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Reviews
- Spring 2006 (all other reviews of the year 2006 below)
So,
es ist endlich geschafft, die Frühjahrsrezensionen sind endlich
fertig. Dieser Frühling ist extrem, unzählige Veröffentlichungen
drängen auf den Markt und wollen gehört zu werden. Es wurde
versucht so viel wie möglich zu besprechen, da zahlreiche gute
Platten dabei sind. Danke auch an Stefan für seine Beiträge.
Amen Ra "Mass III" CD (Hypertension Records)
Man kann bei dieser Band schon so einige Gründe finden, die Musik
nicht gut zu finden. „Amen Ra“ ist in der ägyptischen
Mythologie eine Gottheit: auch Amon-Ra bzw. Amon-Re: der König
der Götter. Irgendwoher kennt man das doch wohl… Auf der
CD befinden sich 6 Songs, bei ca. 45 Minuten Spielzeit. 3 davon waren
schon in der ein oder anderen Form auf vorherigen Releases zu hören
(Am Kreuz, Ritual, From Birth To Grave. Letzteres in einer anderen Version).
Vor, ich glaube, 2 Jahren habe ich Amen Ra als Vorband von Pelican in
Straßburg, Frankreich live gesehen. Ziemlich viel Spaß hat
mir das damals gemacht, auch wenn es an so mancher Stelle „zu
sehr“ nach älteren Cult Of Luna klang, danach hab ich immer
wieder versucht an Songs der Band zu kommen, aber ich war leider nur
mäßig erfolgreich. Mit der neuen Veröffentlichung dürfte
sich das wohl ändern und die Musik einem breiteren Publikum zur
Verfügung stehen. Vielleicht, oder wahrscheinlich, auch daher die
„Neuaufnahmen“ der schon veröffentlichten Songs. Musikalisch
ist das ganze oft etwas monoton, vielleicht könnte man auch „stumpf“
sagen, denn mit der Art von Minimalismus wie er z.B. auf der neuesten
Switchblade Veröffentlichung zu hören war hat das nicht allzuviel
zu tun. Nichtsdestotrotz ist Monotonie ein bewährtes Mittel um
Stimmung und Atmosphäre aufzubauen. Bei Amen Ra wird dahingehend
weniger subtil als vielmehr recht brachial zu Werke gegangen, und genau
das ist es was mit damals live und auch heute noch bei allen „Aber’s“
an der Platte so gut gefällt: dass sie bei allen Anleihen doch
immer ziemlich nahe und unverbraucht an dem so abgelutschten Begriff
„Metal“ bleibt.
Rating: 7/10
-Stefan Schauber
Bird Show "Lightning Ghost" CD (Kranky)
Nach "Green Inferno" ist "Lightning Ghost" nun das
zweite Bird Show Album um Ben Vida, welcher von vielen Projekten, unter
anderem Town & Country, Pillow oder Central Falls bekannt ist. "Lightning
Ghost" ist eine quirlige, meditative und mystisch wirkende Angelegenheit
und damit sicher nicht für jeden etwas. Das Album ist das Ergebnis
von Vidas heimischen Soundexperimenten und in seiner Vielfalt auch schwierig
zu beschreiben. File under Neo Folk/ Psych ist die richtige Richtung
um "Lightning Ghost" auf die Schliche zu kommen. Es fiepst,
knuspert und knarzt. Ja es nervt, fiedelt, hat hypnotischen Rhythmus,
wird zu Zeremonie unter Gleichgesinnten, ist laut, abgedreht und wummert
mit massiven Drones umher. Abgedreht, überdreht und trotzdem bewusst
strukturiert. Wer mit dem amerikanischen Free-Folk-Psyche Bereich kann
und bekannt ist, mag sich frei hier heran trauen. Stellenweise erinnert
der Gesang an Beck. All denen jedoch, denen meine Beschreibung eher
Verwirrung einhaucht, sollten lieber mit Vorsicht an Bird Show herantreten,
nicht dass "Lightning Ghost" dann tatsächlich zur verrückten
Vogelshow wird... Um so schöner die Überraschung aber, wenn
man direkten Zugang findet, so wie ich beim vierten ("First Path
Through") der neun Stücke.
Rating: 6/10
Black Ox Orkestar "Nisht Azoy" CD (Constellation)
Nach "Ver Tanzt?" das zweite Album von Black Ox Orkestar aus
dem Silver Mt. Zion, Sackville Umfeld aus Montreal, Kanada. Hierbei
handelt es sich um jüdische Musik, mit jiddischen Texten. Lustig
und durchaus nett anzuhören, aber sicher nicht für jeden etwas.
Ich mag die charmante, unkomplizierte Ausstrahlung der 8 Stücke
auf "Nisht Azoy". Die Lieder klingen warm, direkt und wirken
wie in einer Kneipe vor lauter gut gelaunten Menschen vorgetragen. Die
Instrumentierung bewegt sich zumeist im "klassischen" Rahmen
von Stimme, Geige, Drums etc. Alle vier Musiker von Black Ox Orkestar
weisen einen Hintergrund aus dem Folk, Punk-Rock und Free Jazz auf,
was man den Stücken unbedingt anhört. Musikalisch werden hier
verschiedene Musikrichtungen vom Balkan, Zentralasien, Arabien und slavischer
Musik zu einem bunten Teppich zusammengewebt. Textlich werden, soweit
ich das verstehen kann, auch eher klassische jiddische Themen bearbeitet.
Die folkloristische Aufmachung des Artworks passt mit seiner dezenten
Art gut zur Musik. Black Ox Orkestar sind mit "Nisht Azoy"
nicht etwas für jeden Tag und mit Sicherheit auch nicht für
jeden was. Aber wer mit dem Constellation Label bekannt ist, weiss dass
dies keine so ungewöhnliche Veröffentlichung ist.
Rating: 6/10
Boris "Pink" CD (Southern Lord Recordings)
Boris Fans haben es schwer, denn sie brauchen einen vollen Geldbeutel
um bei der Veröffentlichungsflut der Band mithalten zu können.
Zahlreiche Releases jedes Jahr in allen möglichen Versionen und
Variationen. Dies ist nun die "Pink" Version von Southern
Lord mit einem anderen Artwork als die Japanische. Spektakulär
anders sieht sie allerdings nicht aus, auch wenn Stephen O'Malley das
schöne Design kreiert hat. Aber sicherlich leichter zu bekommen,
war doch die japanische Vinyl Pressung in 500'er Auflage nach nicht
mal einer Stunde ausverkauft. Momentan tingelt das Power-Trio durch
Europa um seinen positiven Eindruck der letzt jährigen Tour mit
Sunn O))) auszubauen. Was mir nach ein paar Durchgängen von "Pink"
positiv auffällt: das erste Mal habe ich den Eindruck, dass Boris
es geschafft haben, ihre ganze Bandbreite an Stilen und Facetten auf
eine Platte zu bannen und zu konzentrieren. Auf "Blackout"
kommt die monströse, Gitarren-Drone Seite wuchtig zum Vorschein.
Auf Stücken wie "Nothing Special" oder "Six, Three
Times" kommt die zerfahrene Punk-Rock Seite zu Tage, während
Songs wie "Afterburner" nur noch psychedelisch, spaceig und
abgedreht wirken. 70'er Acid Rock wird einem mit japanischem Gesang
auf "Pink" sauber und direkt serviert. So gesehen also eine
ziemlich runde Sache und durch das Gespür für schräge
wie "catchy" wirkende Melodielinien haben Boris den Bogen
raus!
Rating: 8/10
Bricks For Shoulders "You Are, Therefore I Am" CD
(Far Between Records)
Massiv, brutal und sehr wuchtig holen Bricks For Shoulders mit einer
kleinen Besetzung, welche nur aus Gitarrist und Drummer besteht, weit
mehr aus ihren instrumentalen Möglichkeiten heraus, als so manche
08/15 Hardcore Band. Das gänzliche Fehlen des Basses fällt
nicht mal auf und die rohe Brutalität entstammt meist dem Gesang.
Deftiger Metalcore denkt man zuerst, aber Bricks For Shoulders sind
doch etwas mehr und variieren ihren Sound mit allerlei Indie und Post
Hardcore Elementen. Was auch immer das jetzt genau heissen mag. Die
7 Stücke auf "You Are, Therefore I Am" sind halt nicht
nur stumpfer Metalcore, auch wenn man das immer wieder denkt. Die hektischen,
jazzigen Linien und die Artsy-Licks, die immer wieder auftauchen, würzen
die Suppe, den deftigen Einheitsbrei. Meine Empfehlung: Jungs, baut
mehr abgefahrenes Zeugs ein, Jazz was weiss ich... dann kann das was
werden. Bands wie Candiria, Bloodlet etc. haben es vorgemacht. -
Rating: 6/10
Chihei Hatakeyama "Minima Moralia" CD (Kranky)
Mit "Minima Moralia" von Chihei Hatakeyama veröffentlicht
Kranky direkt ein gelungenes Album zu Beginn dieses Jahres. Chihei Hatakeyama
ist hauptsächlich mit Opitope im Raum von Tokyo zu Gange, ausserdem
ist er noch in der Improvisationsgruppe Copa del Papa tätig. Ob
sich Chihei Hatakeyama beim Titel seines Erstlingswerkes von Adornos
Frühwerk mit dem gleichen Titel inspirieren liess, soll hier nicht
weiter beleuchtet werden. Die 52 Minuten Musik auf "Minima Moralia"
hingegen in Augenschein zu nehmen, lohnt sich allemal. Die warmen, ausufernden
Klangbilder – und Landschaften, teils fernöstlich anmutend,
kreiert Hatakeyama mit verschiedenen Instrumenten (Gitarre, Vibraphon...)
und verarbeitet sie dann mit Hilfe des Laptops zu dem homogenen Erlebnis,
das "Minima Moralia" ist. Die Drones ziehen sich weitläufig
hin, plätschern unentwegt in Bewegung, von sanftem Rauschen unterlegt,
durch ein Klangtal das nie zu enden scheint. Klare, warme und feingewebte
Harmonien schmelzen zusammen zu einem dichten Netz an Tönen, sie
haben die Kraft zu tragen, wirken aber gleichzeitig sehr intim und zerbrechlich.
Vielleicht liegt hierin die Besonderheit von Hatakeyamas "Minima
Moralia".
Rating: 8/10
Cortez/ Ventura "s/t" Split 10" (Get A Life!
Records)
Hier die zweite Veröffentlichung eines noch jungen, schweizerischen
Labels, das von Leuten betrieben wird, denen es ein Anliegen ist, gute
Musik auf einer unabhängigen Basis zu veröffentlichen. Und
mit Cortez, die ich von meiner Arbeit für sie kenne und schätze
hat das Label einen guten Griff gelandet. Beide Bands sind mit je 2
Track auf dieser 10" EP vertreten. Während Cortez gewohnt
brachial, noisig und einigermassen komplex agieren, sind Ventura weitaus
rockiger, rhythmischer und ausgelassener. Beides fügt sich aber
bei dieser auch optisch nett gestalteten 10" gut zusammen und lässt
keine Eintönigkeit aufkommen. Das Sprungbrett für Ventura
um richtig Musik zu machen war die Verwendung ihrer Musik im Film "Rollow"
von Emanuelle Antille, der auch beim Internationalen Film Festival in
Locarno gezeigt wurde. Ihr Sound ist ebenfalls noisig, aber lange nicht
so brutal und durchschlagend wie der von Cortez. Die stimmliche Emotionalität
von Ventrua erinnert mich hin und wieder an Walter Schreifels zu Rival
Schools oder Walking Concert Zeiten. Nicht so schlecht also. Cortez,
weitgehend immer noch Geheimtip, haben erst kürzlich ihr Album
"Initial" veröffentlicht, das von überall mit positiven
Rezensionen auf sich aufmerksam macht.
Rating: 7/10
Cortez "Initial" CD (Exutoire Records/ Radar Swarm)

Cortez aus der Schweiz… Bands aus der Schweiz? Hmm… Celtic
Frost? Knut. Allzu viele Bands kommen mir da im Moment nicht in den
Sinn. Relativ offensichtlich begibt man sich jedoch hier in das Fahrwasser
der letztgenannten. Bands wie eben Knut sind kein allzu schlechter Vergleich.
Düster-bedrohlicher „Hardcore“, der mit Verspieltheit
und technischer Finesse wieder die Geschwindigkeit in ein Genre bringt
das sich langsam schon verabschieden wollte. Anleihen an die „großen“
Bands wie Cult Of Luna werden hier mit der chaotischen Intensität
von Bands wie z.B. Breather Resist gekonnt verbunden.
Dass Cortez aus der etwas ungewöhnlichen Formation von nur 2 Instrumentalisten,
Schlagzeug und Gitarre, sowie einem Sänger besteht sollte wohl
noch erwähnt werden. Zumindest auf der CD vermißt man kaum
eine zweite Gitarre oder den Bass. Manchmal denkt man sich nur, dass
eben mit zumindest einem Bass mehr Dynamik möglich gewesen wäre.
