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3 Seconds Of Air "The Flight Of Song" CD (Tonefloat) Rating: 8/10
Dreamsheep ist ein junges und aufstrebendes Label aus Italien, hinter welchem der großartige Valerio Cosi steht. Im Folgenden ein kurzer Abriss über drei interessante Veröffentlichungen auf Dreamsheep, einem Label, das man definitv im Auge behalten sollte.
Hinter "Hysteria" stand die Idee, Geräusche und Klänge von Erdbeben und Wasser zu nehmen und daraus unheimliche Sounds zu kreieren. Mission erfüllt, würde ich sagen. Dunkelste Ambient Klangcollagen mischen sich mit völlig zerstörenden Noise- Erruptionen mit Sprachsamples im letzten Track. Man hat das Gefühl, durch eine tiefe, dunkle Höhle zu klettern und schreckhaft vernimmt man immer wieder neue Geräusche: Mal plätschert Wasser direkt neben einem, dann vernimmt man wieder weit entfernt fast maschinelle, kalte Klänge. Der manchmal fast beatartige Charakter, der einzelnen Passagen unterliegt, stammt von direkten seismographischen Aufnahmen von Erdbeben. Sie klingen auch wie Granateneinschläge in weiter Ferne, deren Hall unterirdisch völlig gepresst und dumpf übertragen wird. Dunkel bis zum Anschlag, kalt und gespenstisch, das sind die Kurzformeln von "Hysteria". Wie immer bei Verato Project Veröffentlichungen: Limitiert auf nur 60 Exemplare.
Hinter Caethua steht Clare Hubbard aus Upstate New York, die neben anderen Projekten, Caethua als ihr Hauptsprachrohr nutzt und dabei ganz reizende experimentelle Lo-Fi Musik kreiert. Allesamt beeinflusst durch frühen Psych-Folk, schaffen es die 9 Stücke, eine eigentümliche, melancholisch-schöne Stimmung zu transportieren. Oft trägt ihr Gesang die schrammeligen Kompositionen, die durch Feld- Aufnahmen, langsame Dronen und dezente, düstere Melodien getragen werden. Wirklich sehr nette, ursprünglich und direkt wirkende Stücke, zu denen auch gut das Artwork der auf 300 Exemplare limitierten CD passt. Abgebildet sind neben einem Blick aus dem Fenster ein Haus und eine Scheune, die gut auf einem abgelegenen Grundstück liegen könnten und etwas Gespenstisches haben. Hier passen Clare Hubbards Melodien und Arrangements gut hin, wirken sie doch immer leicht so, als spuken sie durch ein leeres Haus, das irgendeine seltsame Geschichte aus lang vergangenen Tagen erzählt. Reizend. Rating: 7/10
Elektrohasch beehren uns gleich mit 3 neuen Alben von Cherry Choke, Fuzz Manta und Highway Child. Cherry Choke beginnen recht gemütlich, warm und ohne große Hektik. Sie spielen sich durch 10 nette Garage-Psychedelic Perlen. Bei Cherry Choke handelt es sich um die neue Band von Mat Bethancourts (Joshia, The Beginning, The Kings of Frog Island) aus England, die nun dieses selbstbetitelte erste Album veröffentlicht. Wenngleich die Aufnahme eher recht roh klingt, sind die Songs aber allesamt dynamisch und druckvoll. Clues veröffentlichen über Constellation ihr Debut Album, das schon alleine optisch einen lockeren, unverkrampften Eindruck macht. Hinter Clues stecken Brendan Reed (ex-Arcade Fire, Les Angels Mort) und Alden Penner (ex-Unicorns) aus Montreal. Musikalisch bieten die beiden dem Hörer dann auch mit der Hilfe von weiteren Musikern, eine buntes, schrammeliges Hörerlebnis,von kaleidoskopischer Energie und Rhythmik. Originell, charmant, immer nach vorne holpernd und stolpernd, ohne dabei aufgesetzt und verkrampft zu wirken. Zu beschönigen gibt es hier nichts! Stücke irgendwo im Postpunk, No-Wave mit einem kräftigen Schuss Pop. Clues bieten ihre ganz eigene, hingebungsvolle Interpretation