industrial Stimmungen. Demnächst
mit Jesu auf Tour live zu erleben. -
Rating: 8/10
Feu Thérèse "s/t" CD (Constellation)
Schöne Nosie-Rock/Impro-Jam Platte die mir bis auf den wenigen
französischen Gesang gut gefällt. Feu Thérèse
ist definitiv etwas für Leute die The Psychic Paramount und Pharaoh
Overlord mögen, denn von beidem ist etwas auf dieser selbstbetitelten
5 Song CD zu entdecken. Während viele quirlige, nervige Free-Impro
Parts an die Überdrehtheit von The Psychic Paramount erinnern,
führen mich die langen, sich langsam steigernden, hypnotischen
Strecken zu Pharaoh Overlord. Avangarde-Rock mit einer winzigen Pop
Referenz, die in den harmonischen, sphärischen Parts und dem französischen
Gesang deutlich werden. Schnell, und ich bin geneigt zu sagen glücklicherweise,
zerbrechen diese Momente wieder durch Disharmonie und noisige strukturelle
Schräglagen, die gerne auch mal die eine oder ander Richtungsänderung
hervorrufen, aber immer wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren.
Die Produktion ist organisch und das sich Aufbauen und Hin und Her,
Auf und Abwogen der 5 langen Songs in über einer Dreiviertelstunde
Spielzeit tritt dabei gut heraus. "..Between Dark Side Of The Moon,
Sun Ra, Kabuki music and the zoo."
Rating: 7/10
Ghostigital "In God We Trust" CD (Ipecac Recordings)
Ganz ehrlich, "In God We Trust" ist eine hibbelige, nervenaufreibende
Angelegenheit, die aber keinesfalls langweilig oder nicht gelungen ist.
Musikalisch sind Ghostigital um Sugarcubes Mann Einar Orn schwer zu
beschreiben, verrückte wie nervende Raps, Geschrei, Jungle, Drum'n'Base,
80'er New Wave, Elektro, noisige Attacken und Hip-Hop sowie allerlei
andere Elemente sorgen für eine krude wie klanglich bunte und abgedrehte
Mischung. Auf Dauer anstrengend und schwerlich zu ertragen, aber für
Ipecac keine ungewöhnliche Platte, die Qualität hat. Als Gäste
auf "In God We Trust" vertreten: Sensational, Mark E. Smith,
Katiejane Garside, Dälek, Steve Beresford, Mugison and Ása
Júníusdóttir. Electric is the word!
Rating: 6/10
Gracer "Voices Travel" CD (Revelation Records)
Nach dem Ableben der Revelation Star-Band Elliott hier vielleicht die
nächste wichtige Band die dieses Platz ersetzen kann!? Also an
Elliott werden Gracer sicher nie herankommen, aber auf "Voices
Travel" gehen sie einigermassen geschickt mit treibendem Rock,
Melodie und emotionaler Einschlägigkeit um. nach vorne gehender
Rock gepaart mit Momenten von 90'er Emo im Stile von Sunny Day Real
Estate und eben viel Elliott. Die Atmosphäre die das Trio in den
10 Stücken auf "Voices Travel" aufbaut und schafft, überzeugt.
Zumindest streckenweise. Denn nach der Hälfte der Songs hat man
das Gefühl schon mehr als nur 5 Lieder gehört zu haben und
sehnt sich nach mehr Abwechslung und sucht nach dem "Hitcharakter"
der Songs. Stimmlich manchmal durchaus nahe an Jonathan Bunch (Sense
Field, Further Seems Forever), zieht der Sänger die Songs immer
wieder aus der Belanglosigkeit heraus, Spannungen entstehen. Die Gitarre
driftet ab und an ins spacige, während der Bass das Ganze am Boden
hält und ausgleicht. Die Drums klingen einigermassen hart, aber
dezent mit eingemischt. Melancholie kommt auch immer wieder durch die
emotional weicheren Momente mit Klavier zum Vorschein. Produziert hat
"Voices Travel" Kevin Ratterman von Elliott, womit auch formal
der Bogen zu selbigen geschafft ist und somit jeder Elliott Fan Gründe
finden kann sich mit Gracer zu beschäftigen.
Anspieltip: "Waiting For Departures"
Rating: 6/10
Gregg Kowalsky "Through The Cardial Window" CD (Kranky)
Der in Oakland, Kalifornien beheimatete Gregg Kowalsky hat einen Master
of Fine Arts Abschluss in Electronic Music and Recording Media. "Through
The Cardial Window", das Debut Album von Kowalsky besteht aus 7
Ambient/ Drone Tracks, die unter anderem Elemente vom Mills Ensemble
und von Isis beinhalten. Was genau er von Isis verarbeitet hat, ist
für mich nicht hörbar und ich sehe die Wichtigkeit dieses
Hinweises auch nicht wirklich. Die Stücke sind schön, harmonisch
und ab und an mit Noise Collagen die an und abschwellen durchzogen.
Generell erinnert mich Musik wie diese immer an den Blick auf eine in
der Sonne flimmernde, blinkende Wasseroberfläche. Denn genauso
schimmern diese Klangbilder und Drones minutelang in Ruhe vor sich hin.
Für Fans des Kranky Labels sicherlich spannend.
Rating: 7/10
Glissandro 70 "s/t" CD (Constellation Records)
Glissandro 70 ist eine Kollaboration von Sandro Perri (Polmo Polpo,
Continuous Dick) und Craig Dunsmuir (Guitarkestra). Erschienen auf dem
in Montreal ansässigen Constellation Label, auf dem auch Godspeed
You! Black Emperor und A Silver Mt. Zion veröffentlichen.
Musikalisch bewegen sich die 5 Tracks von Glissandro 70 irgendwo auf
der Schnittlinie von Pop Songs und Dub im weiteren Sinne. Zurückgelehnt
und entspannt, aber irgendwie auch zu oft nervig klingt der Gesang.
Hier wird gechillt. Ist mir ehrlich gesagt zu nichtssagend und langweilig,
auch wenn immer wieder schöne, ansprechende Momente auftauchen.
Pseudo-afrikanische Momente, World-Music Einflüsse sowie der funkige
Touch der über den Songs liegt, geben dem selbstbetitelten Kollaborationsprojekt
mehr Klangfarbigkeit und eine Wärme die fast schonen eine tropische
Ausstrahlung hat. Das finale Stück, "End West", ist über
13 minütiger dubbiger Ethno-Jam, mit psychedelischen Einflüssen.
Warum kommen mir Namen wie Paul Simon oder Peter Gabriel in den Sinn?
Rating: 5.5/10
Hellmotel "Hang Us Young" CD (Radar Swarm)
Wer verdammt hatte die Idee “Claps” gleich in das erste
Lied einzubauen? Und dieses Lagerfeuer-Gepfeife bei „love laziness“?
Das Ziel dieser ca. 50 Minuten ist, wenn ich das richtig verstanden
habe eins: Rock. Und zwar die schwere Variante. Vergleiche zu Converge
drängen sich da fast schon auf.
Insgesamt ist das dann auch schon fast beängstigend auf welchem
Niveau und mit welcher Spielfreude hier zu Werke gegangen wird. Ein
wenig „gestraffter“ hätte die CD meiner Meinung nach
jedoch sein können, denn über die Dauer von „Hang Us
Young“ bleibt bei mir dann doch nicht wirklich viel hängen.
Spaß macht das trotzdem auf alle Fälle. Schade, dass man
nicht mehr französiche Bands wie Hellmotel kennt, bis auf Overmars
kenne ich persönlich kaum eine, und dieses Album zeigt doch deutlich
das sich ein Blick über den „Tellerrand“ sehr wohl
lohnen kann.
Rating: 6/10
-Stefan Schauber
I Farm "IV" CD (Go Kart Records Europe)
I Farm sind so eine Band von der man mal gehört hat und trotzdem
nicht weiss wie sie klingen. Gut, das ändert sich nun, zumindest
für mich. I Farm machen stilistisch höchst interessante Musik,
die sich auch nicht so ganz auf einen Nenner bringen lassen will. Gut
so! Wenn das Punk(rock) ist, dann will ich ihn hören! Wenn das
Hardcore ist, dann will ich ihn hören! Schnell und streckenweise
treibend, nach vorne... immer nach vorne. Aber dann wieder dreckig und
schnörkellos... vielleicht ist das das Geheimnis von I Farm. The
Descendents kommen mir in den Sinn, kurze Anleihen von Sick Of It All,
aber alles gepaart mit der Schrägheit von Bands wie At The Drive
In, Jawbox oder Fugazi. Die jazzigere Seite der 14 Tracks verlangt etwas
mehr von der Konzentration des Hörers, dennoch klingt die Beschreibung
vielleicht komplizierter als es der Stil der Band ist, denn I Farm gelingt
es den Spagat zu schlagen zwischen bewusstem Hinhören und nebenbei
laufen lassen. Beides geht problemlos. Einziger Kritikpunkt: Bei der
guten Platte hätte es auch etwas mehr sein dürfen als ein
für Go Kart typisches labriges "Pseudo-Booklet.
Rating: 7/10
Liar "Invictus" CD+DVD (Genet Records)
Damals 1997 fast schon essentielle und heute immer noch wichtige Platte
für die europäische Vegan Straight Edge Metalcore Szene (Stichwort
H8000 etc.) und jetzt als Wiederveröffentlichung mit DVD zu haben.
Neben derm ursprünglichen "Invictus" Album sind noch
zwei Studio Tracks enthalten, sowie ein Duzend Live Tracks. Die DVD
enthält ebenfalls Live Aufnahmen die 1996 – 1997 aufgenommen
wurden. Insgesamt eine nette Idee "Invictus" noch einmal neu
auf den Markt zu bringen, einzig das Artwork der CD hätte auch
überarbeitet und etwas spektakulärer präsentiert werden
dürfen. Über die Musik soll jetzt hier nicht weiter berichtet
werden, den meisten wird dieses Album ohnehin bekannt sein und wer's
noch nicht kennt und ein bisschen europäische Metalcore Geschichte
büffeln will, kann hier direkt mal quer einsteigen.
Rating: 7/10
Magicicada "Everyone Is Everyone" CD (Public Guilt)
Magicicada ist das Baby von Christopher White, zusammen mit ein paar
Freunden, die ihm bei der klanglichen Vertonung seiner Ideen zur Seite
stehen. Schon die Aufmachung der CD ist detailverliebt und nett anzusehen.
Dieser Blick für Details findet sich auch in der Musik wieder und
die Liste der verwendeten Instrumente, Dinge und Gegenstände ist
einigermassen gross. Neben der eher "klassischen" Verwendung
von Gitarre und Computer, Cello, Akkordeon, Synths wurden auch zum Beispiel
die Töne von auf Parkettboden rollenden Eisenkugeln, der Klang
von verschiedenen Papieren, oder das Geräusch einer Ofentür
mit in die Musik eingearbeitet. Musikalische Vergleiche ziehe ich zum
Neurosis Nebenprojekt Tribes Of Neurot, diversen Veröffentlichungen
des Kranky Labels und davon besonders zu Lichens. Schnell fällt
auf, dass "Everyone Is Everyone" eine Platte ist die wachsen
muss, denn ein anfängliches flüchtiges Hinhören führt
zu keinem besonders starken wie bleibenden Hörerlebnis. Hat man
sich einmal in die Musik eingelebt, so eignet sich die CD auch als Hintergrundmusik,
der man nur streckenweise wirklich aufmerksam lauscht. Auf "Everyone
Is Everyone werden homogene, organische Tonlandschaften geschaffen,
die aber hin und wieder durch harsche, kalte elektronische Einschübe
durchbrochen und zerfetzt werden.
Rating: 7/10
Mastodon "Call Of The Mastodon" CD (Relapse Records)
Kurz vor Veröffentlichung ihres Major Debuts auf Warner dieses
Jahr hauen Relapse nochmal alles von Mastodon raus was geht. "Call
Of The Mastodon" ist ein Teil dieser Vermarktungsstrategie, denn
die CD enthält die 5 Tracks der "Lifeblood" EP sowie
die 4 Stücke des Demos aus dem Jahr 2000. Alle natürlich remixed/
remastered. Trotzdem mir gefällt "Call Of The Mastodon"
teilweise echt besser als die Alben. Die Songs klingen irgendwie roher,
rauher, härter und brachialer wie wuchtiger. Also doch ein ganz
spannender Teil der Bandgeschichte, zumal das Artwork von Paul Romano
nicht zu verachten ist. Schon damals zeigte sich der Stil für den
die Band geliebt wird: Schwerer Death/ Punk/ Grind/ Heavy/ Rock/ Metal.
Die Rhythmen streckenweise abgedreht und undurchschaubar und meist im
Mid-Tempo zuhause.
Rating: 7/10
Mastodon "The Workhorse Chronicles" DVD (Relapse Records)
Wie oben schon erwähnt, Mastodon sind bei Warner gelandet und bald
erscheint das neue Album. Deshalb hier um die Kuh noch ordentlich zu
melken, hauen Relapse die erste DVD der Band auf den Markt. Aber sie
ist gelungen und absolut professionell.
In über 3 Stunden werden Mastodon ins rechte Licht gerückt
und in allen Lagen des Musikerdaseins gezeigt. Man bekommt richtig den
Eindruck, dass die Jungs gut sind in dem was sie machen und Erfolg haben
sie auch. Und nicht nur vor über 50.000 Zuschauern. "The Workhorse
Chronicles" enthält neben 28 Live Tracks, die Videos zu "March
Of The Fire Ants", "Iron Tusk" und "Blood And Thunder".
Ausserdem sind auf der DVD noch viele Interviews, Backround Infos und
Making The Videos etc. Eine wirklich interessante, gelungene Dokumentation
die den Werdegang einer der derzeit wichtigsten Heavy Bands aufzeigt
und verfolgt.
Rating: 8/10
Menfolk "Colouss" CD (Play Records)
Unter dem Namen Prune spielten sich Menfolk von 1994 bis 1998 durch
den dänischen Untergrund. 1999 kam mit dem Umzug nach Kopenhagen
und mit der Gründung von Play/ Rec der Namenswechsel. Seit 2000
spielt die Band in der Besetzung von Drummer, Gitarrist und zwei Bassisten,
was man den stoisch anmutenden 8 Stücken auf "Colouss"
nicht direkt anhört. Neben einer EP im Jahre 2001 haben Menfolk
eine gemeinsamen Platte mit Barra Head (2004) veröffentlicht. Ihr
erstes Album besteht aus streckenweise etwas zu monotonem Noise/ Art/
Math-Rock, um hier mal wieder wild mit beknackten Begriffen um mich
zu ballern. Ist aber wohl die simpelste wie einfachste Beschreibung.
Die Stücke sind komplex und viele abgehackte Rhythmen strahlen
einen eher spröden Charme aus. So auch die Stimme des Sängers,
die metallisch klingende Produktion, die kreischenden Gitarren... alles
durchsetzt von rauher, energetischer Energie. Das Artwork ist passend
zur Musik auch eher schlicht gehalten und Understatement pur. Nicht
ungewöhnlich für Noise Rock wie diesen.
Rating: 6/10
Mills Of God "The Seed" CD-R (self released)
Eher selten passiert es, dass ich bei unbekannten, jungen Bands aus
Deutschland das Gefühl habe, dass die Band tatsächlich Potential
hat und es versteht dies zu nutzen. Mills Of God haben mich mit ihrem
schweren instrumentalen wie monumentalen Rock überrascht und ich
höre ihr Demo genauso gerne wie... meinetwegen die Pelican "March
Into The Sea" MCD. Ein einziger langer, fast 20 minütiger
Song ist auf "The Seed" enthalten, aber der reicht aus. Denn
er holt aus, greift weit um sich. Er fährt durch Täler und
Gebirge und die Stimmungen, mächtig und heroisch wirken sie, ändern
sich wie die Landschaft und Farbnuancen der Umgebung vor meinem geistigen
Auge. Langsam, zäh und nur durch viel Ausdauer wird ein Bergzug
erklommen, Geröllfelder treiben die Füsse immer wieder und
wieder zurück, den Berg hinab. Verzweiflung macht sich breit. Doch
endlich einmal oben angelangt, öffnet sich ein erhabenes Panorama:
ein weites Tal, durch dessen Mitte sich ein Fluss schlängelt, breit
und ruhig. Seit Jahrhunderten zieht er hier seine Bahn. Friedlich aber
bestimmt. Doch dann, plötzlich und unerwartet verwandelt er sich
in einen reissenden Abgrund... Schlund. Gefährlich und eng. Doch
hat man einmal die Wasserschnellen und Strudel überwunden öffnet
sich das Tal wieder weit und man läuft ein in einen grossen, weitläufigen
See. Ist das Land sicher erreicht, entzündet man ein Feuer und
blickt in den Abendhimmel. Brennender Horizont. Glühende Atmosphäre.
Flackern überall. Bitte mehr. Demo zu bekommen unter millsofgod.de
Rating: 8/10
MGR "Nova Lux" CD (Neurot Recordings)
MGR steht nicht, wie von mir in der Rezension der CD-R von "Nova
Lux" fälschlicherweise angegeben, für den Name des Isis
Gitarristen, sondern es steht für Mustard Gas & Roses, also
Senfgas und Rosen. Dies ist eine Referenz an eine Zeile aus Kurt Vonneguts
weltbekanntem Roman "Schlachthof Fünf" und die Bombenhölle
von Dresden. Musikalisch gelten immer noch die Zeilen aus meiner ersten
Rezension: "Nova Lux" sind schöne, ruhige, von Sentimentalität
getragene Ambient Stücke, die ihre Schönheit erst nach mehreren
Durchläufen offenbaren. Über die dunklen, sphärischen,
elektronisch erzeugten & animierten Grundmelodien ist immer wieder
eine Akustikgitarre gelegt, die wie der helle, klare Streifen am Abendhimmel
wirkt, nachdem die Sonne untergegangen ist. Auf dieser Gitarre bauen
auch alle fünf unbetitelten Songs auf. In der Beständigkeit
und Ruhe, in dem Weniger-ist-mehr, liegt die Ausdrucksstärke von
MGR. Wie so oft bei Ambient und Drone verbinde ich auch hier streckenweise
die Musik mit direkten Natureindrücken – und Erfahrungen.
Womit die Überleitung zum Artwork spielend geschafft ist: die Luftaufnahmen
und Wolkenbilder stammen alle von Mike und ergänzen die Musik auf
gelungene Weise um eine weitere melancholische Facette. Noch in aller
Kürze Namedropping: Greg Burns von Red Sparowes sowie Oktopus von
Dälek haben an einzelnen Songteilen mitgearbeitet. Headphone music
for the drone-damaged", so der Pressetext. -
Rating: 8/10
Monno "Error" CD (Conspiracy Records)
Herausfordernd, zerfahren und verzerrt bis zum Anschlag. Auf Konfrontationskurs
mit dem Gehör des geduldigen Hörers. "Error" der
Titel, aber vielleicht doch ein Fehler auf der CD? Nein, alles Absicht
und Berechnung. Ursprünglich 1999 in Lausanne gegründet siedelte
das Quartett nach ihrem ersten Konzert 2002 über nach Berlin. Es
wurde die Debut CD "Candlelight Technology" via Subdeviant
Recordings veröffentlicht. Nun machen Monno also von Berlin aus
die experimentelle Musikszene unsicher. Sie spielten bereits live mit
Melt Banana und wurden letztes Jahr von Isis eingeladen einige ihrer
Europa Konzerte zusammen mit ihnen und Jesu zu bestreiten. Klanglich
absolut nervtötend wird auf "Error" ein sehr freier,
experimenteller Batzen aus Heavy Rock, Free Jazz Elementen und elektronischen
Spielereien und Maserungen präsentiert. Sicher nicht für jeden
etwas. Schwerer Sound, noisige Soundcollagen und ein Saxophon, das durch
zwei Gitarrenverstärker gejagt wird und als solches lang nicht
mehr erkennbar ist. Es wird ein schweres Riff nach dem anderen nur so
abgefackelt, dazu wildes Gekreische und volle Distortion auf die Zwölf.
Krasse Angelegenheit und live sicher auch kein Spass. Totaler Krieg
der Klänge. "Error" kommt in einer ungewöhnlichen,
gelungenen Aufmachung als kleines, 28 seitiges Buch, welches von Dennis
Tyfus designed wurde. Tyfus ist bekannt durch seine Arbeiten für
Khanate, Lightning Bolt, Wolf Eyes etc. Während für manche
dieses Album sicher die Offenbarung an Störgeräuschen sein
wird, brauchen alle anderen ein Glas Wasser und eine handvoll Aspirin
nach diesem "Hörerlebnis".
Rating: 7/10
Ostinato "Chasing The Form" CD (Exile On Mainstream
Records)
Zwei Jahre nach ihrem zweiten Album "Left Too Far Behind"
meldet sich das Trio aus Washington mit einer zeitlosen, schönen
und schlichten Platte zurück. Treibend, nachdenklich und anschmiegsam.
Und vor allem immer wieder herrlich hypnotisch und ins psychedelische
abdriftend. Gesang wird dabei nur dezent eingesetzt. Der Sound ist dicht
gewebt und die 7 Klangbilder auf "Chasing The Form" wirken
episch. Eine eher minimalistische Herangehensweise an Musik, schafft
ein Maximum an spannendem Rock. Interessant dabei auch zu sehen, wie
wirksam aber behutsam Bläser und allerlei Spachsamples eingebaut
werden; zu hören in "Antiaircraft". Spannung, Dynamik
und auch das Tempo der Lieder werden über die gesamte Spielzeit
von fast 50 Minuten gehalten, vielleicht mal kurz flachen die Klangwogen
ab, aber im Endeffekt gibt es für "Chasing The Form",
trotz zahlreicher Variationen und seitlicher Ausbrüche, nur eine
Richtung: nach vorne. Präziser, fokussierter Rock mit Bestimmung
und Ziel. Schön. -
Rating: 8/10
Pentagram "First Daze Here Too" Do-CD (Relapse Records)
Seit 1970 haben sich Pentagram dem Heavy Metal verschrieben und diesen
auch irgendwie mit erfunden. Lange schon gelten sie als Legende des
Doom/ Heavy/ Metal und Stoner Rock. Mit "First Daze Here Too"
veröffentlicht die Band über Relapse eine Doppel CD mit rarem
und unveröffentlichtem Material sowie mit Aufnahmen live aus dem
Proberaum aus den frühen 70'ern. das Booklet ist mit 28 Seiten
so dick, dass es fast nicht mehr in die Hülle passt... Lyrics,
Linernotes, lustige Fotos alles ist dabei. Und vom Feinsten. "First
Daze Here Too" hing bei mir in letzter Zeit oft im CD-Player fest,
sind die Songs doch so charmante Zeugen einer grossartigen Zeit in der
Musikgeschichte. Die Grossartigkeit der Stücke liegt in der lauten
Aufnahme... es klingt einfach wunderbar roh, rauh und melodisch. Teilweise
schön überdreht mit einem kräftigen Schuss Hendrix und
Gitarren Solis die man später bei Slayer findet. "First Daze
Here Too" ist nach "First Daze Here" (2002) der zweite
Teil der Band-Retrospektive auf Relapse Records. Das limitierte Doppel
Vinyl sei ans Herz gelegt.
Rating: 8/10
Place Of Skulls "The Black Is Never Far" CD (Exile On Mainstream
Records)
Place Of Skulls ist die aktuelle Band von Doom Legende Victor Griffin,
der sich nach seinem Ausstieg bei Pentagram eine Ruhepause gönnte
und seit 2002 wieder zurück ist. Nach zwei Alben und einer EP und
der kurzzeitigen Auflösung der Band fand man wieder zusammen und
verliess auch Southern Lord Recordings. Nun veröffentlichen Place
Of Skulls über Exile On Mainstream ihren neuesten Opus namens "The
Black Is Never Far". Druckvoller, dynamischer Rock mit Heavy Metal
Melodien und eine warme, dichte Produktion, lassen während der
13 Stücke auf "The Black Is Never Far" schon fast Stadion-Rock
Atmosphäre aufkommen. Das liegt nicht zuletzt an der massiven und
sauber-klaren Produktion. Doch andererseits klingen Place Of Skulls
immer wieder auf's Neue abwechslungsreich und schüchtern-verspielt,
mit einer Detailverliebtheit die bis ins Kleinste reicht. Ich erkenne
Einflüsse aus der Progressive und Psychedelic Rock Ecke. Über
allen Songs liegt natürlich eine von Ruhe getragene, doomige Dunkelheit,
hier versteckt man sich vor nichts, hier schreckt man auch nicht vor
der dunkleren Seite des Lebens zurück. Standen hier auch Stimmungen,
die direkt aus dem Blues kommen Pate!?
Rating: 6/10
Rifu "Bombs For Food, Mines For Freedom" CD (Go-Kart Records
Europe)
Seit nun fast schon 10 Jahren gibt es die politische Hardcore/ Punk
Band Rifu aus Trondheim, Norwegen. Mit "Bombs For Food, Mines For
Freedom" veröffentlicht die Band nun ihr drittes Album. Ausgewählt
habe ich diese CD weil sie ehrlich, direkt und leidenschaftlich klingt.
Die zwölf Stücke sind rauh, gespielt in meist zügigem
Tempo mit dicken Grooves und mit Vocals die sich die Wut mit Kraft nur
so aus dem Bauch schreien. Streckenweise ziemlich punkig und dann wieder
treibend, melodisch und mit haufenweise tollen Rhythmen. Die politischen
Texte sind engagiert und kommen von einer Band, die sich als Teil einer
Alternative, einer Art Gegenkultur sieht und mit "Bombs For Food,
Mines For Freedom" versucht die Band einmal mehr ihre Werte unter
die Massen zu bringen. Nicht ganz ohne Erfolg, so wurde ihr zweites
Album "Dead End Street" sowie eine darauffolgende EP sogar
in den Staaten veröffentlicht. Mein kurzes Fazit: Einmal mehr werden
Wut, Frustration und Energie kanalisiert und zielgerichtet in die richtigen
Bahnen gelenkt. Gut so.
Rating: 7/10
Shelter "Eternal" CD (Dockyard 1/ Goodlife Recordings)
Ruhig ist es die letzten Jahre um Ray Cappo geworden, anfangs waren
verschiedene andere Projekte um ihn im Gespräch: Musik, Buch, Film.
Aber aus allem ist scheinbar nichts konkretes geworden. Geheiratet und
ein Kind bekommen hat der mittlerweile 40 Jährige und nebenbei
betreibt er noch eine Yoga Schule im Raum von Los Angeles. Dass man
aber von ihm wieder etwas hören wird, war mir immer klar und so
hat es mich auch nicht weiter verwundert, dass nun ein weiteres Shelter
Album erscheint. Auch klar ist, dass mit dem Ausstieg von Porcell nach
der 2000'er Tour Shelter nur noch Ray Cappo ist. Und eigentlich war
es auch schon immer so. Die Musiker auf "Eternal" sind neben
Cappo erneut Dave DiCenso an den Drums, der ja schon bei den Shelter
Alben "Mantra", "Beyond Planet Earth" und "The
Purpose, The Passion" an den Drums war und schon durch seine Zeit
bei den Cro-Mags bekannt ist. Bass und Gitarre stammt, auch erneut,
von Ken Olden (Damnation A.D., World's Collide etc.). Richtig neu scheinen
die 11 Stücke nicht zu sein, denn Ray zu "Eternal": "...
I want to indulge my old fans with a lost cd, with songs I had written
but never recorded – until now."
Musikalisch hat sich wenig bis gar nichts verändert, wer die letzten
Alben aber auch "Beyond Planet Earth" mag, wird hieran auch
Gefallen finden können. Textlich ist, soweit ich das ohne Lyrics
beurteilen kann, auch alles beim alten geblieben. "Eternal"
ist gelungen, nicht zuletzt auch durch das Remake von "In Defense
of Reality", dem Klassiker von der "Quest For Certainty"
Platte. Alle Songs haben Schwung, Leidenschaft, sind energetisch und
charismatisch. Mal wird's lauter und schnell mit den typischen Back-Ups,
aber auch ruhigere, reflektierende Momente finden in Stücken wie
"Back To Vrindavan" ihren Platz auf "Eternal". Die
Motivik und Symbolik in der sich das mittlerweile achte Shelter Album
bewegt ist, wie am Titel, der Tracklist und dem Artwork erkennbar, eine
typische. Was anderes würde aber eben auch niemand erwarten. Auch
gefällt mir das indische Cover weitaus besser wie beim letzten
Album, das vollkommen daneben ging und nur laienhaft aussah. Dennoch,
die Farben des Covers lassen gehörig an eine Goa CD erinnern. Punkig
mit jeder Menge Pop-Appeal kommt "Eternal" daher, aber eben
auch mit härteren, Better Than A Thousand mässigen Anleihen,
die zeigen, dass Cappo nichts von dem verlernt hat, mit dem er einst
mit Youth of Today berühmt geworden ist. Demnächst auf Europa
Tour und anscheinend auch tatsächlich das letzte Shelter Album.
Rating: 8/10
Still "Remains" CD (Public Guilt)
Was Still, mit bürgerlichem Namen Hsi-Chang Lin und durch Dälek
bekannt, auf "Remains" zeigt ist eine beeindruckende Angelegenheit,
vor allem wenn man weiss, dass ein Technics 1200 praktisch sein einziges
Gerät ist mit dem er "Remains" geschaffen hat. Denn:
"The ONLY instrument played on Remains are Technics 1200 Mk2 Turntables
and a lot of Delay Pedals." Auf "Remains" werden dunkle
Klanglandschaften erzeugt, welche die Fähigkeit haben immer wieder
auf's Neue bedrohlich zu wirken. Die bedrohlichen Elemente zeugen vom
maschinellen, kalten Charakter der 6 Stücke auf "Remains".
Spannungen bauen sich wellenartig auf, bersten und laufen über
zu wabernder Monotonie, die dann wieder durch maschinelles Stampfen
durchbrochen wird. Dazu kommen dann aus dem Hintergrund Klangbilder
die psychotisch und verstört klingen. Kalter Schweiss, unruhige,
schlechteTräume. Fratzengesichter, debiles Grinsen. Drogenrausch.
Aber man findet auch Ruhe und Traumbilder die eher entspannen denn verstören.
Sphärisch und einwebend. Definitiv dunkel geht es also zu, minimalistische
Klänge, die es verlangen, dass man auf kleine Details achtet. Zusätzlich
sind auf der CD noch Super8 Filme enthalten, die den Charakter von Stills
unscheinbarer aber gelungener Soloplatte noch unterstreichen. -
Rating: 7/10
Streetlight Manifesto "Keasbey Nights" CD (Victory Records)
Komische Geschichten ranken sich um dieses Album, aber fangen wir von
vorne an. Zuerst dachte ich mir, irgendwo her kenne ich doch den Titel
des Albums, ist das etwa eine Wiederveröffentlichung? Ja und nein,
stellte ich fest. Also im Jahre haben nämlich Catch 22 ihr erstes
Album mit dem gleichen Titel auf Victory veröffentlicht. Songschreiber
und Frontman Tomas Kalnoky ist 2001 bei der Band ausgestiegen um zwei
Jahre später mit "Everything Goes Numb" ein gelungenes
Ska-Comeback mit Streetlight Manifesto zu starten. Beide Bands mögen
sich wohl seitdem nicht besonders und jetzt veröffentlichen Streetlight
Manifesto das Album neu, variieren den Titel etwas, jetzt "Keasby
Nights (As Performed By Streetlight Manifesto)", aber ansonsten
sind die Songs von 1998 nahezu gleich, nur noch mal neu aufgenommen
worden. Kalnoky beansprucht wohl einfach die Stücke und will damit
Catch 22 aus dem Weg räumen. Eine kleine "Erklärung"
zur Platte ist im Booklet abgedruckt. Ansonsten grossartige, knallende
Songs. Genau richtig für den Frühling. -
Rating: 7/10
The Black Heart Procession "The Spell" CD (Touch&Go
Records)
Die Musik passt gut zum Coverartwork, farblich ebenso wie die Abbildungen.
Schwarz und Rot. Drama und Verzweiflung. Liebe und Verlust. Stacheldraht
und Herze. Blicke zwischen Liebenden wie Blitze. Nackte Frauen. Brüste.
Obsessionen. Piano. Streicher. Krähen. Erinnerungen wie Geistererscheinungen.
Herzschläge wie ein Glockenturm um Mitternacht. Mein Herz der ewige
Friedhof. Gefangenschaft. Spinne im Netz. Dunkelheit in mir und um mich
herum. Schlüssel zu Deinem Herzen. Aber wo!? Nur allzu schnell
wird man von "The Spell" in einen hypnotischen Bann gezogen,
nicht zuletzt durch die charismatische Stimme von Frontman Pall Jenkins,
dem mit jedem Ton die Verzweiflung anzuhören ist. Streckenweise
erinnert mich der Gesang an Guy Picciotto von Fugazi. Seelische Höllenquallen
werden lyrisch verarbeitet und musikalisch in Form gebracht und immer
wieder fühlt man sich von der Hingabe und von der Eingängigkeit
der 11 Stücke überrumpelt und zur Strecke gebracht. "The
Spell", übersetzt etwa Bann, Fluch, Zauberspruch etc. ist
eine beinahe unheimliche Reise, die man aber in so unglaublich schönen,
dynamischen Songs wie "The Letter" oder "Places"
gerne antritt und innerlich eigene Erfahrungswerte durch die Stimmungen
die The black Heart Procession schaffen und aufbauen, noch einmal erweitert
und durchlebt. Gefährlich wird es aber, wenn man "The Spell"
im falschen Moment hört, da könnte es schnell zur seelischen
Tortur werden, zum Katapult in verwunschene Traumreiche, in die man
besser nur selten heruntersteigt. Schönes, viertes Album der Band
aus San Diego.
Rating: 7/10
The Path Of Resistance "Can't Stop The Truth" CD (Victory
Records)
Eines vorweg, dieses Album muss mit einem Augenzwinkern gesehen werden
bei all dem Pathos der den 13 Brechern auf "Can't Stop The Truth"
unterliegt. So, also nach fast 10 Jahren hauen die Mannen noch einmal
einen riesigen Straight-Edge-Crew-Batzen raus. Namentlich sind die Herren
ja nur allzu gut aus Earth Crisis Zeiten bekannt: Karl Buechner, Scott
Crouse, Erick Edwards, Ian Edwards, Dennis Merrick, D.J. Rose und Jonathan
Dennison. 1997 mit "Who Dares Wins" die Szene im Storm erobert,
erinnert man sich nun an seine Pflichten die eindeutige Botschaft wieder
nach draussen zu tragen: "True To My Vow – Loyal For eternity
– I've passed the test of time – Among the slaves I walk
free. Straight Edge - Straight Edge - Straight Edge - Straight Edge.
Ich schmeiss mich weg, im doppelten Sinne versteht sich, denn den Test
der Zeit habe ich nicht bestanden. Glücklicherweise. Und waren
da nicht mal zahlreiche Gerüchte und "Beweise" über
Drop-Out's einzelner Bandmitgleider, Karl zum Beispiel!? Egal, interessiert
echt nicht. Auf dem Cover ist übrigens, wie kann es auch anders
sein, der Abschaum der Gesellschaft abgebildet: Drogenspritzen, Abtreibung,
Teufel und und und... you name it. Schwarzweissmalerei galore. Musikalisch
dennoch betörend möchte man sagen ha ha. Tonnenschwerer Hardcore
mit tausenden Breakdowns, Mitgröll-Refrains, Finger-Point Stellen...
das gesamte Paket eben. Wie damals 1997. Dennoch habe ich mir musikalisch
doch eine prägnantere Performance von Karl Buechner versprochen,
aber hier ist es wohl die gesamte Crew die zählt (haha). Ich bin
raus.
Rating: 5/10
The Psychedelic Avengers "And The Decterian Blood Empire"
Do-CD (Fünfundvierzig/ Indigo)
Hier also die zweite CD von The Psychedelic Avengers, sie ist wahrlich
bombastisch geworden, in der Spielzeit von 155 Minuten, dem 16 seitigen
Booklet und den 43 Musikern aus aller Herren Länder die daran beteiligt
sind. Damit wir uns nicht falsch verstehen, "And The Decterian
Blood Empire" ist keine Compilation oder Hörbuch. Nein, vielmehr
ist das der Soundtrack zu einem imaginativen Movie, der sich im Kopf
des Hörers abspielen kann. Ein Soundtrip der sich gekonnt im Psychedelic
Rock, Space Rock, Noise, Elektro, Drone und allen möglichen experimentellen
Facetten aufhält und wirklich nicht langweilig wird. Science Fiction
at its best. Dazu im Booklet eine Story von Leo Lukas, dem Perry Rhodan
Autor. Auf der CD unter anderem (und ich betone unter anderem) zu hören:
Urlaub In Polen, Knaarf Rellöm, Rotoskop, Q, Marble Sheep, Sebastian
Horn von den Bananafishbones, Dark Sun, Vibravoid, Electric Orange und
und und...
Rating: 7/10
The Psychic Paramount "Live 2002 – The Franco-Italian
Tour" CD (Public Guilt)
The Psychic Paramount sind immer mehr angesagt und das mit allem Recht,
sind sie doch tatsächlich eine Ausnahmeband unserer Zeit. Im Herbst
2002, nur fünf Tage (!) nach ihrer Gründung ging die Band
auf Europa Tour. Damals noch mit dem Improvisationskünstler Tatsuya
Nakatani an den Drums. "Live 2002 – The Franco-Italian Tour"
ist das erste musikalische Zeugnis einer aussergewöhnlichen Band,
das die Musik und die Geburt der Band auf eine absolut rohe, ursprüngliche
und unmittelbare Art zeigt. Lyon, Paris, Neapel und Perpignan sind die
Schauplätze dieses abgedrehten Schauspiels. Lärm, totale Losgelöstheit
aber Rhythmusgefühl und Hendrix-mässige Solis bestimmen das
Spiel. Pure, direkte und übersteuert-laute Energie. Chaos und Drum-Einlagen
unter denen alles zu bersten droht. Mal wirkt es als ob jedes einzelne
Instrument gegen das andere agiert, Antagonisten kompromisslos ausgeschaltet
werden wollen, dann wieder schmelzen die Instrumente zu einer einzigen
Melodie-Einheit zusammen und bestechen durch ihre hypnotische, magnetisierende
Wirkung. "Live 2002 – The Franco-Italian Tour" klingt
so frei und lösgelöst, besser als jeder Trip, jeder Fieberwahn
und dennoch präzise und aufregend stimulierend. Um den Höreindruck
noch visuell zu unterstreichen, wurde noch ein achtminütiger Super
8 Film mit auf die CD gepackt, der Zeuge und Beleg ist von dem was da
live so ging, bei der Geburtsstunde des Psychic Paramount.
Rating: 8/10
Tone "Solidarity" CD (Neurot Recordings)
Schon seit 1991 bringen Tone kontinuierlich gute Platten heraus, drei
davon auf Dischord und zwei auf Independent Project Records. Alle natürlich
instrumental. Durch eine grosse Anzahl an Musikern (fünf Gitarren,
zwei Schlagzeugern und einem Bassisten) bleibt das musikalische Spektrum
von Tone über die Jahre hinweg frisch, kreativ und breit gestreut.
So auch auf "Solidarity". Wo mir Red Sparowes schnell zu lasch
und langweilig werden, schaffen es Tone mit ihrem Instrumental-Rock
herrlich-ausufernde Spannungsbögen aufzubauen und wieder voller
Stimmung abfallen, abflachen zu lassen. Ruhe, Kraft und Dynamik sind
Schlagwörter die bei Tone alle gleichermassen stimmen. Die Zeitlosigkeit,
Ausdruckstärke und Melodieführung der einzelnen Kompositionen
beeindruckt ohne Frage jeden, der sich auf instrumentale Gitarrenmusik
in ihrer Gänze einlassen kann und mag. Wichtig auch, dass "Solidarity"
sowohl zum lockeren Nebenbei-Genuss wie auch zur bewussten Auseinandersetzung
taugt und anregt, man entdeckt neue Nuancen und wird sich der Komplexität
dieses Albums bewusst. Mit J. Robbins, der mit Jawbox einige Mal von
sich reden machte, hat man dann auch eine adäquate Persönlichkeit
gefunden, die "Solidarity" produziert hat. Alles ist absolut
stimmig geworden und jeder der 7 Stücke zeugt von Professionalität
und musikalischem Können, wie Verständnis. Das Artwork ist
zwar eher durchschnittlich und unspektakulär, aber hier ist es
auch die Musik die zählt. 7 Songs in 54 Minuten.
Anspieltip: Towers
Rating: 8/10
Unicorn "Playing With Light" CD (Housepig Records)
Unicorn ist das Solo Projekt von WT Nelson, der eher durch Bastard Noise,
Sleestak und Carne-A bekannt ist. "Playing With Light" hat
mich gleich vom ersten Track an durch seine schüchterne Einfachheit
und Zurückhaltung überzeugt, gleichwohl sich die 6 Stücke
nicht verstecken oder gar langweilig sind. Minimalistische Wiederholungen,
spärlich gestreute Samples oder eine endlos repetitive Gitarre,
die erst nach Minuten durch noisige Klangcollagen durchbrochen wird.
Dichte, dicke Drones scheinen den Hörer zu überrollen, aber
kaum sind sie da, sind sie im Nichts verschwunden. Ruhige, entspannte
Klänge im Wechselspiel mit metallischerem "Kreissägegefühl"
und dynamischen, sich aufbauenden Klangcollagen. Die gleichmässigen
Ambiancen bahnen sich wie eine ruhige Welle kilometerlang ihren unaufhaltsamen
Weg und laufen am Strand mit heroischer Haltung aus. Neben den Drone/
Ambient Klangforschungen sind auf der CD 3 Kurzfilme enthalten zu denen
3 der Stücke auf "Playing With Light" die musikalische
Untermalung darstellen. Ohne die Musik von Unicorn wäre die subtile,
hypnotische Stimmung der Clips lange nicht so kräftig und sagen
wir seltsam. Hier also die fundamental wichtige Vereinigung von visueller
Kunst und Musik. Insgesamt betrachtet, ist "Playing With Light"
eine schöne, homogene erste Veröffentlichung von Housepig
Records und ich würde gerne mehr von Unicorn hören.
Rating: 8/10
Zelienople "Ink" CD (Loose Thread Recordings)
Für mich ist "Ink" zu einer kleinen Überraschung
geworden: Schon vor einigen Wochen bekommen, oft gehört und nie
langweilig geworden. Zelienople aus Chicago machen im weitesten Sinne
Drone, aber typisch klingen sie nicht. Ihre Musik ist sehr lebendig
und präsent, die 8 Stücke auf "Ink" wurden auch
an nur zwei Tagen live eingespielt. Sie klingen viel weniger konservenartig
wie so Vieles in der Drone Szene, was sicherlich an der Verwendung von
zahlreichen Instrumenten und an der Live Einspielung liegt. Schöne,
warme und erdige Klangbilder, die zwar dunkel aber vielseitig und harmonisch
klingen. Drone Musik mit vielen Emotionen und Ambiancen, die immer wieder
neue, vielschichtig-versteckte Seiten zeigen. Streckenweise pure Meditation
("The Nod Squad") oder einfach schöne, zurückhaltende
Musik ("It's Still Hard To Steal Cars", "Life Is Simple")
mit Gesang. mehr Informationen und Klangeindrücke auf zelienoplemusic.com
Rating: 8/10
V/A: Six Doors – A Housepig Compilation CD (Housepig Records)
Diese Compilation bietet einen guten und günstigen Einblick in
die Veröffentlichungen des Housepig Labels. Das Motto: "Six
artists. Six Visions. Six Approaches. Six Methods. Six Paths. Six Doors.
Neben dem weiter oben besprochenen Unicorn Projekt, sind auf der CD
Aube, Bastard Noise, Luasa Raelon, Guilty Connector and Tabata sowie
Oblong Ox vertreten. Unicorns "Playing With Light" CD von
mir hoch geschätzt, ist hier mit einem eher schwächeren Song
vertreten, aber direkt danach wird es mit dem minimalistischen Soundgeplänkel
von Aube hochinteressant. Danach kommt direkt der nächste Höhepunkt
der CD: Bastard Noise mit "Flesh Near Automation". Perfekter
Titel, perfekter Song. Roh, brutal, kalt. Das Wummern erinnert an diese
monströsen Schnellbote, die man am Strand liegend schon weit entfernt
daherwummern hört, aber nirgends entdeckt. Dazu brutales Geschrei.
Die Tracks der anderen Bands sind nicht minder interessant und wie eingangs
gesagt wurde, ein solider Einstieg in das Housepig Label und die mit
dieser Compilation vorgestellten Acts. Für jeden der gerne Drone,
Ambient, Electronic Noise etc. hört.
Rating: 7/10
Reviews Summer 2006:
Wenn
der Sommer mal richtig gekommen ist, tue ich mich oft eher schwer kreativ
zu sein, Dinge zu erledigen. Ausserdem war ja da noch die (fast) gelungene
Fussballweltmeisterschaft und diverse Grilladen mit dem ein oder anderen
Bier... Nun gut, hier also einige kürzere "Sommerrezensionen".
Achilles
"The Dark Horse" (Hanging Hex)
Nach der Split mit Engineer ist nun das erste Full Length von Achilles
erschienen und es geht ähnlich der Split furios und druckvoll weiter:
10 Mal angepisster, super tighter und aggressiver Chaoscore der besseren
Sorte. Einflüsse von Grössen wie Botch oder Kiss It Goodbye
lassen grüssen, aber Achilles wirken dabei nicht wie Kopien sondern
bereichern diese Einflüsse um eigene dynamische wie komplexe Facetten.
Schön in Szene gesetzt und produziert wurde "The Dark Horse"
von Evan Patterson (Black Cross, Breather Resist). Die Songs bahnen
sich nur so ihren Weg, pflügen durch Klanglandschaften, ändern
immer wieder die Richtung und erfinden sich dabei wieder neu. Brachial,
brutal, abgehackt und über allem immer wieder majestätisch
anmutende Gitarrenlinen. Auch das Artwork ist absolut gelungen und vielseitig
angelegt. Achilles sind eine der besseren Bands dieses Genres.
Rating: 7.5/10
Art Of Burning Water "The Voyage Of The Pessimistic Philosoph:
An Ode To Believers Of The Prevailing Law Of Sod" CD (House Of
Stairs/ Super Fi Records)

