| |
Reviews Spring 2007 (all other reviews of the year 2007 below):
Beehoover
"The Sun Behind The Dustbin" CD (Exile On Mainstream)
Dass Beehover aus Deutschland nur zu zweit agieren hört man überhaupt
nicht, denn das Duo bringt ein Soundkleid zustande, das wohl kaum von
"richtigen" Bands zu unterscheiden ist. Die Beschreibung,
dass Beehoover wie eine "atmosphärisch-abgefahrene Mixtur
aus Psychedelica, Americana und Doom" klingt, gefällt mir
ganz gut. Ich würde diese Beschreibung noch mit einer kräftigen
Portion "Heavy Rock" würzen und einige "Stoner-
Rock" Elemente zur Verfeinerung beifügen. Die 10 Tracks strahlen
etwas zerbrechlich- Trauriges, ja beinahe emotional Schwächliches
aus: der Ausdruck psychotische Melancholie trifft es da ganz gut. Unterlegt
von einer allumfassenden Vehemenz und Leidenschaft sind die Lieder auf
"The Sun Behind The Dustbin". Ist man zuerst von der eigenwillig-
spröden Ausstrahlung der Stücke zu Beginn des Albums irritiert,
so stellt man etwa während dem dritten Lied fest, dass gerade dies
der faszinierende und fesselnde "Groove" ist, der Beehover
irgendwie ausmacht. Bereits seit vier Jahren macht das Duo um Claus-
Peter Hamisch (Drums) und Ingmar Peterson (Bass) gemeinsam Musik und
nun erscheint mit "The Sun Behind The Dustbin" nach zwei selbstveröffentlichten
Demos das erste, richtig hörenswerte Album, welches am Anfang vielleicht
der Geduld und Zeit bedarf um sich in den Kosmos von Beehover einzuleben.
Rating: 7/10
Bee
And Flower "Last Sight Of Land" CD (Tuition Music)
Multiinstrumentalistin Dana Schechter veröffentlicht mit "Last
Sight Of Land" ihr zweites Bee And Flower Album, welches auf allen
11 Stücken durch seine sensible, gefühlsgeladene und klare
Stimmung auffällt. Die Instrumentierung klingt durchweg durchdacht
und detailliert umgesetzt: Verschiedene Gastmusiker wie Thomas Wydler
(Nick Cave & The Bad Seeds, oder Kristof Hahn (Les Hommes Sauvages,
Angels Of Light, Swans) haben bei der Umsetzung von Dana Schechters
musikalischer Vision mitgeholfen. Auch zahlreiche Streicher, Klavier,
Bass und Schlagzeug, sowie fein eingesetzte Elektronik sind als erfolgreich
eingesetzte Werkzeuge zu nennen. Die Produktion und Arrangements von
Toby Damit sorgen für eine fast märchenhafte Stimmung die
"Last Sight Of Land" umgibt. Das Album weist eine Vielzahl
von Einflüssen, Arrangements und fragilen Klangcollagen auf, die
nahezu ausnahmslos zu einem vielschichtigen und tief ineinander verwobenen
Ganzen komponiert wurden. Weit wie das Meer öffnen sich der Pool
an Stilrichtungen auf "Last Sight Of Land": Chicago-Blues,
Jazz, klassische Musik, Folk-Einflüsse und orchestrale Stimmungen
untermalen Dana Schechters melancholischen Gesang. Textlich geht es
dabei persönlich und oft existentiell zu und so handeln die Stücke
von Liebe und Hoffnung, Erneuerung und Loslassen. Im Design und Artwork
des Album scheint sich die musikalische wie textliche Weite von "Last
Sight Of Land" wiederzuspiegeln. Die CD ist in ein Digipack gehüllt
und das umfangreiche Booklet enthält neben zahlreichen Fotos alle
Lyrics des Albums. -
Rating: 8/10
Black Elk "s/t" CD (Crucial Blast)

Black Elk gehen auf ihrem Debüt recht sperrig, abgehackt und zerfahren
zur Sache. Zwar sind immer wieder melodische Ansätze und Melodiebögen
zu finden, diese werden aber in der Regel schnell gegen die Wand gefahren
und zerhackt. Der Sänger wechselt dabei zwischen fast gesprochenem,
leiserem Gesang und sprödem Gekeife hin und her. Was in diesem
Zusammenhang auffällt: Die Vocals sind relativ weit in den Hintergrund
gemischt, was die punkige Seite von Black Elk nur unterstreicht. Ansonsten
bleibt zu sagen, dass die 10 Stücke immer wieder an den Katalog
von Amp. Reptile Veröffentlichungen der frühen 90er erinnert.
Also klanglich irgendwo zwischen wütendem Noise-Rock mit viel Hardcore
und etwas Punk angesiedelt und sinnvoll durch psychedelische, fiebrige
Elemente erweitert und gestreckt bis Melodien entstehen, die an Cave
In vor ihrer "Jupiter" Phase erinnern. Wobei da noch Einflüsse
von Gruppen wie Jesus Lizard, Melvins und Black Flag zu nennen wären.
Das Artwork ist gelungen, es hätte aber vielleicht noch detaillierter
sein können. So oder so, den verstörten und verschrobenen
Eindruck der Musik weiss es wiederzugeben.
Rating: 7/10
Dälek "Abandonded Language" CD (Ipecac Recordings)
Nun, nach 2 Jahren erscheint Däleks Nachfolger von "Absence"
mit dem Titel "Abandoned Language". Und irgendwie ist (oberflächlich)
alles beim alten geblieben, Stichwort: dunkler Hip- Hop. Hört man
das Album die ersten Male, so findet man sicher Zugang dazu über
die Melodien und Rhythmen. Hört man sich aber tiefer in "Abandonded
Language" ein, so nimmt man nach und nach die Vielschichtigkeit
und tiefe Tragweite, die Verstörtheit des Albums wahr, beziehungsweise
wie "fucked up" es ist, wie es der gleichnamige MC des Duos,
Dälek, nennt. So gesehen umschliesst das Album den Hörer und
zieht es in seinen Bann von einer seltsamen, entarteten Welt. Was man
da sieht und was da ins Blickfeld wandert, sieht man vielleicht nicht
gerne. Dunkler Hip- Hop, dunkle Botschaft, so die kurze wie prägnante
Formel. Dass ist es, was "Abandonded Language" ausmacht: einerseits
ein fast auf die Masse ausgerichteter offener, leichter Zugang über
Melodien, Groove und was- weiss- ich. Andererseits bietet es genug zerfahrene
Vielschichtigkeit und Komplexität um jeden "Ich- bin- so-
avant-blablabla" zu beeindrucken. Gute Sache, und viel besser als
die alten Sachen. Weiter so!
Rating: 8/10
Deerhunter "Cryptograms" CD (Kranky)
"Cryptograms" ist das zweite Album der Band und das Debut
für Kranky. Deerhunter haben im Jahr 2001 angefangen, Musik mit
dem Ziel zu machen, die einlullenden und hypnotischen Momente von Ambient
und minimalistischer Musik einzufangen und mit den rauheren Tönen
des Garage Rock zu kombinieren. Genau betrachtet besteht "Cryptograms"
aus zwei EPs, denn das Gesamtergebnis entstand komplett an zwei Tagen
in zwei Sessions. Und so ist auch das Ergebnis dieser beiden Aufnahmen
ein unterschiedliches: Der eine Tag war geprägt von meist instrumentalen,
hypnotischen Aufnahmen und der andere beschwingt-leicht und poppig.
Interessant dabei ist die Kombination von Pop und Drone/ Noise und Ambient
artigen Klangcollagen. Beide Teile ihrer CD wissen zu überzeugen
und sind interessant in Szene gesetzt. Tanzbar versus Noise. Bekiffter
Pop versus Drone. Der Hörer bleibt entrückt und... ja beglückt
zurück.
Rating: 8/10
Do Make Say Think "You, You're A History In Rust" CD (Constellation
Records)

Tolles 5. Album von Do Make Say Think und wieder so eine Pflichtscheibe
von Constellation, natürlich auf 180g Vinyl in schöner Aufmachung,
der es gelingt, einige der Stimmungen von "You, You're A History
In Rust" einzufangen und zu visualisieren. Akustikgitarren, Percussion,
warmer, träumerischer Gesang und angenehme, entspannte Stimmungen.
Frühlingsnacht in der Großstadt. Hier klingt nichts akademisch,
am Reisbrett aufgezogen und geplant. "You, You're A History In
Rust" klingt mehr nach Lust auf gemeinsam musizieren und mal sehen
was bei rumkommt. Dass die Band dabei vollkommen organische, nicht-lineare
Songs entdeckt ist kaum verwunderlich für den Hörer, der den
Backkatalog der Band kennt. Man spielt und komponiert gemeinsam, nimmt
zusammen auf und mischt und mastert anschliessend alles in Eigenarbeit.
Völlig losgelöste Stimmungen und Stücke entstehen dabei
mit einer Vielzahl an Klangfarben und Nuancen. Hier ist Musikmachen
noch lebendig.
Rating: 8/10
Farewell To Words "Tear Down This Wall" MCD (Bastardized Recordings)
Wenn man weiss, dass Farewell To Words aus Berlin kommen, gewinnt der
Titel des dieser EP eine bedeutungsschwangere Tiefe, die eigentlich
nicht sein müsste. Musikalisch holzen 6 Berliner auf den 5 Stücken
von "Tear Down This Wall" eine durchaus gekonnt umgesetzte
und gar "massentauglichen" Mischung von (Nu)Metal, Doom, New
School Hardcore und Emo herunter, die vor Power strotzt und knallig
produziert und eingespielt ist. Der klare, teils weibliche Gesang erinnert
streckenweise an die Grossen wie System Of A Down. Ansonsten müssen
Bands wie Walls Of Jericho, Boy Sets Fire oder Evanescence herhalten.
Für eine EP gut und kurzweilig genug, aber für ein komplettes
Album müssen noch mehr Variationen und strukturelle Unterschiede
her. -
Rating: 6/10
Fear Falls Burning "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace"
LP (Equation Records)
Der optische Eindruck von "I'm One Of Those Monsters Numb With
Grace" ist ein starker: Das Vinyl dick und schwer, natürlich
180g, und die Farbe auch eine eher besondere: dreckiges, fast grünliches
Gold. Eingepackt ist dieses auf 50 Stück limitierte Schmuckstück
(weitere 349 existieren auf silbernem Vinyl) in eine Gatefold LP- Hülle
aus dickem Karton in der noch eine weitere bedruckte LP- Hülle
sitzt. Rein optisch gesehen, die beeindruckendste Verpackung aller bisherigen
Fear Falls Burning Vinyl Veröffentlichungen, die alle ein hohes
Qualitätsbewusstein vermitteln. Die Fotografie von Martina Verhoeven
tut ein übriges um das gesamte Artwork von "I'm One Of Those
Monsters Numb With Grace" als ein hochwertiges, ja detailverliebtes
erscheinen zu lassen. Die LP enthält zwei lange, epische Stücke,
die insgesamt rund 40 Minuten von träumerischer- lichter Drone
Musik mit harten Gitarren Akkorden und vielen aufeinander aufbauenden
und sich steigernden Repititionen ausmachen. Schimmernd wie die Wasseroberfläche
eines Sees glitzert und blinkt es auf "I'm One Of Those Monsters
Numb With Grace", der Hörer wird zum Spielball der Elemente
und gibt sich der Traumreise voll und gerne hin. Um mit Vergleichen
hausieren zu gehen: die endlosen Loops von Eno und die harten Takte
und Akkorde von Sunn O))), verschmolzen zu einer ganz eigenen minimalistischen
Klanglandschaft in die der Hörer wie in ein helles, blendendes
Lichterbad eintaucht und wegschlummert. Die Produktion ist vital und
neben dem vielschichtig- flächigen Charakter der Dronen besticht
sie durch die stimmige und griffige Natürlichkeit der beiden auf
"I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" präsentierten
Stücke.
Rating: 9/10
Fear Falls Burning "Woes Of The Desolate Mourner" 7"
EP (Tonefloat/ Ikon)
Dirk Serries' Fear Falls Burning gehörte im letzten Jahr konstant
zu den Projekten die mich durch das ganze Jahr begleitend, qualitativ
auf hohem Niveau, live wie auf Polyvinylchlorid, zu überzeugen
wussten. Man erkennt, sofern man zu dieser minimalistischen Musik Zugang
findet, einfach den roten Faden und das, was da mit aller Konsequenz,
Leidenschaft und Professionalität verfolgt wird. "Woes Of
The Desolate Mourner" ist ein aus 2 atmosphärischen Drone-
Stücken bestehender Mitschnitt der ersten Hälfte eines Konzerts
in Nijmegen, Holland vom vergangenen Oktober. "Woes Of The Desolate
Mourner" erscheint in minimalistischer aber dennoch extravaganter
Aufmachung auf aussagekräftigem, durchsichtigem Vinyl und ist streng
limitiert.
Rating: 7/10
Hacride "Amoeba" CD (Listenable Records)
Hacride sind ein ganz schöner Sturm oder sollte ich Blitzkrieg
sagen? Zumindest sehen es die Presseinfos so. Es gibt manchmal Tage,
da läuft man durch die Gegend und würde gerne jedem, der einem
begegnet und einen dummen Spruch loslässt, gerne eine... ähm
ja, falscher Anfang. Es gibt da so Wintertage an denen es den ganzen
Tag nicht viel heller wird wie morgens um 8 Uhr. Nebel, Dunkelheit und
da! Am Waldrand lauter Fratzen! Nein, sind beim näherkommen wohl
doch nur die Äste und irgendwelche abgestorbenen Bäume. Moorlauf.
Angst im Sumpf zu verrecken. Und was ist das jetzt schon wieder? Doch
Blitzkrieg? Abflussrohr oder doch ein im Dickicht versteckter Panzerlauf?
"Amoeba" ist das zweite Album der Brutal- Metaller von Hacride
und ist tatsächlich ein kleiner Panzer, eine Sounddampfwalze geworden,
die sich nicht verstecken muss. Musikalisch direkt, innovativ und das
ABC des Metals beherrschend, so dass genug Raum und Können bleibt,
"Amoeba" zu einer durchweg interessanten Platte zu machen,
die mit ihrer Durchschlagkraft und dem Sinn für Melodien und verschiedene
Elemente zu einem homogenen Ganzen zu fusionieren dem Metaller sicher
Laune nach mehr macht.
Rating: 7/10
Hella "There's No 666 In Outer Space" CD (Ipecac Recordings)
Das Duo des Gitarristen Spencer Seim und des super fit agierenden Schlagzeugers
Zack Hill hat schon über 10 Veröffentlichungen hinter sich
und veröffentlicht nun, zum Quartett angewachsen, ein neues Album,
welches nicht mehr nur ein Zwei- Köpfe- Chaos- Gewitter ist, sondern
voll in die The Mars Volta Kerbe einschlägt. "There's No 666
In Outer Space" ist ein super dynamisches und druckvolles Album,
mit Einflüssen aus dem Prog- Rock genauso wie aus ihren "Mathrock"-
Zeiten. Hörgenuss für gehobene Ansprüche sozusagen. Es
ist dabei weder der Gesang, die Gitarre oder die Drums als das agilste
Element des Vierers herauszuheben, nein, denn ein Jeder ist hier der
den anderen absolut ebenbürtige Protagonist. Und so kann das Fazit
auch nur lauten: Hier hat sich gefunden, was zusammengehört. Der
Gesang, ist druckvoll wie variationsreich und erklimmt erstaunliche
Melodiebögen ohne grössere Schwierigkeiten. Der Gitarrist
arbeitet ebenso wie der Bassist absolut präzise und überzeugend
und ja da ist dann noch das Getrommel... Nun, es klingt einfach wie
von einem anderen Stern und scheint alle menschlichen Grenzen der Instrumentenführung
zu sprengen, ihr zu widersprechen. Einfach durchweg einschlagend und
gekonnt. Wo jeder The Mars Volta Fan am Ende seiner Träume angekommen
zu sein scheint und wunschlos wie sprachlos dem gegenüber steht,
was er da vorgesetzt bekommt, legen Hella noch einmal zu, ziehen das
Tempo an und überrennen diesen Punkt völlig locker und zurückgelehnt,
als gäbe es kein Morgen mehr. Grosse Rock- Lektion in 11 Teilen!
Rating: 8/10
Loren Dent "Empires and Milk" CD (Contract Killer Records)
"Empires and Milk" ist die zweite Veröffentlichung des
aus Austin, TX stammenden Loren Dent. "Empires and Milk" nahm
Loren über Monate hinweg auf und hat damit ein richtig schönes,
episches Drone/ Ambient/ Field-Recordings Werk in 15 Akten geschaffen.
Wer Growing, Tim Hecker, Belong und Brian Eno mag, wird an "Empires
and Milk" kaum vorbeikommen, denn seine Stücke sind in sich
stimmig, voller Stimmung. Wohlig warme Klangflächen mit meditativem
wie manipulierenden Charakter heben den Hörer in Trance. Das ist
Musik, die nachts im Dunkeln ebenso wie tagsüber beim Sonnenbad
gehört werden kann. Sie wirkt wie das anziehende Parfüm einer
Frau, die einem nicht aus dem Kopf gehen will und über den Tag
seine Wirkung am Körper verändert, aber niemals die Magie
und Anziehungskraft von solchen Momenten verliert...
Rating: 7.5/10
Last Grain In The Hourglass "s/t" CD-R (self released)