Auf einer CD sind solche „Einbußen“ natürlich
relativ einfach zu überbrücken, bzw. tut die (leider etwas
„digital“ klingende) Produktion ihren guten Teil daran,
dass das Soundgewand nie zu dünn wirkt. Wie das ganze dann Live
klingt würde mich schon sehr interessieren. Mein persönlicher
Favorit: Song 2: „Mine De Rien“.
Rating: 6/10
-Stefan Schauber
Cretin "Freakery" CD (Relapse Records)
"Freakery" ist das Debut Album von Cretin, einem Grindoutfit
mit Leuten von Exhumed, Repulsion und Citizen. In der Szene scheinbar
seit langem herbeigesehnt, denn die erste EP der Band hat sich anscheinend
problemlos ein paar tausend Mal verkauft. Auf "Freakery" knüppelt
sich die Band in bester späte 80'er Grindmanier gepaart mit Elementen
des Death Metal durch 16 schnelle, dreckige Stücke und kreiert
damit einen richtigen Kotzbrocken an Musik. Am Ende des fünften
Tracks ist auch das erste kurze Solo zu hören. Trotzdem, mich reizen
Alben wie diese überhaupt nicht. Da passiert mir auf die Albumlänge
gesehen zu wenig und ist mir schlichtweg zu langweilig, auch wenn das
in einschlägigen Kreisen als Offenbarung gehandelt werden mag.
Rating: 3/10
Diario "Things In The Mirror Appear Closer Than They Are"
CD (Velocity Sound Records)
Faszinierend was diesen Frühling alles so erscheint, neben dem
neuen Album von Ostinato ein absolutes Highlight für mich in diesem
Segment. Leider habe ich aber "Things In The Mirror Appear Closer
Than They Are" nur als CD-R ohne grossartige Cover etc. bekommen.
Trotzdem weil die Musik so grossartig ist, soll hier nun ein kurzer
Blick auf Diario geworfen werden. Als Grundbesetzung besteht die Band
aus 3 Mitgliedern, die aber auf ihrem nun dritten Album durch 2 Gäste
nicht unwesentlich, wie ich meine, ergänzt und unterstützt
werden. Instrumentaler Rock im weiteren Sinne spielen Diario, der sich
durch eine schöne Art von Kompaktheit und Homogenität hervortut.
Spielfreude und Experimentierfreudigkeit, ebenso wie Zurückhaltung
und von Melancholie getragene Stimmungen, beherrschen die Leipziger
gleichermassen. Musikalisches Können, Gespür für Melodien
und eine Instrumentierung, die irgendwie so entspannt gleichberechtigt
klingt, machen "Things In The Mirror Appear Closer Than They Are"
zu einem der besseren, interessanteren Hörerlebnisse diesen Frühlings.
Rating: 8/10
Disco Doom/ Ventura "s/t" Split 10" (Get A Life! Records)
Weiter oben wurde die zweite Veröffentlichung von Get A Life! Records
besprochen, und mit dieser Disco Doom/ Ventura Split 10" nun die
Erste. Die Zürcher Disco Doom sind schon seit Ende der Neunziger
dabei und musizieren sich mit ihrem lauten Rock mit Pop-Appeal durch
den schweizerischen Underground. Neben 2 Alben und diesem Split Beitrag
veröffentlicht die Band bald ihr drittes Album. Hier sind zwei
treibende, rockende Songs von Songs von Jack, während Ventura weiterhin
durch ihren emotionalen, kehligen Gesang auffallen. Während man
bei den Songs der Split mit Cortez noch Vergleiche zu Walter Schreifels
(Rival Schools, Walking Concert) ziehen konnte, wirkt der Gesang diesmal
cleaner und eigener. Zu erwähnen ist noch, dass Ventura aus ehemaligen
Mitgliedern von Iscariote und Ilord bestehen. -
Rating: 7/10
Earthride "Vampire Circus" CD (Southern Lord Recordings)
Traditioneller, mit Absicht zurückgebliebener Doom Metal, der vom
rauhen Klang und der kehligen, versoffenen Stimme von Sänger David
Sherman lebt. Lustig die Whiskey Flasche auf den Tisch! Klingt als ob
Lemmy auch dabei wäre. Die brutale, wahrlich nicht auf diamantenen
Feinschliff ausgelegte Produktion kommt von Mike Dean, dem Basser von
Corrosion Of Conformity. Optisch auch in typischer metallener Orthographie
unterwegs und auch die extra grobkörnigen Bildausschnitte, untermalen
nur den Eindruck den man beim hören dieses Biestes bekommt. Schwer
verdaulich und mit tonnenweise mächtigem Groove ackert sich die
Band durch die 10 wuchtigen Stücke auf "Vampire Circus".
Manchmal ist man geneigt anzunehmen, dass diese dreckige Rockwand, dass
der Truck namens Earthride gleich völlig zum erliegen kommt, einfach
stehen bleibt und auseinanderfällt. Ich bleibe schon nach dem zweiten
Track sturzbesoffen im Graben liegen und passe. Trotzdem nett anzuhören.
Rating: 6/10
East West Blast Test "Popular Music For Unpopular People"
CD (Ipecac Recordings)
Wieder so ein wahnwitziges Projekt, das bestens auf Pattons Ipecac Label
aufgehoben ist, fehlt nur noch, dass der Meister da auch mitmischen
würde. Ist aber nicht wirklich von Nöten, denn "Popular
Music For Unpopular People", das zweite Album der musikalischen
Verbindung von Chris Dodge (Spazz, Burn Your Bridges, Stilky, No Use
For A Name etc.) und dem grossartigen Schlagzeugmeister Dave Witte,
der durch seine Arbeit bei Bands wie Melt-Banana, Discordance Axis,
Municipal Waste, Burnt By The Sun, Phantomsmasher, Humans Remains etc.,
bekannt ist, überzeugt auch so. Zur Arbeitsweise von East West
Blast Test: Witte hat immer wieder im Studio ganze Drum Tracks aufgenommen
und seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Dass er da recht experimentierfreudig
gewesen ist, versteht sich von selbst. Drum Tracks mit irren Geschwindigkeiten
und einer Komplexität, für die die der Name Witte steht und
bekannt ist. Dann hat er Dodge die Aufnahmen von New Jersey nach Kalifornien
geschickt und der sah sich der herausfordernden Aufgabe gegenübergestellt,
damit was anzufangen und dazu Musik zum schreiben. Hat er getan und
nicht weniger interessante Ideen parat wie Witte. Dodge hat sich dazu
verschiedene Musiker eingeladen, die ihm in der Instrumentierung der
Lieder zur Seite standen. Diese ist ihm auch meiner Meinung nach gelungen.
Stilistisch bewegen sich die 23 Stücke in einem weiten, freien
Feld. Es reicht locker von Grindcore, Noise, Thrash zu irgendwelchem
experimentellerem Funk Kram, Lounge und Jazz-Licks sowie allerlei vielen
anderen Nuancen und Schichten. Hier werden Grenzen neu überdacht
und Rahmen gedehnt wie gesprengt. -
Rating: 7/10
Enablers "Output Negative Space" CD (Neurot Recordings)
Nach "End Note" das zweite Album dieser Band um ehemalige
Mitglieder von Swans, Tarnation, Nice Strong Arm , Toiling Midgets etc.
und mit dem Underground Literaten Pete Simonelli, dessen Sprechgesang
eine recht eigenwillige, private wie melancholische Stimmung erzeugt.
Mal lauter, mal leiser plätschern die 9 Stücke so vor sich
hin. Simonelli veröffentlicht seit Jahren seine literarischen Ergüsse
in einschlägigen Journalien und mit den Enablers werden seine Gedichte
das erste Mal auch musikalisch unterlegt. Natürlich sind alle Texte
im Booklet abgedruckt und ein näherer Blick darauf lohnt sich.
Interessant sind die Wechsel von Stimme und Instrumentierung: mal hat
man den Eindruck die Musik bewegt sich nur um die Stimme Simonellis,
mal scheint die Musik die Richtung der Vocals zu bestimmen und ist der
Musik ganz Untertan. Mit "Output Negative Space" ist den Enablers
wieder eine schöne, dynamische und rhythmisch abwechslungsreiche
Platte gelungen, welche in den Abendstunden gehört, nicht langweilig
wird.
Rating: 7/10
Fear Falls Burning "The Carnival Of Ourselves" LP
(Tonefloat)
Musikalisch wie optisch sehr schön gestaltete LP, die in der "C"
Vinyl Reihe von Tonefloat für experimentelle Musik erschienen ist.
Die Auflage dieser Lp auf klarem 180g Vinyl ist 3x100 Stück und
wird separat nacheinander verkauft. Dies hier ist also die erste Pressung
in einem ästhetisch hochwertigen wie schlichten, handgemachtem
Cover. "The Carnival Of Ourselves" unterscheidet sich wohl
in seiner sehr atmosphärischen Art vom Vorgängerwerk "He
Spoke in Dead Tongues".
Warme, weiche gitarrengenerierte Drones und Loops erfüllen den
Raum und breiten sich wellengleich aus, treffen auf Widerstände
und wabern wohlig zurück. "The Carnival Of Ourselves"
ist eine in sich stimmige Platte, sie wirkt wie eine dichtgewebte Einheit,
die nur durch das Wenden der Platte kurz unterbrochen wird. Die direkte,
ursprüngliche Art der beiden langen Ambiancen zeigt sich auch,
wie angedeutet, im Artwork. So ist die Numerierung jeder Platte und
das Wachssiegel nur der Abschluss, die "The Carnival Of Ourselves"
für jeden Hörer zu einem Kleinod machen.
Rating: 8/10
Final "3" Do-CD (Neurot Recordings)
Final ist JK Broadricks erstes Projekt überhaupt. Gestartet im
Alter von 13 (!) Jahren war Final immer eine Experimentierplattform
des Ausnahmemusikers von Napalm Death, Godflesh, Techno Animal, Jesu.
Mit "3" kommt nun ein weiteres, eben drittes, Album mit über
2 Stunden an obskurer, dunkler Musik heraus, das sich in einem weitgehend
freien Raum von Ambient, Drone und Industrial bewegt. Klaustrophobie
auslösende wie auch sphärische Klangcollagen entstehen auf
"3", dunkle Räume werden geöffnet, man schreckt
zurück, findet aber auch Ruhepole von emotionaler Tiefe und Bewegung.
Entstanden ist das Material dieser Doppel-CD zwischen 2000 und 2006.
Eine Schwierigkeit ist vielleicht die immense Länge des Albums,
in einem Durchgang kommt da wohl niemand durch. Eigentlich aber nicht
schlimm, da man gut und gerne immer mal wieder in die CD hören
kann. Es spielt kaum eine Rolle wo man ansetzt, unterbricht und wieder
anknüpft. Die Für JK Broadrick typischen Stimmungen findet
man auf "3" auf alle Fälle wieder: melodische, warme
und atmosphärische Momente ebenso wie diese statisch-kalten und
mechanisch-maschinell wirkenden Industrial Stimmungen. Demnächst
mit Jesu auf Tour live zu erleben. -
Rating: 8/10
Feu Thérèse "s/t" CD (Constellation)
Schöne Nosie-Rock/Impro-Jam Platte die mir bis auf den wenigen
französischen Gesang gut gefällt. Feu Thérèse
ist definitiv etwas für Leute die The Psychic Paramount und Pharaoh
Overlord mögen, denn von beidem ist etwas auf dieser selbstbetitelten
5 Song CD zu entdecken. Während viele quirlige, nervige Free-Impro
Parts an die Überdrehtheit von The Psychic Paramount erinnern,
führen mich die langen, sich langsam steigernden, hypnotischen
Strecken zu Pharaoh Overlord. Avangarde-Rock mit einer winzigen Pop
Referenz, die in den harmonischen, sphärischen Parts und dem französischen
Gesang deutlich werden. Schnell, und ich bin geneigt zu sagen glücklicherweise,
zerbrechen diese Momente wieder durch Disharmonie und noisige strukturelle
Schräglagen, die gerne auch mal die eine oder ander Richtungsänderung
hervorrufen, aber immer wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren.
Die Produktion ist organisch und das sich Aufbauen und Hin und Her,
Auf und Abwogen der 5 langen Songs in über einer Dreiviertelstunde
Spielzeit tritt dabei gut heraus. "..Between Dark Side Of The Moon,
Sun Ra, Kabuki music and the zoo."
Rating: 7/10
Ghostigital "In God We Trust" CD (Ipecac Recordings)
Ganz ehrlich, "In God We Trust" ist eine hibbelige, nervenaufreibende
Angelegenheit, die aber keinesfalls langweilig oder nicht gelungen ist.
Musikalisch sind Ghostigital um Sugarcubes Mann Einar Orn schwer zu
beschreiben, verrückte wie nervende Raps, Geschrei, Jungle, Drum'n'Base,
80'er New Wave, Elektro, noisige Attacken und Hip-Hop sowie allerlei
andere Elemente sorgen für eine krude wie klanglich bunte und abgedrehte
Mischung. Auf Dauer anstrengend und schwerlich zu ertragen, aber für
Ipecac keine ungewöhnliche Platte, die Qualität hat. Als Gäste
auf "In God We Trust" vertreten: Sensational, Mark E. Smith,
Katiejane Garside, Dälek, Steve Beresford, Mugison and Ása
Júníusdóttir. Electric is the word!