des Begriffs Indie Rock an und es gelingt ihnen! Sie schaffen es damit, den Hörer durch die 11 Stücke mitzureißen und voller Freude neckend durchzujagen. Die Aufmachung ist absolut passend, bunt und fängt beides ein, zum einen die bunten, unruhigen Klangbögen, zum anderen die melancholische Stimmung, die immer wieder den Stücken unterlegt und sich an all das Farbenprächtige anschmiegt. Auch als Vinyl Version auf schwerem, 180g Vinyl erhältlich. Rating: 7/10 Über Mitglieder von Buried at Sea, Minsk und Kylesa, gelangte das Dark Castle Duo aus Saint Augustine, Florida zu At A Loss Recordings. Nachdem die Band bereits selber das Demo "Flight Of The Pegasus" veröffentlichte, welches durch Musik und Aufmachung zu begeistern wusste, veröffentlicht die Band nun mit "Spirited Migration", ein recht solides Debut Album. Die fast schon klischeehafte Aufmachung entstammt der Hand eines der Bandmitglieder und verweist neben dem ebenso plakativem Bandnamen auf das, was den Hörer in etwas über 35 Minuten Spielzeit und 8 Stücken erwartet: Eine schwere, metallische Doom-Psych-Reise, tonnenweise Groove und ebenso trostloser Verzweiflung und Resignation. Dass hinter dieser kompakten Angelegenheit nur ein Duo steckt, ist kaum zu vermuten. Das gutturale Geschrei und die turmhohen, monströsen Riffs und Rhythmen, werden immer wieder durch Postrock Elemente gebrochen. Insgesamt vielleicht ein immer wieder etwas zu eintönig wirkendes Album, dennoch für ein Debut Album recht massiv und von vielen guten, interessanten Ideen und Ansätzen durchspickt, fast so wie die spitzen Zinnen auf einer Burgmauer, die, abhängig von Witterung und Beanspruchung von Angreifern, auch einen unterschiedlichen Zustand aufweisen...
Als diese beiden Platten auf Vinyl in limiterter Auflage erschienen, hatte der Mann hinter Fear Falls Burning, Dirk Serries, erst damit begonnen, unter diesem Namen Musik zu machen und zu veröffentlichen. Insofern waren "The Carnival Of Ourselves" und "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" maßgeblich für die Entwicklung von Serries Drone Klanglandschaften, speziell "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" steht für einen direkteren, lebendigeren Live-Sound. Nachdem die Vinyl Versionen der beiden Veröffentlichungen recht schnell ausverkauft waren, wurden schnell Rufe laut nach einer zweiten Edition, gegen die sich aber Serries und das Tonefloat Label aussprachen und stattdessen nun beide Alben in digitaler Form neu und ergänzt um Bonusstücke herausbringen. Außerdem weisen beide CDs ein neues Artwork auf und kommen in dezent-schönen Deluxe-Kartonageverpackungen, die mit ihrem klaren Design und den ansprechenden Fotografien ganz besonders zur Geltung kommen. Die Bonusstücke auf beiden Discs wirken in keiner Weise wie Überbleibsel aus den jeweiligen Aufnahmesessions, sondern wie vollwertige, dazugehörige Stücke – wenn nicht schon fast wie eigenständige Releases, zumindest im Fall von "Dead Wisdom", dem Bonsustück auf "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace": 38 lange Minuten aus Feebacks ziehen den Hörer dann doch in andere Regionen, wo man zwar bewusst lauscht aber doch innerlich ganz ruhig abschaltet. Das Bonusstück zu "The Carnival Of Ourselves" ist mit 28 Minuten Spielzeit vergleichsweise kurz und hat eher sanften Klageliedcharakter. Insgesamt sehr gelungene Wiederveröffentlichungen, die auch auf jeden Fall für die Besitzer der jeweiligen Vinyl LPs interessant sind, ob durch die ansprechende Aufmachung oder die beiden, bis dato ungehörten Stücke.