Last Grain In The Hourglass sind eine deutsche Band die im Frühjahr
2006 gegründet wurde und zum Ergebnis von Ideen und Visionen der
Freunde wurde. Mit an Board ist auch der Sänger der Münchner
Chaos- Kapelle Rapture am Gesang. Im Proberaum aufgenommen und selber
Abgemischt weisen die 3 Stücke der selbstbetitelten MCD ursprünglichen
und rauhen Charakter auf, was mir insofern gut gefällt, dass mich
Last Grain In The Hourglass an Emo- Hardcore Kapellen aus den frühen
90er Jahren erinnert. Musikalisch fliessen aber auch dezente Einflüsse
aus der Progressive- Rock Ecke mit ein, die mit weiteren Elementen aus
dem "Heavy- Rock" gepaart, eine gesunde Mischung ergeben:
einerseits klingen die 3 Stücke (auch durch den Gesang) rauh, erbarmungslos
und andererseits ist da Raum für Ruhe und Atmosphäre, wie
man sie bei nur ein bei Bands wie Isis, Transmission0 etc. findet. Auch
Integritys "Closure" Album kommt mir in den Sinn, denn streckenweise
werden ähnliche Stimmungen transportiert und kreiert. Ein guter
Anfang. Das komplette Demo gibt es auf der Band Homepage kostenlos zum
Download inklusive ausdruckbarem Cover: lastgraininthehourglass.de
Rating: 6/10
Light Yourself On Fire "s/t" MCD (Kiss Of Death Records)

Light Yourself On Fire entstammen dem sonnigen Florida, wo bekanntlich
ja auch die saftigsten Orangen wachsen. Nicht ganz so sonnig ist der
durch emotionale Facetten angereicherte (Death) Metal. Aggressiv, komplex
und mit viel Kraft spielen sich Light Yourself On Fire durch 7 Stücke,
womit wir beim Stichwort "Power" sind, denn die Band um den
ehemaligen Reversal Of Man Sänger Ken Karg nennt ihre Musik "Power
Death", zusammengesetzt aus den Stilrichtungen "Power Violence"
und "Death Metal". Ich will ehrlich sein: zwar schwingt bei
den Stücken dieser typische Florida- Vibe mit, der mir damals bei
Bands wie Morning Again oder Bird Of Ill Omen ein feuchtes Höschen
bescherte, mich heute aber leider kaum mehr zu überzeugen weiss.
Zu abgegriffen und durchschaubar wirkt das einst grosse Gütesiegel
Floridas. Und woanders wachsen ja auch schöne Orangen.
Rating: 6/10
Maserati "Inventions For The New Season" CD (Golden Antenna)

Maserati machen seit nunmehr fast 6 Jahren konsequent Instrumentalmusik
und sind, trotz 8 Veröffentlichungen an mir komplett vorbeigegangen.
Hätte ich nur gewusst, wie gut das US-amerikanische Quartett ist.
Vielleicht ein wenig zu glatt und poliert aber super "tight"
und geschmeidig präsentieren Maserati ihre 8 neuen Stücke.
Die Art und Weise, wie die einzelnen Lieder konzipiert sind, ist meist
relativ: Lichte und klare Gitarrenriffs schrauben sich kontinuierlich
nach oben, wirken dabei fast wie eine Loop-Maschine und der Bass wummert
angenehm mit. Schliesslich platzt die Situation und die sich minutenlang
aufgetürmte, melodische Klangwelle zerfliesst in alle Richtungen
und flacht wieder rhythmisch-pulsierend ab. Dann beginnt das Spiel wieder
gekonnt von vorne unter Beihilfe aller möglicher Variationen. Also
langweilig wird einem definitiv nicht. Im Songwriting der Band sind
definitiv Reminiszenzen an Bands wie Ash Ra Tempel, Can, Harmonica etc.
Was aber wie oben angedeutet Maserati von den genannten Bands der wilden
70'er unterscheidet, ist die "Glätte" der Stücke.
Damals war man wesentlich ungeschliffener, unruhiger und auf abgedrehte
musikalische Momente aus. Maserati hingegen schaffen da Räume,
Luft und sphärische Weiten, die mich an Bands wie Red Sparowes
erinnern. Die Durchschaubarkeit von Maserati liegt im (zu)polierten
Sound, die Unvorhersehbarkeit hingegen im Songwriting, das vergleichbar
mit einem Laubwirbel ist: Man weiss nie genau wohin und in welche Richtung
der Wind ihn dreht. Die Produktion ist kompakt-vielschichtig, warm und
klar. Auch Aufmachung und Artwork in gelben und roten Farbtönen
sind stimmig und so fügt sich "Inventions For The New Season"
zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Erhältlich auch als 2xLP.
Rating: 8/10
Microwaves "Contagion Heuristic" CD (Crucial Blast)

Microwaves sind ein absolut nervtötendes "sci-fi no wave thrash/
freakout trio" aus Pittsburgh, PA und mit "Contagion Heuristic"
erscheint bereits das dritte Album der Band. Mit der zitierten Soundbeschreibung
ist eigentlich tatsächlich alles gesagt; treffender und kürzer
geht es kaum. Musikalisch irgendwo zwischen Shellac und Mathematik-
Core wie ihn Bands wie Don Caballero oder Ruins zelebrieren. Verzerrt,
verschoben, nervende Gitarren und "Bleeps", untermalt von
röhrendem Bass und störrischem Schlagzeug, so kommen die Mikrowellen
den Gehörgängen absolut schadend daher. Aber auch das kompromisslose
Schaffen von schweren, wabernden, tiefgestimmten Tönen wie im instrumentalen
"Ruin The Night" beherrscht die Band. Dissonante Stimmungen,
thrashige Rhythmen, nerviges Quicken und Quitschen machen "Contagion
Heuristic" zum interessanten wie... ja fast zynischen Gehörgangmonster
und der Sänger klingt doch irgendwie gut paranoid und wie auf Pillen.
Hier wird jeder Blick zum gekonnt inszenierten Schielen einer bis zur
Unkenntlichkeit entrückten synthetischen Welt voller musikalischer
Abnormalitäten.
Rating: 7/10
Moerta "Below The Stones Of Healing" CD (Freakstone Records)

Die deutsche Band Moerta besteht aus vier Musikern, die sich schon seit
den 80ern mit harter Musik beschäftigen und die vor vier Jahren
den Weg zueinander gefunden haben. Moertas kleines Monster an experimenteller
Rock Musik mit fast 60 Minuten Spielzeit und "nur" 6 Stücken
erinnert mich zu allererst stark an Neurosis. Die Band schafft ähnliche
Stimmungen, strukturelle Spannungsbögen – und Räume
und Melodien, wie sie auch die einzigartige Rock Band aus San Francisco
seit gut 20 Jahren aus dem Boden stampft oder aus dem Äther schröpft.
Mit etwas Abstand dazu lassen sich auch noch kleinere Elemente von Bands
wie Isis oder Tool ausmachen, wobei diese keinesfalls kopiert oder aufgesetzt
wirken. Überhaupt, fallen mir da im Direktvergleich einfach nur
Neurosis ein. Die langatmigen, ausufernden Klanglandschaften von Moerta
wirken oft melancholisch und verletzlich, doch auf eine episch- grossartige
Art verstehen sie es, dem Hörer all ihre Macht und Monstrosität
aufzuzeigen und zu vermitteln. Dafür hat man ja auch Zeit bei den
langen Spielzeiten der 6 Songs. Surreales wie Psychedelisches unterliegt
den Stücken, so dass sich die tiefe Wirkung und Atmosphäre
von "Below The Stones Of Healing" schnell als hypnotische
Fesseln ums Gehör schlingen. Einzig der etwas zu sakral klingende
Gesang wirkt streckenweise zu künstlich und aufgesetzt, was den
Vorbildern aus San Francisco nie passiert.
Dahin geht dann auch mein Rat: noch mehr für Natürlichkeit
und Homogenität und gar eine alchemistische Herangehensweise im
Songwriting sorgen, wer mich hier versteht... Aber, diese Note aus dem
Blues im Gesang überzeugt mich ganz, sie sorgt auch für eine
gewisse Eigenständigkeit und Eigentümlichkeit, die der Band
gut zu Gesicht steht. Abschliessend: "Let Mind Wander" –
der Slogan der Band sei jedem Hörer von "Below The Stones
Of Healing" mitgegeben, er könnte von Wichtigkeit sein. File
under: Psychedelic Doom Rock. Website: moerta.de
Rating: 7/10
Monikers "Eat Your Young" MCD (Kiss Of Death Records)