Rating: 6/10
Gracer "Voices Travel" CD (Revelation Records)
Nach dem Ableben der Revelation Star-Band Elliott hier vielleicht die
nächste wichtige Band die dieses Platz ersetzen kann!? Also an
Elliott werden Gracer sicher nie herankommen, aber auf "Voices
Travel" gehen sie einigermassen geschickt mit treibendem Rock,
Melodie und emotionaler Einschlägigkeit um. nach vorne gehender
Rock gepaart mit Momenten von 90'er Emo im Stile von Sunny Day Real
Estate und eben viel Elliott. Die Atmosphäre die das Trio in den
10 Stücken auf "Voices Travel" aufbaut und schafft, überzeugt.
Zumindest streckenweise. Denn nach der Hälfte der Songs hat man
das Gefühl schon mehr als nur 5 Lieder gehört zu haben und
sehnt sich nach mehr Abwechslung und sucht nach dem "Hitcharakter"
der Songs. Stimmlich manchmal durchaus nahe an Jonathan Bunch (Sense
Field, Further Seems Forever), zieht der Sänger die Songs immer
wieder aus der Belanglosigkeit heraus, Spannungen entstehen. Die Gitarre
driftet ab und an ins spacige, während der Bass das Ganze am Boden
hält und ausgleicht. Die Drums klingen einigermassen hart, aber
dezent mit eingemischt. Melancholie kommt auch immer wieder durch die
emotional weicheren Momente mit Klavier zum Vorschein. Produziert hat
"Voices Travel" Kevin Ratterman von Elliott, womit auch formal
der Bogen zu selbigen geschafft ist und somit jeder Elliott Fan Gründe
finden kann sich mit Gracer zu beschäftigen.
Anspieltip: "Waiting For Departures"
Rating: 6/10
Gregg Kowalsky "Through The Cardial Window" CD (Kranky)
Der in Oakland, Kalifornien beheimatete Gregg Kowalsky hat einen Master
of Fine Arts Abschluss in Electronic Music and Recording Media. "Through
The Cardial Window", das Debut Album von Kowalsky besteht aus 7
Ambient/ Drone Tracks, die unter anderem Elemente vom Mills Ensemble
und von Isis beinhalten. Was genau er von Isis verarbeitet hat, ist
für mich nicht hörbar und ich sehe die Wichtigkeit dieses
Hinweises auch nicht wirklich. Die Stücke sind schön, harmonisch
und ab und an mit Noise Collagen die an und abschwellen durchzogen.
Generell erinnert mich Musik wie diese immer an den Blick auf eine in
der Sonne flimmernde, blinkende Wasseroberfläche. Denn genauso
schimmern diese Klangbilder und Drones minutelang in Ruhe vor sich hin.
Für Fans des Kranky Labels sicherlich spannend.
Rating: 7/10
Glissandro 70 "s/t" CD (Constellation Records)
Glissandro 70 ist eine Kollaboration von Sandro Perri (Polmo Polpo,
Continuous Dick) und Craig Dunsmuir (Guitarkestra). Erschienen auf dem
in Montreal ansässigen Constellation Label, auf dem auch Godspeed
You! Black Emperor und A Silver Mt. Zion veröffentlichen.
Musikalisch bewegen sich die 5 Tracks von Glissandro 70 irgendwo auf
der Schnittlinie von Pop Songs und Dub im weiteren Sinne. Zurückgelehnt
und entspannt, aber irgendwie auch zu oft nervig klingt der Gesang.
Hier wird gechillt. Ist mir ehrlich gesagt zu nichtssagend und langweilig,
auch wenn immer wieder schöne, ansprechende Momente auftauchen.
Pseudo-afrikanische Momente, World-Music Einflüsse sowie der funkige
Touch der über den Songs liegt, geben dem selbstbetitelten Kollaborationsprojekt
mehr Klangfarbigkeit und eine Wärme die fast schonen eine tropische
Ausstrahlung hat. Das finale Stück, "End West", ist über
13 minütiger dubbiger Ethno-Jam, mit psychedelischen Einflüssen.
Warum kommen mir Namen wie Paul Simon oder Peter Gabriel in den Sinn?
Rating: 5.5/10
Hellmotel "Hang Us Young" CD (Radar Swarm)
Wer verdammt hatte die Idee “Claps” gleich in das erste
Lied einzubauen? Und dieses Lagerfeuer-Gepfeife bei „love laziness“?
Das Ziel dieser ca. 50 Minuten ist, wenn ich das richtig verstanden
habe eins: Rock. Und zwar die schwere Variante. Vergleiche zu Converge
drängen sich da fast schon auf.
Insgesamt ist das dann auch schon fast beängstigend auf welchem
Niveau und mit welcher Spielfreude hier zu Werke gegangen wird. Ein
wenig „gestraffter“ hätte die CD meiner Meinung nach
jedoch sein können, denn über die Dauer von „Hang Us
Young“ bleibt bei mir dann doch nicht wirklich viel hängen.
Spaß macht das trotzdem auf alle Fälle. Schade, dass man
nicht mehr französiche Bands wie Hellmotel kennt, bis auf Overmars
kenne ich persönlich kaum eine, und dieses Album zeigt doch deutlich
das sich ein Blick über den „Tellerrand“ sehr wohl
lohnen kann.
Rating: 6/10
-Stefan Schauber
I Farm "IV" CD (Go Kart Records Europe)
I Farm sind so eine Band von der man mal gehört hat und trotzdem
nicht weiss wie sie klingen. Gut, das ändert sich nun, zumindest
für mich. I Farm machen stilistisch höchst interessante Musik,
die sich auch nicht so ganz auf einen Nenner bringen lassen will. Gut
so! Wenn das Punk(rock) ist, dann will ich ihn hören! Wenn das
Hardcore ist, dann will ich ihn hören! Schnell und streckenweise
treibend, nach vorne... immer nach vorne. Aber dann wieder dreckig und
schnörkellos... vielleicht ist das das Geheimnis von I Farm. The
Descendents kommen mir in den Sinn, kurze Anleihen von Sick Of It All,
aber alles gepaart mit der Schrägheit von Bands wie At The Drive
In, Jawbox oder Fugazi. Die jazzigere Seite der 14 Tracks verlangt etwas
mehr von der Konzentration des Hörers, dennoch klingt die Beschreibung
vielleicht komplizierter als es der Stil der Band ist, denn I Farm gelingt
es den Spagat zu schlagen zwischen bewusstem Hinhören und nebenbei
laufen lassen. Beides geht problemlos. Einziger Kritikpunkt: Bei der
guten Platte hätte es auch etwas mehr sein dürfen als ein
für Go Kart typisches labriges "Pseudo-Booklet.
Rating: 7/10
Liar "Invictus" CD+DVD (Genet Records)
Damals 1997 fast schon essentielle und heute immer noch wichtige Platte
für die europäische Vegan Straight Edge Metalcore Szene (Stichwort
H8000 etc.) und jetzt als Wiederveröffentlichung mit DVD zu haben.
Neben derm ursprünglichen "Invictus" Album sind noch
zwei Studio Tracks enthalten, sowie ein Duzend Live Tracks. Die DVD
enthält ebenfalls Live Aufnahmen die 1996 – 1997 aufgenommen
wurden. Insgesamt eine nette Idee "Invictus" noch einmal neu
auf den Markt zu bringen, einzig das Artwork der CD hätte auch
überarbeitet und etwas spektakulärer präsentiert werden
dürfen. Über die Musik soll jetzt hier nicht weiter berichtet
werden, den meisten wird dieses Album ohnehin bekannt sein und wer's
noch nicht kennt und ein bisschen europäische Metalcore Geschichte
büffeln will, kann hier direkt mal quer einsteigen.
Rating: 7/10
Magicicada "Everyone Is Everyone" CD (Public Guilt)
Magicicada ist das Baby von Christopher White, zusammen mit ein paar
Freunden, die ihm bei der klanglichen Vertonung seiner Ideen zur Seite
stehen. Schon die Aufmachung der CD ist detailverliebt und nett anzusehen.
Dieser Blick für Details findet sich auch in der Musik wieder und
die Liste der verwendeten Instrumente, Dinge und Gegenstände ist
einigermassen gross. Neben der eher "klassischen" Verwendung
von Gitarre und Computer, Cello, Akkordeon, Synths wurden auch zum Beispiel
die Töne von auf Parkettboden rollenden Eisenkugeln, der Klang
von verschiedenen Papieren, oder das Geräusch einer Ofentür
mit in die Musik eingearbeitet. Musikalische Vergleiche ziehe ich zum
Neurosis Nebenprojekt Tribes Of Neurot, diversen Veröffentlichungen
des Kranky Labels und davon besonders zu Lichens. Schnell fällt
auf, dass "Everyone Is Everyone" eine Platte ist die wachsen
muss, denn ein anfängliches flüchtiges Hinhören führt
zu keinem besonders starken wie bleibenden Hörerlebnis. Hat man
sich einmal in die Musik eingelebt, so eignet sich die CD auch als Hintergrundmusik,
der man nur streckenweise wirklich aufmerksam lauscht. Auf "Everyone
Is Everyone werden homogene, organische Tonlandschaften geschaffen,
die aber hin und wieder durch harsche, kalte elektronische Einschübe
durchbrochen und zerfetzt werden.
Rating: 7/10
Mastodon "Call Of The Mastodon" CD (Relapse Records)
Kurz vor Veröffentlichung ihres Major Debuts auf Warner dieses
Jahr hauen Relapse nochmal alles von Mastodon raus was geht. "Call
Of The Mastodon" ist ein Teil dieser Vermarktungsstrategie, denn
die CD enthält die 5 Tracks der "Lifeblood" EP sowie
die 4 Stücke des Demos aus dem Jahr 2000. Alle natürlich remixed/
remastered. Trotzdem mir gefällt "Call Of The Mastodon"
teilweise echt besser als die Alben. Die Songs klingen irgendwie roher,
rauher, härter und brachialer wie wuchtiger. Also doch ein ganz
spannender Teil der Bandgeschichte, zumal das Artwork von Paul Romano
nicht zu verachten ist. Schon damals zeigte sich der Stil für den
die Band geliebt wird: Schwerer Death/ Punk/ Grind/ Heavy/ Rock/ Metal.
Die Rhythmen streckenweise abgedreht und undurchschaubar und meist im
Mid-Tempo zuhause.
Rating: 7/10
Mastodon "The Workhorse Chronicles" DVD (Relapse Records)
Wie oben schon erwähnt, Mastodon sind bei Warner gelandet und bald
erscheint das neue Album. Deshalb hier um die Kuh noch ordentlich zu
melken, hauen Relapse die erste DVD der Band auf den Markt. Aber sie
ist gelungen und absolut professionell.
In über 3 Stunden werden Mastodon ins rechte Licht gerückt
und in allen Lagen des Musikerdaseins gezeigt. Man bekommt richtig den
Eindruck, dass die Jungs gut sind in dem was sie machen und Erfolg haben
sie auch. Und nicht nur vor über 50.000 Zuschauern. "The Workhorse
Chronicles" enthält neben 28 Live Tracks, die Videos zu "March
Of The Fire Ants", "Iron Tusk" und "Blood And Thunder".
Ausserdem sind auf der DVD noch viele Interviews, Backround Infos und
Making The Videos etc. Eine wirklich interessante, gelungene Dokumentation
die den Werdegang einer der derzeit wichtigsten Heavy Bands aufzeigt
und verfolgt.
Rating: 8/10
Menfolk "Colouss" CD (Play Records)
Unter dem Namen Prune spielten sich Menfolk von 1994 bis 1998 durch
den dänischen Untergrund. 1999 kam mit dem Umzug nach Kopenhagen
und mit der Gründung von Play/ Rec der Namenswechsel. Seit 2000
spielt die Band in der Besetzung von Drummer, Gitarrist und zwei Bassisten,
was man den stoisch anmutenden 8 Stücken auf "Colouss"
nicht direkt anhört. Neben einer EP im Jahre 2001 haben Menfolk
eine gemeinsamen Platte mit Barra Head (2004) veröffentlicht. Ihr
erstes Album besteht aus streckenweise etwas zu monotonem Noise/ Art/
Math-Rock, um hier mal wieder wild mit beknackten Begriffen um mich
zu ballern. Ist aber wohl die simpelste wie einfachste Beschreibung.
Die Stücke sind komplex und viele abgehackte Rhythmen strahlen
einen eher spröden Charme aus. So auch die Stimme des Sängers,
die metallisch klingende Produktion, die kreischenden Gitarren... alles
durchsetzt von rauher, energetischer Energie. Das Artwork ist passend
zur Musik auch eher schlicht gehalten und Understatement pur. Nicht
ungewöhnlich für Noise Rock wie diesen.