Isis machen es einem nicht leicht, und schon gar nicht den Fans der ersten Stunde. "Wavering Radiant", das fünfte Studioalbum der Band ist doch eher schwer einzuordnen. Gut, man möchte der Band nicht gleich ein "belanglos!" und "langweilig!" um die Ohren knallen, aber viele werden das mit Sicherheit tun. Und man kann es durchaus nachvollziehen und verstehen. 7 Stücke in etwas über 54 Minuten lassen schnell erahnen, dass sich die Band bis zum Abwinken durch lange Songs kämpft und allerlei Pfade bis zum Erbrechen austritt und stampft. Und hier liegt auch das Problem von "Wavering Radiant" begraben: Zwar sind Isis seit ihrem letzten Album "In Absence of the Truth" (2006) durchaus gewachsen und besser geworden, aber was zur Hölle will man mit den ganzen feinen Soundtüfteleien, wenn man eher recht schnell gelangweilt ist? Der warme Sound ist positiv herauszuheben, die verspielten Gitarren ebenso, dynamisch, melodisch und doch immer wieder Aaron Turners komischer Gesang, der durch sein stumpfes Gebrüll schön gebrochen wird, Orgelsounds... alles eigentlich gut, man sieht, am mangelnder Qualität oder Können der Band liegt es nicht. Dennoch fehlt da etwas Entscheidendes: In der Band- Entwicklung hat sich eine allgemeine Verlagerung im "Isis-Ton" vollzogen, von "Panopticon" zu "In Absence of the Truth", und dabei ist es geblieben. Dass ist genau das, warum die Leute die Band für langweilig und belanglos halten. Denkt man an das großartige "Celestial" Album, so stellt man fest, dass es aus dem Oeuvre der Band heraus sticht, da wurden mutige Schritte gemacht, die aber auf den folgenden Alben leider gar nicht aufgegriffen wurden. Schade eigentlich, denn das Potential dazu haben Isis immer noch. Irgendwie strahlen zumindest die beiden letzten Alben das gleiche Gefühl aus, von ein wenig Weiterentwicklung mal abgesehen. Klar, auch "Wavering Radiant" kann man sich gut anhören, nette Ideen entdecken und es gut finden, aber genauso ist das Album viel zu eintönig und die Stücke zu lang. Ziellos wandern die Lieder in den über 7 Minuten Bereich und verlieren sich in ihrem gähnenden, recht belanglosen Herumgedüdel. Der letzte Track, "Treshold of Transformation", ist aber ein richtiger Brecher, wenigstens hier hat die Band alles richtig gemacht!
Mit "Neverstate" wurde mir das neue Album der Berliner Postrocker von Kam:as zugetragen, die nach "A Gap In Building" (2003), "Bric-A-Bric" (2005) und "Panic Among Whales" (2007) zu ganzer Größe gereift zu sein scheinen. "Neverstate" bietet auf zwei CDs ein mit einer einzigartigen Leichtigkeit eingespieltes Album, das einerseits süße Melodien und Gesang bietet, andererseits aber immer wieder von Widersprüchen, Brüchen und Gegensätzen geprägt ist. "Neverstate" ist voll von großen Spannungsbögen, mathematischen, noisigen Licks und Tricks. Dennoch, es klingt tatsächlich wie aus einem Guss! Als Namen, an welche ich mich immer wieder erinnert fühle, will ich hier nur wenige Große nennen: zum Beispiel Sonic Youth, zum Beispiel die großartigen Breach. Kam:as schaffen es mit "Neverstate," ein vielschichtiges, dynamisches und detailverliebt- druckvolles Album aus 11 Stücken zu schaffen,das ihre Liebe zur Musik und ihr Interesse an farbenfrohen, komplexen, wie einfachen Melodien und Songideen zeigt. Der knapp 45 Minuten dauernde instrumentale Einzeltrack auf der zweiten CD zeigt, dass die Band spielerisch auch locker mit Isis und Konsorten mithalten kann...
Master Musicians Of Bukkake neuestes Werk Totem One" ist Teil einer Nordwest Trilogie und ist eine klare Entwicklung von ihrem 2005 über Abduction erschienenen "Visible Sign Of The Invisible Order". Master Musicians Of Bukkake sind nun eine siebenköpfige Kraft aus kosmischen Psyche- Klängen, mit fast schon Allstar Charakter, denn es handelt sich unter anderem um Mitglieder von Earth und Burning Witch, sowie Gastauftritten von Timba Harris und Alan Bishop (Sun City Girls). Das Master Musicians Of Bukkake Kollektiv knüpft an die von den Sun City Girls entworfenen weltumfassenden, pantheistischen Soundbilder an, und so ist "Totem One" dann auch ein ritueller, auf elektropsychischen Gitarren basierender psychotischer, indianischer Totentanz, der das Bewusstsein zu erweitern sucht und die Grenzen von Innen und Außen sprengen will. Nie übertrieben, eher staubig und trocken, mit einer exotischen, schweren Percussion und hypnotischen, rituellen Gesängen, sowie einem meditativen Gefühl, welches mit dem Großen Geist Verbindung aufzunehmen scheint – und das nie übertreiben ernst, sondern eher von einer leichten Ironie gebrochen – dennoch aber mit aller Ernsthaftigkeit, um eigentümliche, abgefahrene Bilder und Eindrücke entstehen zu lassen. Meskalintripeindrücke in der trockenen Wüste. Kakteen oder Totenmasken in der Ferne, hinter dem trockenen Gestrüpp? Man weiß es nicht. Das bunte Knochenartwork von Seldon Hunt ist gelungen und absolut passend. Sicher eine der interessanteren Platten in letzter Zeit auf Conspiracy und auch als auf 500 Exemplare limitiertes Vinyl erhältlich. "Totem Two" wird in diesem Sommer über Abduction Records erscheinen. Außerdem sind EU- und USA- Touren in Planung.