Angewidert vom Artwork war ich gespannt, was mich erwartet und na ja,
überzeugt bin ich nicht. Die Monikers spielen rockenden und streckenweise
treibenden Punk Rock, der sich nur leider insgesamt zu durchschaubar
durch die 5 Stücke "fräst" und natürlich die
Live- Energie einfangen will, was für mich die gelangweilte Ausrede
des Pressefritzen ist, der die Presseinfos schreiben und zusammenstellen
muss und eigentlich auch nicht wirklich weiss, was er da eigentlich
schreiben soll. Fazit, schon nett, interessante Ansätze im Gitarrenspiel,
der Gesang schön rauh, wie gesagt, schön treibend und nach
vorne.
Rating: 5/10
Nurse With Wound "An Awkward Pause – Special Edition"
2xCD (United Jnana)
Mit "An Awkward Pause" wird die legendäre Platte von
Nurse With Wound, kurz NWW, neu veröffentlicht. Nurse With Wound
sind eine britische Gruppe, die 1978 von Steven Stapleton, John Fothergill
und Heman Pathak ins Leben gerufen wurde. Nurse With Wound machten sich
schnell einen Namen durch Musik, die von freien Improvisationen und
Krautrock geprägt war. Und so gibt sich auch diese 2xCD wild, frei
und ungezügelt. "An Awkward Pause" wurde ursprünglich
1999 veröffentlicht und featured u.a. auch David Tibet, den man
ja von Current 93 kennt. Zusätzlich zum ursprünglichen Album
ist hier eine weitere CD mit 13 unveröffentlichten Stücken
der Band enthalten. Essentielle Wiederveröffentlichung.
Rating: 8/10
Oren Lavie "The Opposite Side of the Sea" CD (Tuition
Music)

Mit "The Opposite Side of the Sea" hat Oren Lavie eine Platte
geschaffen, die so gut zu folgendem Szenario passt: Es ist Sonntag morgen,
so etwa 9:45 Uhr, und man schält sich noch verschlafen aus den
Tiefen des Bettes. Man fährt sich über's Gesicht, Haare fettig
und Dreitagebart. Aha. Rasieren? Kein Bock. Erstmal schnell ins Bad,
verdammt,über die Türschwelle gestoplert, der Zehennagel zieht
wie sau. Egal. Ok, Wetter checken. Scheisse man, es regnet in Strömen.
Gut, was jetzt? Küche, Kaffee machen. Damn it, Milch ist leer.
Egal, die Sahne geht auch. Ist eh offen, von der Lasagne gestern, deren
Reste noch farblich die triste Stimmung der Küche beleben. Kaffee
ist auf dem Herd und jetzt die Zeitung von gestern schnappen und erstmal
aufwachen und lesen. Was fehlt? Richtig, Musik. Machen wir mal die neue
von Oren Lavie rein, passt irgendwie. Und ausserdem, der kommt ja auch
von hier, ist aus New York hergezogen. Diese Situationen kennt jeder
und zu solchen "Sonntagsstimmungen" passt die teilweise bombastische
Musik von Oren Lavie ganz gut. Sauber, vielleicht zu sauber produzierte
10 Stücke, die schönen Gesang mit halbakustischer Instrumentierung
enthalten. Orens Stimme klingt voll und warm und trägt seine poetischen
Texte erstaunlich leicht und luftig. Dennoch, beinahe jedes Stück
auf "The Opposite Side of the Sea" wirkt wie ein kleines romantisches
Bild, facettenreich gemalt, aber von einer, das Album durchziehenden
Bombastik in den Arrangements geprägt. Hier die leise Kritik des
freudigen Hörers: Hin und wieder etwas dreckiger, wie Berlins Strassen,
dürften die Kompositionen sein.
Rating: 7/10
Seconds In Formaldehyde "II" CD (Gears Of Sand)
"II" steht nun also für den Zweitling des hinter dem
Pseudonym "Seconds In Formaldehyde" stehenden Martin Fuhs.
Ruhige, langatmige Drones ziehen den Hörer über sich in die
Weite üppig ausdehnende Klangfelder, die wie die pure Entspannung
nach einem Sturm wirken. Für den unerfahrenen Hörer mag das
aber durchaus wie ein monotones sich- in- der- Welt- verlieren klingen,
dass mehr Schrecken wie Genussfreude beziehungsweise imaginative Kräfte
ausstrahlt und verbreitet. "II" erscheint im März diesen
Jahres auf dem US- Label Gears Of Sand. Gängige Gitarrenklänge
sind diesmal noch schwerer und spärlicher auszumachen. Die streckenweise
eingestreuten und verzerrten Akkorde (auf "And I Dissolved Into
Small Particles Of Dust) bilden im Spiel von Ruhe und struktureller
Gelassenheit einen angenehmen Kontrapunkt, der hierbei sicherlich nicht
zufällig gewählt ist und auf Fuhs' Gespür für sensiblen
Forschungsgeist am Kern der Musik hindeutet.
Rating: 7/10
Seconds In Formaldehyde "Inaudible" CD (Suggestion Records/
Verato Project)
(no cover available)
Auch "Inaudible" besticht wiederum durch die angenehm- zurückhaltende
Art des Künstlers, musikalisch, wie auch im persönlichen Auftreten.
"Inaudible" beginnt mit sanften Drones die irgendwo da zuhause
sind, wo die Grenze zwischen Himmel und Ozean am Horizont verschwimmt.
Grenzgang wie Naturerfahrung gleichermassen. Lange Akkorde tragen den
Hörer durch weite, spärliche Klangfelder. Die wohl grösste
Neuerung diesmal sind die minimalen, auf leichten Füssen daherkommenden
Beats, sowie die Percussion Loops, die an minimalistische Elektronische
Musik erinnern. Ich mag es, wenn sich Künstler, die sich einem
bestimmten Genre zugehörig fühlen, trotzdem den Mut haben,
neue Schritte zu gehen, andere Wege zu beschreiten. Wer würde bei
Fear Falls Burning, Aidan Baker und Konsorten damit rechnen, dass eine
Platte plötzlich Beats aufweist? Wohl eher niemand. Um so interessanter
dies nun bei Seconds In Formaldehyde verfolgen zu können. Die Beats
sind sehr dezent und gekonnt zurückhaltend gestreut, was den typischen
ruhigen Drone-Klangforschungen keinerlei Abbruch tut. Dennoch, es ist
hier Vorsicht geboten, denn die Beats haben leicht die Tendenz, zu artifiziell
und generiert zu klingen. Etwas mehr erdig-lebendiges ist hier gefragt,
um die eben oben genannten Naturerfahrungen im Geiste entstehen zu lassen
und weniger das Gefühl von, auf die Schnelle, ganz pauschal: "Computermusik.
"Inaudible" erscheint in einer Kleinstauflage von 60 handgemachten
Digipacks auf dem Suggestion Underlabel Verato Project.
Rating: 7/10
Sofy Major "s/t" MCD (Argghh!! Records)
Der Fünfer Sofy Major kommt aus Frankreich und hat sich 2005 gegründet
um "Noise Hardcore" zu spielen, so brandmarkt sich die Band
selber. Musikalisch geht es durchaus noisig zur Sache und zum Beispiel
Breach standen beim Sound von Sofy Major Pate. Aber auch abgehackte
Rhythmen, wie man sie von Fugazi kennt sind hierbei als Einflüsse
festzuhalten. Im Prinzip eine interessante Angelegenheit, allerdings
schwächelt die Stimme des Sängers durch ihr Pseudo- Gefühl
gewaltig. Rohes, brutales Geschrei wie es dir die wirklichen Breach
immer gnadenlos geboten haben wäre hier wesentlich angebrachter
und würde für die Durchschlagkraft der Band sprechen. Stattdessen
gibt man sich fast verzweifelt, dem heutzutage als Einheitsbrei verkommenen
und degradierten "Screamo" hin, was den Charme einer lokalen
Schüler- Hardcore- Combo hat. Immerhin, das Artwork ist halbwegs
gelungen und erinnert in seiner ganzen Schwäche an den Grossen
Derek Hess.
Rating: 6/10
The Hidden Hand "The Ressurection Of Whiskey Foote" CD (Southern
Lord)
Legende Scott "Wino" Weinrich und Bruce Falkinburgh melden
sich mit "The Ressurection Of Whiskey Foote" mit Hilfe des
Drumm-Neuzugangs Evan Tanner zurück. Wie eine sich rückwärts
drehende Spirale ackert, stampft und rockt sich "The Ressurection
Of Whiskey Foote" durch 10 neue Stücke. Mit Wino hat man ja
die Referenz für den Sound gleich zur Hand: St. Vitus, The Obsessed,
Spirit Caravan und Place Of Skulls. Allesamt Projekte von und um Wino.
Schöner Doom-Rock voller Agonie, Depression und leichten psychedelischen
Anleihen. Gerade die, in Verbindung mit den kernigen Gitarren, machen
meiner Meinung nach das besondere Feeling des Album aus. Brachiale Rhythmen
und steile Gitarrenwände werden hier erklommen und gleichermassen
zum Einsturz gebracht. Dieser Tick Classic-Rock in den Stücken
macht sich ebenso gut wie der Titel des Albums. Artwork passt natürlich
auch zur "Southern-Rock-Stimmung" von "The Ressurection
Of Whiskey Foote". Hier beweisen Southern Lord endlich mal wieder,
dass sie immer noch grundsolide und grundgute Platten veröffentlichen
können.
Rating: 7/10
Titan
"s/t" CD (Paradigms Recordings)

Dies ist die erste offizielle Veröffentlichung der "Rough-Magic-Kraut-Mystics
aus Brooklyn, New York. Zuerst fällt die schöne, komplexe
Aufmachung auf und dass diese CD auf 750 Stück limitiert ist (wie
üblich für Paradigms Recordings). Musikalisch wird eine kosmische
Freakout Parade in 3 Akten aufgeführt. Nicht nur namentlich (alle
Titel sind deutsch) wird der Krautrock- Vergangenheit unseres Landes
Tribut gezollt, denn musikalisch klingen und erinnern Titan an eine
schwere Version von Acts wie As Ra Tempel, Klaus Schulze und Konsorten.
Auch das Spiel mit ruhigeren, schimmernden und verträumten Klangpassagen
versteht die Band und lässt so das letzte Stück "Die
Sonne Ist Fast Am Untergehen" dezent ausklingen. Als aktuellen
musikalischen Bezug fallen mir Zombi ein. Also wer mehr als 45 Minuten
voller Sinn und Verstand erweiternder kosmischer Musik hören will,
ist hier genau richtig.
Rating: 8/10
Titan "A Raining Sun Of Light & Love, For You &
You & You..." CD (Tee Pee Records)

Stilistisch schon etwas anders als noch das Debut kommt "A Raining
Sun Of Light & Love, For You & You & You..." daher
und beeindruckt mich schwer. "A Raining Sun Of Light & Love,
For You & You & You..." ist sicher die im laufenden Jahr
von mir am meisten gehörte Platte und schon der Hippie-Titel ist
ein kleiner Knaller. Musikalisch einordnen würde ich "A Raining
Sun Of Light & Love, For You & You & You..." dann auch
irgendwo zwischen ausuferndem, episch-schwerem Stoner/Prog-Rock mit
einer klaren psychedelischen Linie zu den Klassikern des Genres wie
Can, Hawkwind und schwereren, pompöseren Einflüssen von Uriah
Heep. "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You &
You..." ist ein Spiel von nur 4 Stücken in guten 41 Minuten.
Das "Dudel-Potential" ist damit klar. Das Album ist sauber
und kompakt produziert, die Lieder klingen dadurch homogen und das Gesamtbild
ist ein schön organischer, krautig-schwerer Jam des Vierers aus
Brooklyn, NY. Wilde Trommelwirbel, Acid-Gitarren-Jams , windige Synthie-Attacken
und ein tiefes knochiges Bass machen "A Raining Sun Of Light &
Love, For You & You & You..." zu einem dynamischen, verspielten
und die Galaxy erfüllenden kosmischen Farbenknall an dem der geneigte
Hörer nur schwer vorbeikommen wird, und erst recht nicht wenn er
morgens Pilzmarmelade auf dem Brot hatte!
Rating: 9/10
Trencher
"Lips" (Southern Records)
"Casio- Grindcore" nennt man das also. Wieder was dazu gelernt.
Trencher sind ein Trio aus London , das eben diesen "Casio- Grindcore"
spielt. Zerfahren, brutal und brutal schnell, komplex und irgendwie
streckenweise lustig klingen die 9 kaputten Stücke auf "Lips".
Trencher bestehen aus Bass, Drums und einem Spielzeug Keyboard, das
für die Sounds zuständig ist, mit denen die kleinen Grindattacken
unterlegt sind. Seit 5 Jahren betreiben die 3 Londoner dieses kontrollierte
Kinderzimmerchaos und haben schon verschiedene limitierte Veröffentlichungen
hinter sich gebracht. "Lips" ist das zweite Album der Band
und für jeden interessant, der auch schrägen Vögeln wie
den Daughters, The Locust oder Discordiance Axis gerne beim Lärm
machen zuhört. Zum Schluss ist noch in aller Kürze festzuhalten,
dass das Artwork hässlich ist und die Spielzeit knapp 25 Minuten
beträgt. -
Rating: 6/10
Voodooshock "Marie's Sister's Garden" CD (Exile On
Mainstream Records)