Rating: 6/10
Mills Of God "The Seed" CD-R (self released)
Eher selten passiert es, dass ich bei unbekannten, jungen Bands aus
Deutschland das Gefühl habe, dass die Band tatsächlich Potential
hat und es versteht dies zu nutzen. Mills Of God haben mich mit ihrem
schweren instrumentalen wie monumentalen Rock überrascht und ich
höre ihr Demo genauso gerne wie... meinetwegen die Pelican "March
Into The Sea" MCD. Ein einziger langer, fast 20 minütiger
Song ist auf "The Seed" enthalten, aber der reicht aus. Denn
er holt aus, greift weit um sich. Er fährt durch Täler und
Gebirge und die Stimmungen, mächtig und heroisch wirken sie, ändern
sich wie die Landschaft und Farbnuancen der Umgebung vor meinem geistigen
Auge. Langsam, zäh und nur durch viel Ausdauer wird ein Bergzug
erklommen, Geröllfelder treiben die Füsse immer wieder und
wieder zurück, den Berg hinab. Verzweiflung macht sich breit. Doch
endlich einmal oben angelangt, öffnet sich ein erhabenes Panorama:
ein weites Tal, durch dessen Mitte sich ein Fluss schlängelt, breit
und ruhig. Seit Jahrhunderten zieht er hier seine Bahn. Friedlich aber
bestimmt. Doch dann, plötzlich und unerwartet verwandelt er sich
in einen reissenden Abgrund... Schlund. Gefährlich und eng. Doch
hat man einmal die Wasserschnellen und Strudel überwunden öffnet
sich das Tal wieder weit und man läuft ein in einen grossen, weitläufigen
See. Ist das Land sicher erreicht, entzündet man ein Feuer und
blickt in den Abendhimmel. Brennender Horizont. Glühende Atmosphäre.
Flackern überall. Bitte mehr. Demo zu bekommen unter millsofgod.de
Rating: 8/10
MGR "Nova Lux" CD (Neurot Recordings)
MGR steht nicht, wie von mir in der Rezension der CD-R von "Nova
Lux" fälschlicherweise angegeben, für den Name des Isis
Gitarristen, sondern es steht für Mustard Gas & Roses, also
Senfgas und Rosen. Dies ist eine Referenz an eine Zeile aus Kurt Vonneguts
weltbekanntem Roman "Schlachthof Fünf" und die Bombenhölle
von Dresden. Musikalisch gelten immer noch die Zeilen aus meiner ersten
Rezension: "Nova Lux" sind schöne, ruhige, von Sentimentalität
getragene Ambient Stücke, die ihre Schönheit erst nach mehreren
Durchläufen offenbaren. Über die dunklen, sphärischen,
elektronisch erzeugten & animierten Grundmelodien ist immer wieder
eine Akustikgitarre gelegt, die wie der helle, klare Streifen am Abendhimmel
wirkt, nachdem die Sonne untergegangen ist. Auf dieser Gitarre bauen
auch alle fünf unbetitelten Songs auf. In der Beständigkeit
und Ruhe, in dem Weniger-ist-mehr, liegt die Ausdrucksstärke von
MGR. Wie so oft bei Ambient und Drone verbinde ich auch hier streckenweise
die Musik mit direkten Natureindrücken – und Erfahrungen.
Womit die Überleitung zum Artwork spielend geschafft ist: die Luftaufnahmen
und Wolkenbilder stammen alle von Mike und ergänzen die Musik auf
gelungene Weise um eine weitere melancholische Facette. Noch in aller
Kürze Namedropping: Greg Burns von Red Sparowes sowie Oktopus von
Dälek haben an einzelnen Songteilen mitgearbeitet. Headphone music
for the drone-damaged", so der Pressetext. -
Rating: 8/10
Monno "Error" CD (Conspiracy Records)
Herausfordernd, zerfahren und verzerrt bis zum Anschlag. Auf Konfrontationskurs
mit dem Gehör des geduldigen Hörers. "Error" der
Titel, aber vielleicht doch ein Fehler auf der CD? Nein, alles Absicht
und Berechnung. Ursprünglich 1999 in Lausanne gegründet siedelte
das Quartett nach ihrem ersten Konzert 2002 über nach Berlin. Es
wurde die Debut CD "Candlelight Technology" via Subdeviant
Recordings veröffentlicht. Nun machen Monno also von Berlin aus
die experimentelle Musikszene unsicher. Sie spielten bereits live mit
Melt Banana und wurden letztes Jahr von Isis eingeladen einige ihrer
Europa Konzerte zusammen mit ihnen und Jesu zu bestreiten. Klanglich
absolut nervtötend wird auf "Error" ein sehr freier,
experimenteller Batzen aus Heavy Rock, Free Jazz Elementen und elektronischen
Spielereien und Maserungen präsentiert. Sicher nicht für jeden
etwas. Schwerer Sound, noisige Soundcollagen und ein Saxophon, das durch
zwei Gitarrenverstärker gejagt wird und als solches lang nicht
mehr erkennbar ist. Es wird ein schweres Riff nach dem anderen nur so
abgefackelt, dazu wildes Gekreische und volle Distortion auf die Zwölf.
Krasse Angelegenheit und live sicher auch kein Spass. Totaler Krieg
der Klänge. "Error" kommt in einer ungewöhnlichen,
gelungenen Aufmachung als kleines, 28 seitiges Buch, welches von Dennis
Tyfus designed wurde. Tyfus ist bekannt durch seine Arbeiten für
Khanate, Lightning Bolt, Wolf Eyes etc. Während für manche
dieses Album sicher die Offenbarung an Störgeräuschen sein
wird, brauchen alle anderen ein Glas Wasser und eine handvoll Aspirin
nach diesem "Hörerlebnis".
Rating: 7/10
Ostinato "Chasing The Form" CD (Exile On Mainstream
Records)
Zwei Jahre nach ihrem zweiten Album "Left Too Far Behind"
meldet sich das Trio aus Washington mit einer zeitlosen, schönen
und schlichten Platte zurück. Treibend, nachdenklich und anschmiegsam.
Und vor allem immer wieder herrlich hypnotisch und ins psychedelische
abdriftend. Gesang wird dabei nur dezent eingesetzt. Der Sound ist dicht
gewebt und die 7 Klangbilder auf "Chasing The Form" wirken
episch. Eine eher minimalistische Herangehensweise an Musik, schafft
ein Maximum an spannendem Rock. Interessant dabei auch zu sehen, wie
wirksam aber behutsam Bläser und allerlei Spachsamples eingebaut
werden; zu hören in "Antiaircraft". Spannung, Dynamik
und auch das Tempo der Lieder werden über die gesamte Spielzeit
von fast 50 Minuten gehalten, vielleicht mal kurz flachen die Klangwogen
ab, aber im Endeffekt gibt es für "Chasing The Form",
trotz zahlreicher Variationen und seitlicher Ausbrüche, nur eine
Richtung: nach vorne. Präziser, fokussierter Rock mit Bestimmung
und Ziel. Schön. -
Rating: 8/10
Pentagram "First Daze Here Too" Do-CD (Relapse Records)
Seit 1970 haben sich Pentagram dem Heavy Metal verschrieben und diesen
auch irgendwie mit erfunden. Lange schon gelten sie als Legende des
Doom/ Heavy/ Metal und Stoner Rock. Mit "First Daze Here Too"
veröffentlicht die Band über Relapse eine Doppel CD mit rarem
und unveröffentlichtem Material sowie mit Aufnahmen live aus dem
Proberaum aus den frühen 70'ern. das Booklet ist mit 28 Seiten
so dick, dass es fast nicht mehr in die Hülle passt... Lyrics,
Linernotes, lustige Fotos alles ist dabei. Und vom Feinsten. "First
Daze Here Too" hing bei mir in letzter Zeit oft im CD-Player fest,
sind die Songs doch so charmante Zeugen einer grossartigen Zeit in der
Musikgeschichte. Die Grossartigkeit der Stücke liegt in der lauten
Aufnahme... es klingt einfach wunderbar roh, rauh und melodisch. Teilweise
schön überdreht mit einem kräftigen Schuss Hendrix und
Gitarren Solis die man später bei Slayer findet. "First Daze
Here Too" ist nach "First Daze Here" (2002) der zweite
Teil der Band-Retrospektive auf Relapse Records. Das limitierte Doppel
Vinyl sei ans Herz gelegt.
Rating: 8/10
Place Of Skulls "The Black Is Never Far" CD (Exile On Mainstream
Records)
Place Of Skulls ist die aktuelle Band von Doom Legende Victor Griffin,
der sich nach seinem Ausstieg bei Pentagram eine Ruhepause gönnte
und seit 2002 wieder zurück ist. Nach zwei Alben und einer EP und
der kurzzeitigen Auflösung der Band fand man wieder zusammen und
verliess auch Southern Lord Recordings. Nun veröffentlichen Place
Of Skulls über Exile On Mainstream ihren neuesten Opus namens "The
Black Is Never Far". Druckvoller, dynamischer Rock mit Heavy Metal
Melodien und eine warme, dichte Produktion, lassen während der
13 Stücke auf "The Black Is Never Far" schon fast Stadion-Rock
Atmosphäre aufkommen. Das liegt nicht zuletzt an der massiven und
sauber-klaren Produktion. Doch andererseits klingen Place Of Skulls
immer wieder auf's Neue abwechslungsreich und schüchtern-verspielt,
mit einer Detailverliebtheit die bis ins Kleinste reicht. Ich erkenne
Einflüsse aus der Progressive und Psychedelic Rock Ecke. Über
allen Songs liegt natürlich eine von Ruhe getragene, doomige Dunkelheit,
hier versteckt man sich vor nichts, hier schreckt man auch nicht vor
der dunkleren Seite des Lebens zurück. Standen hier auch Stimmungen,
die direkt aus dem Blues kommen Pate!?
Rating: 6/10
Rifu "Bombs For Food, Mines For Freedom" CD (Go-Kart Records
Europe)
Seit nun fast schon 10 Jahren gibt es die politische Hardcore/ Punk
Band Rifu aus Trondheim, Norwegen. Mit "Bombs For Food, Mines For
Freedom" veröffentlicht die Band nun ihr drittes Album. Ausgewählt
habe ich diese CD weil sie ehrlich, direkt und leidenschaftlich klingt.
Die zwölf Stücke sind rauh, gespielt in meist zügigem
Tempo mit dicken Grooves und mit Vocals die sich die Wut mit Kraft nur
so aus dem Bauch schreien. Streckenweise ziemlich punkig und dann wieder
treibend, melodisch und mit haufenweise tollen Rhythmen. Die politischen
Texte sind engagiert und kommen von einer Band, die sich als Teil einer
Alternative, einer Art Gegenkultur sieht und mit "Bombs For Food,
Mines For Freedom" versucht die Band einmal mehr ihre Werte unter
die Massen zu bringen. Nicht ganz ohne Erfolg, so wurde ihr zweites
Album "Dead End Street" sowie eine darauffolgende EP sogar
in den Staaten veröffentlicht. Mein kurzes Fazit: Einmal mehr werden
Wut, Frustration und Energie kanalisiert und zielgerichtet in die richtigen
Bahnen gelenkt. Gut so.
Rating: 7/10
Shelter "Eternal" CD (Dockyard 1/ Goodlife Recordings)
Ruhig ist es die letzten Jahre um Ray Cappo geworden, anfangs waren
verschiedene andere Projekte um ihn im Gespräch: Musik, Buch, Film.
Aber aus allem ist scheinbar nichts konkretes geworden. Geheiratet und
ein Kind bekommen hat der mittlerweile 40 Jährige und nebenbei
betreibt er noch eine Yoga Schule im Raum von Los Angeles. Dass man
aber von ihm wieder etwas hören wird, war mir immer klar und so
hat es mich auch nicht weiter verwundert, dass nun ein weiteres Shelter
Album erscheint. Auch klar ist, dass mit dem Ausstieg von Porcell nach
der 2000'er Tour Shelter nur noch Ray Cappo ist. Und eigentlich war
es auch schon immer so. Die Musiker auf "Eternal" sind neben
Cappo erneut Dave DiCenso an den Drums, der ja schon bei den Shelter
Alben "Mantra", "Beyond Planet Earth" und "The
Purpose, The Passion" an den Drums war und schon durch seine Zeit
bei den Cro-Mags bekannt ist. Bass und Gitarre stammt, auch erneut,
von Ken Olden (Damnation A.D., World's Collide etc.). Richtig neu scheinen
die 11 Stücke nicht zu sein, denn Ray zu "Eternal": "...
I want to indulge my old fans with a lost cd, with songs I had written
but never recorded – until now."
Musikalisch hat sich wenig bis gar nichts verändert, wer die letzten
Alben aber auch "Beyond Planet Earth" mag, wird hieran auch
Gefallen finden können. Textlich ist, soweit ich das ohne Lyrics
beurteilen kann, auch alles beim alten geblieben. "Eternal"
ist gelungen, nicht zuletzt auch durch das Remake von "In Defense
of Reality", dem Klassiker von der "Quest For Certainty"
Platte. Alle Songs haben Schwung, Leidenschaft, sind energetisch und
charismatisch. Mal wird's lauter und schnell mit den typischen Back-Ups,
aber auch ruhigere, reflektierende Momente finden in Stücken wie
"Back To Vrindavan" ihren Platz auf "Eternal". Die
Motivik und Symbolik in der sich das mittlerweile achte Shelter Album
bewegt ist, wie am Titel, der Tracklist und dem Artwork erkennbar, eine
typische. Was anderes würde aber eben auch niemand erwarten. Auch
gefällt mir das indische Cover weitaus besser wie beim letzten
Album, das vollkommen daneben ging und nur laienhaft aussah. Dennoch,
die Farben des Covers lassen gehörig an eine Goa CD erinnern. Punkig
mit jeder Menge Pop-Appeal kommt "Eternal" daher, aber eben
auch mit härteren, Better Than A Thousand mässigen Anleihen,
die zeigen, dass Cappo nichts von dem verlernt hat, mit dem er einst
mit Youth of Today berühmt geworden ist. Demnächst auf Europa
Tour und anscheinend auch tatsächlich das letzte Shelter Album.