Das mag durchaus der mit Abstand längste Titel eines Album sein,
das ich je rezensiert habe. Aber das nur ganz am Rande. Noch gut ist
mir das englische House Of Stairs Label in Erinnerung und die beiden
ersten Veröffentlichungen von Foe und die Split CD von Art Of Burning
Water und American Heritage. Kürzlich eingestiegen bei Art Of Burning
Water ist Jason Carty, der das genannte Label betreibt und ehemals bei
Foe zu Gange war. Mir gefällt "The Voyage..." sehr gut,
denn Titel, Liedertitel, Artwork und nicht zuletzt die Musik wissen
zu überzeugen und ein angenehm sarkastisch – lakonisches
Bild auszustrahlen. Beginnt die CD noch ruhig mit dem schönen Violinestück
"Murder The Skied Of England", so bricht schon kurz danach
ein eher wüster Sturm los. Die kreischende Stimme klingt einfach
nur krank und die Riffs winden und zwirbeln sich nur so durch die Minuten.
Musikalisch bewegen sich Art Of Burning Water im weiten Feld von zeitgenössischem
Metal, Stoner Rock, Sludge und Noisecore und zelebrieren dabei ein wildes
Fest an dissonanten, aggressiven und brutalen Tönen. Ist das Album
zwar nicht einmal eine halbe Stunde lang, so hat man dennoch durchaus
das Gefühl schon länger diesem Batzen an rohen wie komplexen
und abgedrehten Riffs ausgesetzt zu sein. Auch das Drumming wäre
auf einer Mastodon Platte sicher nicht verkehrt, den in diese Richtung
geht es klar und gekonnt. Ich glaube, was mich an Art Of Burning Water
am meisten interessiert, ist dieser menschenfeindliche Humor, der dem
gesamten Album auf allen Ebenen unterliegt. Am nächsten Album mit
dem Titel "Embrace Your Density" wird schon gearbeitet und
vielleicht sogar noch im Laufe dieses Jahres veröffentlicht.
Anspieltips: "Standing Jubilantly Beneath The Sword Of Democles",
"That Headache Is Probably A Brain Tumour"
Rating: 8/10
Black Cobra "Bestial" CD (Delboy Records)
Black Cobra ist die das Ergebnis der jahrelangen Zusammenarbeit des
Duos um Jason (ex-Cavity) und Rafael (ex-16, Acid King). Beide haben
sich gegenseitig immer wieder in den jeweiligen Landesteilen der USA
getroffen und sich ihre Ideen auch hin und her geschickt. Entstanden
ist schlussendlich tatsächlich ein kleines Biest von schwerer Musik:
roh, brutal und gewalttätig, wie ein direkter Schlag ins Gesicht.
Musikalisch ein solider Mix aus Negative Approach, Grief und einem Schuss
High On Fire. "Bestial" hört man es auch keinesfalls
an, dass hier nur zwei Leute zu Gange sind. Musik die streckenweise
wie pures Zähneknirschen – und Krachen wirkt. Doom geladener
Metal mit Sludge, Noise und Grind Elementen, sowie einer Dosis Stoner
Rock. Damit hätte man die Zutaten für "Bestial"
gelistet. Der Gesang ist rauh wie Schleifpapier und frisst sich nur
so durch die 11 Stücke. Das "Oktopus-Artwork" ist minimalistisch,
auf alles aufwendige wurde mehr oder weniger verzichtet, dennoch wirkt
die Aufmachung ästhetisch hochwertig.
Rating: 8/10
Current 93 "Black Ships Ate The Sky" CD (Durtro/ Jnana Records)