Gar vier Jahre hat es gedauert bis das zweite Album der deutschen Doom-Rocker
von Voodooshock nun erscheint. Auf "Marie's Sister's Garden"
präsentiert die Band 11 melodische Stücke, die den grossen
Helden wie Pentagram, Saint Vitus, The Obsessed etc. Tribut zollt. Volle,
satte und groovende Basslines und jammernder, leidenschaftlicher Gesang
steht langsamerem Zeitlupen-Rock gegenüber, der wiederum einen
angenehmen Kontrast zum psychedelischeren "Feeding Flames With
Letters" bildet. Voodooshock verstehen es, verschiedene Einflüsse
und Stilrichtungen geschickt und durchaus homogen in ihre Stücke
einzuweben, und dabei immer in der selben melancholischen Stimmung zu
bleiben. Dabei stagniert die Band in keinster Weise. Doom mit Blick
über den eigenen Tellerand. Besonders die langsamen, mächtigen
Walzen wie "Funeral Farewell", "I Need A Rest" und
Diamond Queen" wissen durch ihre zähen Strukturen zu begeistern.
Hier fliesst die Lava zäh und glühend heiss den Hang hinunter,
brodelnd und zischend ins Meer.
Rating: 7/10
Reviews - Late Spring 2007:
Einiges
hat sich in den letzten Wochen angesammelt und die Bereiche und Nischen
an guter Musik sind wieder reichlich besetzt. Auffällig ist, dass
labelspezifisch mehr als nur ein gutes Album zu finden ist. Es wird
für fast jeden Geschmack etwas dabei sein, ob es sich dabei um
zeitgenössische elektronische Musik, Noise und Drone oder mehr
die gitarrenorientierte Musik handelt. Viel Freude beim Lesen auch diesmal.
Aidan
Baker "Candescence" CD-R (Verato Project)
"Candescence" hat eine dezente, einfache Aufmachung die in
einen braunen Frauennetzstrumpf eingefasst ist und damit beim ersten
Anblick für Verwunderung sorgt.
"Candescence" sind sechs Stücke vom Drone und Ambient
Wunderkind Aidan Baker, der ja praktisch laufend neue Alben veröffentlicht.
Baker ist auch bekannt durch die Band Nadja, die in eine ähnliche
Richtung, aber härter, mehr Indrustrial und Doom orientiert arbeitet.
Auf den Tracks dieser CD sind schöne, ruhige Ambient Stücke,
der erste Song basiert direkt auf einem Autechre Stück. Zur Aufnahme
wurde kein Computer verwendet, sondern alle Sounds mit Gitarren und
Bass eingespielt. Trotz der Ruhe der Stücke wirken sie mächtig
und voluminös und erhaben.
Rating: 8/10
Andreas Bertilsson "Paramount" CD (Komplott)
Andreas Bertilsson (ehemals Son of Clay) hat einen Soundtrack ohne Film
gemacht. Das ist insofern angenehm, als die Musik nicht einem allermeistens
hohen Tempo eines Filmes folgen muss.
Die Musik: Ist das jetzt ein Ruderboot, das ich da plätschern hör-
obwohl, das Stück heißt „Plains of the Buffalo“
vielleicht sind es eher schlabbernde Kühe an denen jemand zieht?
Später: wir befinden uns in einer ehemaligen Garage, eher noch
in einer inneren Garage, also in einem Teil der Seele, den ich z. B.
noch ganz gut im Griff hab`. Hier wird dem Sound nach geschabt, geschreddert,
geschliffen, eben wie es sich anhört wenn man eines der Biester
in sich hart ran nimmt. Schließlich, im letzten Teil, hat einer
gewonnen (auch egal wer, sind ja alle ich) und es breitet sich Versöhnung
aus.
Rating 8/10
-Rezensiert von J. Jaschke
Austin Lucas "The Common Cold" CD (Sabotage Records)
Dass Austin Lucas seit seiner Zeit in der Wiege von Musik umgeben war,
merkt man ziemlich schnell. Sein Vater war Musiker und bei jeder Gelegenheit
quasi machte die Familie gemeinsam Musik, singen beim Auto fahren etc.
Ihr kennt das Spiel. Ausserdem begleitete der kleine Austin alljährlich
seinen Vater zu diversen Folk und Bluegrass Festivals, wo dieser auftrat.
Es folgten in Austins Kindheit Jahre in denen er in verschiedenen Chören
sang bis er davon, kurzgesagt, die Schnauze voll hatte und sich ab dem
Alter von 12 Jahren für die nächsten 16 Jahre mit Punk und
Hardcore beschäftigte. Momentan lebt Austin Lucas in der Tschechischen
Republik und verbringt seine Zeit entweder als Solomusiker oder als
Gitarrist in der Crust-Band Guided Cradle. "The Common Cold"
ist ein gelungenes, schönes Soloalbum, auf dem Austin Lucas die
traditionelle Roots-Musik seiner amerikanischen Kindheit mit Einflüssen
aus der heutigen Indie-Szene mischt. Das Album ist treibend und dynamisch
und ein erfrischender Hörgenuss für jeden Country und Indie/
Lo-fi Akustik Fan, denn seine Gesangsharmonien sind schön und angenehm
zurückhaltend.
Rating: 7/10
Baroness/ Unpersons "A Grey Sigh In A Flower Husk"
CD (At A Loss Recordings)
"A Grey Sigh In A Flower Husk" ist ein unkonvetionelles Besipiel
dafür, wie gute, schwere Musik klingen kann und mit ansprechendem
Design auch optisch in Szene bzw. weiter aufgewertet werden kann. Während
Baroness "nur" zwei Tracks besteuern, hauen die Unpersons
gleich doppelt so viele Stücke raus. Beide Bands überzeugen
durch ihre Schwere und haben musikalischen Schneid. Atmosphärische
Räume wie planvolle Härte und schwerer, rockender Drive macht
die 6 Stücke der beiden Bands aus. Sie bieten damit einen aktuellen
wie zukünftigen Blick auf ihr Schaffen und darauf, was musikalisch
in ihrer Heimat Savannah, Giorgia so möglich ist. Baroness veröffentlichen
ihr nächstes Album auf Relapse, man darf also gespannt sein.
Rating: 8/ 10
Beale Street Love "s/t" MCD (self releaed)
Ich mag die Frau auf dem Cover, niedlicher Mund, küssen und so.
Beale Street Love sind eine noch weitgehend unbekannte Band aus New
Jersey und spielen auf dieser 5 Song Promo CD melodischen Indie-Rock
mit treibenden Gitarren und einem talentierten Sänger, der es beherrscht,
laut und kraftvoll, wie leise und sachte zu singen. Eigentlich gibt
es mehr nicht zu sagen, denn die 5 Herren scheinen bis jetzt alles richtig
zu machen und mit der richtigen Plattenfirma im Rücken kann das
doch was werden. "Our goal is to let the melodies take hold of
the song", so der Bassist John Michael Santora und daran halten
sich die Jungs auch.
Rating: 7/10
Berserk For Tea Time "Ink... And Paper" CD (Get A
Life! Records/ Saiko Records)
Lassen wir den Bandnamen aussen vor, so präsentieren Berserk For
Tea Time auf "Ink... And Paper" eine interessante Verquickung
von Stilen wie Jazz, Rock, Funk, Metal und eben Hardcore. Ihre Schweizer
Kollegen von Cortez fallen mir als Vergleich ein, und Pate haben sicherlich
auch die "Grossen" wie Botch oder The Dillinger Escape Plan
gestanden. Diese harten, technischen und komplexen Parts finde ich auch
gelungen, während die ruhigeren, leiseren Stellen mir persönlich
zu nichtssagend und weinerlich klingen. Auf erstere sollte sich die
Band konzentrieren und lieber ein knalliges, technisches und schizophren-durchgedrehtes
Album mit Jazz-Licks einspielen, denn das beherrschen sie, trotz des
stellenweise holprigen Charakters von "Ink... And Paper" schon
ganz gut. Das Artwork ist bis auf die Innenseite gelungen und nett abstrakt.
Rating: 7/10
BlindeKinder (helfen bauen) "s/t" CD (Everest Records)
BlindeKinder (helfen bauen) ist das Debut Album von Jonas Kocher und
Raphael Raccuia. Die 5 Stücke sind ein obskure Klangsammlung von
unüblichen Sound-Schnipseln, die wie die Musik zu einem seltsamen
Traumfilm wirken. Skurril, abwechslungsreich und voller klanglicher
Überraschungen. Jeder Hörer wird hierbei bestimmt einen ganzen
eigenen Höreindruck haben, der ebenso unterschiedliche Bilder entstehen
und assoziieren lässt. Dass diese Bilder kaum etwas mit der Realität
zu tun haben können versteht sich beim Hören fast von alleine.
Die entstehenden Bilder sind klanglich oft scharfkantig und unmittelbar,
was aber das Auge sieht ist durchweg verschwommen und wird zum einfachen
grauen Umriss, zur Fassade.
Rating: 7.5/10
B°TONG "s/t" 3 Inch CD-R (Verato Project)
Unheimliche, apokalyptische Horror-Reise durch düsterste elektronische
Gefilde. B°TONG klingt wirklich verstörend und unruhig, wie
ein fiebriger Traum in kaltem Schweiss. You picture it. Absolut negative,
50 Grad unter Null Noise-Geräusche. Wohnt hier der Teufel? Und
dabei sieht die 3 Inch CD so niedlich aus, aber was da einem in einer
guten Viertelstunde geboten wird, ist es definitiv nicht. B°TONG
klingt wie eine kalte Maschine deren einziges Ziel Zerstörung ist.
Die Maschine ist schon komplett verrostet, droht auseinanderzufallen.
Korrosion überall. Maschinenwelt. Bist du in dieser Matrix gefangen?
Rating; 6/10
Causa Sui "Free Ride" CD (Elektrohasch Schallplatten)
Die beigefügten Presseinfos beschreiben Causa Su so: "Stell
dir vor, Hendrix und Blue Cheer jammen zusammen mit dem jungen Iggy
Pop und abgemischt wird das ganze von den Jungs von Can." Hat was,
die Beschreibung. Die Band spielt auf ihrem Zweitling überzeugenden,
genreübergreifenden psychedelischen Rock, mit Druck und Groove.
Stellenweise schrauben und drehen sich die 7 Stücke in wilder Ekstase
nach oben, driften völlig ab ins Space-Gefilde und tanzen dann
frei und entrückt und völlig bekifft in den Sonnenuntergang.
Der Jam-Charakter der Stücke lässt den Hörer immer wieder
aufspringen und die Anlage noch lauter aufdrehen. Causa Sui machen Spass
und das vorliegende Album ist tatsächlich ein lebendiger, zeitloser
"freier Ritt" durch die vergangenen Jahrzehnte der Musikgeschichte.
Let the lava flow!!
Rating: 7/10
CTAICK
"Amur Region" CD-R (Verato Project) & CTACIK "In
Order To Prevent Sense" CD-R
 |
 |
CTACIK
ist dunkel as fuck und bewegt sich mit seinen Klangforschungen irgendwo
im Dark Ambient, Noise und Field Recordings Bereich. Weite mächtige
Klangfelder mischen sich mit nervtötenden Radiowellen und verschiedenen
Samples von Stimmen und Tieren, welche ineinander wallen- und wabern,
generiert durch synthetische Sounds. Dass hier keine schöne angenehme
Musik geschaffen wird, dürfte klar sein. CTAICK wirkt eher ungeschliffen,
dreckig und entfremdet von jeglicher menschlicher Kommunikation. Entstellte
Maschinen dominieren hier die Erde. Interessant wie verstörend.
Rating: 7/10
Dragontears "2000 Micrograms From Home" CD (Bad Afro Records)