Rating: 8/10
Still "Remains" CD (Public Guilt)
Was Still, mit bürgerlichem Namen Hsi-Chang Lin und durch Dälek
bekannt, auf "Remains" zeigt ist eine beeindruckende Angelegenheit,
vor allem wenn man weiss, dass ein Technics 1200 praktisch sein einziges
Gerät ist mit dem er "Remains" geschaffen hat. Denn:
"The ONLY instrument played on Remains are Technics 1200 Mk2 Turntables
and a lot of Delay Pedals." Auf "Remains" werden dunkle
Klanglandschaften erzeugt, welche die Fähigkeit haben immer wieder
auf's Neue bedrohlich zu wirken. Die bedrohlichen Elemente zeugen vom
maschinellen, kalten Charakter der 6 Stücke auf "Remains".
Spannungen bauen sich wellenartig auf, bersten und laufen über
zu wabernder Monotonie, die dann wieder durch maschinelles Stampfen
durchbrochen wird. Dazu kommen dann aus dem Hintergrund Klangbilder
die psychotisch und verstört klingen. Kalter Schweiss, unruhige,
schlechteTräume. Fratzengesichter, debiles Grinsen. Drogenrausch.
Aber man findet auch Ruhe und Traumbilder die eher entspannen denn verstören.
Sphärisch und einwebend. Definitiv dunkel geht es also zu, minimalistische
Klänge, die es verlangen, dass man auf kleine Details achtet. Zusätzlich
sind auf der CD noch Super8 Filme enthalten, die den Charakter von Stills
unscheinbarer aber gelungener Soloplatte noch unterstreichen. -
Rating: 7/10
Streetlight Manifesto "Keasbey Nights" CD (Victory Records)
Komische Geschichten ranken sich um dieses Album, aber fangen wir von
vorne an. Zuerst dachte ich mir, irgendwo her kenne ich doch den Titel
des Albums, ist das etwa eine Wiederveröffentlichung? Ja und nein,
stellte ich fest. Also im Jahre haben nämlich Catch 22 ihr erstes
Album mit dem gleichen Titel auf Victory veröffentlicht. Songschreiber
und Frontman Tomas Kalnoky ist 2001 bei der Band ausgestiegen um zwei
Jahre später mit "Everything Goes Numb" ein gelungenes
Ska-Comeback mit Streetlight Manifesto zu starten. Beide Bands mögen
sich wohl seitdem nicht besonders und jetzt veröffentlichen Streetlight
Manifesto das Album neu, variieren den Titel etwas, jetzt "Keasby
Nights (As Performed By Streetlight Manifesto)", aber ansonsten
sind die Songs von 1998 nahezu gleich, nur noch mal neu aufgenommen
worden. Kalnoky beansprucht wohl einfach die Stücke und will damit
Catch 22 aus dem Weg räumen. Eine kleine "Erklärung"
zur Platte ist im Booklet abgedruckt. Ansonsten grossartige, knallende
Songs. Genau richtig für den Frühling. -
Rating: 7/10
The Black Heart Procession "The Spell" CD (Touch&Go
Records)
Die Musik passt gut zum Coverartwork, farblich ebenso wie die Abbildungen.
Schwarz und Rot. Drama und Verzweiflung. Liebe und Verlust. Stacheldraht
und Herze. Blicke zwischen Liebenden wie Blitze. Nackte Frauen. Brüste.
Obsessionen. Piano. Streicher. Krähen. Erinnerungen wie Geistererscheinungen.
Herzschläge wie ein Glockenturm um Mitternacht. Mein Herz der ewige
Friedhof. Gefangenschaft. Spinne im Netz. Dunkelheit in mir und um mich
herum. Schlüssel zu Deinem Herzen. Aber wo!? Nur allzu schnell
wird man von "The Spell" in einen hypnotischen Bann gezogen,
nicht zuletzt durch die charismatische Stimme von Frontman Pall Jenkins,
dem mit jedem Ton die Verzweiflung anzuhören ist. Streckenweise
erinnert mich der Gesang an Guy Picciotto von Fugazi. Seelische Höllenquallen
werden lyrisch verarbeitet und musikalisch in Form gebracht und immer
wieder fühlt man sich von der Hingabe und von der Eingängigkeit
der 11 Stücke überrumpelt und zur Strecke gebracht. "The
Spell", übersetzt etwa Bann, Fluch, Zauberspruch etc. ist
eine beinahe unheimliche Reise, die man aber in so unglaublich schönen,
dynamischen Songs wie "The Letter" oder "Places"
gerne antritt und innerlich eigene Erfahrungswerte durch die Stimmungen
die The black Heart Procession schaffen und aufbauen, noch einmal erweitert
und durchlebt. Gefährlich wird es aber, wenn man "The Spell"
im falschen Moment hört, da könnte es schnell zur seelischen
Tortur werden, zum Katapult in verwunschene Traumreiche, in die man
besser nur selten heruntersteigt. Schönes, viertes Album der Band
aus San Diego.
Rating: 7/10
The Path Of Resistance "Can't Stop The Truth" CD (Victory
Records)
Eines vorweg, dieses Album muss mit einem Augenzwinkern gesehen werden
bei all dem Pathos der den 13 Brechern auf "Can't Stop The Truth"
unterliegt. So, also nach fast 10 Jahren hauen die Mannen noch einmal
einen riesigen Straight-Edge-Crew-Batzen raus. Namentlich sind die Herren
ja nur allzu gut aus Earth Crisis Zeiten bekannt: Karl Buechner, Scott
Crouse, Erick Edwards, Ian Edwards, Dennis Merrick, D.J. Rose und Jonathan
Dennison. 1997 mit "Who Dares Wins" die Szene im Storm erobert,
erinnert man sich nun an seine Pflichten die eindeutige Botschaft wieder
nach draussen zu tragen: "True To My Vow – Loyal For eternity
– I've passed the test of time – Among the slaves I walk
free. Straight Edge - Straight Edge - Straight Edge - Straight Edge.
Ich schmeiss mich weg, im doppelten Sinne versteht sich, denn den Test
der Zeit habe ich nicht bestanden. Glücklicherweise. Und waren
da nicht mal zahlreiche Gerüchte und "Beweise" über
Drop-Out's einzelner Bandmitgleider, Karl zum Beispiel!? Egal, interessiert
echt nicht. Auf dem Cover ist übrigens, wie kann es auch anders
sein, der Abschaum der Gesellschaft abgebildet: Drogenspritzen, Abtreibung,
Teufel und und und... you name it. Schwarzweissmalerei galore. Musikalisch
dennoch betörend möchte man sagen ha ha. Tonnenschwerer Hardcore
mit tausenden Breakdowns, Mitgröll-Refrains, Finger-Point Stellen...
das gesamte Paket eben. Wie damals 1997. Dennoch habe ich mir musikalisch
doch eine prägnantere Performance von Karl Buechner versprochen,
aber hier ist es wohl die gesamte Crew die zählt (haha). Ich bin
raus.
Rating: 5/10
The Psychedelic Avengers "And The Decterian Blood Empire"
Do-CD (Fünfundvierzig/ Indigo)
Hier also die zweite CD von The Psychedelic Avengers, sie ist wahrlich
bombastisch geworden, in der Spielzeit von 155 Minuten, dem 16 seitigen
Booklet und den 43 Musikern aus aller Herren Länder die daran beteiligt
sind. Damit wir uns nicht falsch verstehen, "And The Decterian
Blood Empire" ist keine Compilation oder Hörbuch. Nein, vielmehr
ist das der Soundtrack zu einem imaginativen Movie, der sich im Kopf
des Hörers abspielen kann. Ein Soundtrip der sich gekonnt im Psychedelic
Rock, Space Rock, Noise, Elektro, Drone und allen möglichen experimentellen
Facetten aufhält und wirklich nicht langweilig wird. Science Fiction
at its best. Dazu im Booklet eine Story von Leo Lukas, dem Perry Rhodan
Autor. Auf der CD unter anderem (und ich betone unter anderem) zu hören:
Urlaub In Polen, Knaarf Rellöm, Rotoskop, Q, Marble Sheep, Sebastian
Horn von den Bananafishbones, Dark Sun, Vibravoid, Electric Orange und
und und...
Rating: 7/10
The Psychic Paramount "Live 2002 – The Franco-Italian
Tour" CD (Public Guilt)
The Psychic Paramount sind immer mehr angesagt und das mit allem Recht,
sind sie doch tatsächlich eine Ausnahmeband unserer Zeit. Im Herbst
2002, nur fünf Tage (!) nach ihrer Gründung ging die Band
auf Europa Tour. Damals noch mit dem Improvisationskünstler Tatsuya
Nakatani an den Drums. "Live 2002 – The Franco-Italian Tour"
ist das erste musikalische Zeugnis einer aussergewöhnlichen Band,
das die Musik und die Geburt der Band auf eine absolut rohe, ursprüngliche
und unmittelbare Art zeigt. Lyon, Paris, Neapel und Perpignan sind die
Schauplätze dieses abgedrehten Schauspiels. Lärm, totale Losgelöstheit
aber Rhythmusgefühl und Hendrix-mässige Solis bestimmen das
Spiel. Pure, direkte und übersteuert-laute Energie. Chaos und Drum-Einlagen
unter denen alles zu bersten droht. Mal wirkt es als ob jedes einzelne
Instrument gegen das andere agiert, Antagonisten kompromisslos ausgeschaltet
werden wollen, dann wieder schmelzen die Instrumente zu einer einzigen
Melodie-Einheit zusammen und bestechen durch ihre hypnotische, magnetisierende
Wirkung. "Live 2002 – The Franco-Italian Tour" klingt
so frei und lösgelöst, besser als jeder Trip, jeder Fieberwahn
und dennoch präzise und aufregend stimulierend. Um den Höreindruck
noch visuell zu unterstreichen, wurde noch ein achtminütiger Super
8 Film mit auf die CD gepackt, der Zeuge und Beleg ist von dem was da
live so ging, bei der Geburtsstunde des Psychic Paramount.
Rating: 8/10
Tone "Solidarity" CD (Neurot Recordings)
Schon seit 1991 bringen Tone kontinuierlich gute Platten heraus, drei
davon auf Dischord und zwei auf Independent Project Records. Alle natürlich
instrumental. Durch eine grosse Anzahl an Musikern (fünf Gitarren,
zwei Schlagzeugern und einem Bassisten) bleibt das musikalische Spektrum
von Tone über die Jahre hinweg frisch, kreativ und breit gestreut.
So auch auf "Solidarity". Wo mir Red Sparowes schnell zu lasch
und langweilig werden, schaffen es Tone mit ihrem Instrumental-Rock
herrlich-ausufernde Spannungsbögen aufzubauen und wieder voller
Stimmung abfallen, abflachen zu lassen. Ruhe, Kraft und Dynamik sind
Schlagwörter die bei Tone alle gleichermassen stimmen. Die Zeitlosigkeit,
Ausdruckstärke und Melodieführung der einzelnen Kompositionen
beeindruckt ohne Frage jeden, der sich auf instrumentale Gitarrenmusik
in ihrer Gänze einlassen kann und mag. Wichtig auch, dass "Solidarity"
sowohl zum lockeren Nebenbei-Genuss wie auch zur bewussten Auseinandersetzung
taugt und anregt, man entdeckt neue Nuancen und wird sich der Komplexität
dieses Albums bewusst. Mit J. Robbins, der mit Jawbox einige Mal von
sich reden machte, hat man dann auch eine adäquate Persönlichkeit
gefunden, die "Solidarity" produziert hat. Alles ist absolut
stimmig geworden und jeder der 7 Stücke zeugt von Professionalität
und musikalischem Können, wie Verständnis. Das Artwork ist
zwar eher durchschnittlich und unspektakulär, aber hier ist es
auch die Musik die zählt. 7 Songs in 54 Minuten.
Anspieltip: Towers
Rating: 8/10
Unicorn "Playing With Light" CD (Housepig Records)
Unicorn ist das Solo Projekt von WT Nelson, der eher durch Bastard Noise,
Sleestak und Carne-A bekannt ist. "Playing With Light" hat
mich gleich vom ersten Track an durch seine schüchterne Einfachheit
und Zurückhaltung überzeugt, gleichwohl sich die 6 Stücke
nicht verstecken oder gar langweilig sind. Minimalistische Wiederholungen,
spärlich gestreute Samples oder eine endlos repetitive Gitarre,
die erst nach Minuten durch noisige Klangcollagen durchbrochen wird.