David Tibet für viele sicherlich kein Unbekannter, hat er doch
Current 93 schon vor einiger Zeit, genauer Anfang der 1980'er Jahre
gegründet. Ausserdem war er ja auch Mitglied bei Psychic TV (gegründet
von Genesis P-Orridge & Peter 'Sleazy' Christopherson, die wiederum
auch Throbbing Gristle gründeten). Auch hat über die Jahre
mit einer Vielzahl an Musikern gearbeitet wie: Douglas Pearce (Death
in June), John Balance (Coil), Boyd Rice, Björk und Nick Cave.
Bei Current 93 ist er der einzige feste Bestandteil. Auf "Black
Ships Ate The Sky" haben neben Tibet auch Michael Cashmore (Nature
and Organisation), Ben Chasney (Six Organs Of Admittance, Steven Stapleton
(Nurse With Wound) sowie John Contreras mit William Basinski, William
Breeze und Amy Phillips. Gute 4 Jahre hat es gebraucht um den Nachfolger
vom 2001 erschienenen Album "Sleep Has His House" einzuspielen
und fertigzustellen. Die Liste der Gastsänger ist wahrhaft enorm,
neben Marc Almond sind noch weitere 7 Namen gelistet. Der 21 Track Opus
dauert dann auch fast 76 Minuten, besonders "Idumea" der Folk-Klassikers,
den auch Steve von Till (Neurosis) auf einer seiner Soloplatten interpretiert
hat. Hier taucht er dann auch in 8 verschiedenen Versionen auf. In meinem
Gesamteindruck von "Black Ships Ate The Sky" bin ich hin und
hergerissen. Einerseits beeindrucken mich die düsteren (Neo)Folk
Stücke durch ihre zeitlose Ruhe und Schönheit, andererseits
stösst mich dieses artifizielle Element in den Stücken ab,
wirkt mir dann doch zu inszeniert, sakral und dramatisiert. Alle Stücke
schwanken zwischen düsteren, psychedelischen Klängen, erst
gegen Ende des Albums klingen Industrialelemente, wie im Titelstück,
durch. Die Gastsänger klingen allesamt exzellent. Kryptisch und
verwunschen, wie ein eingewachsenes altes Anwesen irgendwo in einem
Wald im englischen Nirgendwo – dass strahlt "Black Ships
Ate The Sky" immer wieder aus. Bewohner wandeln umher, man hört
sie, aber sieht sie dann doch nicht. Zwischen Geistererscheinungen und
Lagerfeuerromantik bewegen sich viele der Lieder.
Rating: 7/10
Detached "Idiom" CD-R (self released)
(no cover available)
Detached spielen sensationell guten Breach beeinflussten Hardcore und
gefallen mir streckenweise auch so gut wie die Helden aus Schweden zu
"Venom" Zeiten. Kraftvoll, treibend und durchaus mitreissend
klingen die 9 Stücke auf "Idiom". Allerdings schielt
man ab und an doch etwas zu stark zu Breach und übernimmt etwas
zu viel, wie in "Killing Surface". "Trotzdem ein starker
Auftritt. Idiom" liegt nur als einfache, schnörkellose CD-R
vor, am Artwork wird gerade gebastelt. Viel wichtiger wäre allerdings
das nötige Label um dieses gelungene Album in Szene zu setzen und
im Lande bekannt zu machen. Detached kommen nämlich nicht, wie
man bei diesen Klängen vermuten würde aus dem Norden, sondern
direkt aus dem Herzen Deutschlands. Unbedingt reinhören auf: detached-hardcore.de
Rating: 7.5/10
Die Piloten "Neue Liebe" MCD (self released)

"Minirock mit deutschen Texten" – so beschreibt sich
die Band selber. Bei der Musik der Piloten stehen eben die genannten
deutschen die Texte im Mittelpunkt. Es werden in ihnen klassische Themen
wie das älter und erwachsen werden, allerlei Gefühle und Beobachtungen
thematisiert. Melodisch und dann und wann durchaus einprägsam sind
die 6 Stücke auf "Neue Liebe", so dass man beim nächsten
Durchgang direkt mitsingen kann. Der musikalische kleinste Nenner um
Die Piloten zu beschreiben ist für mich Gitarren-Pop-Rock. Meine
Anspieltips sind die beiden letzten Stücke "Wenn Liebe..."
und "Abschied", die meiner Meinung die stärksten, homogensten
Momente der Band zeigen. "Neue Liebe" ist eine nette Angelegenheit,
die meist gemütlich vor sich hin plätschert. -
Rating: 5/10
End Of A Year "Sincerely" CD (Revelation Records)
Gleich der erste Song hat mich weggehauen, ein kleiner Knaller und Hit!
End Of A Year entstammen zwar Albany, NY, klingen aber eher wie aus
D.C. und zwar zur Zeit des legendären "Revolution Summer".
Laute, rauhe Songs nicht aber ohne diese melancholischen, punkigen Elemente
und Melodiebögen die es in sich haben, stimmlich irgendwie an Braid
angelehnt. End Of A Year klingen wie einer grossartigen Zeit entsprungen,
fleissig im Keller geübt und dann sofort ab in die legendären
Inner Ear Studios von Don Zientara, der den Rest gemacht hat und den
11 Stücken auf "Sincerely" noch seinen Stempel aufgedrückt
hat. Die Aufmachung der CD und das dicke Booklet untersteichen diesen
Eindruck nur. Rundum eine tolle Platte!
Rating: 7.5/10
Gadget "The Funeral March" CD (Relapse)
Krasses Gewitter das Gadget auf ihrem zweiten Alben abfeiern. "The
Funeral March" ist echt ein Marsch, der nicht so einfach aufzuhalten
Ist. Wahnwitzige Geschwindigkeiten gehen einher mit Atmosphäre.
Dampfwalzen-Metal und Grindcore mal anders, mit Groove und mit immer
wieder kontrastierenden Momenten, die zeigen, dass es der Band nicht
nur um Geschwindigkeit und ein möglichst brutales auftreten geht.
Diese ruhigeren Kontrapunkte lassen "The Funeral March" noch
fieser, gemeiner wirken. Damit wird der Karren erst so richtig tief
in den Dreck gefahren. Doch er bleibt nicht stecken sondern dann, kurz
vor dem erliegen, bricht er wieder aus und offenbart sein ganzes Potential
mit einer Durchschlagkraft die überwältigend ist. -
Rating: 7/10
Goodbye Diana "Mobilhome" MCD (Head Records)

Der schlechte Name mag eher in die Irre führen, denn französische
Band aus Montpellier ist nicht irgendein langweiliges Emo-Gedöns,
sondern eine interessante, weitgehend instrumental agierende Post-Rock
Band, die es immer wieder neu versteht den Hörer durch eine treibende,
verspielte Songstrukturen und Melodiebögen zu fesseln. Post-Rock
nannte ich das gerade, denn Goodbye Diana ziehen auf "Mobilhome"
deutliche Einflüsse aus der glorreichen Zeit der 70'er: Präzise
Rhythmusfolgen, launisch und quengelig in Szene gesetzt und dabei nicht
den Sinn für "dreckigere", stonigere Melodien vergessend.
Somit ist für mich "Mobilhome" eine spannende, gern gehörte
Angelegenheit. 6 Songs in knapp 24 Minuten Spielzeit.
Rating: 7/10
Guiltmaker "Driven by Arms" MCD (Kiss Of Death Records)

Guiltmaker bestehen aus Leuten von Hardcore Bands wie Reversal of Man,
Combat Wounded Veteran oder Early Grace, die nun andere Wege einschlagen
und melodischen Post-Hardcore spielen. "Driven By Arms" enthält
4 Stücke, die allesamt treibend und emotional sind. Mal nachdenklich
verspielt, dann wieder fröhlicher, direkter und nach vorne gespielt.
Für eine EP gelungen, bei Albumlänge müsste aber mehr
passieren. Denn die allgemeine Lethargie die den Songs unterliegt lähmt
die Begeisterung für Guiltmaker dann doch etwas. Einflüsse
zieht die Band sicher aus Quicksand, Texas Is The Reason oder Jawbox.
Nur das die eben genannten eben weit energetischer, eingängiger
und autonomer agieren. -
Rating: 6/10
Kalas "s/t" CD (Tee Pee Records)

Kalas ist die neue Band um Matt Pike (Sleep, High On Fire), Andy Branton
(Econochrist, Grimple, Samiam, Eldopa), sowie zwei Mannen von Cruevo.
Konnte ich mit Sleep oder High On Fire nie wirklich etwas anfangen,
so gefällt mir das Debut Album von Kalas erstaunlicherweise gut.
Kalas spielen schweren, dreckigen Rock erster Güteklasse, der facettenreich
und über die 9 Stücke mit einer Spielzeit von über 48
Minuten kaum langweilig wird oder abflacht. Atmosphärisch wie bedrückend,
leidenschaftlich und doch eine Soundwand mit der Sensibilität einer
Abrissbirne. Schwere Kost also. Aber rockend und mit mächtig Dampf
und Groove im Rücken. Pikes Stimme grölt, rotzt, röchelt,
schreit und ist heiser (erinnert mich streckenweise sogar an alte Bloodlet!)
und dazu die schwersten Riffs. Heavy Rock at its best. Das ganze Programm.
Die Aufnahme klingt unglaublich dick, kompakt und dicht. Könnte
besser kaum sein. -
Rating: 7.5/10
Knut "Alter" (Hydra Head Records)
Optisch gesehen ist das Knut Remix Album zum 10 jährigen Bestehen
der Band (inzwischen 12 Jahre auf dem Buckel) schon mal eine gelungene
Sache. Kein Wunder, entstammt das Design wie immer der Hand von Aaron
Turner (Isis). Und wer das Design der letzten Knut Platten mochte, wird
auch hier begeistert sein. Die Tracklist liest sich wie folgt: 1. Dither:
Dither vs Knut, 2. Dälek: Deadverse Remix, 3. JK Broadrick: H/armless,
4. Mick Harris: 5 Turn Grinner Mix, 5. Ad's: Repressed Babylon, 6. Spectre:
Psychopathic Engine, 7. Oren Ambarchi + Robin, Fox + Anthony Pateras:
Karn Boys, 8. KK Null: Dekompozition Kknutll, 9. Francisco López:
Untitled #154, 10. Asmus Tietchens: Not Swiss Made, 11. Lucas Tamarit
+ Julien Sauser: Whacked Out - Un Esprit Sain Dans Un Corps Sain Remix,
12. Lad + Andres: Engine Pillsmix, 13. Seth Svollensen: El Niño
(Collage Rmx), 14. Ontayso: Reknutcut. Sicher, die Namen lesen sich
toll und noch toller wen man alle kennt. Ich war also einigermassen
gespannt, wurde dann aber doch etwas enttäuscht, denn wenn man
nicht bewusst die ganze Zeit hinhört, klingt alles leider ziemlich
ähnlich schroff und eintönig. Direkt mit der vor einiger Zeit
erschienen Isis "Rmx" Platte verglichen, kann "Alter"
nur den Kürzeren ziehen und verlieren. Wer sich die Zeit nimmt,
bewusst und mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören, der findet auf
"Alter" sicher interessante Momente, der Rest wird aber dieses
eher monoton und stumpf anmutende Album schnell beiseite legen, fürchte
ich.
Rating: 6.5/10
Loftus "Hugs And Drugs" CD (Monarchy Music Corp.)