"2000 Micrograms From Home" ist ein Jam-Album, das merkt man
gleich. Mitglieder von Baby Woodrose, On Trail und Spids Nogenhat haben
das Kopenhagener Projekt Dragontears gegründet und als erstes Lebenzeichen
6 psychedelische, Space-Stücke geschrieben, und in langen Jam-Sessions
aufgenommen. Schon der Opener "Microdot" hat was hypnotisches,
ein Eindruck, der sich im nächsten Stück "Borderline"
verfestigt und auch die weiteren Stücke überdauert. Mit der
laschen Faulheit von Kula Shaker und der psychedelischen Kraft der 70'er
Jahre ist "2000 Micrograms From Home" eine schwül-sumpfige
Angelgenheit zum Treiben- und völligen Hängenlassen des Seins.
Verträumte Psych-Momente hüllen den Hörer in einen seltsam-entspannten
Liebeskosmos ein, aus dem man nicht ganz so schnell entlassen werden
möchte. Orgeln, Wah-Wahgitarren, Autoharp, Tamburin, spaceige Klangcollagen
und Hintergrund-Percussion sowie der sanfte, treibende Gesang sind die
Hauptwerkzeuge für dieses völlig entspannte und fein gewebte
Klangreich. Need some drugs? Immer nur herein.
Rating: 7.5/10
Dyse "s/t" CD (Exile On Mainstream)
Bei Dyse bleibt kein Stein auf dem anderen, das holländische Duo,
benannt nach dem Dysecatmotel, kämpft mit aller Macht gegen eine
stagnierende (musikalische)Welt und ackert hier immer nach vorne, durch
einen sperrigen und knochigen Noise-Rock Batzten, der es dem Hörer
nicht leicht macht. Quälende Gitarren, Drums wie eine Abrissbirne
und dazu Geschrei, der völlig entartet und wirr klingt. Auf CD
durchaus nervtötend und schwierig, live aber bestimmt die Offenbahrung
für jeden von der Welt verlassenen und angepissten Noise-Rocker.
Dyse klingen auf ihrem selbstbetitelten fast 40 minütigen Debut-Album
knallhart und direkt. Sympathisch.
Rating: 6/10
Electric
Orange "Platte" CD (Sulatron Records)

Anno 2003 in Kleinstauflage auf Vinyl erschienen, gibt es diese Perle
an Neo- oder Nu-Kraturock nun auch endlich in digitaler Form auf CD.
"Platte" begeistert durch eine ruhige, reduzierte Struktur
die einen weiten Raum öffnet für meditative, schwebende Orgel/Synthie-Passagen
und monotonem, über Minuten gleich bleibenden Rhythmus der Drums.
"Holzbock" wirkt lauter, hat eine direktere Art, durch den
stampfenden, hölzernen Rhythmus. Die hypnotischen, kontemplativen
Orgelflächen werden ab und an durch verspieltere Parts unterbrochen.
Hier erscheint dann die Gitarrenarbeit deutlicher und tragender. Der
unterschwellige, schwüle und psychedelische Charakter der Stücke
lässt "Platte" wesentlich subtiler und verletzlicher
erscheinen als die früheren Arbeiten der Band. Als Referenzen zu
nennen sind Tangerine Dream, Popul Vuh und Can. Die 3 regulären
Stücke von "Platte" sind erweitert um die beiden Bonustracks
"Dedicated To MK" und "Flurstück". Der Improvisationscharakter
und die langen, ausladenden Jams lassen "Platte" in einem
völlig zeitlosen Kleid erscheinen, hier ist jeder Blick auf die
Uhr überflüssig und man sitzt praktisch irgendwo zurückversetzt
in den Siebzigern auf einem alten, zersessenen Ledersofa bei dämmrigem
Licht und nuckelt an seinem Longdrink herum. Für mich sind Electric
Orange der Bohren und der Club of Gore des Krautrock. Völlig gespannt
auf das neue Album der Band wartend verbleibt ein begeisterter Rezensent...
Rating: 8/10
End
Of Level Boss "Inside The Difference Engine" CD (Exile On
Mainstream)
End Of Level Boss aus London zelebrieren auf ihrem zweiten Album einen
schweren, organischen Leidensweg, der sich zäh und schleppend hinzieht
und ewig zu gehen scheint.
Dicker Wüsten-Rock a la Kyuss und noisiger, unruhiger Heavy Metal
bilden angenehme Kontrapunkte auf "Inside The Difference Engine"
und lassen selbst noch Raum für sphärische, uferlose musikalische
Momente. Bei diesen Momenten meint man gar, die CD sei hängengeblieben,
aber ein Blick auf's Display des CD-Spielers zeigt: alles Absicht. Einerseits
geben sich End Of Level Boss dadurch betont ruhig und bizarr, gar warm,
andererseits wird es nicht viel später wieder noisig-wüst
und wild. Unsane wie auch Voivod oder Helmet fallen als Referenzen ein.
Rating: 7/10
Eve And The Last Waltz "Straight Up To The Sky" CD
(Rhythm Ace Recordings)
Schon beim Lesen des Namens lief es mir eiskalt den Rücken herunter
und dieser Eindruck sollte sich noch zum Beinahe-Kollaps vertiefen,
als die Sängerin, Eva Lalander, mit ihrem super gepressten, kehligen
Gesang anfängt zu singen. Muss die Schmerzen haben. Grauenhaft.
Eve And The Last Waltz sind eine schwedische, fünfköpfige
Band und veröffentlichen mit "Straight Up To The Sky"
ihr drittes Album, das laut Presseblatt 9 "shiny new Songs taken
directly from first hand experiences from the surrounding world's slow
decay and fast transformations". Nun gut, auch bei so einem Satz
läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Soll hier mein Ratschlag
sein: Bitte geht sterben? Musikalisch wird dem Hörer dann auch
ein nervtötender Alternative/Country/Folk-Brei geboten Auch der
Einsatz der Hammond-Orgel rettet da nichts. Kurze Frage: Hat Frau Lalander
ihren Gesang beim Kacken aufgenommen? Sorry, aber das konnte ich mir
jetzt nicht verkneifen...
Rating: 3/10
Fear Falls Burning "The Rainbow Mirrors A Burning Heart"
LP (Auf Abwegen)
Hier haben wir das Konzert vom 13. Oktober 2006 im Kulturbunker Mullheim
zu Köln auf Vinyl gefasst. Äusserst minimal beginnt diese
dezent gestaltete LP, praktisch nur ein statischer Ton über Minuten.
Stichwort "Minimal Drone". Erst nach und nach werden einzelne
Akkorde angeschlagen und der kontemplative Charakter wird langsam und
allmählich dynamischer. Die zweite Seite beginnt, wie die erste
aufhörte und schraubt sich auch erst allmählich und gemächlich
ihrer Bestimmung zu. Ungleich verschrobener geht es hier zur Sache,
gespenstische Stimmungen entstehen, die Klangwand ist mystisch-schimmernd.
Die Akkorde werden zunehmend unruhiger, lauter und die Herangehensweise
ist direkter wie unmittelbarer. "The Rainbow Mirrors A Burning
Heart" ist eine gelungene und auf 300 Exemplare limitierte Veröffentlichung
und wahrscheinlich schon ausverkauft.
'
Rating: 7/10
Fear Fallls Burning "We Slowly Lift Ourselves From Dust" Picture
10" (A Silent Place)
"We Slowly Lift Ourselves From Dust" entält 2 Stücke
und 28 Minuten unveröffentlichter Drones von Fear Falls Burning.
Bereits 2005 aufgenommen, erscheint "We Slowly Lift Ourselves From
Dust" erst jetzt auf dem italienischen A Silent Place Label. Die
Aufmachung ist edel und überzeugt durch die bedruckte Abspielfläche
des 10 Zoll Vinyls. Abgebildet sind makroskopische und abstrakte Aufnahmen
von Martina Verhoeven. Ist die erste Seite fast mit einer punkigen,
rauhen Stimmung ausgestattet, so wirkt die zweite Seite mehr wie eine
krautige Spacedrone mit einer variierenden Intensität. Klanglich
knüpft sich die 10" auch zu Beginn an die oben besprochene
"The Rainbow Mirrors A Burning Heart" LP an. Der Charakter
der beiden auf "We Slowly Lift Ourselves From Dust" enthaltenen
Tracks ist unmittelbar und ungeschönt. Nicht verwunderlich, denn
beide Stücke wurden nicht nachbearbeitet, sondern einfach wie sie
sind zur weiteren Dokumentation des Live-Charakters der 10" verwendet.
Rating: 8/10
Fear
Falls Burning/ Nadja "s/t" CD (Conspiracy Records)
Mit dieser CD kommt nun nach der letztjährigen, limitierten LP
die zweite Zusammenarbeit von Dirk Serries aka Fear Falls Burning und
Aidan Baker und Leah Buckareff als Nadja. Ähnlich wie die LP, bietet
dieses Gemeinschaftsprojekt 4 epische, pulsierende und dynamische Drone-Stücke
mit mutigen, weiten Klangflächen, grosser atmosphärischer
Dichte und üppigem ausladendem Raum. Psychedelische Halluzinationen
wie rauschhafte Träume finden ebenso ihren Raum auf diesem selbstbetiteltem
Album wie die zahlreichen okkult-gespenstischen und melancholischen
Momente, die von Nadja eingebracht werden. Das Album erscheint in einem
zurückhaltend gestalteten Digipack und ist auf 1000 Exemplare limitiert.
Damit wird eine Reihe von Veröffentlichungen von Fear Falls Burning
auf Conspiracy eingeläutet, als nächstes stehen die FFB/ Birchville
Cat Motel CD an, ebenso wie das nächste reguläre FFB Album
Anfang 2008.
Rating:
8/10
Goon Moon "Licker's Last Leg" CD (Ipecac Recordings)
Goon Moon ist ein All-Star Ding, das aus Jeordie White aka Twiggy Ramirez
von Marilyn Manson, Nine Inch Nails und Chris Goon, dem Frontman der
Masters Of Reality und dem Produzenten von Acts wie Kyuss, Queens Of
The Stone Age besteht. Musikalisch ist "Licker's Last Leg"
ein buntes Spektakel und Potpourri. Man erkennt etwas von den oben genannten
Bands im Sound von Goon Moon, ebenso wie von den neuen Folk Acts, wie
Devendra Banhart oder Johanna Newsom. Ausserdem spielen auf "Licker's
Last Leg" mit: Zach Hill (Hella), Josh Freese (The Vandals, A Perfect
Circle, Nine Inch Nails), Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Dave
Catching (Eagles Of Death Metal, Mondo Generator), Whitey Kirst (Iggy
Pop) und Peter Perdichizzi von The Flys. Durchaus eine interessante
und beeindruckende Liste an Namen, die für ein ebenso interessantes,
wie vielseitiges fast 55 minütiges Album stehen. Um mit Name-dropping
zu schliessen: Das gelungene Artwork stammt von Mackie Osbourne, der
fast alle Melvins Plattens seit 1994 gestaltet hat.
Rating: 8/10
Hero Dishonest "When The Shit Hits The Man" CD (Sabotage Records)
Geiles Finnen-Filet aus 21 Trash Stücken die durchweg arschtreten
und knallen. Hero Dishonest veröffentlichen nach über 300
Live-Shows mit "When The Shit Hits The Man ihr 4. Album und präsentieren
sich "tighter" und geschmeidiger denn je: hier wird nicht
nur stumpf nach vorne geballert, nein, sondern auch mal Raum und Luft
gegeben für 30 Jahre Punk Geschichte, in der ja bekanntlich viel
Platz hat: Black Flag, die Big Boys und Wrangler Brutes. Hero Dishonest
sind Hardcore-Punk mit Nuancen und allerlei wilden Drehungen, Wendungen
und genialen Rhythmen die schon tief verwurzelt im originalen US-Hardcore
verwurzelt scheinen. Das Artwork passt perfekt und das dicke Booklet
enthält die sarkastischen Lyrics von "When The Shit Hits The
Man".
Rating: 8/10
Insense "The Silent Epidemic" CD (Black Balloon Records)