Dichte, dicke Drones scheinen den Hörer zu überrollen, aber
kaum sind sie da, sind sie im Nichts verschwunden. Ruhige, entspannte
Klänge im Wechselspiel mit metallischerem "Kreissägegefühl"
und dynamischen, sich aufbauenden Klangcollagen. Die gleichmässigen
Ambiancen bahnen sich wie eine ruhige Welle kilometerlang ihren unaufhaltsamen
Weg und laufen am Strand mit heroischer Haltung aus. Neben den Drone/
Ambient Klangforschungen sind auf der CD 3 Kurzfilme enthalten zu denen
3 der Stücke auf "Playing With Light" die musikalische
Untermalung darstellen. Ohne die Musik von Unicorn wäre die subtile,
hypnotische Stimmung der Clips lange nicht so kräftig und sagen
wir seltsam. Hier also die fundamental wichtige Vereinigung von visueller
Kunst und Musik. Insgesamt betrachtet, ist "Playing With Light"
eine schöne, homogene erste Veröffentlichung von Housepig
Records und ich würde gerne mehr von Unicorn hören.
Rating: 8/10
Zelienople "Ink" CD (Loose Thread Recordings)
Für mich ist "Ink" zu einer kleinen Überraschung
geworden: Schon vor einigen Wochen bekommen, oft gehört und nie
langweilig geworden. Zelienople aus Chicago machen im weitesten Sinne
Drone, aber typisch klingen sie nicht. Ihre Musik ist sehr lebendig
und präsent, die 8 Stücke auf "Ink" wurden auch
an nur zwei Tagen live eingespielt. Sie klingen viel weniger konservenartig
wie so Vieles in der Drone Szene, was sicherlich an der Verwendung von
zahlreichen Instrumenten und an der Live Einspielung liegt. Schöne,
warme und erdige Klangbilder, die zwar dunkel aber vielseitig und harmonisch
klingen. Drone Musik mit vielen Emotionen und Ambiancen, die immer wieder
neue, vielschichtig-versteckte Seiten zeigen. Streckenweise pure Meditation
("The Nod Squad") oder einfach schöne, zurückhaltende
Musik ("It's Still Hard To Steal Cars", "Life Is Simple")
mit Gesang. mehr Informationen und Klangeindrücke auf zelienoplemusic.com
Rating: 8/10
V/A: Six Doors – A Housepig Compilation CD (Housepig Records)
Diese Compilation bietet einen guten und günstigen Einblick in
die Veröffentlichungen des Housepig Labels. Das Motto: "Six
artists. Six Visions. Six Approaches. Six Methods. Six Paths. Six Doors.
Neben dem weiter oben besprochenen Unicorn Projekt, sind auf der CD
Aube, Bastard Noise, Luasa Raelon, Guilty Connector and Tabata sowie
Oblong Ox vertreten. Unicorns "Playing With Light" CD von
mir hoch geschätzt, ist hier mit einem eher schwächeren Song
vertreten, aber direkt danach wird es mit dem minimalistischen Soundgeplänkel
von Aube hochinteressant. Danach kommt direkt der nächste Höhepunkt
der CD: Bastard Noise mit "Flesh Near Automation". Perfekter
Titel, perfekter Song. Roh, brutal, kalt. Das Wummern erinnert an diese
monströsen Schnellbote, die man am Strand liegend schon weit entfernt
daherwummern hört, aber nirgends entdeckt. Dazu brutales Geschrei.
Die Tracks der anderen Bands sind nicht minder interessant und wie eingangs
gesagt wurde, ein solider Einstieg in das Housepig Label und die mit
dieser Compilation vorgestellten Acts. Für jeden der gerne Drone,
Ambient, Electronic Noise etc. hört.
Rating: 7/10
Reviews Summer 2006:
Wenn
der Sommer mal richtig gekommen ist, tue ich mich oft eher schwer kreativ
zu sein, Dinge zu erledigen. Ausserdem war ja da noch die (fast) gelungene
Fussballweltmeisterschaft und diverse Grilladen mit dem ein oder anderen
Bier... Nun gut, hier also einige kürzere "Sommerrezensionen".
Achilles
"The Dark Horse" (Hanging Hex)
Nach der Split mit Engineer ist nun das erste Full Length von Achilles
erschienen und es geht ähnlich der Split furios und druckvoll weiter:
10 Mal angepisster, super tighter und aggressiver Chaoscore der besseren
Sorte. Einflüsse von Grössen wie Botch oder Kiss It Goodbye
lassen grüssen, aber Achilles wirken dabei nicht wie Kopien sondern
bereichern diese Einflüsse um eigene dynamische wie komplexe Facetten.
Schön in Szene gesetzt und produziert wurde "The Dark Horse"
von Evan Patterson (Black Cross, Breather Resist). Die Songs bahnen
sich nur so ihren Weg, pflügen durch Klanglandschaften, ändern
immer wieder die Richtung und erfinden sich dabei wieder neu. Brachial,
brutal, abgehackt und über allem immer wieder majestätisch
anmutende Gitarrenlinen. Auch das Artwork ist absolut gelungen und vielseitig
angelegt. Achilles sind eine der besseren Bands dieses Genres.
Rating: 7.5/10
Art Of Burning Water "The Voyage Of The Pessimistic Philosoph:
An Ode To Believers Of The Prevailing Law Of Sod" CD (House Of
Stairs/ Super Fi Records)

Das mag durchaus der mit Abstand längste Titel eines Album sein,
das ich je rezensiert habe. Aber das nur ganz am Rande. Noch gut ist
mir das englische House Of Stairs Label in Erinnerung und die beiden
ersten Veröffentlichungen von Foe und die Split CD von Art Of Burning
Water und American Heritage. Kürzlich eingestiegen bei Art Of Burning
Water ist Jason Carty, der das genannte Label betreibt und ehemals bei
Foe zu Gange war. Mir gefällt "The Voyage..." sehr gut,
denn Titel, Liedertitel, Artwork und nicht zuletzt die Musik wissen
zu überzeugen und ein angenehm sarkastisch – lakonisches
Bild auszustrahlen. Beginnt die CD noch ruhig mit dem schönen Violinestück
"Murder The Skied Of England", so bricht schon kurz danach
ein eher wüster Sturm los. Die kreischende Stimme klingt einfach
nur krank und die Riffs winden und zwirbeln sich nur so durch die Minuten.
Musikalisch bewegen sich Art Of Burning Water im weiten Feld von zeitgenössischem
Metal, Stoner Rock, Sludge und Noisecore und zelebrieren dabei ein wildes
Fest an dissonanten, aggressiven und brutalen Tönen. Ist das Album
zwar nicht einmal eine halbe Stunde lang, so hat man dennoch durchaus
das Gefühl schon länger diesem Batzen an rohen wie komplexen
und abgedrehten Riffs ausgesetzt zu sein. Auch das Drumming wäre
auf einer Mastodon Platte sicher nicht verkehrt, den in diese Richtung
geht es klar und gekonnt. Ich glaube, was mich an Art Of Burning Water
am meisten interessiert, ist dieser menschenfeindliche Humor, der dem
gesamten Album auf allen Ebenen unterliegt. Am nächsten Album mit
dem Titel "Embrace Your Density" wird schon gearbeitet und
vielleicht sogar noch im Laufe dieses Jahres veröffentlicht.
Anspieltips: "Standing Jubilantly Beneath The Sword Of Democles",
"That Headache Is Probably A Brain Tumour"
Rating: 8/10
Black Cobra "Bestial" CD (Delboy Records)
Black Cobra ist die das Ergebnis der jahrelangen Zusammenarbeit des
Duos um Jason (ex-Cavity) und Rafael (ex-16, Acid King). Beide haben
sich gegenseitig immer wieder in den jeweiligen Landesteilen der USA
getroffen und sich ihre Ideen auch hin und her geschickt. Entstanden
ist schlussendlich tatsächlich ein kleines Biest von schwerer Musik:
roh, brutal und gewalttätig, wie ein direkter Schlag ins Gesicht.
Musikalisch ein solider Mix aus Negative Approach, Grief und einem Schuss
High On Fire. "Bestial" hört man es auch keinesfalls
an, dass hier nur zwei Leute zu Gange sind. Musik die streckenweise
wie pures Zähneknirschen – und Krachen wirkt. Doom geladener
Metal mit Sludge, Noise und Grind Elementen, sowie einer Dosis Stoner
Rock. Damit hätte man die Zutaten für "Bestial"
gelistet. Der Gesang ist rauh wie Schleifpapier und frisst sich nur
so durch die 11 Stücke. Das "Oktopus-Artwork" ist minimalistisch,
auf alles aufwendige wurde mehr oder weniger verzichtet, dennoch wirkt
die Aufmachung ästhetisch hochwertig.
Rating: 8/10
Current 93 "Black Ships Ate The Sky" CD (Durtro/ Jnana Records)

David Tibet für viele sicherlich kein Unbekannter, hat er doch
Current 93 schon vor einiger Zeit, genauer Anfang der 1980'er Jahre
gegründet. Ausserdem war er ja auch Mitglied bei Psychic TV (gegründet
von Genesis P-Orridge & Peter 'Sleazy' Christopherson, die wiederum
auch Throbbing Gristle gründeten). Auch hat über die Jahre
mit einer Vielzahl an Musikern gearbeitet wie: Douglas Pearce (Death
in June), John Balance (Coil), Boyd Rice, Björk und Nick Cave.
Bei Current 93 ist er der einzige feste Bestandteil. Auf "Black
Ships Ate The Sky" haben neben Tibet auch Michael Cashmore (Nature
and Organisation), Ben Chasney (Six Organs Of Admittance, Steven Stapleton
(Nurse With Wound) sowie John Contreras mit William Basinski, William
Breeze und Amy Phillips. Gute 4 Jahre hat es gebraucht um den Nachfolger
vom 2001 erschienenen Album "Sleep Has His House" einzuspielen
und fertigzustellen. Die Liste der Gastsänger ist wahrhaft enorm,
neben Marc Almond sind noch weitere 7 Namen gelistet. Der 21 Track Opus
dauert dann auch fast 76 Minuten, besonders "Idumea" der Folk-Klassikers,
den auch Steve von Till (Neurosis) auf einer seiner Soloplatten interpretiert
hat. Hier taucht er dann auch in 8 verschiedenen Versionen auf. In meinem
Gesamteindruck von "Black Ships Ate The Sky" bin ich hin und
hergerissen. Einerseits beeindrucken mich die düsteren (Neo)Folk
Stücke durch ihre zeitlose Ruhe und Schönheit, andererseits
stösst mich dieses artifizielle Element in den Stücken ab,
wirkt mir dann doch zu inszeniert, sakral und dramatisiert. Alle Stücke
schwanken zwischen düsteren, psychedelischen Klängen, erst
gegen Ende des Albums klingen Industrialelemente, wie im Titelstück,
durch. Die Gastsänger klingen allesamt exzellent. Kryptisch und
verwunschen, wie ein eingewachsenes altes Anwesen irgendwo in einem
Wald im englischen Nirgendwo – dass strahlt "Black Ships
Ate The Sky" immer wieder aus. Bewohner wandeln umher, man hört
sie, aber sieht sie dann doch nicht. Zwischen Geistererscheinungen und
Lagerfeuerromantik bewegen sich viele der Lieder.
Rating: 7/10
Detached "Idiom" CD-R (self released)
(no cover available)
Detached spielen sensationell guten Breach beeinflussten Hardcore und
gefallen mir streckenweise auch so gut wie die Helden aus Schweden zu
"Venom" Zeiten. Kraftvoll, treibend und durchaus mitreissend
klingen die 9 Stücke auf "Idiom". Allerdings schielt
man ab und an doch etwas zu stark zu Breach und übernimmt etwas
zu viel, wie in "Killing Surface". "Trotzdem ein starker
Auftritt. Idiom" liegt nur als einfache, schnörkellose CD-R
vor, am Artwork wird gerade gebastelt. Viel wichtiger wäre allerdings
das nötige Label um dieses gelungene Album in Szene zu setzen und
im Lande bekannt zu machen. Detached kommen nämlich nicht, wie
man bei diesen Klängen vermuten würde aus dem Norden, sondern
direkt aus dem Herzen Deutschlands. Unbedingt reinhören auf: detached-hardcore.de
Rating: 7.5/10
Die Piloten "Neue Liebe" MCD (self released)

"Minirock mit deutschen Texten" – so beschreibt sich
die Band selber. Bei der Musik der Piloten stehen eben die genannten
deutschen die Texte im Mittelpunkt. Es werden in ihnen klassische Themen
wie das älter und erwachsen werden, allerlei Gefühle und Beobachtungen
thematisiert. Melodisch und dann und wann durchaus einprägsam sind
die 6 Stücke auf "Neue Liebe", so dass man beim nächsten
Durchgang direkt mitsingen kann. Der musikalische kleinste Nenner um
Die Piloten zu beschreiben ist für mich Gitarren-Pop-Rock. Meine
Anspieltips sind die beiden letzten Stücke "Wenn Liebe..."
und "Abschied", die meiner Meinung die stärksten, homogensten
Momente der Band zeigen. "Neue Liebe" ist eine nette Angelegenheit,
die meist gemütlich vor sich hin plätschert. -
Rating: 5/10
End Of A Year "Sincerely" CD (Revelation Records)
Gleich der erste Song hat mich weggehauen, ein kleiner Knaller und Hit!
End Of A Year entstammen zwar Albany, NY, klingen aber eher wie aus
D.C. und zwar zur Zeit des legendären "Revolution Summer".