Nach dem ersten Instrumental, einem ruhigen Ambient Stück, wird
man erstmal komplett weggehauen durch einen heftigen Schlag aus komplexen,
chaotischen Metal/ Hardcore, der vom ersten bis zum letzten Ton überzeugt.
Wer auf The Dillinger Escape Plan steht, ist mit "Hugs and Drugs"
genau richtig. Loftus beherrschen die Kombination aus Technik, durchschlagender
Brutalität und kurzen, ruhigen Verschnaufpausen die immer wieder
wie ein neuer Anlauf, ein neues Ausholen zum Gegenschlag klingen. Widersprüchliche
Songelemente fräsen sich durch harmonische Melodieansätze
und bringen alles zum wackeln und enden in purem Chaos. Der Sänger
kann was. Auch die Texte finde ich nett zu lesen und im Gesamtkontext
gesehen, gefallen mir Loftus damit nur noch besser. Artwork auch gelungen.
"Hallucination is kicking in and the trolls are concerning me while
the twins force me down". Yeah.
Rating: 8/10
Misery Index "Discodia" CD (Relapse)

Ok, alle mal in die Gruft hinabsteigen bitte und immer munter voraus.
Misery Index melden sich nach diversen Line-Up Veränderungen mit
einem neuen Album zurück und präsentieren Metal auf einem
technisch sauberen Niveau. "Discodia" enthält 10 schnelle,
aggressive und brutale Stücke, die nach vorne röhren. Die
Grindeinflüsse gepaart mit einer Punk/ Hardcore Attitüde machen
dieses furiose, destruktive Gefühl aus, das ausnhamelos allen Songs
unterliegt. Streckenweise macht sich beim hören der CD aber auch
Resignation breit, denn ausser dem steten nach vorne preschen, hat dann
"Discodia" mir doch zu wenig zu bieten. Zumal der neue Drummer
auch nicht die Offenbarung ist. Ich höre schon die Fans kreischen:
"Misery Index werden mit jeder Platte schlechter!". Ganz so
drastisch möchte ich es nicht formulieren, aber das Drumming ist
sicher der Schwachpunkt von "Discodia". Trotzdem, wer auf
extremen, rauhen Metal steht – zugreifen!
Rating: 5/10
Omega Massif "Kalt" CD-R (self released)
Bergsteiger am Hang, Eispickel in der Hand, die Schuhe mit den Metallspitzen
Schritt auf Schritt ins Eis gerammt. Langsam, zäh geht es voran.
Immer wieder stehenbleiben, ausruhen, aber auch auf der Stelle treten.
Tränen der Anstrengung im Gesicht. Weit, weit "unter Null".
Bergkuppe erklommen, Sonne am Horizont. Lächeln, das sofort wieder
wegfriert. Weiter geht's, mal werden die Beine schwach, egal, weitergestolpert.
Hauptsache weiter. Dann Schneegestöber, plötzlich Schneesturm.
Aufgerissene Hände, nur hängenbleiben, festklammern am Seil.
Rechts geht das Geröll den Hang hinunter. Riesige Eisbrocken. "Murgang".
Endlich, das Tal erreicht. Eiswüste liegt vor dem Gesicht. Durchkommen
unmöglich? Geht nicht, gibt's nicht. Muss. Füsse wie Blei,
wieder hingeflogen, wieder Eis voll auf's Gesicht. Plötzlich Klippe,
tiefer Felsspalt, eisiger "Schacht". Aber der wird, schliesslich
nach qualvollen Minuten auch noch geschafft. Da, in der Ferne ein Gebäude,
ein Bergdof wie eine Geisterstadt bei Nacht. Genaue Infos und Höreindrücke
auf omegamassif.de
Rating: 7/10
Sinking
Ships "Disconnecting" CD (Revelation Records)
Hier nun das erste Album einer Band die auf Revelation die Nachfolge
von In My Eyes antreten kann, denn Sinking Ships spielen kraftvollen,
schnellen Hardcore, der den geneigten Hörer mitreisst und zum Fingerpointen
und mitsingen einlädt. Musikalisch bewegen sich Sinking Ships neben
In My Eyes auch irgendwo zwischen Bane und By The Grace Of God, besonders
die melodische Liedführung und Melancholie erinnert an die letzt
genannten. Trotz Gefühl, Schnelligkeit etc. wirken die 12 Songs
bissig, aggressiv und griffig. Die Vision der Band ("...to bring
something new to an old sound") sehe ich jetzt vielleicht nicht
ganz verwirklicht, aber nicht weiter schlimm, da man ja nicht wirklich
viel neues erwartet bei diesem Sound. Das Booklet ist zwar relativ einfach
aufgemacht, dafür aber stilsicher mit dezenten Farben und Fotos,
welche "Disconnecting" noch mehr Gefühl verleihen.
Rating: 7/10
Skinless
"Trample The Weak, Hurdle The Dead" CD (Relapse Records)

Ich denke der Namen und der Titel sagen schon alles. Spieglein, Spieglein
an der Wand, wer spielt den krassesten Metal im ganzen Land? Absoluter
Granatenhagel was Skinless aus New York hier abliefern und das widerliche
Blut&Waffen Cover macht das praktisch schon vor dem ersten Durchgang
klar. Skinless spielen Death Metal der krasseren Sorte. Schnell, peitschend
und nach vorne, dazu Vocals die auch nicht gerade Freude ausstrahlen.
Seit 1992 dabei, doch erst 1998 das Debut Album veröffentlicht.
Seitdem ist man mit allem was Rang und Namen in der Metalszene hat durch
die Lande getingelt und diverse Tonträger veröffentlicht.
Wer musikalisch derb bestraft werden will, ist bei "Trample The
Weak, Hurdle The Dead" genau richtig.
Rating: 6/10
Tang "Another Thousand Days, Out Of This World" CD
(Emolution Records)
Tang entstammen dem nordfranzösischen Lille und haben sich schon
1997 formiert, aber erst mit ihrem 2002 Demo und dem darauffolgenden
Album "This Quietness Booms About On The Walls Like Birds in Panic",
auf Emolution, dem ortsansässigen Label, erschienen. Musikalisch
bewegt sich das Quartett in Post- Rock / Emo Gefielden und präsentiert
10 eher feinfühlig anmutende Stücke, die natürlich mit
der nötige Melancholie und Theatralik vorgetragen werden. Stellenweise
erinnern mich Tang sogar an Refused, womit der Bogen zur Produktion
des Albums geschlagen ist: denn produziert wurde "Another Thousand
Days, Out Of This World" von Magnus Lindberg (Cult Of Luna) und
das an keinem geringeren Ort wie den Tonteknik Studios in Umea, Schweden.
Wirken Tang auf den ersten Blick doch schüchtern, so wächst
dieses zweite Album mit jedem hören mehr. Kraftvoll und präzise
auf den Punkt wirkt das Zusammenspiel des Vierers. Das ansprechende
Artwork entstammt der Hand des französischen Mush (Queens Of The
Stone Age, Hellmotel etc.). Infos, Höreindrücke auf tangtangtang.net
Rating: 7/10
Triple Burner "s/t" CD (Madrona Records)
Triple Burners Debut ist eine schöne, ruhige wie dynamische Sache
die unmittelbar wirkt und wächst. Das Duo besteht aus Harris Newman
(Constellation recording-Guru) an der Gitarre sowie Bruce Cawdron der
für alles andere zuständig ist (Drums, Glockenspiel...). Triple
Burner arbeitet mit verschiedenen Elementen des Folk, Psych, Kraut und
Blues. Heraus kommt dabei eine harmonische, in sich geschlossene 7 Song
Platte, die durch und durch warm und weich klingt. Dronige Klangbilder
werden durch einfachste Effekte und Strukturen zum Leben erweckt. Die
Akustikgitarre Newmans baut immer wieder hypnotische Momente auf, die
durch die dynamische, gleichmässige Art fast schön meditative
Züge haben. Dasc Artwork der CD wirkt schlicht und die erdigen
Farbtöne dieser Mini-Gatefold Aufmachung (so nennt man das doch
heute...?) harmonieren mit der Musik. Triple Burner ist auf alle Fälle
interessant für Hörer von Jack Rose, Henry Flint, Cul De Sac,
Six Organs of Admittance.
Rating: 7/10
Ventura "Pa Campona" CD (Get A Life! Records)