Hier wird ein ganz schöner Dampfhammer losgelassen, der durch die
technische Finesse wie sie auch Bands wie The Dillinger Escape Plan
haben, besticht. Aber auch "moderne" Metal- Elemente (cleaner
Gesang, abgehackte Rhythmen etc.) von Bands wie Slipknot oder den angesagten
Nu-Metal Kapellen, zeichnen Insense aus. Und das, ohne nach Kopie zu
klingen. "The Silent Epidemic" ist also ziemlich vielfältig
und wird über die Spanne von 10 Songs nicht langweilig. Die Devise
lautet auch durchweg: Angriff! Insense zeichnet einerseits die Schnelligkeit
und Präzision der knallharten Stücke aus. Sie können
daher voller Wut und Rage zerfahren nach vorne preschen, andererseits
jedoch ist da Raum für seichtere Melodien mit klarem Gesang, melodischen
Riffs- und Leads. Das Artwork ist schön fies: Der Bauch eines Mannes
bricht auf und allerlei Gewürm und Schlangen bahnen sich ihren
Weg nach aussen. Dem Herren, dem das geschieht, scheint es zu gefallen,
oder wie ist sonst sein diabolisches Grinsen zu deuten?
Rating: 7/10
Josiah "No Time" CD (Elektrohasch Schallplatten)

Josiah bringen mit "No Time" einen dicken Brocken Fuzzrock
heraus, der unbedingt laut gehört werden will. Schon das klassische
Heavy Metal Artwork, vollkommen in Schwarz/ Weiss gehalten, stösst
bei mir auf pure Verzückung. Tonnenschwere Riffs, eine knöchern-trockene
Aufnahme und reichlich 70'er Heavy Metal Feeling sorgen für die
musikalische Begeisterung. Den Highway runter, Dosenbier, Trucks'n'Harleys
überall. Abendstimmung. Und ab in den Sonnenuntergang geht's. "No
Time" strahlt eine gewisse Kompromisslosigkeit aus, denn es scheint,
als schere sich das Trio aus England nun mal gar nicht um irgendwelche
Attitüden, hier geht es nur um die Liebe zum schweren Rock. Die
dunklen Lyrics der 9 Stücke geben dem Album noch die nötige
apokalyptische Würze. Die beiden ersten Josiah Alben, der selbstbetitelte
Erstling, sowie "Into The Outside" werden wegen der grossen
Nachfrage im Juli von Elektrohasch wieder veröffentlicht. Die Band
befindet sich in den nächsten Wochen und Monaten auf ausgedehnter
Europatour.
Rating: 8/10
Malkovich "Kings N' Bosses" CD (Go Kart Records Europe)
Malkovich entziehen sich beharrlich jeglicher Kategorisierung und haben
es dadurch vielleicht schwerer einen festen Platz in einer Szene zu
finden. Nach Reflections sind die 5 sympathischen Holländer nun
bei Go-Kart Records gelandet und veröffentlichen mit "Kings
N' Bosses" ein dynamisches, eingängiges und abwechslungsreiches
neues Album mit 12 Stücken. Lustig, nach wie vor tragen die Lieder
keine Titel sondern sind nur schlicht durchnumeriert, im Fall von "Kings
N' Bosses" heisst das Nummer 042 bis 047, was vermutlich für
die Gesamtzahl an geschrieben Songs steht. Malkovich vereinen auf "Kings
N' Bosses" gekonnt Elemente aus verschiedenen Genres wie Hardcore,
Punk, Metal, Rock und sogar Jazz. Immer wieder erinnert die Band an
Refused, was aber keineswegs nach einer plumpen Kopie klingt, sondern
eher auf die Art des Songwriting verweist. Dass auch nerviger Techno
mit in die Musik einfliesst um nach kurzem Beatintermezzo voll nach
vorne loszurocken, unterstreicht zwar den Spass-Faktor und Party-Charakter
des Albums, hätte aber meiner Meinung nach nicht sein müssen.
Rating: 7/10
Mathon "Muntsuleij" CD (Everest Records)
Mathon ist ein auf über 1500 Metern gelegenes Dorf in den Schweizer
Bergen mit einem unvergleichlichen Ausblick auf die Schweizer Alpen.
Seit dem Jahr 2003 besucht "Aurel" Leuenberger den stillen
Ort immer wieder mit verschiedenen Musikern, um, inspiriert von der
Umgebung, Musik aufzunehmen. Die 5 enthaltenen Stücke auf "Muntsuleij"
wurden im März 2006 mit Thomas Augustiny, Markus Koller und Roger
Stucki aufgenommen. Sie reflektieren den Einfluss der kalten, verschneiten
Berglandschaft unmittelbar in mächtigen, nebligen wie hochaufgetürmten,
von monströsen Wolken verhangenen, Klangbildern. Die Stimmung der
fünf Ambient- und Drone-Stücke ist eiskalt. Dumpfe Schläge
und Knacken hören sich an wie tiefe Gebirgshöhlen in denen
das Eis bricht, sich Lawinen mächtige Abhänge hinunterstürzen
oder sich plötzlich der Wind dreht und in Sekunden die Berge von
Wolken verhangen sind und ein Schneesturm losbricht. Teilweise wirken
die Klänge wie ein Schneegrab: Da liegt man unter dem Schnee begraben
und hört nichts als die Geräusche der Natur, die einen in
ihren Klauen hat. Klaustrophobische Zustände vermengt mit weiten
Panoramabildern und gleißendem Licht. Grandios.
Rating: 8/10
Neurosis "Given To The Rising" CD (Neurot Recordings)
Eines vorweg, der Soloauftritt von Steve von Till im Rahmen seiner Promo-Tour
Anfang April unter dem Harvestman-Banner hat mich eher enttäuscht,
wie begeistert. War noch das anfängliche Material seiner zwei Solo-Alben
atmosphärisch und durchaus überzeugend, so waren die anschliessenden
Stücke aus dem Harvestman-Repertoire eine komplette Blamage für
den Herren, da er praktisch nichts seiner "Lashing The Rye"
CD live umsetzen konnte. Und ganz ehrlich, diese ewige "Blut-Fluss-Ahnen-Symbolik"
fängt mich langsam auch an zu nerven. Und auch wenn "Given
To The Rising" überzeugend ist; es sind eben Neurosis und
die erfinden sich nach über 20 Jahren auch nicht mehr neu. Klar,
müssen sie auch nicht. "Given To The Rising" wirkt wieder
direkter, erdiger und ein Tick schwerer wie der Vorgänger. Die
Band scheint die Langsamkeit neu entdeckt zu haben. Langsam, zäh
und psychedelisch klingt "Given To The Rising". Diese psychedelischeren
Elemente sind neben der rohen Ungehobeltheit im Sinne vom Klassiker-Album
"Enemy Of The Sun" die Neuerungen zum Vorgänger "In
The Eye Of Every Storm". Mit "Given To The Rising" meldet
sich die Band einmal mehr als absolut markant, durchschlagend und mächtig
zurück und wird somit kaum einen der zahlreichen Fans enttäuschen.
Wie viele Alben braucht man noch von den Berufsneurotikern!?
Rating: 7/10
Nine "It's Your Funeral" CD (Spinefarm Records)
Einsame Wiese, kahle Bäume, vertrocknetes Gras. Wer hat mich herbestellt?
Zack, neben mir fährt ein Spaten in die Erde. Shit man, woher kommt
denn der? Ok, der Sensenmann ist da. Alles klar. So einfach, so lakonisch
steckt da der Spaten neben mir in der Erde. Weit und breit niemand zu
sehen, aber ich spüre, er ist da. Graben anfangen, die oberste
Schicht ist durch das lange Gras vom letzten Sommer zäh, die Erde
gefroren. Bald kommt Schnee. Ich hacke mich durch. Verzweiflung, verdammt
warum ich? Hilft nichts, weitermachen, das Leben noch ein letztes Mal
am Schlawittchen packen. Wurzelwerk, ich brauche meine ganze Kraft.
Die Hände platzen auf, Blutschlieren am Griff des Spatens. Scheisse
zwar, aber nicht nur das tut mir weh. Haufenweise weiche Erde, immer
nur heraus damit, das Loch ist noch nicht tief genug, nicht weit genug,
nicht breit genug. Schweiss und Angst. Tränen und Blut. Die letzte
Wut. Es ist deine Beerdigung, also mach' dich bereit. Und noch was,
die Beerdigung ist um neun... Ok, Scheisse Mann, das war klar.
Rating: 7.5/10
Oh Lucky Star "A Place In The Sun" CD (Rhythm Ace Recordings)
Oh Lucky Star machen sperrige, verschrobene Instrumentalmusik, die man
am besten mit Filmmusik zu irgendwelchen "Tarantino-Style-Movies"
vergleichen könnte. Die 10 Stücke sind allesamt dynamisch,
druckvoll und meist so mitreissend, dass man das Interesse an "A
Place In The Sun" nicht verliert. Zahlreiche Einflüsse und
Stile wie Country oder afrikanische Gitarrenmusik hört man heraus.
Die musikalischen Landschaften, welche die Band kreiert erinnern an
weite Steppen, trockene Erde, staubige Luft und karge Buschlandschaft.
Manchmal unterliegt den Songs so ein seltsame Beschwingtheit (hat was
von schwarzem Humor) die darauf verweist, dass es der Band bestimmt
Spass macht, zu dritt live zu spielen und sich gegenseitig mitzureissen.
Der legendäre Jim Diamond (Dirtbombs, White Stripes) ist von Oh
Lucky Star so begeistert, dass er direkt Interesse angemeldet hat, die
Band zu produzieren. Das Artwork ist Understatement pur und das Gelbgrün
des Covers zeigt auch visuell die verschrobene, sperrige aber charmante
Haltung von "A Place In The Sun" an.
Rating: 7/10
Or,
The Whale "Light Poles and Pines" CD (self released)
Or, The Whale haben sich im Jahr 2005 in San Francisco, CA gegründet
und für ihr relativ junges Bestehen schafft es die aus 7 Leuten
bestehende Band recht abwechslungsreiche, dynamische und vielfältige
Lieder zu schreiben. "Light Poles and Pines" ist im weiteren
Sinne epischer, schöner Indie Rock Pop mit einem Hang zu traditioneller
amerikanischer Folk- und Country Musik. Or, The Whale vermitteln mit
ihrem Debüt Album beides: Gefühl und Gespür für
Harmonien die den Hörer einnehmen, wie auch das Spiel mit den lauten
Tönen und direkteren, intensiveren Rock'n'Roll'n'Country Melodien,
die wie ein Auftritt in einer Bar wirken. Clichéhaft wirken Or,
The Whale dabei nicht, was sie um so interessanter, authentischer und
"frischer" macht. Die CD ist in ein Digipack gefasst, welches
optisch die die Country-Seite der Band schön interpretiert und
wiedergibt. "Light Poles and Pines" wurde von der Band selber
veröffentlicht und ist über orthewhale.com zu erstehen.
Rating: 7.5/10
The
Blackout Argument "Munich Angst" MCD + "Munich Valor"
MCD (Bastardized Recordings
 |
 |
Auch wenn
auf diesen beiden EPs sicher nichts neu erfunden wird, macht The Blackout
Argument Spass. "Munich Angst" die Debut EP der Band um ehemalige
Mitglieder von Paint The Town Red und Flyswatter bietet 5 kleine Hardcore
Granaten, die um allerlei moderne, melodische Facetten erweitert werden.
The Blackout Argument schaffen es auf jeden Fall, ein homogenes Gesamtbild
abzugeben, das mitreisst und Stimmung macht. Gesanglich erinnert mich
"Munich Angst" auch an Boy Sets Fire, ein Eindruck, der sich
auf der anderen, neueren EP "Munich Valor" noch verstärkt.
Während das Debut Album der Band bei Lifeforce Records erscheinen
wird, bringt Bastardized die einst bei Engineer in England erschienene
erste EP der Band, sowie "Munich Valor" mit 6 neuen Stücken
heraus. Diese sind dann doch etwas anders, The Blackout Argument haben
sich neu positioniert und liefern härtere, harschere Stücke,
die prägnant und nach vorne gespielt sind. Gefällt mir besser,
da sich die Band wesentlich spielfreudiger und energetischer zeigen.
Der geschriene Gesang hat auch zugelegt und die gesamte stimmliche Performance
wirkt bissiger, aggressiver und der cleane Gesang besser integriert.
Die Frage ist nur, ob The Blackout Argument dieses hier gezeigte Potential
auch über Albumlänge geschickt und intelligent halten können.
Hier jedenfalls gelingt es über die Länge von 5 Songs plus
Intro.
Rating: 7/10
Tomahawk "Anonymous" CD (Ipecac Recordings)
Zum Trio geschrumpft veröffentlichen die Herren Duane Denison (Jesus
Lizard), John Stanier (Battles, Ex-Helmet) und Mike Patton (Faith No
More, Fantomas...) ein ungewöhnliches Album, das diesmal dem Bandnamen
alle Ehre macht und sich wirklich mit indianischer Musik des frühen
20. Jahrhunderts befasst. Musikalisch ganz anders wie die Vorgänger-Alben,
aber trotzdem exzellent: Man könnte "Anonymous" gar als
Fantomas auf Reisen in den ewigen Jagdgründen sehen. Die 13 Stücke
sind von Pattons einzigartiger Stimme geprägt, die düster
indianische Gesänge zelebriert und interpretiert. Beim ersten Mal
noch für etwas nervig befunden, bleiben die Songs nach mehrfachem
Hören durchaus mit Wiedererkennungswert in den Gehörgängen
hängen. "Anonymous", der Albumtitel verweist auf die
zahlreichen unbekannten Quellen, aus denen diese indianischen Lieder
stammen. Tomahwak haben die Grundstrukturen und Themen verwendet, wie
sie beispielsweise von Natalie Curtis Burlin, die mit den Hopi Indianern
gearbeitet hat, übersetzt worden sind."Anonymous" ist
dabei sehr facetten- und abwechslungsreich, frisch etc. und man hätte
mit solch einem Album wohl kaum gerechnet.
Rating: 8/10
Unicorn/ Torso "s/t" CD (Divorce Records)
Diese Split CD ist Klangterrorismus der krasseren Sorte. Schon beim
ersten Track der CD von Torso geht einem der Arsch auf Grundeis. Ohne
Scheiss. Man stelle sich das Gekreische von Steve Austin von Today Is
The Day auf der "In The Eyes Of God", nur potenziert, quasi
auf Acid und Speed. Und das, unterlegt von fiesem, manipuliertem, kaum
ertragbarem, PC-generiertem, brutalem (White)Noise und von Tonnen von
Electronics. Herrlich erschreckend wie beeindruckend. Today Is The Day
auf Acid meets die Powerdrones von Skullflower. Hinter Torso verbirgt
sich der "Musiker" Sandy Saunders aus Kanada. Unicorn hingegen
ist das Baby des US-amerikanischen Sound-Veteranen Bill Nelson von Bastard
Noise und Sleestak. Sein Teil der CD ist ein netter, ruhigerer aber
düsterer Ausgleich zu Torso. Weiter Raum, Drones und feine elektronische
Spielereien. Die über 70 minütige CD erkundet auf intelligente
Weise das Gebiet von minimalen Drones und harschem, kraftvoll-brutalem
Noise. Das Artwork der CD ist auf braunen Karton gedruckt und wirkt
fast wie eine ruhige Fassung, um all das in Zaum zu halten was auf der
CD wiederum klanglich losgelassen wird. "Human sickness, Eyes of
hate, Running faster, Can't escape. In Solitude, i ease the pain, Knife
and violence, Black blood rain.
Rating: 8.5/10
Unsane "Visqueen" CD (Ipecac Recordings)
Unsane sind eine unermüdliche Band, die seit 1988 stetig und unablässig
ihren Weg geht und alle paar Jahre durch eine neue Platte von sich Reden
macht. Ihr schwerer Noise-Rock ist dabei zu ihrem unverwechselbaren
Kennzeichen geworden. Alben wie "Scattered, Smothered & Covered"
und "Occupational Hazard" gehören dabei zu den Highlights
der Band- Geschichte. Nachdem sie zuletzt auf Relapse mit "Blood
Run" doch etwas stagniert haben, überzeugt "Visqueen"
mit seinem fast 45 Minuten- verquertem Noise-Rock wieder voll und ganz.
Es ist direkt, ungeschliffen und klingt mindestens so kalt wie eine
gefrorene Leiche im Eisschrank im Keller... "Visqueen" wird
neue wie alte Fans begeistern und die wichtige Position der Band im
Underground noch weiter untermauern. Abzüge gibt es für das
fehlende Booklet und die dürftige Aufmachung.
Rating: 8/10
Wäldchengarten "Reservatet" CD-R (Verato Project)
Wäldchengarten ist der Soundtrack zu Teilen des Buches "Reservatet"
von Christian Haun. Wäldchengarten kommen aus Dänemark. Die
Musik dazu ist ein einziges, 30 minütiges Drone-Stück. Es
ist ausufernd, weit, laut und eher schwer wie schimmernd und licht.
Es hat etwas von Post-Rock und wirkt erdig und dann und wann psychedelisch.
Das Artwork suggeriert eher, dass es sich bei der CD um den Soundtrack
zu einem Film handelt, auf der Innenseite des Booklets sind Auszüge
aus dem Buch von Christian Haun abgedruckt.
Rating: 6.5/10
V/A
Expedition_2 "s/t" CD (Everest Records)
Die Expedition_2 Compilation gibt einen ausgezeichneten Eindruck über
das aktuelle und künftige Programm des (Schweizer) Everest Labels
in Sachen zeitgenössischer elektronischer Musik und Drones. Die
partizipierenden Künstler sind wie folgt: Alphatronic, D'incise,
[sic], Meienberg, Softland, Falls Of Mute, Hopen, Jotta, Paral-lel,
OP Rechts/ matu, Eakui, TSUKI, Steinbrüchel, Uniform und Misel
Quitno. Das "Schlachthaus-Artwork" ist einigermassen roh und
brutal, passt aber irgendwie bestens zu den 15 relaxten Tracks auf "
Expedition_2".
Rating: 8/10
Reviews - Summer 2007
108
"A New Beat From A Dead Heart" CD (Deathwish Music)