Laute, rauhe Songs nicht aber ohne diese melancholischen, punkigen Elemente
und Melodiebögen die es in sich haben, stimmlich irgendwie an Braid
angelehnt. End Of A Year klingen wie einer grossartigen Zeit entsprungen,
fleissig im Keller geübt und dann sofort ab in die legendären
Inner Ear Studios von Don Zientara, der den Rest gemacht hat und den
11 Stücken auf "Sincerely" noch seinen Stempel aufgedrückt
hat. Die Aufmachung der CD und das dicke Booklet untersteichen diesen
Eindruck nur. Rundum eine tolle Platte!
Rating: 7.5/10
Gadget "The Funeral March" CD (Relapse)
Krasses Gewitter das Gadget auf ihrem zweiten Alben abfeiern. "The
Funeral March" ist echt ein Marsch, der nicht so einfach aufzuhalten
Ist. Wahnwitzige Geschwindigkeiten gehen einher mit Atmosphäre.
Dampfwalzen-Metal und Grindcore mal anders, mit Groove und mit immer
wieder kontrastierenden Momenten, die zeigen, dass es der Band nicht
nur um Geschwindigkeit und ein möglichst brutales auftreten geht.
Diese ruhigeren Kontrapunkte lassen "The Funeral March" noch
fieser, gemeiner wirken. Damit wird der Karren erst so richtig tief
in den Dreck gefahren. Doch er bleibt nicht stecken sondern dann, kurz
vor dem erliegen, bricht er wieder aus und offenbart sein ganzes Potential
mit einer Durchschlagkraft die überwältigend ist. -
Rating: 7/10
Goodbye Diana "Mobilhome" MCD (Head Records)

Der schlechte Name mag eher in die Irre führen, denn französische
Band aus Montpellier ist nicht irgendein langweiliges Emo-Gedöns,
sondern eine interessante, weitgehend instrumental agierende Post-Rock
Band, die es immer wieder neu versteht den Hörer durch eine treibende,
verspielte Songstrukturen und Melodiebögen zu fesseln. Post-Rock
nannte ich das gerade, denn Goodbye Diana ziehen auf "Mobilhome"
deutliche Einflüsse aus der glorreichen Zeit der 70'er: Präzise
Rhythmusfolgen, launisch und quengelig in Szene gesetzt und dabei nicht
den Sinn für "dreckigere", stonigere Melodien vergessend.
Somit ist für mich "Mobilhome" eine spannende, gern gehörte
Angelegenheit. 6 Songs in knapp 24 Minuten Spielzeit.
Rating: 7/10
Guiltmaker "Driven by Arms" MCD (Kiss Of Death Records)

Guiltmaker bestehen aus Leuten von Hardcore Bands wie Reversal of Man,
Combat Wounded Veteran oder Early Grace, die nun andere Wege einschlagen
und melodischen Post-Hardcore spielen. "Driven By Arms" enthält
4 Stücke, die allesamt treibend und emotional sind. Mal nachdenklich
verspielt, dann wieder fröhlicher, direkter und nach vorne gespielt.
Für eine EP gelungen, bei Albumlänge müsste aber mehr
passieren. Denn die allgemeine Lethargie die den Songs unterliegt lähmt
die Begeisterung für Guiltmaker dann doch etwas. Einflüsse
zieht die Band sicher aus Quicksand, Texas Is The Reason oder Jawbox.
Nur das die eben genannten eben weit energetischer, eingängiger
und autonomer agieren. -
Rating: 6/10
Kalas "s/t" CD (Tee Pee Records)

Kalas ist die neue Band um Matt Pike (Sleep, High On Fire), Andy Branton
(Econochrist, Grimple, Samiam, Eldopa), sowie zwei Mannen von Cruevo.
Konnte ich mit Sleep oder High On Fire nie wirklich etwas anfangen,
so gefällt mir das Debut Album von Kalas erstaunlicherweise gut.
Kalas spielen schweren, dreckigen Rock erster Güteklasse, der facettenreich
und über die 9 Stücke mit einer Spielzeit von über 48
Minuten kaum langweilig wird oder abflacht. Atmosphärisch wie bedrückend,
leidenschaftlich und doch eine Soundwand mit der Sensibilität einer
Abrissbirne. Schwere Kost also. Aber rockend und mit mächtig Dampf
und Groove im Rücken. Pikes Stimme grölt, rotzt, röchelt,
schreit und ist heiser (erinnert mich streckenweise sogar an alte Bloodlet!)
und dazu die schwersten Riffs. Heavy Rock at its best. Das ganze Programm.
Die Aufnahme klingt unglaublich dick, kompakt und dicht. Könnte
besser kaum sein. -
Rating: 7.5/10
Knut "Alter" (Hydra Head Records)
Optisch gesehen ist das Knut Remix Album zum 10 jährigen Bestehen
der Band (inzwischen 12 Jahre auf dem Buckel) schon mal eine gelungene
Sache. Kein Wunder, entstammt das Design wie immer der Hand von Aaron
Turner (Isis). Und wer das Design der letzten Knut Platten mochte, wird
auch hier begeistert sein. Die Tracklist liest sich wie folgt: 1. Dither:
Dither vs Knut, 2. Dälek: Deadverse Remix, 3. JK Broadrick: H/armless,
4. Mick Harris: 5 Turn Grinner Mix, 5. Ad's: Repressed Babylon, 6. Spectre:
Psychopathic Engine, 7. Oren Ambarchi + Robin, Fox + Anthony Pateras:
Karn Boys, 8. KK Null: Dekompozition Kknutll, 9. Francisco López:
Untitled #154, 10. Asmus Tietchens: Not Swiss Made, 11. Lucas Tamarit
+ Julien Sauser: Whacked Out - Un Esprit Sain Dans Un Corps Sain Remix,
12. Lad + Andres: Engine Pillsmix, 13. Seth Svollensen: El Niño
(Collage Rmx), 14. Ontayso: Reknutcut. Sicher, die Namen lesen sich
toll und noch toller wen man alle kennt. Ich war also einigermassen
gespannt, wurde dann aber doch etwas enttäuscht, denn wenn man
nicht bewusst die ganze Zeit hinhört, klingt alles leider ziemlich
ähnlich schroff und eintönig. Direkt mit der vor einiger Zeit
erschienen Isis "Rmx" Platte verglichen, kann "Alter"
nur den Kürzeren ziehen und verlieren. Wer sich die Zeit nimmt,
bewusst und mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören, der findet auf
"Alter" sicher interessante Momente, der Rest wird aber dieses
eher monoton und stumpf anmutende Album schnell beiseite legen, fürchte
ich.
Rating: 6.5/10
Loftus "Hugs And Drugs" CD (Monarchy Music Corp.)

Nach dem ersten Instrumental, einem ruhigen Ambient Stück, wird
man erstmal komplett weggehauen durch einen heftigen Schlag aus komplexen,
chaotischen Metal/ Hardcore, der vom ersten bis zum letzten Ton überzeugt.
Wer auf The Dillinger Escape Plan steht, ist mit "Hugs and Drugs"
genau richtig. Loftus beherrschen die Kombination aus Technik, durchschlagender
Brutalität und kurzen, ruhigen Verschnaufpausen die immer wieder
wie ein neuer Anlauf, ein neues Ausholen zum Gegenschlag klingen. Widersprüchliche
Songelemente fräsen sich durch harmonische Melodieansätze
und bringen alles zum wackeln und enden in purem Chaos. Der Sänger
kann was. Auch die Texte finde ich nett zu lesen und im Gesamtkontext
gesehen, gefallen mir Loftus damit nur noch besser. Artwork auch gelungen.
"Hallucination is kicking in and the trolls are concerning me while
the twins force me down". Yeah.
Rating: 8/10
Misery Index "Discodia" CD (Relapse)

Ok, alle mal in die Gruft hinabsteigen bitte und immer munter voraus.
Misery Index melden sich nach diversen Line-Up Veränderungen mit
einem neuen Album zurück und präsentieren Metal auf einem
technisch sauberen Niveau. "Discodia" enthält 10 schnelle,
aggressive und brutale Stücke, die nach vorne röhren. Die
Grindeinflüsse gepaart mit einer Punk/ Hardcore Attitüde machen
dieses furiose, destruktive Gefühl aus, das ausnhamelos allen Songs
unterliegt. Streckenweise macht sich beim hören der CD aber auch
Resignation breit, denn ausser dem steten nach vorne preschen, hat dann
"Discodia" mir doch zu wenig zu bieten. Zumal der neue Drummer
auch nicht die Offenbarung ist. Ich höre schon die Fans kreischen:
"Misery Index werden mit jeder Platte schlechter!". Ganz so
drastisch möchte ich es nicht formulieren, aber das Drumming ist
sicher der Schwachpunkt von "Discodia". Trotzdem, wer auf
extremen, rauhen Metal steht – zugreifen!
Rating: 5/10
Omega Massif "Kalt" CD-R (self released)
Bergsteiger am Hang, Eispickel in der Hand, die Schuhe mit den Metallspitzen
Schritt auf Schritt ins Eis gerammt. Langsam, zäh geht es voran.
Immer wieder stehenbleiben, ausruhen, aber auch auf der Stelle treten.
Tränen der Anstrengung im Gesicht. Weit, weit "unter Null".
Bergkuppe erklommen, Sonne am Horizont. Lächeln, das sofort wieder
wegfriert. Weiter geht's, mal werden die Beine schwach, egal, weitergestolpert.
Hauptsache weiter. Dann Schneegestöber, plötzlich Schneesturm.
Aufgerissene Hände, nur hängenbleiben, festklammern am Seil.
Rechts geht das Geröll den Hang hinunter. Riesige Eisbrocken. "Murgang".
Endlich, das Tal erreicht. Eiswüste liegt vor dem Gesicht. Durchkommen
unmöglich? Geht nicht, gibt's nicht. Muss. Füsse wie Blei,
wieder hingeflogen, wieder Eis voll auf's Gesicht. Plötzlich Klippe,
tiefer Felsspalt, eisiger "Schacht". Aber der wird, schliesslich
nach qualvollen Minuten auch noch geschafft. Da, in der Ferne ein Gebäude,
ein Bergdof wie eine Geisterstadt bei Nacht. Genaue Infos und Höreindrücke
auf omegamassif.de
Rating: 7/10
Sinking
Ships "Disconnecting" CD (Revelation Records)
Hier nun das erste Album einer Band die auf Revelation die Nachfolge
von In My Eyes antreten kann, denn Sinking Ships spielen kraftvollen,
schnellen Hardcore, der den geneigten Hörer mitreisst und zum Fingerpointen
und mitsingen einlädt. Musikalisch bewegen sich Sinking Ships neben
In My Eyes auch irgendwo zwischen Bane und By The Grace Of God, besonders
die melodische Liedführung und Melancholie erinnert an die letzt
genannten. Trotz Gefühl, Schnelligkeit etc. wirken die 12 Songs
bissig, aggressiv und griffig. Die Vision der Band ("...to bring
something new to an old sound") sehe ich jetzt vielleicht nicht
ganz verwirklicht, aber nicht weiter schlimm, da man ja nicht wirklich
viel neues erwartet bei diesem Sound. Das Booklet ist zwar relativ einfach
aufgemacht, dafür aber stilsicher mit dezenten Farben und Fotos,
welche "Disconnecting" noch mehr Gefühl verleihen.
Rating: 7/10
Skinless
"Trample The Weak, Hurdle The Dead" CD (Relapse Records)

Ich denke der Namen und der Titel sagen schon alles. Spieglein, Spieglein
an der Wand, wer spielt den krassesten Metal im ganzen Land? Absoluter
Granatenhagel was Skinless aus New York hier abliefern und das widerliche
Blut&Waffen Cover macht das praktisch schon vor dem ersten Durchgang
klar. Skinless spielen Death Metal der krasseren Sorte. Schnell, peitschend
und nach vorne, dazu Vocals die auch nicht gerade Freude ausstrahlen.
Seit 1992 dabei, doch erst 1998 das Debut Album veröffentlicht.
Seitdem ist man mit allem was Rang und Namen in der Metalszene hat durch
die Lande getingelt und diverse Tonträger veröffentlicht.
Wer musikalisch derb bestraft werden will, ist bei "Trample The
Weak, Hurdle The Dead" genau richtig.
Rating: 6/10
Tang "Another Thousand Days, Out Of This World" CD
(Emolution Records)
Tang entstammen dem nordfranzösischen Lille und haben sich schon
1997 formiert, aber erst mit ihrem 2002 Demo und dem darauffolgenden
Album "This Quietness Booms About On The Walls Like Birds in Panic",
auf Emolution, dem ortsansässigen Label, erschienen. Musikalisch
bewegt sich das Quartett in Post- Rock / Emo Gefielden und präsentiert
10 eher feinfühlig anmutende Stücke, die natürlich mit
der nötige Melancholie und Theatralik vorgetragen werden. Stellenweise
erinnern mich Tang sogar an Refused, womit der Bogen zur Produktion
des Albums geschlagen ist: denn produziert wurde "Another Thousand
Days, Out Of This World" von Magnus Lindberg (Cult Of Luna) und
das an keinem geringeren Ort wie den Tonteknik Studios in Umea, Schweden.