Wundervoll lieblich gestaltete und auf 1000. Stück limitiertes
erstes Album dieser jungen schweizerischen Band mit Mitgliedern der
Bands Iscariote und Illford. Ihre melancholische, zurückhaltende
Musik bewegt sich im weiten Feld des Noise Rock und Emo im Stile der
1990'er auf Labels wie Touch & Go und Amphetamine Reptile. Die zurückhaltende
Art von "Pa Campona" und die Aufmachung vermitteln ein persönliches
Bild der Band. Die Produktion unterstreicht das und sorgt dafür,
dass die rauheren und lauteren, rockigen Stellen schön laut, dynamisch
und druckvoll erscheinen. Ein angenehmes Wechselspiel der Emotionen.
Schon bei den beiden Split 10"es von Ventura habe ich den Gesang
mit Walter Schreifels zu Quicksand, Rival Schools und auch Walking Concert
verglichen, ist er doch stellenweise ähnlich melodiös und
heiser. Ich weiss nicht wie die Band diese Vergleiche findet, aber es
sie hier noch einmal gesagt, dass ist positiv gemeint!
Rating: 7/10
When Tigers Fight "Ghost Story" CD (Dead Serious Recordings/
Indecision Records)
When Tigers Fight ist eine neue All-Star Band mit Mike McTernan (Damnation
A.D.) an den Vocals, Ken Olden (Damnation A.D., Shelter, Better Than
A 1000) an der Gitarre, Jonathan Dennison (The Promise) an der Gitarre,
Scott Andrews am Bass und Jarrod Alexander (The Suicide File) an den
Drums. 2003 hat sich die Band gegründet und bislang eine EP veröffentlicht.
Mit "Ghost Story" kommt nun das erste Album der Band heraus
und es weiss streckenweise durchaus zu überzeugen. Meine kürzeste
Formel für die Musik auf "Ghost Story" wäre: Damnation
A.D. zu "Kingdom Of Lost Souls" Zeiten meets Nine und dazu
noch eine dicke Portion Hardcore. Wuchtig, kompakt und mit enormer Durchschlagkraft
bahnen sich die 12 Tracks ihren Weg, manche Stücke und Momente
überzeugen mich voll, aber zugegeben es sind die, die mich an die
glorreichen Damnation A.D. erinnern und mich auf ein erneutes Knalleralbum
der reformierten Band um McTernan und Olden hoffen lassen, welches von
den typischen hoffnungslosen Stimmungen und Lyrics geprägt ist,
wie sie eben auch auf "Ghost Story" zu finden sind.
Anspieltips: "After All This Time", "Family Ties",
"No Way"
Rating: 7.5/10
Reviews
Fall 2006, Part I:
Die
Vielzahl an eingesendeter Musik zwingt mich so wie es momentan den Anschein
hat, wenn ich das alles bewältigen will, die Rezensionen wieder
im Zweimonatsrhythmus zu schreiben. Auch diesmal laden wieder haufenweise
gute, interessante Platten zur musikalischen Begleitung des Herbstes
ein...
Across Tundras "Dark Songs Of The Prairie" CD (Crucial
Blast)
Across Tundras sind mir eine neue Band und haben mich mit ihrem Debutalbum
auch etwas überrascht. Across Tundras stehen mit "Dark Songs
Of The Prairie" für 8 schwere, majestätisch wirkende
Rock Stücke, die klingen als habe eine Country Band aus vergangenen
Tagen, die aus irgendeinem gottverlassenen Kaff in der amerikanischen
Prärie kommen, irgendwie den Weg in unsere Zeit gefunden und dabei
entdeckt, dass man seine Instrumente an riesige Verstärker anschliessen
kann und damit den Charme vergangener Tage äusserst brachial in
ein neues Gewand stecken kann. Prärie, hohe Berge, ein grosser
blauer Himmel und wenig Menschen, so klingen Across Tundras auf "Dark
Songs Of The Prairie". Across Tundras schaffen es, eine Tangentiallinie
zu ziehen von Neil Young zu Hum zu Neurosis. Stichworte wie Americana
kommen dem Hörer unweigerlich in den Sinn. Als ich dran ging zu
überprüfen ob die Band auch textlich das hergibt was Musik
und Artwork von "Dark Songs Of The Prairie" vorlegen, wurde
ich natürlich nicht überrascht, denn hier stimmt es genauso:
"If I were King of the Midwestern plain, And had all things at
my will, I'd roam for solitude. But I'd seek for comfort still. The
comfort I would ask for, So that you may understand, Is to win the heart
of Mary, The Dark Flower of the Prairie."
Rating: 8/10
Aluk
Todolo "s/t" 7" EP (Implied Sound)
Implied Sound ist das 7" EP-Only Label von Public Guilt, die kürzlich
unter anderem Still von Dälek oder The Psychic Paramount CDs veröffentlichten.
Aluk Todolo kommen aus Frankreich und spielen "Occult Rock".
Der Name passt, wenn man weiss, dass mit Aluk Todolo eine alte Religion
gemeint ist, die noch heute auf der indonesischen Insel Slawesi zu finden
ist. Musikalisch wird auf die traditionellen Rock Instrumente zurückgegriffen
und so entstehen Lieder für die jeder Can, Circle und The Psychic
Paramount Huldiger ein offenes Ohr finden wird. Auf der EP sind zwei
esoterische, psychedelische und krautige Improv-Rock Stücke enthalten,
die durchaus den Live- und Jam- Charakter der Band auszudrücken
wissen. Die EP ist vielversprechend mystisch aufgemacht und natürlich
wie alle Implied Sound Veröffentlichungen auf 500 Stück limitiert.
Rating: 7.5/10
Bee And Flower "What's Mine Is Yours" CD (Neurot Recordigs)
Zwar schon 2003 erschienen, aber erst jetzt hier auf meinem Schreibtisch
gelandet. Bee And Flower um Dana Schechter stammen ursprünglich
aus New York City und machen bereits seit 1997 Musik, sind aber schon
vor einiger Zeit nach Berlin übergesiedelt. Dadurch bekam ich die
Möglichkeit in Stücke vom neuen, zweiten Album reinzuhören.
Dazu später mehr. Die Musik von Bee And Flower entführt den
Hörer in eine faszinierende, melancholische Welt aus schönem
weiblichen Gesang, Streichern, Klavier und düster-dunklen Gitarren.
Vom Gefühl her bewegen sich die 10 Stücke von "What's
Mine Is Yours" zwischen subtiler Filmmusik und geschickt darum
gebauten Rock. Neben lauteren Ausbrüchen sind die Songs meist eher
ruhig, aber durchsetzt von brodelnder Atmosphäre und Emotionen.
Die Produktion von "What's Mine Is Yours" klingt warm, natürlich
und dicht und die Stimme von Dana Schechter hat Raum sich auszubreiten.
Lieder wie "I Know Your Name" oder "Riding On Empty"
haben wegen ihrer eingängigen, subtilen Schönheit schnell
Wiedererkennungswert und offenbaren neben "Let It Shine" das
Potential der Band. "What's Mine Is Yours" wirkt wie aus einem
Guss und ja, hat einen fortlaufenden, nicht unterbrechenden Fluss.
Die 5 neuen Stücke der mir vorliegenden "Teaser" CD "5
New" sind ein ganzes Stück anders wie "What's Mine Is
Yours". Natürlich erkennt man sofort Bee And Flower und Dana
Schechters Gesang wieder aber die Stücke sind wesentlich dynamischer,
differenzierter und nicht mehr ganz so düster, aber trotzdem melancholisch.
Manchmal erinnert mich die Instrumentierung und Stimmung sogar an Björk
("Minx") oder der Gesang an Madonna ("Last Sight of Land").
Das soll jetzt keine Beleidigung sein, oder die Eigenstädnigkeit
von Bee And Flower in Frage stellen. Mir gefallen die neuen Songs noch
besser wie die Stücke von "What's Mine Is Yours", sie
haben noch mehr Raum, wirken weiter, luxuriöser und druckvoller.
Aufgenommen wurde u.a. mit 25 Streichern, Klavier, Synthesizern, einer
satten Percussion, Bassm Keyboards, Gitarren, Lap Steels und einem grossen
Kreis an Musikern von Calexico, Nick Caves Bad Seeds, Iggy Pop, Swans
und und und... Das neue Album erscheint voraussichtlich Anfang des nächsten
Jahres.
Rating: 8/10
Chris Herbert "Mezzotint" CD (Kranky)
Eben noch eine wissenschaftliche Arbeit zu einigen Mezzotinti von Constable
verfasst, und schon liegt eine CD mit dem Titel "Mezzotint"
auf dem Schreibtisch. So geht das also. Der in Birmingham, UK ansässige
Chris Herbert präsentiert mit "Mezzotint" gekonnt sein
Debut auf Kranky und reiht sich damit nahtlos ein in die Reihe von Qualitätsplatten
die seit Jahren auf Kranky erscheinen. "Mezzotint" ist eine
Sammlung von 7 digitalen, strukturierten und improvisierten Stücken,
die weitgehend durch eher unkonventionelle "Low-Tech" Methoden
aus der Umgebung Herberts stammen. Teilweise wurden sie von ihm sogar
während seiner Arbeitszeit nebenher aufgenommen. Seine Kompositionen
wirken intuitiv und organisch - elastisch. Es pulsiert, knackt und wabert.
Weite flächige Dronen breiten sich ruhig und besonnen aus. Man
findet sich fast in einem warmen, neblig – wolkigen Sumpf wieder,
dem man nur schwer entkommen kann, überall blähen in grossen
Blasen Gase aus dem Boden und verpuffen schnell. Wieder und wieder dieser
Vorgang. Es dauert lange, bis man durch die warmen Nebelschwaden die
Umgebung erkennt. Gerade deshalb klingen die Stücke Herberts erfrischend
anders, laden zu dieser ganz eigenen Erfahrung eines sich langsam lichtenden
Bildes ein. Herbert schafft es mit "Mezzotint" einen angenehmen,
undurchsichtigen Kontrast zu bilden, zu den oft zu sauber und am Reisbrett
kühl kalkulierten "Granulat-Sounds" unserer Zeit.
Rating: 8/10
Channels "Waiting For The Next End Of The World" CD (Dischord
Records)
Im Herbst 2003 haben sich Channels um J. Robbins (ex-Jawbox) gegründet
und mit "Waiting For The Next End Of The World" ihr erstes
Album via Dischord veröffentlicht. Schon nach nicht einmal 50 Sekunden
erinnert mich die Musik an die "Jupiter" Platte von Cave In.
Der Eindruck kommt immer wieder auf, obwohl Channels im Grossen natürlich
nicht nach Cave In klingen. "Waiting For The Next End Of The World"
ist eine kräftige Portion Rock mit Ecken und Kanten. Laut produziert
und direkte, leicht schräge Melodiebögen mit einem Hang zum
spacigen (Stichwort: Pink Floyd), treffen auf sperrigere Klänge,
die man von DC Bands kennt und schätzt. Was gut tut, ist der Pop-Appeal
der Songs, nicht zuletzt durch den weiblichen Gesang von Robbins' Lebensgefährtin
Janet Morgan, die Teil des Trios ist. Durch den offensichtlichen Einschlag
unterscheiden sich Channels dann doch noch mehr von Robbins' Vorgänger
Bands Jawbox und Burning Airlines, aber J. Robbins Songwriting ist wie
immer sehr offensichtlich in den 12 Songs. Insgesamt ist "Waiting
For The Next End Of The World" eine leicht schräge, aber runde
Sache. Äh ja.
Rating: 7/10
Christina Carter "Electrice" CD (Kranky)
Nach ihrem Kranky Debüt "Living Contact" im Jahr 2004
folgt mit "Electrice" ihr nächstes Soloalbum. Solo kann
hier ganz genau gesehen werden, da Christina Carter tatsächlich
alles alleine eingespielt, bearbeitet und abgemischt hat. Dass sie das
kann bestätigt die kraftvolle, dynamische Produktion. Carter nennt
ihr Schaffen "subterranean song writing", was die 4 langen
Stücke auf "Electrice" bestätigen: sie sind allesamt
auf derselben Linie gehalten. Damit könnte das komplette Album
praktisch als ein Lied durchgehen, denn tonale Unterschiede sind spärlich
und die sanfte Art des Gesangs immer ähnlich subtil. Damit beweist
Carter mit "Electrice" auch ihr Interesse an Drone Kompositionen:
4 Stücke denen allen das gleiche musikalische Grundgerüst
unterliegt, aus denselben Elementen bestehen und darauf dann aufbauen
und von Lied zu Lied um Facetten und Details erweitert werden. "Electrice"
ist somit ein zyklisch meditatives Album.
Rating: 7/10
Colour Haze "Tempel" CD (Elektrohasch)
Schon optisch macht "Tempel" einiges her mit seinem Gold auf
Grün-Druck und auch auf der Innenseite geht es optisch psychedelisch
zu. Colour Haze waren mit durchaus seit einigen Jahren ein Begriff,
aber ausser ein paar einzelnen Liedern der Band kannte ich nichts. Die
Band ist im Stoner/ Psychedelic Rock Bereich sicher die bekannteste
deutsche Band und auch vielen Leuten in den USA ein Begriff. Nun mit
ihrem sechsten Album Tempel präsentiert sich die Band so ausgewogen
und homogen und mit einem natürlich-erdigen Sound beladen wie nie.
Eingängige Melodien, viele Grooves, ja sogar Jazz- und Blues Licks
und verspielte hypnotische Riffs machen dieses Album schnell zu einem,
Achtung, Tempel der Freude (haha). Colour Haze wirken einerseits subtil,
zurückhaltend und irgendwie verträumt, andererseits ist das
eine Rockplatte, die auch für Momente auszubrechen vermag und tonnenschwer
und laut daherwalzen kann. Die zielsichere, verspielte Leichtigkeit
der Songs und eine ganz eigene Dynamik, die im 60'er und 70'er Jahre
Rock verwurzelt ist, machen die 6 Stücke auf "Tempel"
zu einem fast gänzlich in sich stimmigen Werk. "Tempel"
ist übrigens auch auf 180g Vinyl zu haben.
Rating: 8/10
Damo Suzuki's Network "Suomi" Do-CD (Damo's Network)
Praktisch jeder weiss ja, dass Damo Suzuki Sänger der legendären
deutschen Band Can war und bei vier ihrer fünf Alben gesungen hat.
Seit Jahren schon reist Suzuki um die Welt und tritt mit vielen verschiedenen
Musikern und Bands bei Live-Improvisationskonzerten auf und weiss damit
seine alten wie neuen Fans zu begeistern. Er hat einfach einen direkten,
zwanglosen Zugang zur Musik. Auf "Suomi" sind zwei Mitschnitte
aus Finnland zu hören. Die erste CD mit dem Titel "Turku"
stammt vom 23.10.2002. Das direkte, improvisierte Live- Gefühl
stellt sich sofort ein; langsame ambientartige Parts wechseln mit funkigen
Rhythmen und fast gerapptem Gesang. Langsam bauen sich Spannungen auf,
werden von Damo perfekt bis zum fast gänzlichen Erliegen in Stille
heruntergefahren und entladen sich dann in spacigen, ausufernden Rockeskapaden.
Die zweite CD mit dem Titel "Helsinki" vom 26.10.2002. ist
noch freakiger und dynamischer. Funkige Rhythmen die an Can erinnern
geben Szuki noch mehr Raum für seine gesanglichen Improv-Dauerergüsse.
Beginnt "Helsinki" noch ruhiger, besinnlicher so ist spätestens
beim dritten Song Schluss damit: Damos Gesang weicht einem aggressivem
Schreigesang, die Musik wirkt härter, verspielter. Härterer
Krautrock mit Gitarrensolis, Drumeinalagen und eben Damo Suzukis eingängigen
aber hektischen Improvisationen findet sich auf "Helsinki"
ebenso wie das hypnotische, quirlige und schnelle "Little John
Puppet", was mein Favorit der beiden CDs ist. Die Aufmachung der
2xCD ist mehr als gelungen und weicht vom üblichen Einerlei auf
gekonnte Weise ab und rechtfertigt den Kauf um so mehr.
Rating: 7/10
Echo Is Your Love "Humansize" CD (Sabotage Records/ If Society)
Echo Is Your Love ist eine finnische Band mit weiblichem Gesang, die
seit 1998 besteht und nach zahlreichen Konzerten in Europa nun mit "Humansize"
ihr viertes veröffentlicht. Echo Is Your Love spielen eine krude
Mischung aus Indie-Pop mit aggressiven Hardcore Elementen und No-Wave
Elementen und Rhythmen die durchaus tanzbar sind und irgendwo aus dem
weiten Feld des Post-Punk herrühren. Es finden sich auf "Humansize"
immer wieder tolle Momente und Melodien, aber der Gesang der Sängerin
ist stellenweise katastrophal. Woran das auch immer liegen mag. Die
Aufmachung des Digipacks ist zurückhaltend und dezent. -
Rating: 6/10
Eric Chenaux "Dull Lights" CD (Constellation Records)
Eric Chenaux ist seit 15 Jahren im Underground von Toronto als Musiker
tätig und hat in Bands wie Phleg Camp und Life Like Weeds gesungen.
Augetreten und aufgenommen hat er bereits mit anderen Musikern aus Toronto
wie Michelle Mcadorey, Martin Arnold oder Sandro Perri. Letzter ist
hierbei wichtig, denn die Lieder von Eric Chenaux erinnern mich stark
an Perris Improv-Musik. "Dull Lights" ist eine reizende, aber
leicht schräg-schrammelige Sache die auch einen starken Improvisationscharakter
hat und durchaus von schottischem Folk beeinflusst scheint. Die Stimme
von Chenaux ist klingt wehmütig und sanft. So schrammelig und verspielt
geht es dann durch 9 Stücke in fast 50 Minuten Spielzeit. Für
Hörer von Polmo Popo, Red Red Meat, Dirty Three oder Devendra Banhart.
Auch auf 180g Vinyl erhältlich.
Rating: 6/10
Fear Falls Burning "The Amplifier Drone" LP (Tonefloat/
Ikon)
Dirk Serries von Fear Falls Burning schafft es immer wieder, seine Vielzahl
an Veröffentlichungen interessant zu halten, zu variieren und um
entscheidende Facetten seiner Drone- Studien zu erweitern, neue Erkenntnisse
umzusetzen. Wie klingen seine Drones diesmal? Durch eine konzeptionelle
Veränderung in der Produktion schafft es Fear Falls Burning diesmal,
einen lebendigeren, direkteren Zugang zu seinen Dronen zu schaffen.
Für den neuen Sound wurden verschiedene Verstärker in der
Garage des befreundeten Blues-Gitarristen Paul van den Berg zusammengeschlossen
und mit Gitarre und verschiedenen Effekten aufgenommen und später
für die LP mit Studioaufnahmen variiert. das Ergebnis ist die vielleicht
lebendigste Fear Falls Burning LP bis jetzt. Denn die Stücke sind
vergleichsweise kurz und klingen erdig, homogen und griffiger. Die verzerrten,
fast schon dreckig klingenden Gitarrenlinien mit den sphärischen,
weiten Background Drones sind eine neue "Würze" im Oeuvre
von Fear Falls Burning. Natürlich lebt "The Amplifier Drone"
von schier endlos scheinenden Wiederholungen, die wie ein Zeitfenster
wirken. "The Amplifier Drone" kommt auf weissem 180g Vinyl
und natürlich limitiert (auf 500 Stück). Das handgemachte
Plattencover ziert das aufgeklebte Foto Peavey Amps. Alle nötigen
Infos sind auf einer Postkarte enthalten. Auf die weiteren Fear Falls
Burning Releases wie DVD, LP und Picture 10" bin ich gespannt.
Rating: 8.5/10
Fear Falls Burning+Nadja "We Have Departed The Circle Blissfully"
LP (Conspiracy Records)
Die ist der dritte Teil der Conspircy LP Serie anlässlich des 10jährigen
Jubiläums des Labels. Und für diesen dritten Teil haben sich
illustre Musiker gefunden: zum einen Dirk Serries aka Vidna Obmana mit
seinem neuesten musikalischen Alterego Fear Falls Burning und zum anderen
Nadja, das atmosphärische Doom Duo um Multitalent Aidan Baker und
Leah Buckareff. Doom ist dann auch das richtige Stichwort um in "We
Have Departed The Circle Blissfully" einzusteigen: schwer, zerfahren,
industrial-like geht es auf Seite A los und stampft und ackert minutenlang
vor sich hin, bis sich schliesslich diese musikalische Doom/Drone/Industrial-Dampfwalze
in weiten, flächigen, beruhigend-kühlen wie sphärischen
Drones ergiesst und neue Ufer sucht. nach abermals einigen Minuten kehrt
die schwere Gitarren/ Beat Maschinerie nochmals zurück. Sunn O)))
lassen grüssen. Die B Seite ist ungleich epischer, pulsierender,
die Grenzen zwischen den Musikern von "We Have Departed The Circle
Blissfully" verschwimmen mehr. Vielschichtige Drones fluten umher,
Gitarren Feedbacks, und immer ist da unterschwellig dieser fiese, zerfahrene
Drumbeat, der diese Höllenmaschine am Leben zu erhalten scheint.
Hoffnungslos verloren, dennoch meditativ und hypnotisch läuft dieser
Track beinahe endlos vor sich hin. Gefangen in einer Sphäre jenseits
von Raum und Zeit. Das Artwork stammt von Seldon Hunt und ist gelungen,
es unterscheidet sich deutlicher von seinen letzten Arbeiten. Die "We
Have Departed The Circle Blissfully" LP ist limitiert auf 230 Stück.
Rating: 8/10
French Toast "Ingleside Terrace" CD (Dischord)
French Toast ist eine Band um Jerry Busher und James Canty, die seit
20 Jahren miteinander befreundet sind und unter anderem gemeinsam Musik
in den folgenden namhaften Bands machten: Nation of Ulysses, Make Up,
Fidelity Jones, All Scars, Las Mordidas und Fugazi. Prodziert hat "Ingleside
Terrace" Brendan Canty von Fugazi. Der Backkatalog der Band besteht
aus der "The Bugman" EP (2001), der Single "Hatred Mace/
For Sylvia" (2003), sowie dem Album "In A Cave" (2005).
Die 12 enthaltenen Stücke gehen eben in Richtung des typischen
DC Rock Sounds. Der sehr unterschiedliche Gesang sorgt für Abwechslung
und die Stücke auf "Ingleside Terrace" sind durchweg
melodisch, dynamisch-lebendig und leicht zugänglich. Das Artwork
passt gut zur Musik: jede Seite des Booklets hat andere Bilder, Motive
und Farben. Musikalisch kommen mir irgendwie Fugazi, Nick Cave und Sonic
Youth in den Kopf. Sehr vage, ich weiss.
Rating: 8/10
Gantz "La Chambre Des Morts" CD (Heart On Fire Records
/ Krawa Records / Impure Muzik Records / Radar Swarm Records)
Gantz machen dunkle Musik, Gantz machen schwere Musik, Musik irgendwo
zwischen (Post)Hardcore und schwerem (Math)Rock. Bands wie Isis, From
Monoument To Masses kommen einem schnell in den Sinn. Das Problem nur:
zwar gute, interessante Ansätze, die aber fast immer im Keim ersticken
oder stagnieren und bis zur Langweiligkeit ausgespielt werden. Dazu
ein ebenso wenig betörender Gesang. Zu eintönig, zu oft dagewesen.
Da hilft es auch kaum, dass "La Chambre Des Morts" in einem
dicken Digipack plus Booklet daherkommt und man sich für Artwork,
Lyrics und dazugehörige Erklärungen offenbar Mühe gegeben
hat. Einzig die ruhigen, verspielten Instrumental-Parts wie in "Noircir
La Porte De Sa Maison" locken den Hörer aus seiner stumpfen
Lethargie, sorgen für etwas Abwechslung und Stimmung und wirken
wie der silberne Streif am dunklen Horizont. Nur wenn dann wieder dieses
stumpfe Geschrei mit einer Note Emo-Gewinsel anfängt fällt
man wieder zurück in sein Loch. Letztlich bleibt das kernige, treibende
"Les Architectes" mit gar breach mässigen Anleihen mein
Favorit des Albums. Auch die Produktion wirkt seltsam unausgereift und
hackt für meine Ohren öfter. Gesamtfazit lautet: Interessante
Ansätze, zu viel heisse Luft.
Rating: 6/10
Gorilla Biscuits "Start Today" CD (Revelation Records)
Die "Start Today", der absolute Hardcore Klassiker und hier
nun also in der Wiederveröffentlichung im limitierten Digipack.
Ich will jetzt hier nicht schreiben wieso und warum Klassiker, wem GB
und die "Start Today" kein Begriff ist, googelt lieber schnell
mal ne Runde. Also erstmal dachte ich die CD würde zusammen mit
einer DVD herauskommen, dem ist aber nicht so. Gut was ist anders? Ersteinmal
wurde das ganze und einzige Gorilla Biscuits Album neu gemastert und
ihm ein etwas dickerer, wuchtigerer Klang verpasst. Der Unterschied
ist aber nicht so wahnsinnig gross. Das Artwork ist nahezu das gleiche
geblieben, einzig das beiliegende Booklet mit vielen alten Fotos und
Flyern aus der Zeit der Gorilla Biscuits ist neu. Neben dieser visuellen
Ergänzung sind alle Lyrics abgedruckt, sowie ein paar kurze Linernotes
von jedem Bandmitglied zu lesen. Diese, durchaus amüsant und gelungen,
hätten länger und umfangreicher ausfallen können. Neben
den regulären Tracks des "Start Today" Albums sind noch
"Sitting Round At Home" (Cover von den Buzzcocks) und "Biscuit
Power" enthalten. Die limitierte Toursingle zur aktuellen Jubiläumstour
im August schon gehört? Nein? Gut so und bitte dabei bleiben. Die
beiden daraufenthaltenen neuen Songs sind eine blanke Katastrophe und
kommen bei weitem an keines der alten GB Lieder heran. Ob es sich nun
wirklich lohnt die Wiederveröffentlichung zu holen, ist schon fraglich
und muss jeder für sich entscheiden. Das Original hätte vor
guten 15 Jahren von mir die volle Punktzahl bekommen, jetzt belasse
ich es bei den unten vergebenen Punkten, denn man hätte dann doch
etwas mehr aus dem Rerelease herausholen können.
Rating: 9/10
Japanische Kampfhörspiele "Früher War Auch Nicht
Alles Gut" CD (Bastardized Recordings)
Die nächste Attacke der Grind/Punk/Metal Heroen mit einem gelungenen
Sammelwerk ihrer frühen und besten Outputs von 1998 bis 2002: "Le
Menu De L'autopsie Des Gagnants du Grind Prix", "Gott Ist
Satt", "Oslo", "Transportbox für Menschen",
"Nostradamus in Echtzeit", "Die Grossstadt stinkt, ist
laut und septisch" sowie "Brandsatzliebe". Inklusive
ein paar bis dato unveröffentlichter Demos. Musikalisch wird hier
wieder die totale Breitseite gefahren. Ich find's einfach herrlich.
Bitte unbedingt selber anhören, erfahren, spüren. Für
mich gehören JaKa ja schon seit langem auf Mike Pattons Ipecac
Imprint, das wäre die richtige Grössenordnung. Genial auch
das Booklet zum selber basteln: das Booklet enthält sämtliche
Lyris und zu jeder Platte sind freie Felder in die man, nach dem ausschneiden
von einem separaten Papier, die jeweiligen Plattencover einklebt. Funky.
32 wahnwitzige Stücke in 64:20 Min.
Rating: 9/10
Jucifer "If Thine Enemy Hunger" CD (Relapse Records)
Das Duo von Jucifer ist mir seit Jahren ein Begriff, habe aber nie auch
nur einen Ton von ihnen gehört. Irgendwie habe ich mir dennoch
was anderes darunter vorgestellt. Vor allem kein Frauengesang . Auch
dass die beiden Protagonisten verheiratet sind wusste ich nicht. Ein
festes Zuhause haben die beiden wohl nicht und tingeln Tag ein Tag aus
in ihrem Tourbus durch die Gegend. Während dieser eher sanft, träumerisch
und fast betörend wirkt, ist der Rest eine rockende Soundwand mit
schweren Drums und monolithischen Gitarren. Insgesamt sicher nicht schlecht,
streckenweise mit Ohrwurm-Charakter, aber dennoch, irgend etwas fehlt.
Nach nicht einmal der Hälfte der 15 Songs stellt sich Langeweile
ein und man beginnt darüber nachzudenken doch lieber etwas anderes
einzulegen. Erst mit "Antietam" stellt sich dann mehr Abwechslung
ein und es wird ein Tick aggressiver und dynamischer auf "If Thine
Enemy Hunger". Dabei ist auch "Pontius Of Palia" herauszuheben.
Anfang 2007 das erste Mal dann auf Europa Tour.
Rating: 6/10
Lullabye Arkestra "Ampgrave" CD (Constellation Records)
Beschreibung: Distorto Soul Rock. Rezension zu Ende, ich bin raus. Schön
wenn das für den Schreibenden so einfach wäre, sich mit solcherlei
Formeln elegant aus der Affäre zu ziehen. Nun denn, wer "Ampgrave"
des Bass- und Drum Duos Lullabye Arkestra gehört hat, weiss was
ich meine. Lullabye Arkestra klingt so schrecklich ergreifend überladen
und zerfahren, dass mir beim ersten Hören die Kinnlade heruntergefallen
ist. Man höre sich nur das dritte Stück "Hold On"
an. Oder den Opener "Unite!!!!!!!!!!". Und das beste ist,
die überladenen, zerstörenden Rock Passagen werden in ihrer
monströsen Wirkung von Bläsern, Horn, Violine, Saxophon etc.
unterstützt und bekommen damit noch mehr dieses chaotische "Knockout-Riff-Monster-Rock-Rock'n'Roll-Gefühl".
Brilliant.
Rating: 8/10
Made Out Of Babies "Coward" CD (Neurot Recordings)
Ok, ehrlich wie ich bin, kann ich sagen, dass ich schon nach den ersten
Sekunden von "Coward", dem zweiten Album von Made Out Of Babies
feststellen muss, dass ich damit wenig bis gar nichts anfangen kann.
Und woran liegt's? Mag sich der besorgte Leser fragen. Die bescheidene
wie eindeutige Antwort des Rezensenten: Ich mag den Gesang der Dame
hinter dem Mikrophon immer noch nicht. Aber: ansonsten gar nicht mal
so schlecht. Jesus Lizard Einflüsse immer noch zuhauf da, klaustrophobe
Melodien in aller Herrlichkeit und eine satte Produktion von Steve Albini...
wäre da nur nicht immer dieser Gesang von Julie Christmas, wobei
zugegeben, sie zu Beginn von "Fed" gut klingt, sofern ihr
Katzengejammer nicht anfängt, versteht sich. Wobei insgesamt ihre
Gesangsleistung beachtlich ist. Die Musik wirkt einfach direkt, roh
und pur. Da wird dem Hörer schon gut was eingeschenkt und zielgerichtet,
auf den Punkt weggehauen. Tolle Gitarrenarbeit. Das Artwork ist vergleichsweise
simpel, auf dem Cover ein kleiner Junge zu sehen, der wohl ordentlich
eine gelangt bekommen hat oder einen Unfall hatte.
Rating: 6/10
Marble Sheep "Raise The Dead: 2006 March Europe" CD (Fünfundvierzig)
Bekannterweise gelten Marble Sheep neben Acid Mothers Temple und White
Heaven für viele als die japanischen Psychedelic Rock Heroen. Gegründet
wurde die Band vom White Heaven Gitarristen Ken Matsutani anno 1987
und seitdem machen die 5 Japaner immer wieder weltweit die Bühnen
unsicher und überzeugen die Leute mit einer Mischung aus roher
Rock-Energie und jammigen, psychedelischen Improv-Sounds. 12 Alben haben
Marble Sheep bis dato veröffentlicht. "Raise The Dead: 2006
March Europe" ist eine Live CD im Digipack mit den besten Mitschnitten
ihrer letzten Europa Tour im März diesen Jahres, die auch durch
weite Teile Deutschlands führte. Ich mag den direkten, ungeschliffenen
Eindruck den dieses 8 Song Album hinterlässt. Rauh, roh, mitreissend
mit einer gehörigen Portion noisigem Rock'n'Roll und den typischen
psychedelischen, hypnotischen Elementen, die selbst nach so einer langen
Bestehenszeit der Band immer noch pure Spielfreude und Spass am durch
die Lande tingeln erkennen lässt. Im Herbst sind Marble Sheep wieder
auf kleiner Herbst Tour und neben einigen Clubdates sind sie auf einigen
Festivals zu sehen. -
Rating: 7/10
OM "Conference Of The Birds" CD (Holy Mountain)
Der erste der beiden Tracks auf "Conference Of The Birds"
namentlich "At Giza" ist sowas von gelungen und grandios,
dass, wenn der zweite Track "Flight of the Eagle" genauso
gut gewesen wäre, ich hier volle Punktzahl vergeben hätte
und meine Platte des Jahres (fast) schon sicher wäre. Egal, auch
so gut. OM ist die Rhythmusfraktion von den legendären Sleep und
"Conference Of The Birds", der Nachfolger vom ähnlich
faszinierenden Album "Variations On A Theme" Album , welches
eine ähnliche und genauso gelungene Aufmachung hat wie "Conference
Of The Birds". Mit der Unterstützung von Billy Anderson als
Engineer & Produzent wird hier eine intelligente und sehr hypnotische
wie psychedelische, dronige, Rock Platte vorgestellt, die man nur als
konsequente, minimalistische Weiterführung von Sleep sehen kann.
Der Gesang ist apathisch und monoton, Repetitionen wohin das Ohr reicht.
Elemente aus der Stoner Ecke, dem Doom, Chant... und alles so perfekt
und gekonnt umgesetzt. Beide Stücke auf "Conference Of The
Birds" leben, pulsieren und die Riffs schrauben sich mit den immer
gleichen periodischen Rhythmen nach oben. Mal brechen sie zusammen,
um dann genau das gleiche Spiel nur noch einmal viel herrlicher und
hypnotischer zu zelebrieren. Der Sound ist von homogener Dichte und
absolut organisch. Textlich geht es um die Struktur des Universums oder
das Gefangensein im Körper, was so gut zu den beiden Liedern passt.
Grossartig!
Rating: 9/10
Otto Von Schirach "MaxiPad Detention" CD (Ipecac Recordings)
Das hier ist Klangterrorismus erster Güteklasse und das wiederum
kann ja nur für eine Veröffentlichung auf Ipecac sprechen.
Mike Patton bekam ein Tape mit 38 Tracks und hat davon dann 18 zusammengestellt,
und diese dann als "MaxiPad Detention" herausgebracht. Wer
sich Otto von Schirach mehr als 15 Minuten anhört hat gute Nerven,
ich kann damit wenig anfangen. Musikalisch eine einzige Sezierung von
Techno und was weiss ich nicht alles, die sich schwer beschreiben lässt.
Irgendwie faszinierend, aber viel zu anstrengend, nervend und abgefahren.
Formel: Nimm Electro Bass Noise, Gore Grind, IDM Glitch, Calliope, Breakcore
Gabber Jungle und Gangsta Rap, mische alles und schau was am Schluss
herauskommt. Nuff said!
Rating: 5/10
Red Sparowes "Every Heart Shines Toward The Red Sun"
CD (Neurot Recordings)
Bei Red Sparowes bin ich immer hin und her gerissen, höre ich mir
jetzt "Every Heart Shines Toward The Red Sun" mal wieder laut
an, so finde ich das neue Album der roten Sperlinge gelungen mit stellenweise
grossartigen Momenten. Es wirkt dynamischer als der Vorgänger,
fokussierter, düster und treibend. Filmmusik für Ohr und Kopf.
Aber ich weiss, so schnell werde ich mir "Every Heart Shines Toward
The Red Sun" nach der Rezension nicht wieder anhören. Die
Frage ist also, bleibt da viel hängen? oder file under: belanglos?
Ich kann es nicht sagen und verweile dabei, die positiven Aspekte des
neuen Albums zu beschreiben: "Every Heart Shines Toward The Red
Sun" ist eine warm produzierte, 62 minütige orchestrale und
sphärische Klangwand, die es stellenweise schafft, den Hörer
komplett einzunehmen und sich den ausufernden Klängen hinzugeben
die einen mitreissen, aber trotzdem vollkommen ruhig auf und abwogen.
"Every Heart Shines Toward The Red Sun" ist ein Album das
Zeit braucht und wächst. Die Aufmachung ist minimalistisch und
gelungen. Die für Red Sparowes typischen Elemente, wie die Vögel,
sind wie immer vorhanden und die fünffachen Farbkombinationen ansprechend
gewählt und das ganze auf schönes, leicht rauhes Papier gedruckt.
Rating: 8/10
Red Sparowes/ Made Out Of Babies/ Battle Of Mice "Triad" CD
(Neurot Recordings)
"Triad" ist eine zwiespältige Sache. Denn dieser musikalische
Output dreier miteinander verbandelter Bands wirkt zu ausgelutscht.
Sofort fällt auf: Artwork von Seldon Hunt, irgendwie auch schon
öfter gesehen. Na ja egal sieht trotzdem gut aus. Auf der EP enthalten
sind von jeder Band 2 Tracks, die von Red Sparowes sind jedoch live
aufgenommen. Ganz nett anzuhören, mehr aber auch nicht. Am interessantesten
sind die beiden darauffolgenden Tracks von Battle Of Mice mit u.a. Julie
Christmas von Made Out Of Babies am Gesang, der mir hier sogar richtig
gefällt, und Josh Graham von Red Sparowes an Gitarre und Keyboard.
Wirkt auch oft musikalisch wie eine Mischung beider Bands, mit dem Besten
was beide so zu bieten haben. Made Out Of Babies präsentieren sich
im gewohnten, mir zu Gewand. Aber tolle Melodiebögen der Gitarren.
Rating: 5/10
Sandro Perri "Plays Polmo Polpo" CD (Constellation
Records)
Sandro Perri hat mich sofort an Glissandro 70 erinnert, nur dass mich
diese Solo EP weit mehr begeistert. Schöne, gemütlich zurückgelehnte,
entspannte 5 Songs die munter vor sich hin plätschern und mal in
die eine, dann wieder in die andere Richtung trödeln. Gittarenbummelmusik,
die immer wieder das Improvisationstalent von Perri offenbart und Spass
macht, auch gut als Hintergrundmusik in einem Café vorstellbar.
Verregneter Montagmorgen, draussen laufen die Menschen hastig vorbei,
verschlafene Gesichter. So, hier die Tageszeitung und wo bleibt mein
Kaffee? Für Leute mit Plattenspieler ist "Plays Polmo Polpo"
auch auf 180g Vinyl zu bekommen.
Rating: 7/10
Shai Hulud "A Profound Hatred Of Man" CD (Revelation Records)
In diesen Zeiten haben Wiederveröffentlichungen Hochkonjuktur und
Shai Hulud folgen mit ihrem doch beachtlichen Backkatalog dem Trend
und bringen ihr Schaffen seit Bandgründung gesammelt und etwas
überarbeitet heraus. Nach "A Comprehensive Retrospective Or:
How I Learned To Stop Worrying And Release Bad And Useless Recordings"
nun die nächsten beiden Cds. Teilweise neu gemischt, aber alle
neu gemastert, präsentieren sich die Songs mit einem etwas besseren
und kraftvolleren Klang. "A Profound Hatred Of Man" enthält
neben den ursprünglichen 3 Songs der EP die Coverversionen von
den Bad Brains, Metallica und Negative Approach. Ausserdem enthalten,
die Songs der beiden Split Releases mit Indecision und Another Victim.
Insgesamt also 13 grossartige, wichtige Tracks der Hardcore Geschichte.
Über den grossartigen treibenden Gitarrensound und die schönen
Texte, weil absolut nihilistisch, brauche ich nun ja nichts zu schreiben,
da (fast) jedem bekannt.
Rating: 8/10
Shai Hulud "Hearts Once Norished With Hope And Compassion"
CD (Revelation Records)
Thematisch ergänzt sich "A Profound Hatred Of Man" perfekt
mit "Hearts Once Norished With Hope And Compassion", da die
neue Aufmachung beider Cds zusammenpasst (man halte beide Cover zusammen
und ein Körper bildet sich). Nun zu "Hearts Once Norished
With Hope And Compassion", dem ersten Album von Shai Hulud: die
Band war schon immer damit unzufrieden, da es in Eile aufgenommen wurde.
Die Vocals zum Beispiel an nur einem Wochenende. Für die Wiederveröffentlichung
wurde es ebenfalls komplett neu abgemischt und gemastert. Die Tracks
der originalen Fassung hat die Band als Mp3 Files auf die CD mitgepackt,
so kann jeder den Unterschied herausfinden bzw. wer lieber das Original
hören möchte muss fast keine Abstriche machen. Beide Cds haben
ausführliche Linernotes und neben vielen Fotos auch die kompletten
Lyrics im Booklet. Auch hier sei der legendäre Shai Hulud Sound
mit der treibenden Leadgitarre, die immer wie ein einziger, positiver
Lichtstreifen bei all der Traurigkeit der Lyrics wirkt hervorgehoben.
"I spend another morn alone, in a world that rejects me. A public
unkind, laced with apathy. This one's for the world: I hate you."
Rating: 8/10
Sirens "Calling" MCD (Let It Burn Records/ PXF Records)