Nach der Diskographie CD im letzten Jahr und der limitierten Demo CD
zur letzt jährigen Tour hier nun nach über 10 Jahren ein neues
Studio Album von 108. Die Band zeigt sich 2007 weit nicht mehr so ideologisch
und extrem wie einst, denn viel hat sich verändert im Leben der
Herren, was sich auch optisch bemerkbar macht. Robert Fish hat einiges
an Gewicht zugelegt und Vic, der alte Verwandlungskünstler sieht
fast aus wie eine Transe. Bis auf den noch relativ jungen Drummer, Tom
Hogan, ist108 im Original Line-Up, bestehend aus Vic DiCara, Rob Fish
und Tim Cohen. Einigermassen skeptisch war ich ja schon, denn oft geht
das Experiment einer Wiedervereinigung nach langer Zeit schief. Nicht
so bei 108. Die Band veröffentlicht mit "A New Beat From A
Dead Heart" ein absolutes Kraftpaket, das mit viel Geschick und
Können überzeugt. Vertrackter, noisiger Hardcore mit brachialer
Energie, der über die 13 Stücke nicht langweilig wird. Überraschend
gut. Auch die Produktion von Kurt Ballou (Converge) ist kraftvoll, leicht
dreckig und schön rauh. Präzise und intelligent gleichermassen.
Die Texte sind intelligent-kritisch und haben eine gar poetische Dimension
und sorgen auch 2007 dafür, dass 108 eine Band mit Message sind,
die aber weit angenehmer schmeckt wie damals zur Hochphase der Krishna-Core
Bewegung.
Musikalische Einflüsse lassen sich auch erkennen, etwas Converge
in den chaotischen Teilen, Refused und Melodien die an Fugazi und Bad
Brains erinnern, wie etwa in "We Walk Through Walls". Die
Metal Attacke von Song namens "My Redemption Song" erinnert
stark an die 90'er und Bands wie Morning Again. Insgesamt haben diese
neuen 108 Stücke auch viel von Robert Fishs Band die er nach der
Auflösung von 108 gründete, The Judas Factor. Bleibt noch
das Artwork zu erwähnen, dass von Jacob Bannon (Converge) stammt.
Sicherlich gelungen, aber dennoch langweilig. Zu durchschaubar präsentiert
der talentierte Designer Bannon in letzter Zeit seine Arbeiten. Und
auch die Jungs von 108 müssen hierbei kritisiert werden: Jetzt
nach der ganzen langen Zeit wäre auch endlich die Möglichkeit
gegeben, sich im Artwork des Albums von dieser langweiligen, klischeehaften
indischen Krishna Symbolik zu verabschieden. Trotzdem, 108 haben sich
mit "A New Beat From A Dead Heart" wieder eindrucksvoll zurückgemeldet.
Rating: 8/10
AMP
"All Of Yesterday Tomorrow" 3xCD (RROOPP)
AMP haben sich in ihrer 15 jährigen Existenz immer als Experimentierfeld
und Garant für zeitgenössische und experimentelle Musik verstanden
und etabliert. Die Band um Richard Amp und viele, wechselnde Mitglieder
veröffentlicht mit der fulminanten 3xCD "All Of Yesterday
Tomorrow 38 Stücke, die den Bogen um eine ganze Dekade spannen;
für die Gesamtheit des AMP Oeuvre stehen. "All Of Yesterday
Tomorrow" beinhaltet dabei 12 unveröffentlichte Stücke,
verschiedene Alternativ-Versionen, Outtakes, sowie die Tracks des ausverkauften
Single-Albums "Passé, Présent" (1998), einige
Vinyl-Only-Tracks sowie Sampler Beiträge. Die 3 Cds kommen in einem
wahrhaft dicken Digipack, der auch noch ein beinahe ebenso dickes, zwanzigseitiges
Booklet mit vielen Fotos, Beiträgen, Diskographie und Biographie
enthält. Das Digipack ist stilvoll und detailliert gestaltet. Musikalisch
wird soviel geboten, dass dafür die kurze Besprechung und der Wortschatz
des nichtigen Rezensenten kaum ausreicht: Hier spielt man sich durch
sämtliche Genres des Experimentellen, von A wie Ambient, über
E wie Elektronica, F wie Field Recordings, P wie Postrock oder S wie
Spacerock. Die Vielseitigkeit und Ideenvielfalt überrascht mich
dabei immer wieder auf das Neue, und lässt "All Of Yesterday
Tomorrow" zu einem gar unerschöpflichen Quell werden, den
es immer wieder neu zu entdecken und entschlüsseln gilt. Wunderbar.
Rating: 8/10
Chang FFOS "Trust This Arcane Device" CD (Moonlee Records)

Chang FFOS geben auf "Trust This Arcane Device" richtig Gas
mit einer intelligent und kraftvoll umgesetzten Mischung aus schwerem
Rock mit verschiedenen Einflüssen aus psychedelischem Rock, Sludge,
Doom, Noise und Wüsten-Rock. Dabei klingen sie, oder anders; ist
die Herangehensweise nicht unähnlich wie es die grossen Vorbilder
seit Jahr und Tag machen: Die Schwere und groovige Zerfahrenheit von
Neurosis, den stetig andauernden Energiepegel von Converge, die Durchgeknalltheit
von Kiss It Goodbye und Today Is The Day. All das findet man zuhauf
auf "Trust This Arcane Device" wieder. Und über allem
ein stetiges, breites Band aus kraftvollem Wüstenrock, Kyuss lassen
hier grüssen. Man sieht, ein Haufen Namen die hier genannt werden,
aber Chang FFOS schaffen es mit ihrem Sound tatsächlich von jeder
genannten Band etwas mit in ihre Musik einfliessen zu lassen. Und nichts
davon klingt kopiert. Heavyiness, Durchschlagkraft und Intelligenz über
die volle Spielzeit fast 47 Minuten.
Rating: 7/10
COG "Curseoverground" CD (Moonlee Records)
COG sind eine Band aus Osijek, Kroatien, die schon seit 1997 besteht.
Mir bislang allerdings unbekannt. Mit Sicherheit kann man sagen, dass
COG zu den besseren Bands im Bereich des Noise-Rock in Kroatien gehören.
Ihre Musik klingt dynamisch und spröde-abgehackt. Fesselndes Drumming,
dichter, wummernder Bass und lockere, hektische Gitarrenarbeit und der
melodisch-jammernde Gesang machen COG "Curseoverground" zu
einem Gesamtpaket aus 9 Stücken, dass mitunter sogar Shellac meets
Slinth Momente versprüht. Dass offensichtlichste Manko für
mich ganz persönlich ist die eher unterirdische Produktion. Sie
klingt zu dünn, zu metallisch... irgendwie meint man alles durch
ein Dachrinnenrohr zu hören.
Rating: 6/10
Hemlock "Bleed The Dream" CD (Candlelight Records)

Hemlock kommen aus Las Vegas, Nevada. Dort sind sie aber selten anzutreffen,
denn die Band geht lieber mit Acts wie Slayer, Hatebreed, Soulfly, Slipknot,
Sepulture und anderen Metal-Kapellen auf Tour. Musikalisch liegen dann
auch die 12 auf "Bleed The Dream" enthaltenen Stücke
irgendwo in diesem Terrain. Brutaler Metal, mit vielen Breakdowns und
melodischen Hooks (so they say...). Hemlock gehen einerseits und zumindest
teilweise schon gewitzt zur Sache, was "Bleed The Dream" etwas
metallerne Würze verleiht, andererseits ertrinkt die Band absolut
in den ganzen Klischees, die man sich nur so vorstellen kann und aus
dem Bereich zur Genüge kennt. Bis zur Kreativität ist es noch
ein weiter Weg. Live zündet Hemlock vor dem geneigten Publikum
bestimmt und kommen richtig... sagen wir "dick" rüber.
Rating: 5/10
Kiss The Anus Of A Black Cat "Turn Hegel On Your Head" 7"
(Implied Sound)