Wirken Tang auf den ersten Blick doch schüchtern, so wächst
dieses zweite Album mit jedem hören mehr. Kraftvoll und präzise
auf den Punkt wirkt das Zusammenspiel des Vierers. Das ansprechende
Artwork entstammt der Hand des französischen Mush (Queens Of The
Stone Age, Hellmotel etc.). Infos, Höreindrücke auf tangtangtang.net
Rating: 7/10
Triple Burner "s/t" CD (Madrona Records)
Triple Burners Debut ist eine schöne, ruhige wie dynamische Sache
die unmittelbar wirkt und wächst. Das Duo besteht aus Harris Newman
(Constellation recording-Guru) an der Gitarre sowie Bruce Cawdron der
für alles andere zuständig ist (Drums, Glockenspiel...). Triple
Burner arbeitet mit verschiedenen Elementen des Folk, Psych, Kraut und
Blues. Heraus kommt dabei eine harmonische, in sich geschlossene 7 Song
Platte, die durch und durch warm und weich klingt. Dronige Klangbilder
werden durch einfachste Effekte und Strukturen zum Leben erweckt. Die
Akustikgitarre Newmans baut immer wieder hypnotische Momente auf, die
durch die dynamische, gleichmässige Art fast schön meditative
Züge haben. Dasc Artwork der CD wirkt schlicht und die erdigen
Farbtöne dieser Mini-Gatefold Aufmachung (so nennt man das doch
heute...?) harmonieren mit der Musik. Triple Burner ist auf alle Fälle
interessant für Hörer von Jack Rose, Henry Flint, Cul De Sac,
Six Organs of Admittance.
Rating: 7/10
Ventura "Pa Campona" CD (Get A Life! Records)

Wundervoll lieblich gestaltete und auf 1000. Stück limitiertes
erstes Album dieser jungen schweizerischen Band mit Mitgliedern der
Bands Iscariote und Illford. Ihre melancholische, zurückhaltende
Musik bewegt sich im weiten Feld des Noise Rock und Emo im Stile der
1990'er auf Labels wie Touch & Go und Amphetamine Reptile. Die zurückhaltende
Art von "Pa Campona" und die Aufmachung vermitteln ein persönliches
Bild der Band. Die Produktion unterstreicht das und sorgt dafür,
dass die rauheren und lauteren, rockigen Stellen schön laut, dynamisch
und druckvoll erscheinen. Ein angenehmes Wechselspiel der Emotionen.
Schon bei den beiden Split 10"es von Ventura habe ich den Gesang
mit Walter Schreifels zu Quicksand, Rival Schools und auch Walking Concert
verglichen, ist er doch stellenweise ähnlich melodiös und
heiser. Ich weiss nicht wie die Band diese Vergleiche findet, aber es
sie hier noch einmal gesagt, dass ist positiv gemeint!
Rating: 7/10
When Tigers Fight "Ghost Story" CD (Dead Serious Recordings/
Indecision Records)
When Tigers Fight ist eine neue All-Star Band mit Mike McTernan (Damnation
A.D.) an den Vocals, Ken Olden (Damnation A.D., Shelter, Better Than
A 1000) an der Gitarre, Jonathan Dennison (The Promise) an der Gitarre,
Scott Andrews am Bass und Jarrod Alexander (The Suicide File) an den
Drums. 2003 hat sich die Band gegründet und bislang eine EP veröffentlicht.
Mit "Ghost Story" kommt nun das erste Album der Band heraus
und es weiss streckenweise durchaus zu überzeugen. Meine kürzeste
Formel für die Musik auf "Ghost Story" wäre: Damnation
A.D. zu "Kingdom Of Lost Souls" Zeiten meets Nine und dazu
noch eine dicke Portion Hardcore. Wuchtig, kompakt und mit enormer Durchschlagkraft
bahnen sich die 12 Tracks ihren Weg, manche Stücke und Momente
überzeugen mich voll, aber zugegeben es sind die, die mich an die
glorreichen Damnation A.D. erinnern und mich auf ein erneutes Knalleralbum
der reformierten Band um McTernan und Olden hoffen lassen, welches von
den typischen hoffnungslosen Stimmungen und Lyrics geprägt ist,
wie sie eben auch auf "Ghost Story" zu finden sind.
Anspieltips: "After All This Time", "Family Ties",
"No Way"
Rating: 7.5/10
Reviews
Fall 2006, Part I:
Die
Vielzahl an eingesendeter Musik zwingt mich so wie es momentan den Anschein
hat, wenn ich das alles bewältigen will, die Rezensionen wieder
im Zweimonatsrhythmus zu schreiben. Auch diesmal laden wieder haufenweise
gute, interessante Platten zur musikalischen Begleitung des Herbstes
ein...
Across Tundras "Dark Songs Of The Prairie" CD (Crucial
Blast)
Across Tundras sind mir eine neue Band und haben mich mit ihrem Debutalbum
auch etwas überrascht. Across Tundras stehen mit "Dark Songs
Of The Prairie" für 8 schwere, majestätisch wirkende
Rock Stücke, die klingen als habe eine Country Band aus vergangenen
Tagen, die aus irgendeinem gottverlassenen Kaff in der amerikanischen
Prärie kommen, irgendwie den Weg in unsere Zeit gefunden und dabei
entdeckt, dass man seine Instrumente an riesige Verstärker anschliessen
kann und damit den Charme vergangener Tage äusserst brachial in
ein neues Gewand stecken kann. Prärie, hohe Berge, ein grosser
blauer Himmel und wenig Menschen, so klingen Across Tundras auf "Dark
Songs Of The Prairie". Across Tundras schaffen es, eine Tangentiallinie
zu ziehen von Neil Young zu Hum zu Neurosis. Stichworte wie Americana
kommen dem Hörer unweigerlich in den Sinn. Als ich dran ging zu
überprüfen ob die Band auch textlich das hergibt was Musik
und Artwork von "Dark Songs Of The Prairie" vorlegen, wurde
ich natürlich nicht überrascht, denn hier stimmt es genauso:
"If I were King of the Midwestern plain, And had all things at
my will, I'd roam for solitude. But I'd seek for comfort still. The
comfort I would ask for, So that you may understand, Is to win the heart
of Mary, The Dark Flower of the Prairie."
Rating: 8/10
Aluk
Todolo "s/t" 7" EP (Implied Sound)
Implied Sound ist das 7" EP-Only Label von Public Guilt, die kürzlich
unter anderem Still von Dälek oder The Psychic Paramount CDs veröffentlichten.
Aluk Todolo kommen aus Frankreich und spielen "Occult Rock".
Der Name passt, wenn man weiss, dass mit Aluk Todolo eine alte Religion
gemeint ist, die noch heute auf der indonesischen Insel Slawesi zu finden
ist. Musikalisch wird auf die traditionellen Rock Instrumente zurückgegriffen
und so entstehen Lieder für die jeder Can, Circle und The Psychic
Paramount Huldiger ein offenes Ohr finden wird. Auf der EP sind zwei
esoterische, psychedelische und krautige Improv-Rock Stücke enthalten,
die durchaus den Live- und Jam- Charakter der Band auszudrücken
wissen. Die EP ist vielversprechend mystisch aufgemacht und natürlich
wie alle Implied Sound Veröffentlichungen auf 500 Stück limitiert.
Rating: 7.5/10
Bee And Flower "What's Mine Is Yours" CD (Neurot Recordigs)
Zwar schon 2003 erschienen, aber erst jetzt hier auf meinem Schreibtisch
gelandet. Bee And Flower um Dana Schechter stammen ursprünglich
aus New York City und machen bereits seit 1997 Musik, sind aber schon
vor einiger Zeit nach Berlin übergesiedelt. Dadurch bekam ich die
Möglichkeit in Stücke vom neuen, zweiten Album reinzuhören.
Dazu später mehr. Die Musik von Bee And Flower entführt den
Hörer in eine faszinierende, melancholische Welt aus schönem
weiblichen Gesang, Streichern, Klavier und düster-dunklen Gitarren.
Vom Gefühl her bewegen sich die 10 Stücke von "What's
Mine Is Yours" zwischen subtiler Filmmusik und geschickt darum
gebauten Rock. Neben lauteren Ausbrüchen sind die Songs meist eher
ruhig, aber durchsetzt von brodelnder Atmosphäre und Emotionen.
Die Produktion von "What's Mine Is Yours" klingt warm, natürlich
und dicht und die Stimme von Dana Schechter hat Raum sich auszubreiten.
Lieder wie "I Know Your Name" oder "Riding On Empty"
haben wegen ihrer eingängigen, subtilen Schönheit schnell
Wiedererkennungswert und offenbaren neben "Let It Shine" das
Potential der Band. "What's Mine Is Yours" wirkt wie aus einem
Guss und ja, hat einen fortlaufenden, nicht unterbrechenden Fluss.
Die 5 neuen Stücke der mir vorliegenden "Teaser" CD "5
New" sind ein ganzes Stück anders wie "What's Mine Is
Yours". Natürlich erkennt man sofort Bee And Flower und Dana
Schechters Gesang wieder aber die Stücke sind wesentlich dynamischer,
differenzierter und nicht mehr ganz so düster, aber trotzdem melancholisch.
Manchmal erinnert mich die Instrumentierung und Stimmung sogar an Björk
("Minx") oder der Gesang an Madonna ("Last Sight of Land").
Das soll jetzt keine Beleidigung sein, oder die Eigenstädnigkeit
von Bee And Flower in Frage stellen. Mir gefallen die neuen Songs noch
besser wie die Stücke von "What's Mine Is Yours", sie
haben noch mehr Raum, wirken weiter, luxuriöser und druckvoller.
Aufgenommen wurde u.a. mit 25 Streichern, Klavier, Synthesizern, einer
satten Percussion, Bassm Keyboards, Gitarren, Lap Steels und einem grossen
Kreis an Musikern von Calexico, Nick Caves Bad Seeds, Iggy Pop, Swans
und und und... Das neue Album erscheint voraussichtlich Anfang des nächsten
Jahres.
Rating: 8/10
Chris Herbert "Mezzotint" CD (Kranky)
Eben noch eine wissenschaftliche Arbeit zu einigen Mezzotinti von Constable
verfasst, und schon liegt eine CD mit dem Titel "Mezzotint"
auf dem Schreibtisch. So geht das also. Der in Birmingham, UK ansässige
Chris Herbert präsentiert mit "Mezzotint" gekonnt sein
Debut auf Kranky und reiht sich damit nahtlos ein in die Reihe von Qualitätsplatten
die seit Jahren auf Kranky erscheinen. "Mezzotint" ist eine
Sammlung von 7 digitalen, strukturierten und improvisierten Stücken,
die weitgehend durch eher unkonventionelle "Low-Tech" Methoden
aus der Umgebung Herberts stammen. Teilweise wurden sie von ihm sogar
während seiner Arbeitszeit nebenher aufgenommen. Seine Kompositionen
wirken intuitiv und organisch - elastisch. Es pulsiert, knackt und wabert.
Weite flächige Dronen breiten sich ruhig und besonnen aus. Man
findet sich fast in einem warmen, neblig – wolkigen Sumpf wieder,
dem man nur schwer entkommen kann, überall blähen in grossen
Blasen Gase aus dem Boden und verpuffen schnell. Wieder und wieder dieser
Vorgang. Es dauert lange, bis man durch die warmen Nebelschwaden die
Umgebung erkennt. Gerade deshalb klingen die Stücke Herberts erfrischend
anders, laden zu dieser ganz eigenen Erfahrung eines sich langsam lichtenden
Bildes ein. Herbert schafft es mit "Mezzotint" einen angenehmen,
undurchsichtigen Kontrast zu bilden, zu den oft zu sauber und am Reisbrett
kühl kalkulierten "Granulat-Sounds" unserer Zeit.
Rating: 8/10
Channels "Waiting For The Next End Of The World" CD (Dischord
Records)
Im Herbst 2003 haben sich Channels um J. Robbins (ex-Jawbox) gegründet
und mit "Waiting For The Next End Of The World" ihr erstes
Album via Dischord veröffentlicht. Schon nach nicht einmal 50 Sekunden
erinnert mich die Musik an die "Jupiter" Platte von Cave In.
Der Eindruck kommt immer wieder auf, obwohl Channels im Grossen natürlich
nicht nach Cave In klingen. "Waiting For The Next End Of The World"
ist eine kräftige Portion Rock mit Ecken und Kanten. Laut produziert
und direkte, leicht schräge Melodiebögen mit einem Hang zum
spacigen (Stichwort: Pink Floyd), treffen auf sperrigere Klänge,
die man von DC Bands kennt und schätzt. Was gut tut, ist der Pop-Appeal
der Songs, nicht zuletzt durch den weiblichen Gesang von Robbins' Lebensgefährtin
Janet Morgan, die Teil des Trios ist. Durch den offensichtlichen Einschlag
unterscheiden sich Channels dann doch noch mehr von Robbins' Vorgänger
Bands Jawbox und Burning Airlines, aber J. Robbins Songwriting ist wie
immer sehr offensichtlich in den 12 Songs. Insgesamt ist "Waiting
For The Next End Of The World" eine leicht schräge, aber runde
Sache. Äh ja.
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