Zuallererst sticht einem ja immer die Verpackung einer CD ins Auge und
die gefiel mir hier mit ihrem Rot/ Gelb Design schon mal sehr gut. Zwar
ein schlicht aufgemachtes Digipack mit Booklet aber hier trifft die
Formel "weniger-ist-mehr" ins Schwarze. So gesehen haben die
fröhlichen Farben der MCD schon mal für gute Laune gesorgt
und Lust auf knalligen, old schooligen Hardcore gemacht. Den bekommt
man mit Sirens Debüt "Calling" auch. Die Spielzeit von
etwas über 15 Minuten finde ich genau richtig, so kommt keine Langeweile
auf und man kann die volle Spielzeit mitrocken. Musikalisch erinnern
mich Sirens an ältere Bands wie Unity oder neuere Acts wie Reach
The Sky (nur nicht so langweilig). Die 6 Stücke auf "Sirens"
sind energiereich und straight nach vorne gespielt, sauber produziert
und haben mitreissende Meldodien. Also wer mal wieder knalligen, frischen
Hardcore hören will, bei dem so ziemlich alles stimmt ist bei den
sympathischen Jungs von Sirens genau richtig. Wanne-Eickel Hardcore
rules!
Rating: 7/10
Skullflower "Tribulation" CD (Crucial Blast)

Richten wir uns nur nach der Übersetzung des Albumtitels so erwarten
uns Not, Leiden, Bedrückung, Qual oder kurz Drangsal und das in
musikalischer Form. Dass zwischen Albumtitel und den musikalischen Absonderungen
des legendären Matthew Bower nicht viel Raum ist, wird jeder wissen,
der Skullflower oder zumindest die letzte Platte "Orange Canyon
Mind" kennt. Bower geht den auf "Orange Canyon Mind"
eingeschlagenen Weg konsequent weiter und sorgt für ein Klanginferno,das
nun wirklich so was von zerstörend, trostlos und niederschmetternd
ist, dass man nach über einer Stunde lauten Hörens von "Tribulation"
nicht unbedingt beschwingter durch den Tag marschiert. Wirkte das Vorgängeralbum
viel zu abgehackt und jedes Stück stand eher für sich alleine,
so schafft es "Tribulation" deutlich besser den Bogen zu schlagen
und bis auf wenige Aussetzer (z.B. das Ende des Albums) gerundeter,
homogener zu erscheinen. "Tribulation" weckt etwas im Hörer,
auch wenn es nur die totale Verweigerung ist oder der dringliche Wunsch
sich aus dieser klaustrophobischen Klangwelt schnell wieder zu befreien.
Rückkopplung um Rückkopplung . White Noise. Dieser total berstende,
nervende Klang, meist monoton über Minuten und die vielen repetitiven
Elemente, wecken zeitlose Ureindrücke. Bis ins kleinste zerfahrene
Power- Drones, Feedbacks wohin das Ohr reicht und eine herrlich schwarzes
Aufressen der Verstärker. "Tribulation" ist eine dynamische,
wie weltverschobene Meditation mit Melodieansätzen wie Rasierklingen.
Musik für Lumpensammler, und ich gebe gerne zu, ich bin ein hingebungsvoller
beim Hören von "Tribulation".
Rating: 9/10
Strotter Inst. "Anna/ Anna" 7" EP (Implied Sound)
Strotter Inst. steht für Strotter Installation oder Instrument.
Mit Strotter, einem altwiener Ausdruck, werden allgemein Menschen bezeichnet
die in Abfällen herumstöbern. Vorwiegend werden damit jene
bis Mitte des 20. Jahrhunderts im Wiener Untergrund lebende Personen
bezeichnet, für die das Strotten Lebensgrundlage war. Strotter
Inst. ist das Baby des Schweizer Musikers, Künstlersund Architekten
Christoph Hess. Musikalisch ist Strotter Inst. die intelligente "Verwurstung"
von 5 alten Lenco Plattenspielern und anderen, für Hess, interessanten
Dingen mit denen oder aus denen sich seltsame Klänge herausholen
lassen. Und so kreiert Hess polymorphe Klänge und Rhythmen, die
mal in Drone Gefilde abdriften oder wie starke Bass Meditationen klingen.
Das interessante dieses Siebenzöllers ist, dass er sich ganz normal
von Aussen nach Innen und wieder zurück von Innen nach Aussen abspielen
lässt. Somit gibt es auf dieser kleinen 7" EP mehr zu entdecken,
als man ursprünglich denkt. Auch das Artwork der Platte offenbart
sich erst nach dem entfernen der 7" aus der Hülle und wird
damit lesbar. Der Titel "Anna/ Anna" ist ebenfalls schon Hinweis
auf all das Konzeptionelle, dass sich in dieser Veröffentlichung
verbirgt. Auf 500 Stück limitiert und geeignet für Hörer
von: Philip Jeck, Fennesz, Janeck Schaffer, Institut für Feinmotorik,
DJ Still, Otomo Yoshihide.
Rating: 8/10
The Goslings "Spaceheater/ Perfect Interior" CD (Crucial Blast)
Diese CD der Goslings fasst die beiden als limitierte CD-Rs auf Asaurus
Records im Jahr 2004 erschienen Eps "Spaceheater" und "Perfect
Interior" zusammen. Eine gute Sache also, denn die Goslings sind
kräftig im Kommen und haben neben dem "Between The Dead"
Album kürzlich ihren neuesten Output "Grandeur of Hair"
via Archive Recordings veröffentlicht. Die Goslings sind übersteuerte
Verstärker, Feedbacks und haufenweise Drone-Pysche mit Indie-Pop
Appeal. Viele Momente des Ehepaar- Duos klingen, als liegt man schweisgebadet
im Fieberwahn im Bett, halluziniert fleissig vor sich hin, bekommt irgendwann
auch noch Platzangst und sieht wie die Wände wie Wellen hin und
her wackeln und wabern. You get the picture. Insgesamt finde ich diese
Compilation CD etwas ruhiger, verträumter und strukturierter wie
beispielsweise "Between The Dead", aber keinesfalls schlechter.
"Spaceheater/ Perfect Interior" ist eine laute Angelegenheit
und muss auch laut gehört werden um das herauszukitzeln was die
Goslings ausmacht und damit wird "Spaceheater/ Perfect Interior"
zu einer spannenden Sache, die in keiner experimentellen Plattensammlung
fehlen sollte.
Rating: 8/10
The Now Denial "Obey, Adapt, Shut Up And Die" CD (Sabotage
Records/ Too Circle Records)
"Obey, Adapt, Shut Up And Die" ist die Compilation CD von
The Now Denial und enthält die Tracks der Band, die vorher nur
auf Vinyl zu bekommen waren, als da wären die Splits mit Seein'
Red und Highscore. Ausserdem auf "Obey, Adapt, Shut Up And Die"
drauf: unveröffentlichtes, altes Material, Compilation Beiträge
und, und, und... insgesamt 19 Stücke bei etwas über einer
halben Stunde Spielzeit. Neben diesem Material gibt es noch einige CD-Rom
Live Features von diversen Shows und Festen. Die Aufmachung im Digipack
gefällt, einzig die Texte sind durch die Hintergrundbilder etwas
schwer zu lesen. Neben den englischen Lyrics sind alle noch einmal auf
japanisch abgedruckt, da "Obey, Adapt, Shut Up And Die" ein
Gemeinschaftsprojekt mit dem in Tokyo ansässigen Label Too Circle
Records ist. Musikalisch wie immer: "tractor-pulling-death machine,
a pitbull and a bottle of champagne with strawberries."
Rating: 7/10
The Yellow Press "Devil In The Details" b/w "Faith In
Modern Chemistry" 7" EP (Sabotage Records)
Zwei Song EP einer sympathischen Band aus San Francisco, USA, die irgendwo
im Post-Punk Bereich anzusiedeln ist, aber ihre Wurzeln sicher auch
im melodischen Emo-Hardcore der 90'er hat und neben teilweise Fugazi-
artigen Rhythmen auch an allerlei typisches, legendäres DC Zeugs
erinnert. Beide Songs sind catchy, tanzbar, rocken und gehen locker
von der Hand. Der Gesang ist schneidig. Mehr gibt's nicht zu sagen.
Aus.
Rating: 7/10
Tim Hecker "Harmony In Ultraviolet" CD (Kranky)
Nachdem 2005 mein Tim Hecker Jahr schlechthin war (ich habe praktisch
nur Tim Hecker gehört) war ich schon sehr gespannt und erwartungsfroh,
als ich schliesslich sein neuestes Werk "Harmony In Ultraviolet"
in den Händen hielt und hörte. Mein erster Eindruck: Hecker
geht den auf seinen letzten Alben eingeschlagenen Weg weiter, baut ihn
aus, erweitert ihn. Vielleicht ist "Harmony In Ultraviolet"
nicht so hart wie das letzte Album "Mirages", aber Stücke
wie "Chimeras" sind nicht weniger eindrucksvoll. Sie berauschen
und entziehen den Hörer der Realität. Epische, weite und hocheindrucksvolle
sphärische Momente brillieren da. Sie zeigen Heckers grosses Talent
für Klangforschungen im Bereich der "spektralen" Musik.
Überhaupt, Tim Heckers Klangkompositionen bewegen sich wie auf
einem Farbspektrum: immer wieder werden neue Facetten und Färbungen
abgetastet und herauspoliert. Feinfühlig, sensibel ebenso wie kalt,
dunkel und zerfahren. Doch einerseits klingen die 15 neuen Stücke
auf "Harmony In Ultraviolet" so bedeutungsvoll und geladen,
andererseits aber so leicht zugänglich, durchschaubar... und bedeutungslos?
Wie steckt man den Rahmen ab wenn man Heckers Musik beschreiben soll?
Tim Hecker bewegt sich auf einem Feld von Ambient, Drone, elektronischer
Musik, Noise und einem gefühlsmässigen Metal. "Harmony
In Ultraviolet" ist ein Herbstalbum und erscheint genau zur richtigen
Zeit. Denn zusammengefasst klingt es einfach wie der Herbstwind in all
seinen Daseinsformen.
Rating: 9/10
Volt "Rörhät" CD (Exile On Mainstream)
Volt präsentieren mit "Rörhät" eine grundsolide
Noise-Rock Platte die unbändig, ursprünglich und wild klingt
und technisch einwandfrei umgesetzt ist. Ihr erstes Album "Rörhät"
ist ein wilder Bastard aus musikalischen Heroen wie den Melvins, Jesus
Lizard, Helmet , Unsane und den groovigen Gitarrenläufen von RATM.
Die Bassläufe wie auch das Drumming haben einen dicken Groove und
bekommen die Songs nach minutenlangem Dauergerocke doch mal Schlagseite,
so zieht sie der Gesang wieder spielerisch heraus. Der Knaller des Albums
ist für mich definitiv das treibende "Hospital In Wales",
hier wird gestampft, geröchelt und geschrieen bis sich der Boden
vor einem freiwillig öffnet. Und live sind Volt bestimmt nicht
weniger innovativ, wuchtig und tonnenschwer, da sei jeder vor diesem
ostdeutschen Noise Inferno gewarnt.
Rating: 8/10
William
Elliott Whitemore "Songs Of The Blackbird" CD (Southern Records)
William Elliott Whitemore ist zwar erst 27 Jahre alt, klingt aber, als
ziehe er seit mindestens 45 Jahren als wandernder Bluesman durch die
Staaten. "Songs Of The Blackbird" hat 9 Stücke und etwas
über eine halbe Stunde Spielzeit. In der halben Stunde wandert
Whitemore gekonnt über sämtliche Blues Landschaften und stellenweise
treten dabei verschiedene Einflüsse aus Folk oder Country Music
zu Tage. Alle Songs haben einen leichten Hang zu Düsternis und
Schwerfälligkeit des Lebens. Was ich mag, ist die leichtfertige
Art, mit der Whitemore singt und seine Stücke mit rauher Stimme
vorträgt. Das geht manchmal so weit, dass sie regelrecht beschwingt
klingen. Daran ist sicher nicht zuletzt die minimalistische Instrumentierung
von teilweise nur Banjo oder Gitarre schuld. "Songs Of The Blackbird"
ist düster, schön und Stücke wie "One Man's Shame"
gehören zu den Gewinnern der Platte. Demnächst auf Tour in
Europa.
Rating: 7/10
White Circle Crime Club "A Present Perfect" CD (Crime
Club Recordings)
Nach dem letztjährigen Debüt Album "Written In Black"
nun das zweite Album "A Present Perfect", auf dem Band eigenen
neu gegründeten Label Crime Club Recordings. Im Vergleich zu "Written
In Black" zeichnet "A Present Perfect" eine fokussierte
Herangehensweise an das Songwriting aus. Neben einer gesteigerten Sensibilität
für Melodien ist aber immer noch die Anlage für schräge
Klangexplosionen da. Trotzdem wirkt "A Present Perfect" kompakter
in der Produktion und homogener im Sound. Zwar weisen die meisten der
10 Stücke keinen Hit-Charakter mehr auf wie er öfter auf "Written
In Black" zu hören war, aber brilliante Songs wie "Occasionalesque"
kommen dem doch nah, ungewöhnlich auch, wie der Song zum Ende hin
dezent im Nichts verläuft. Sonst sind neben straighten Krachern
wie "Reversed Revivals" auch jammige Bass Songs wie "Parizer"
auf "A Present Perfect" zu finden. White Circle Crime Club
zeigen dem Hörer mit "A Present Perfect" wie sie es gekonnt
schaffen, lebendige, unterschiedliche Songs zu schreiben, mal rockig
und schräg dann wieder harmonisch mit einem Hang zur Melancholie.
Nach anfänglichen Zweifeln, sind White Circle Crime Club nun für
mich definitiv eine Band, die man im Auge behalten sollte.
Anspieltips: "Occasionalesque", "That Was Now"
Rating: 8/10
Reviews
Falll 2006, Part II:
Battle Of Mice "A Day Of Nights" CD (Neurot Recordings)
Battle Of Mice ist ein Projekt um Josh Graham (Red Sparowes) und Julie
Christmas von Made Out Of Babies. Wer meine Rezensionen liest, der weiss
ja wie ich mich mit dem Gesang von Julie Christmas und Made Out Of Babies
schwer tue. Schwer getan haben sich auch die beiden oben genannten Hauptprotagonisten
bei den Aufnahmen: Als die Band den 6. der 7 Stücke aufgenommen
hatte, war es für beide unmöglich sich weiter im selben Raum
aufzuhalten, so gross war das Konfliktpotential zwischen beiden. Die
führte dazu, dass man fortan getrennt aufnahm. Julie spielte sämtlichen
Gesang an einem Tag ein, und das ohne auch nur eine Zeile für die
Texte vorher zu schreiben. Trotz dieser etwas problematischen Aufnahmesituation
will die Band auch weiterhin zusammen Musik machen. Dennoch, das Ergebnis
kann sich sehen lassen. Musikalisch kombiniert Battle Of Mice die stärkeren
Momente von Red Sparowes und Made Out Of Babies. Im Vergleich zu Red
Sparowes klingen die Gitarren kraftvoller, mehr auf den Punkt und weit
weniger sphärisch. Der Unterbau ist aber beinahe identisch und
erinnert eben an Red Sparowes. Battle Of Mice klingen jedoch rockiger
und die Dynamik ist doch eine andere. Für den Grossteil der Härte,
den die 7 Stücke ausstrahlen ist der Gesang von Julie Christmas
verantwortlich, die mir hier weit besser gefällt, wie bei Made
Out Of Babies. Klar, ihre Stimme hat den Hang zu Aggressivität
und Brutalität, aber auf "A Day Of Nights" weiss sie
ihren Gesang viel mehr zu variieren, neigt zu leisem Sprechgesang, den
typischen Ausbrüchen sowie zu zartem Gesang.
Rating: 7/10
Belong "October Language" CD (Carpark Records)