Folk is the new black! Gut, über den Namen lässt sich streiten,
aber die Musik ist ganz wunderbar. Kiss The Anus Of A Black Cat, das
Projekt um den Belgier Stef Irritant veröffentlicht nach 2 CD-Alben
auf Kraak nun eine erste Veröffentlichung auf Vinyl. Die 7"
Single enthält 2 Stücke, das erste fängt langsam und
steigert sich mit brodelndem, sich wiederholendem Singsang. Ein sehr
schönes, emotionsgeladenes Stück. Auch der Text. Erinnert
mich vom Gesang her an Current 93. Black Folk at its best. Besonders
schön und gelungen auch der Hintergrund Gesang/Chor. Das zweite
Stück ist etwas ruhiger und zerfahrener. Es strahlt eine eigentümliche
Melancholie aus, ist subtiler und langsamer. Das dezente Artwork, passend
zum weissen Vinyl stammt von Kristof Meers' Serie "The Inversion
of Hierachy". Kiss The Anus Of A Black Cat werde ich auf jedem
Fall im Auge behalten bzw. mir die beiden Alben anhören.
Rating: 8/10
Kongh "Counting Heartbeats" CD (Trust No One Recordings)
Kongh aus Schweden waren mir zuvor komplett unbekannt und doch ist "Counting
Heartbeats" das Beste, was ich seit Ewigkeiten gehört habe.
Das, was diese Platte so gut macht, ist, dass man sie nicht wirklich
fassen kann - vergeblich der Versuch, sie in eine Schublade stecken
zu wollen. Gewisse Referenzen liegen dennoch nahe: das Label von Tim
Bertilsson von Switchblade, Artwork von Seldon Hunt und man kann sich
schon ungefähr vorstellen, was dann auch musikalisch passiert.
Dabei wirken Kongh aber gleichzeitig frischer und "traditioneller"
als das meiste, was ich in letzter Zeit gehört habe. Irgendwo passen
Vergleiche mit Bands wie High On Fire, Neurosis, Mastodon oder Isis.
Vielleicht jedoch mehr in Bezug auf die Art und Weise wie diese sich
versuchen, als dass "Counting Heartbeats" nur ein irgendwie
zusammengebasteltes Plagiat wäre. Keiner der 5 Songs hat eine Spielzeit
unter 10 Minuten und die Produktion klingt unglaublich klar, direkt,
eindringlich. Kongh verstehen es mit ihrer Musik Landschaften entstehen
und wieder verschwinden zu lassen, ohne dass die einzelnen recht heterogenen
Stücke in Widerspruch zu einander geraten. Vor allem die clean-gespielten
Teile sind nicht nur ein Mittel, um sie danach, verzerrt und pseudobombastisch,
wie das so oft der Fall ist, aufzubauschen, sondern gerade diese machen
die Stücke äußerst dynamisch, und verleihen ihnen eine
neue Klangfarbe, ohne mit der Grundstimmung der Musik zu brechen. Insgesamt
ein äußert abwechslungsreich, mitreissend und konsequent
gespieltes und produziertes Album.
Anspieltip: "Adapt The Void".
Rating: 9/10
-Rezensiert von S. Schauber
New Idea Society "The World Is Bright And Lonely"
CD (Exotic Fever Records)
New Idea Society ist ja bekanntlich das Baby von Mike Law von Eulcid
und unterstützend von Stephen Brodsky (Cave In). Irgendwie hatte
ich auch angenommen, dass man Brodsky auch gelegentlich singen hört,
was aber nicht der Fall ist. Auch nicht weiter tragisch, da "The
World Is Bright And Lonely" auch so ein spannendes, interessantes
Album ist. Der grösste Pluspunkt liegt in der warmen Aufnahme,
die auch ohne Schnickschnack live gemeinsam eingespielt wurde. Nicht
zuletzt dadurch liegt über dem Album so eine gewisse 60'ies Stimmung,
Die 12 Stücke sind allesamt um die Lyrics von Mike Law gestrickt.
Ist man einerseits erstaunt über die simple Herangehensweise im
Songwriting, so überzeugt andererseits die Eingängigkeit und
Treffsicherheit der Lieder. Die Komplexität der Stücke offenbart
sich erst nach ein, zwei Durchgängen. "The World Is Bright
And Lonely" ist ein warmes, energetisch-geladenes und melodiös-kraftvolles
Album. Es fliesst von Anfang bis zum Ende. Die Aufmachung ist relativ
einfach und unspektakulär, aber die rot-gelben Farbtöne nehmen
die warme Live-Stimmung und das 60'ies Gefühl der Songs auf und
strahlen es visuell ab.
Rating: 7.5/10
NID "Solar Flare" (Verato Project)
NID ist ein weitgehend anonymer Zusammenschluss aus 3 Leuten, die hier
musikalisch die Entfernung von Basel, Bremen und München überbrücken.
"Solar Flare" ist eine atmosphärisch dichte und dunkle
Angelegenheit. Ein weites, flächiges Panorama wechselt mit wabernden,
schwülen "Urwald"-Momenten. Die 7 auf "Solar Flare"
präsentierten Ambiancen überzeugen auf jeden Fall, eine Live
Beschauung wäre sicherlich interessant. "A solar flare occurs
when magnetic energy that has built up in the solar atmosphere is suddenly
released." Mehr dazu im Booklet der limitierten CD Veröffentlichung.
Rating: 7/10
Ninth Desert "Collision H" 3" CD-R (Verato Project)
"Collision H" enthält eine lange, 20 minütige Soundcollage
die ziemlich dunkel und tief erscheint. Feld-Aufnahmen, rabenschwarze
Ambiancen und schwere elektronische Frequenzen wabern und brodeln irgendwo
ganz weit unten im Berg herum. Nur ein leichtes Drönen erinnert
immer wieder an diesen Klangkanal, der so dunkel und trostlos ist, dass
man, wenn man ihn entdeckt hat, auf keinen Fall hinuntersteigen möchte.
Die Aufmachung hingegen ist hell und simpel. Die kleine 3 Zoll CD-R
ist in eine schöne Kartonhülle zum aufklappen eingefasst.
Eine gelungene Veröffentlichung.
Rating: 7/10
Orphax
"Sand In Boxes" CD-R (Verato Project)

"Sand In Boxes" ist ein nettes, auf 60 Stück limitiertes,
Kleinod an Ambient und Drone, in dessen CD tatsächlich Sand zu
finden ist... und gar nicht mal so wenig, wie der Hörer erstaunt
feststellte. Auf dieser, seiner zweiten CD, untersucht Orphax verschiedene
Wege des Ambient und der Dronenwelt. Einerseits kratzig und noisig und
düster bis zum Anschlag. Andererseits atmosphärisch und erstaunlich
bedrückend. Field Recordings, Gitarren und einiges an Computer-Gewurschtel
sorgen hier für eine Reise in die dunkleren Gegenden und Abgründe
des Ambient. Eine nicht untypische Verato-Project Veröffentlichung.
Rating: 7/10
Pi Cab Alter "Kinoteraptik" CD-R + "Mémoire
De L'éther Fluctuanmémoire De L'éther Fluctuan"
CD-R (Verato Project
 |
 |
Schon
die Aufmachung der "Kinoteraptik" CD-R verspricht viel: Sie
ist eingefasst in einer kleinen runden Metalbox die wie eine Filmrolle
aussieht. Innen sind dann noch 3 kleine Dia-Streifen beigelegt. Musikalisch
bietet das französische Projekt auch eine interessante Reise durch
einen Kosmos von Klängen, Geräuschen, atmosphärischen
Dronen und tiefen Ambiancen. Kopfkino passt hier als Stichwort ganz
wunderbar. Streckenweise fast magische Atmosphären von mystischer
Tiefe. Zu hören am besten nachts im Dunklen statt eines dämlichen
Hörspiels zum Beispiel. Immer wieder werden die atmosphärischen
Parts durch noisigere Flächen durchbrochen, die nicht weniger hypnotisch
sind. Besonders interessant der Einsatz von subtilen Beats, die dem
ganzen noch mehr Bewegung geben. "Mémoire De L'éther
Fluctuanmémoire De L'éther Fluctuan" geht in die
gleiche Richtung, erscheint mir aber teilweise verspielter und direkter...
ja verträumter. Erinnert auch an Filmmotive von obskuren, alten
Filmen. Grossartige atmosphärische, flächige und vielschichtige
Klangcollagen für die man auch wieder Stunden in Ruhe braucht um
"Mémoire De L'éther Fluctuanmémoire De L'éther
Fluctuan" völlig zu durchschauen, was im Endeffekt ohnehin
nicht funktionieren wird. Die ätherische Atmosphäre, die immer
wieder hell und klar und so schimmernd hervortritt, ist beeindruckend.
Rating: 8/10
Pleasure Forever "Bodies Need Rest" CD (Conspiracy Records)
"Bodies Need Rest" ist eine posthume Veröffentlichung
von Pleasure Forever und beinhaltet unveröffentlichte und rare
Aufnahmen der Band. Zuerst als EP von 4 Coverversionen gedacht, sind
nun noch 4 weitere bis zu den frühen Tagen (1999) von Pleasure
Forever reichende Stücke dazugekommen. Die Stücke sind gelungen
und haben einen einzigartigen Touch, der wieder einmal bestätigt,
dass man immer wieder Bands entdeckt und für gut befindet, nachdem
sie das zeitliche gesegnet hat. Die 4 eigenen Stücke sind tolle
Indie-Rock Kracher mit einer ordentlichen Portion 90'er Grunge und "Schrammel-Attitude".
Bei den Coverversionen sind von Alice Cooper "Black Juju"
und von Black Flag "The Bars" hervorzuheben, zwei kleine Klassiker,
wie ich meine. Die Aufmachung ist simpel und relativ schüchtern,
genügt aber allemal um "Bodies Need Rest" zu einer Song-Collection
zu machen, die man gerne hat.
Rating: 8/10
Qui "Love's Miracle" CD (Ipecac)

Ok, anhand dieser CD muss mal wieder ein Exempel statuiert werden. Grund:
Die CD kam ohne Booklet ins Haus geflattert und das ist mir ein wenig
zu lieblos. Also liebe Labels, bitte schickt euren Kram in anständiger
Form, denn diese Publikation legt Wert auf den Gesamteindruck eines
Werks und dazu gehört nun einmal auch die optische Aufmachung.
Deswegen ungefähr locker 2 Punkte Abzug. Und da ich gerade in Urlaubslaune
bin, mache ich es mir einfach mit den Worten zum "Love's Miracle"
Album von Qui: Ja, es gefällt mir. "Love's Miracle" ist
eine eigentümliche Mischung aus Punk, Noise, Metal und allerhand
experimentellem Kram. Inklusive Coverversionen von Pink Floyd ("Echos")
und Frank Zappa ("Willie The Pimp"). Ach ja: David Yow von
The Jesus Lizard/ Scratch Acid singt hier.
Rating: 5/10
Souvenir's Young America "An Ocean Without Water"
CD (Crucial Blast)
Mit "An Ocean Without Water" veröffentlichen die Souvenir's
Young America ihr zweites Album nach dem Erstling auf Underradar. "An
Ocean Without Water" ist ein sechsteiliger Opus von atmosphärischen,
quasi-konzeptuellen Instrumental-Stücken, die eine gesunde und
kräftige Mischung aus Instrumental-Rock a la Red Sparowes und weiten
"Western-Landschaften" ist. Also mehr so Prärie-Rock
mit weiten Ebenen, trockener Hitze und flimmerndem, schimmerndem Licht.
Earth grüssen hier vorsichtig. Die Melodien sind schön und
präzise ausgearbeitet und die Produktion klingt angenehm dicht
und warm. "An Ocean Without Water" ist eine recht homogene
Angelegenheit. Auch gekonnt wirkt der Spagat von schweren, doomigen-Gitarren-Passagen
und einem 70'er Jahre Gefühl, das durch die Electronics und Keyboards
entsteht. Popuul Vuh und Prog-Rock Einflüsse standen hier wohl
mit Pate. "An Ocean Without Water" ist eine pulsierende, hypnotische
wie mächtig und episch-monumentale Platte, die auch die Tiefe und
Einsamkeit eines Canyons ausleuchten kann. Ganzen Tag mit dem Pferd
durch die Steppe geritten, Rothäute am Horizont. Geier kreisen,
da hat's wohl jemanden erwischt etc. You get the picture. Exzellente
Platte mit allem Drum und Dran und das Artwork des Digipacks in den
braun- und gelb Tönen ist auch ansprechend gestaltet.
Rating: 9/10
The Skull Defekts "Blood Spirits & Drums Are Singing"
CD (Conspiracy Records)
Nach einigen kleineren Veröffentlichu |