Das Debut Album "October Language" von Belong war für
mich eine kleine Sensation, da ich zuvor weder von Belong noch von ihrem
Label Carpark Records gehört habe und "October Language"
so gut, aber wohl leider viel zu unbekannt ist. Beim ersten Durchhören
von "October Language" schossen mir sofort Tim Hecker und
Growing in den Sinn, wobei das Duo von Belong viel mehr mit Tim Hecker
gemein hat. Wer also Hecker kennt, weiss definitiv in welche Richtung
es auf "October Language" geht: Dronige, "fuzzed-out"
Stücke angereichert mit tonnenweise traurigen Ambient Elementen.
Hoch melodiös, lichtvoll, farbig (hier kommen Growing ins Spiel...)
und warm klingen die 8 Oden an die Heimatstadt des Duos, New Orleans.
Flimmernde Luft, verschwommene Gestalten, Hochsommerwind. Kegelartig
wie einer dieser Raubvögel treibt die Musik von Belong den Hörer
nach oben. Den einen mag's eher erschrecken, der andere fühlt sich
entspannt und kann "October Language" gar nicht laut genug
geniessen. Am Rande: Mit für die Produktion von "October Language"
verantwortlich ist auch Joshua Eustis von Telefon Tel Aviv und dieser
mit Turk Dietrich von Belong haben gemeinsam ein Nebenprojekt namens
Benelli. Unter diesem Namen hat man einen Remix zu "The Frail (version)"
von Nine Inch Nails angefertig. Zu finden übrigens auf der NIN
"Things Falling Apart" EP. Belong sind eine meiner persönlich
wertvollsten Neuentdeckungen dieses Jahr. -
Rating: 9/10
Benoît Pioulard "Précis" CD (Kranky)

"Précis" ist das erste Album von Thomas Meluch unter
seinem musikalischen Pseudonym Benoît Pioulard. Nach einer Reihe
von limitierten und selber herausgebrachten Kassetten und CD-R Veröffentlichungen
und der EP "Enge" (2005), erscheint nun das erste Album dieses
Electronic/ Folk Pop Künstlers. Was den meisten Liedern als Basis
unterliegt ist eine Akustikgitarre und die ruhige wie sanfte und fragile
Stimme Meluchs. Darüber gelegt sind dann weiter Schichten und Ebenen
an Geräuschen, Feldaufnahmen, Electronics und kleineren Samples.
Meluch kann definitiv Stimmungen transportieren, was nicht zuletzt an
dem Pop- Flow liegt, der mal stärker mal dezenter immer wieder
in den 15 Stücken des Albums zu Tage tritt. "Triggering Back"
ist so ein Song, der durch seinen poppigen Refrain aus dem Album herausragt.
Die vielen Elemente aus Feldaufnahmen wirken da als beruhigender Kontrapunkt,
der "Précis" in eine zuweilen dronige und von Ambiancen
durchdrungene Stimmung packt. Erstaunlich bei all der Professionalität
die "Précis" ausstrahlt ist, dass der aus Michigan,
USA stammende Thomas Meluch erst 21 Jahre alt ist und schon seit beinahe
einer Dekade an Sounds herumtüftelt, Feldaufnahmen macht und davon
absolut fasziniert ist. Die Verbindung von Folk- Pop und Naturaufnahmen
lässt "Précis" als ein so homogenes, erdig- lebendiges
Ganzes erscheinen.
Rating: 7/10
Blutch "Materia" CD (Delboy Records)

Nach "Enjoy Your Flight" (2000) und "Fra Diavolo (2003)
haben Blutch doch eine erstaunlich gute Entwicklung gemacht und veröffentlichen
mit "Materia" also ihr drittes Album: 10 starke, schwere und
groovige Stücke, die sich kompromisslos ihren Weg Bahnen. Man nimmt
sich Zeit und walzt gemächlich wie eine Schlammlawine bergab. Und
wenn da ein Hindernis im Wege erscheint, wird es erst gemütlich
aber doch ausdauernd unterspült und urplötzlich brechen Stein
und Bäume einfach hinweg und werden auf dem Weg ins Tal zermahlen
und einfach weggespült. Im Tal angekommen bricht die Schlammwelle
gar heroisch über dem so lächerlich und unschuldig wirkenden
Bergdorf zusammen und läuft aus in einem weit ins Tal sich ziehenden
wabernden, braunen Schlammsee. Blutch sind im November mit ihren amerikanischen
Kollegen von Black Cobra auf Europas Strassen unterwegs. Ausserdem wird
ihre Musik zu "Ex Drummer" erscheinen, einem Film nach dem
gleichnamigen Buch des bekannten belgischen Autors Herman Brusselmans.
Für Freunde von High On Fire, Mastodon, Unearthly Trance und Konsorten.
Rating: 7/10
Boduf Songs "Lion Devours The Sun" CD (Kranky)

Die zweite Platte unter dem Boduf Songs Pseudonym von Mathew Sweet und
auf den ersten, schnellen Blick ist alles beim alten geblieben: Sweets
alchemistisch anmutendes Talent aus einer minimalen Palette an musikalischen
Elementen ungewöhnliche Kompositionen zu schaffen. Und so bewegen
sich die neuen Boduf Songs Stücke irgendwo im Feld von Folk und
Psychedelia, allerdings viel viel dunkler durch den fast geflüsterten
Gesang. Mathew Sweet legt jedoch wert auf folgende Feststellung: "This
is not folk". Stimmt, denn die Stimme der Songs transportiert weit
mehr. Die Referenz an die Alchemie eingangs war gar nicht so abwegig,
denn der Titel des Albums vereint die alchemistische Betrachtung der
Sonne als Symbol für Bewusstsein, während der Löwe als
Symbol für Emotion steht. Im Gegensatz zur Debut EP ist "Lion
Devours The Sun" druckvoller und weist dynamischere Arrangements
auf, auch durch die verschiedenen in die Songs eingearbeiteten musikalischen
Details wie Feldaufnahmen. Die Texte sind dunkel und beschäftigen
sich mit Zwischenmenschlichem und dem persönlichen Versagen des
Einzelnen.
Rating: 8/10
Coldworker "The Contaminated Void" CD (Relapse Records)

Coldworker ist die neue Band um Anders Jakobson von Nasum, die mit "The
Contaminated Void" ihr erstes schneidiges, schnelles Metal Album
vorlegt. Die 14 Stücke sind allesamt rauh, brutal und kommen mit
ordentlich Geschwindigkeit daher. Das Geschrei pflügt sich zusammen
mit den Gitarren- Attacken seinen Weg unermüdlich durch diesen
aggressiven Sumpf. Positiv herauszuheben ist der vorsichtige Umgang
mit Solis, denn wo andere Bands an jeder nur möglichen Stelle ein
Gitarren- Solo unterbringen würden, gehen Coldworker äusserst
bedacht um und setzen diese nur dezent ein. So gut mir dieses "Geballer"
gefällt, nach spätestens 3 Songs sehne ich mich nach etwas
Abwechslung, was aber sicherlich daran liegt, dass ich tendenziell der
falsche Kandidat für eine Rezension von "The Contaminated
Void" bin. Das fiese Coverartwork entstammt der Hand von Orion
Landau, der bereits für bekanntere Acts wie Kiss, Marilyn Manson,
Pentagram, und besonders gut, wie ich finde, für Slayer tätig
war. Anfang 2007 gehen Coldoworker auf ihre erste grosse Europa Tour
und werden sicherlich auch in diesen Gefilden zu sehen und hören
sein. For Fands of Arch Enemy, Suffocation, Behemoth, Nasum, Nile, Cannibal
Corpse, Vomitory etc.
Rating: 6/10
Fear Falls Burning "The Infinite Sea Of Sustain" DVD
(Soleilmoon Recordings)
Ursprünglich sollte diese monumentale Live- Veröffentlichung
eine Serie von 6 Cds in einem Boxset werden, die aber aufgrund des hohen
Aufwands und Kosten in diesem, DVD- Format ihr Heim gefunden haben.
So besteht "The Infinite Sea Of Sustain" aus über 4,5
Stunden exquisiten Drone/ Ambient Klangwelten, die absolut gelungenen
die Fear Falls Burning Tour 2005 durch Deutschland, Holland und Belgien
zusammenfasst. Es handelt sich aber nicht um eine Video DVD, sondern
ausschliesslich um die Musik, jedoch ist es möglich sich durch
ein Menü zu "klicken" und somit aus den 6 auf der DVD
enthaltenen Konzerten auszuwählen. Die "The Infinite Sea Of
Sustain" DVD stellt eine weitere Ergänzung im Oeuvre des Dirk
Serries dar, da sie seine bisherigen (Studio)Veröffentlichungen
gekonnt um den Live- und Improvisationscharakter seiner Musik ergänzt.
Somit ist diese DVD praktisch unverzichtbar in jeder Plattensammlung,
in der schon weitere Fear Falls Burning stehen. Auch Artwork technisch
gibt es einiges zu "The Infinite Sea Of Sustain" zu sagen:
Das handgemachte DVD Cover wurde in Bombay, Indien von Shantilal &
Sons handgefertigt aus Holzfaserpapier und somit existiert von den 500
Stück dieser Auflage keine gleiche Kopie. Zusätzlich sind
ausserdem 3 Postkarten enthalten, die Schwarz/ Weiss Aufnahmen von den
Konzerten der Tour zeigen. Die Veröffentlichungsreihe von anspruchsvollen,
limitierten Vinyl- Veröffentlichungen von Fear Falls Burning geht
weiter mit der "I'm one of those Monsters Numb with Grace"
LP (Equation Records) und der 7"EP "Woes of the Desolate Mourner"
(Tonefloat/ Ikon).
Rating: 8/10
Feast For The Crows "When All Seems To Be Burned" CD (Bastardized
Recordings)
Feast For The Crows sind eine neue Band die sich aus ehemaligen Leuten
von Tear Of Phoenix zusammensetzt und melodischen aber aggressiven Death
Metal, um emotionalere Hardcore Momente aufgewertet, spielt. Dass Bild
das sich beim Hören ergibt ist ein in sich schlüssiges wie
griffiges, denn weder am Artwork, der Musik, noch der sauberen Produktion
von Patrick W. Engel (Rape of Harmony Studios) gibt es was auszusetzen.
Die 9 Lieder sind auf jeden Fall so wie man sie erwartet bzw. sie in
diesem Kontext zu sein haben: kraftvoll, technisch präzise, aggressiv
etc. aber mir ganz persönlich leider viel zu langweilig, zu sauber
und sehr durchschaubar. -
Rating: 5/10
Hypnos 69 "The Eclectic Measure" CD (Elektrohasch)
Gar 12 Jahre haben Hypnos 69 aus Belgien bestanden und sich eben aufgelöst.
Auf unzähligen Touren hat sich die Band wahrlich den Arsch abgespielt
und nun aufgrund unüberbrückbarer Differenzen getrennt. Auf
ihren Alben haben sie ähnlich viele Stilrichtungen des Rock studiert,
was aber hier nun nicht von Rede sein soll. Ihr neuestes Werk "The
Eclectic Measure" ist eine zeitlose progressive Rock- Reise in
9 Kapiteln. Allen Songs unterliegt ein Gefühl von gleichermassen
Verträumtheit und spielerischer Finesse. Technisch auf hohem Niveau,
sauber produziert und Ohrwurm Potential wie im Stück "Forgotten
Souls", lassen "The Eclectic Measure" schnell zum Begleiter
für entspannte Spätachmittage werden. Man hat Stunden gearbeitet,
ist vom Tagewerk geschafft und freut sich auf den ersten Wein... äh
nein, aber so ähnlich. Immer wieder tauchen Reminiszenzen an die
Grossen 70'er Jahre auf. Insgesamt ist "The Eclectic Measure"
eine warme, träumerisch – verspielte und zeitlose wie melancholische
Platte mit Gespür für Melodien und Klangfarben.
Rating: 7/10
Isis "Clearing The Eye" DVD (Ipecac Recordings)

Auch ohne Seldon Hunts Isis Tour- Dokumentation ist die erste Isis DVD
eine vollgepackte, runde Sache geworden, die sowohl optisch wie auch
musikalisch die wichtigsten Elemente von Isis kompakt wie detailliert
zusammenfasst. Lange war die DVD in Vorbereitung und nun ist sie mit
einer ganzen Reihe von Isis Veröffentlichungen auf den Markt gekommen.
Neben 7 verschiedenen Stücken, an verschiedenen Orten aufgezeichnet,
enthält die DVD weiter ein über 70 minütiges Set von
einem Auftritt der Band in Sydney, Australien. Zudem ist das Video zu
"In Fiction" enthalten, welches durch seine lange Spielzeit
wie die masseninkompatible Musik nie von einem TV Sender gezeigt wurde.
Besonders gut gefällt mir die Fotogalerie, die zahlreiche, so noch
nie gesehene, Schnappschüsse der Band auf Reisen etc. zeigt. Von
der auf der DVD enthaltenen Diskographie hätte ich mir ein wenig
mehr erhofft, sie zeigt nur die gängigen Veröffentlichungen
und geht auch nirgends auf Vinyl- Pressungen ein, sondern klappert eben
lieber nur den üblichen, allgemein bekannten Bandkatalog ab. Die
minimalistische Aufmachung der DVD Hülle und des Covers finde ich
ok, aber das beiliegende 20 seitige Booklet überzeugt viel mehr,
durch viele interessante Fotos, umfangreiche Linernotes sowie allen
Texten der auf der DVD enthaltenen Songs. Die komplette Spielzeit beträgt
165 Minuten. -
Rating: 8/10
Isis "In The Absence Of Truth" CD (Ipecac Recordings)
Die Meinung der Leute ist beim Thema dieses neuen Isis Albums recht
deutlich in Lager gespalten: man liest viel Negatives überall,
aber nicht so bei mir. Im Grossen war das Album keine grosse Überraschung
für mich, denn ich habe erwartet, dass Isis den auf "Panopticon"
eingeschlagenen Weg weiter verfolgen und sich damit noch klarer in eine
Richtung von klareren Strukturen und auf den ersten Blick eingängigeren
Stücken, positionieren. Tool wird immer wieder als (zu) grosser
Einfluss genannt. Mir eigentlich egal, denn Tool höre ich nicht.
Womit dieses Thema vom Tisch wäre.
In der für Isis typischen musikalischen "Trägheit"
wirkt "In The Absence Of Truth" wesentlich präziser,
verspielter und druckvoller. Dieser Eindruck erschliesst sich dem Hörer
aber vielleicht nicht beim ersten, flüchtigen Hören. "In
The Absence Of Truth" braucht etwas Zeit bis sich die wahre Grösse
des Albums, all die Facetten und das weite Panorama des Albums dem Hörer
eröffnet. Isis agieren auf "In The Absence Of Truth"
weit ausgereifter und erwachsener wie auf dem Vorgänger "Panopticon".
Die typischen harten Stellen wirken kraftvoller, Turners Gebrüll
dominanter und die nosigen Parts sind lauter und schwerer geworden,
während die melodischen Stellen unheimlich an Raum und auch psychedelischen
Elementen gewonnen haben. Zur Zeit meines Interviews mit Michael Gallagher
war der letzte Stand, dass die Band mit einem anderen Produzenten arbeiten
würde, jedoch ist es noch einmal Matt Bayles geworden, und diese
Entscheidung war völlig richtig. So klingt das Album dicht, knackig
und im Klang absolut kompakt. Glücklicherweise, denn "In The
Absence Of Truth" bietet absolut Potential zur Überproduziertheit.
Aaron Turners Gesang ist zu einem richtig tragenden Element von Isis
geworden, hat er doch diese eigentümliche Art zu singen noch mehr
präzisiert und trägt damit ungemein viel zur Atmosphäre
und Stimmung von "In The Absence Of Truth" bei. Es gibt viel
zu entdecken auf "In The Absence Of Truth" , unter anderem
auch die gesanglichen Gastautritte von Charly Turner und Caleb Scofiled
(Cave In, Old Man Gloom). Die visuelle Aufmachung des Albums, wie immer
von Aaron Turner, verfolgt, ähnlich wie die Song Titel, ein bestimmtes
Thema und ist zwar gelungen aber nicht sehr überragend.
Rating: 9/10
Kurhaus "A Future Pornography" CD (PxF Records)
Band- und Album Name sagen mir nicht so zu, aber vor dem Hören
der CD schon mal das gezeichnete Artwork des Booklets. Musikalisch haben
Kurhaus diese typische Louisville/ By The Grace Of God/ Initial Kante,
die immer wieder in den 13 melodischen Stücke von "A Future
Pornography" erscheint. Die Band ist schon seit über 10 Jahren
dabei und nach ihrem 2004er Album "Refuse To Be Dead" sind
Kurhaus mit "A Future Pornography" auf PxF Records gelandet
und werden grösstenteils dem Label- Publikum zusagen, denke ich.
Manche Stücke zeigen Potential und kommen echt "catchy"
daher ("Party at the Crack House), andere sind kleine, melodische
Kracher (Propaganda of Dance") und von Gesang über Geschrei
und Hardcore, bis Emo ist praktisch alles dabei. Sehr vielseitig die
Platte und unintelligent gehen Kurhaus dabei nicht vor. Auch die warme,
kompakte und homogen klingende Produktion ist mehr gelungen. Für
die Aufnamhe von "A Future Pornography" hat man sich auch
einen Hardcore untypischen Produzenten geholt, nämlich Chris v.
Rautenkranz, der schon mit Blumfeld, Oma Hans und Franz Ferdinand gearbeitet
hat. Textlich geht es auf "A Future Pornography" durchaus
durchdacht und politisch zu, man legt Wert auf eine Message, so scheint
es. Insgesamt ist "A Future Pornography" von Kurhaus vielleicht
an manchen Stellen noch unausgereift, aber die Band schafft es streckenweise
aus dem musikalischen Einerlei dieser Tage im Ansatz herauszublicken.
-
Rating: 7/10
(The) Melvins "(A) Senile Animal" CD (Ipecac Recordings)
Also um genau zu sein, bin ich kein grossartiger Melvins Kenner, irgendwie
habe ich nie den Weg zum beeindruckenden Katalog an Veröffentlichungen
der einflussreichen Band gefunden. "(A) Senile Animal" ist
das erste Album der Band seit 4 Jahren und die Melvins haben sich diesmal
Hilfe von zwei Mitgliedern der Hydra Head Band Big Business geholt und
zusammen als Quartett hat man einen schnörkellosen wie grossartigen,
schweren Rock- Opus eingespielt, der aus 10 Stücken besteht. Anzumerken
ist dabei, dass die Band das erste Mal mit 2 Schlagzeugern gearbeitet
hat. Das Presseinfoblatt spricht gar davon, dass die Melvins im Studio
alles gedoppelt hätten, was nur geht, also sämtliche Spuren
wie z.B. die Drums übereinandergelegt um die Durchschlagkraft der
Songs zu verstärken und um ein Maximum an Intensität zu gewinnen.
Ich vermag die Wirkung dieser Doppelungen zwar nicht zu hören,
wie ein kräftiger Arschtritt klingt "(A) Senile Animal"
allemal. Je länger ich das Album höre um so besser gefallen
mir die 10 Gesässtritte der "Heavygüteklasse" A,
durch ihre direkte Durchschlagkraft, Wucht und ja... melodischen Wiedererkennungswert.
Das Artwork ist mindestens so lässig wie die Musik und das 12 seitige
Booklet stammt von Mackie Osborne, bekannt durch seine Arbeiten für
Tool und eben die Melvins. "(A) Senile Animal" ist insgesamt
eine grossartige, grundsolide Rock Platte in knapp 42 Minuten.
Rating: 7/10
October File "Hallowed Be Thy Army" MCD (Candlelight
Records)
Als ich das Cover und Artwork dieser 3 Track CD gesehen habe, war die
CD bei mir schon praktisch durchgefallen, dachte da kann ja musikalisch
nichts mehr gutes kommen. Weit gefehlt. Die 3 Stücke von October
File haben Drive, klingen ungemein frisch und schaffen es solche ewig
langweiligen Schlagworte und Kategorien wie "Metalcore" tatsächlich
mal mit Sinn zu füllen. Rauher Gesang und zügige, harsche
Songstrukturen die zwar dunkel, aggressiv klingen, aber doch ein Gespür
für Melodie haben. Das neue Album von October File wird im Frühling
2007 unter dem Titel "Holy Armour From The Jaws Of God" erscheinen.
Rating: 7/10
Seconds In Formaldehyde "The Red Sky That Was Filled With Gloom"
CD-R
"The Red Sky That Was Filled With Gloom" ist die erste Veröffentlichung
eines noch jungen, deutschen Drone- Künstlers, der sich ruhigen
Klangforschungen und Dronen verschrieben hat, wie sie auch Aidan Baker
und mehr noch Fear Falls Burning praktizieren. "The Red Sky That
Was Filled With Gloom" besteht aus 3 langen Stücken die in
ihrer Zusammenstellung und Komposition homogen und gut strukturiert
wirken. Während das erste Stück den Hörer in ruhige,
flächig- weitgedehnte Klangssphären entführt, bildet
das zweite Stück mit seinen härteren und lauteren Gitarren
den angenehmen, ernüchternden Kontrapunkt. Nach einigen Minuten
aber verlieren sich diese härteren Elemente in einem zwar ruhigen
aber doch kühlen Klangfeld, auf dem man nun über viele Minuten
hinweg getragen wird. Der Hörer schwebt in traumartigen Höhen.
Musik zum meditieren, möchte man meinen. Das dritte und letzte
Stück auf "The Red Sky That Was Filled With Gloom" ist
etwas sphärischer, fügt sich aber harmonisch und gekonnt in
den gelungenen Gesamtkontext dieser limitierten Veröffentlichung
ein. Zu bekommen ist diese dezent aufgemachte und in einer DVD Hülle
gehaltene CD über www.waterscape.de Im März des kommenden Jahres ist eine weitere Veröffentlichung
über das amerikanische Label Gears of Sand geplant.
Rating: 7/10
Seid "Creatures Of The Underworld" CD (Sulatron Records)

Sulatron Records ist ein brandneues, deutsches Label und das Album "Creatures
Of The Underworld" von Seid aus Trondheim ist direkt die erste
Veröffentlichung. Die Musik von Seid ist schwer zu beschreiben,
denn die Band vermischt wirklich viele Einflüsse. Dabei entstehen
völlig abgedrehte Stücke mit (w)irren Ideen, vielen unerwarteten
Wechseln und völlig entrückt klingenden Melodien die einen
durch sämtliche psychedelischen Sphähren katapultiert. So
ist die Musik von Seid eine Achterbahn aus Space-, Kraut-, Prog- und
Indie- Rock mit Balkan- Einflüssen. Die 9 Stücke sind verspielt,
treibend und energetisch wie hypnotisierend. Purer Spass am Musizieren
und Freude an unerkrampften musikalischen Experimenten stehen hier klar
im Vordergrund. Die CD enthält ausserdem als Bonus das Video "Meet
The Spacemen".
Rating: 7/10
Shook Ones "Facetious Folly Heat" CD (Revelation Records)

Shook Ones ist der neue Kracher aus dem Hause Revelation. Musikalisch
knüpft man auch tatsächlich an die Vergangenheit des Labels
an und paart diese mit Einflüssen von Bands wie die Decendents,
Kid Dynamite oder gesanglich an die legendären Lifetime. Die 11
Stücke sind meist schnelle Hardcore Knaller, dynamisch und druckvoll
wie melodiös und nachdenklich. Schon nach nicht einmal 24 Minuten
hat man es geschafft und kann auf "Repeat" drücken und
sich nun beim nochmaligen Durchlauf mit dem dicken Booklet beschäftigen.
Sicherlich strahlt "Facetious Folly Heat" einen gewissen Charme
vergangener Tage aus, aber irgendwie ist dieses Album letztendlich doch
zu wenig um gegen andere Bands zu bestehen und irgendwie liegt dann
doch die Frage auf der Hand wie zur Hölle haben es die Jungs auf
Revelation geschafft!?
Rating: 5/10
Strotter Inst. "Monstranz" CD (Everest Records) +
"Live At Oblo" CD (self released)
Abgehackt, zerfahren, monoton, mechanisch, Maschinenleben. Strotter
Inst. klingt druckvoll und unglaublich rhythmisch. Plattenspieler Loop-
Spiele bis zum abwinken. Monolithisch, vielschichtig und organisch.
Hängenbleiben, und doch stetige Vorwärtsbewegung. Das dynamische
"Vor-Sich-Hin-Klackern" treibt den einen in den Wahnsinn,
für den anderen ist es die Erleuchtung bringende Meditation schlecht
hin. Grossartig. Übrigens, wer es schafft, dass Cover von "Monstranz"
auf den Plattenspieler zu bringen, erlebt überraschendes: Es ist
abspielbar. -
Rating: 8/10
Sunn O))) & Boris "Altar" CD (Southern Lord)

Erst einmal vorweg, bei "Altar" handelt es sich nicht um ein
Split Album sondern um eine Kollaboration von Sunn O))) und Boris, die
letzten Herbst aufgenommen wurde und 6 Stücke enthält. Nach
den ersten beiden Tracks ("Etna", "N.L.T.") dachte
ich naja... klingt eben wie Sunn O))) und Boris wenn sie gemeinsam musizieren.
Aber mit "Sinking Belle" ändert sich dieser Eindruck.
Ab da findet etwas Eigenes statt, man bekommt beide Bands in einem nie
dagewesenen Gewand zu hören, unterstützt von den typischen
Elementen beider Gruppen. "Sinking Belle" zum Besipiel ist
ein absolut gelungener, kitschig- schöner Song mit weiblichem Gesang,
vorgetragen von Jesse Sykes, der Sängerin/ Songwriterin von Jesse
Sykes and the Sweet Hereafter. Weiter geht's dann mit "Akuma Kuma",
das mich, wieso auch immer, an Stars Wars erinnert. Es ist ein monströses
wie heroisches Stück. Dies wird nicht zuletzt durch die verzerrten
Vocals von Joe Preston (Thrones, High On Fire, Earth, Melvins), die
eher noisigen Einlagen und den Einsatz von Bläsern geschafft. Das
psychedelisch "Fried Eagle Mind" ist eine absolut traumartige,
schwüle Komposition. Man träumt wirr, schwitzt stark und fährt
in einem Kahn irgendwo im Urwald durch verlorene Sümpfe. Fratzen
und maskenartige Gesichter tauchen zwischen den Bäumen und dem
Gesträuch auf. Das finale "Blood Swamp" hat wieder viele
Elemente von Sunn O))) und ist eine dronige Reise über und durch
dunkle Gewitterwolken. An den Gitarren diesmal Kim Thayil von Soundgarden.
"Altar" wird in den nächsten Monaten sowohl als 3xLP
über Southern Lord mit Bonusmaterial sowie in Japan über Inoxia
Records in einer abgeänderten Version erscheinen. Wie immer bei
Sunn O))) und Boris eine kostenintensive Sache für den treuen Fan.
Rating: 8/10
The
Goslings "Grandeur Of Hair" CD (Archive Recordings)

Das Dream- Pop/ Drone/ Psyche Duo mit ihrem neuesten übersteuerten
Schlag. Und übersteuert darf hier ruhig wörtlich genommen
werden, denn hier bewegt sich nahezu jeder Ton bis zum Anschlag im roten
Bereich. Nein, die CD ist nicht defekt. Insgesamt vielleicht ein wenig
rhythmischer und melodiöser als der Vorgänger "Between
The Dead", aber nicht weniger kaputt und zerfahren ist "Grandeur
Of Hair" (super Titel!). Klanglich aber doch etwas schwerer, und
die stärkere Fokusierung auf Melodien machen "Grandeur Of
Hair" zu einer wahren Lektion in analoger Band Zerstörung.
Das absurde Spiel aus zerstörerischem Klangbrei mit gigantischen
Gitarren, welcher langsam umgeformt wird zu einem übersteuerten
Ganzen wo plötzlich Melodien und fast sanfte, traumartige weibliche
Gesangslinien in den Vordergrund treten machen "Grandeur Of Hair"
zu einem Klangerlebnis vor welchem der unbedarfte Hörer erst einmal
zurückschrecken wird, aber mit etwas Zeit dem einnehmenden Bann
von "Grandeur Of Hair" nicht widerstehen kann. Das Artwork
ist, wie ausnahmelos bei allen Archive Veröffentlichungen, mit
viel Liebe gestaltet und passt angenehm zurückhaltend zur Musik
des Goslings Duos.
Rating: 8/10
Transmission0 "Memory Of A Dream" CD (Go Kart Records
Europe)

Ich erinnere mich irgendwie nur noch vage an das Debut Album "0"
(2004) der fünf Holländer, war aber erfreut die CD unerwartet
im Briefkasten zu haben, nachdem es um die Band in den letzten Monaten
ruhig geworden war. Kein Wunder, den so ein Batzen an neurotischer,
schwerer Musik spielt sich auch nicht innerhalb eines Tages ein, zumal
die CD eine Spielzeit von fast 65 Minuten hat. Was ich vom letzten Album
noch in Erinnerung hat war, dass es mir streckenweise in Songstruktur
und Produktion etwas zu steril war. Die strukturelle Unbeweglichkeit
mit sterilem Charakter ist auch auf "Memory Of A Dream" noch
stellenweise zu finden, allerdings weisen die Lieder in den sphärischen
Teilen doch mehr Verspieltheit als früher auf. Diese sterile Note
entsteht meiner Meinung nach durch den zu starken und statischen Einsatz
des Keyboards. Die Produktion ist tight und der Gesamtsound kernig und
homogen. Ultra schwer, Ultra tiefgestimmt mit Hang zum Sphärischen,
so kommen die 10 Lieder von "Memory Of A Dream" daher. Der
Gesang ist entweder härtestes Geschrei und kehliges Gröhlen
a la Cult of Luna oder cleaner Gesang. Bei zwei Songs hat man sich Unterstützung
von aussen geholt, unter anderem Steve Austin von Today Is The Day.
Das Artwork ist exzellent und würde sich als Gatefold 2xLP sicher
noch besser machen, die wilde See auf dem Cover steht bestens für
den anspruchsvollen Höllentrip von Transmission0.
Rating: 7/10
Year
Of No Light "Nord" CD (Radar Swarm)

Leicht hat man es nicht mit dieser Veröffentlichung. Eigentlich
ist einem sofort klar um was es geht: eine weite Band bei der die Referenzen
bei Isis & Cult Of Luna liegen, dazu noch aufgenommen und gemastert
von einschlägigem Fachpersonal (Knut, Shora, Mastodon Converge).
Die Unterschiede zwischen Bands in diesem Genre nähern sich schon
seit geraumer Zeit dem Nullpunkt und so manch eine Platte kommt einem
ziemlich austauschbar vor. Eigentlich schade, geht dabei doch vielleicht
auch manch gutes verloren. Bands wie Year Of No Light scheinen es dann
doch zu schaffen der Musik ihren eigenen Stempel aufzudrücken.
Die Namen der Songs sind komplett auf französisch; das Sprachtool
einer bekannten Suchmaschine ist dann auch so freundlich mir Liedtitel
wie "Par économie pendant la crise on éteint la lumière
au bout du tunnel" in "Durch Wirtschaft während der Krise
löscht man das Licht am Ende des Tunnels" zu übersetzten.
Danke.
Hört man sich das Album an wird schnell klar, das die Referenzen
nicht so eindeutig sind, wie man denken mag. Viele Songs kommen ehr
den Weg von instrumentalem Postrock her, sind streckenweise ziemlich
melodiös ohne dabei aber kitschig oder "zu-oft-gehört"
zu wirken. Insgesamt wird dann aber auch recht brachial zu Werke gegangen,
was das Album noch ein Stück abwechslungsreicher macht. Ein Song
wie der relativ schnelle zweite Track, "L'angoisse du veilleur
de nuit d'autoroute les soirs d'alarme à accident". fügen
sich widerspruchslos in das Gesamtbild. Davon hätte ich gerne mehr
gehört. Neu ist das alles sicherlich nicht, aber ziemlich gut arrangiert
und vor allem produziert.
Auch wenn bei atmosphärischen Zwischenspielen niemand mehr in Staunen
ausbrechen wird, "Nord" ist eine sehr stimmige Platte, die
große Momente hat und an keiner Stelle „aufgesetzt“
wirkt. Ob sie sich länger hält oder doch in Beliebigkeit verliert
wird sich zeigen… Man könnte sagen, Year Of No Light versuchen
mit "Nord" den Spagat zwischen "Doom" und "Postrock";
ich denke, das ist ihnen gelungen. –
Rating: 7.5/10
-Stefan
Schauber
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