Eine Einladung in letzter Minute zu einer Veranstaltung in einer Galerie im Februar diesen Jahres resultiert nun in dieser nur auf einer Seite abspielbaren LP. Über Sinn und Zweck dieser Veröffentlichung mag man streiten, aber jeder Sammler von den Platten von Fear Falls Burning aka Dirk Serries, wird sich diese LP auch nicht entgehen lassen, zumal sie in goldenem, silbernem und weißem Vinyl zu nur je 100 Exemplaren erscheint und bald schon nicht mehr erhältlich sein wird. "VI" schlägt einen epischen, mehr Harmonie orientierten Weg ein und ist im Dronegeplänkel recht seicht und sanft. Während das Debut- Album zielstrebiger, nach vorne orientiert erscheint, ist diese einseitige rund 22 minütige Vinylveröffentlichung eher verspielt. "VI" erscheint ansprechend und simpel aufgemacht und stellt einfach eine Momentaufnahme im Schaffen von Dirk Serries aka Microphonics dar, welche vielleicht hier und da auf die künftigen musikalischen Wege hindeutet, den Serries in Zukunft mit Microphonics beschreiten wird.
Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der japanischen Band Mono erscheint das fünfte Studioalbum "Hymn To The Immortal Wind", an welchem die Band über ein Jahr gearbeitet hat. Es ist ein großes Album geworden, wie der Soundtrack zu einem bombastischen, epischen Liebesfilm. Alle 7 Stücke wirken daher direkt miteinander verknüpft und fein verwoben. Die Musik ist im typischen Mono Stil majestätisch, ja fast romantisch, was gut zur im Booklet abgedruckten Liebesgeschichte passt. Ein Blick in das Booklet verrät, dass über 30 Musiker auf dem Album mitgewirkt haben, es war ein ganzes Kammerorchester aus Streichern, Cellisten, Flöten, Klavier und allerlei Percussion. Dramatisch und treibend wie der Wind, auf und ab, hin und her geht es in weiten, ganz großartigen Instrumentalwirbeln. Man wird beim Hören dieser cinematischen Klangbilder auf jeden Fall mitgerissen und erlebt entweder die abgedruckte Geschichte mit, oder entwickelt dazu eigene Bilder. Der Sound von "Hymn To The Immortal Wind" klingt warm, persönlich und ganz natürlich und homogen. Vielleicht nicht verwunderlich, da alles analog von Steve Albini aufgenommen wurde. Die gelungenen Bilder des dicken Booklets und die gesamte Aufmachung des Albums treffen den Hör- und Leseeindruck dieses imposanten Werkes recht gut und wissen die beim Hörer entstehenden Bilder nachhaltig zu fordern und fördern.
Wie der Name schon vermuten lässt, werden auf "Tape Sludge" Kassettenaufnahmen verwurstet und zu einem dichten Soundbrei und verzerrten Klangkollagen verarbeitet. Aufgenommen wurden die Tapes schon vor 18 Jahren und jetzt zu dem verarbeitet was sie sind: Kaputte Klangkonstruktionen, die in ihrer Wirkung eher verstörend wirken, da sie keinerlei offensichtliches Schema bieten, außer dem Vorsatz die originalen Kassettenaufnahmen auseinanderzuschrauben und in eine neue Dimension aus noisigen, dekonstruierten Klangkombinationen zu führen. Dass nun das, was dabei entsteht, nun gar nicht scharf klingt – sondern verschwommen und verschoben, ist wohl intendiert. Nur manchmal blitzt hier und da die monotone Genauigkeit einer stumpf vor sich hin laufenden Maschine auf. Limitiert auf nur 60 Exemplare. Rating: 6/10 Neil On Impression "L‘oceano Delle Onde Che Restano Onde Per Sempre" CD (Denovali Records)
Of ist das Solo Projekt von Loren Chasse, der schon für eine ganze Reihe von Veröffentlichungen (Thuja, The Blithe Sons, Softwar) sein Können unter Beweis gestellt hat und außerdem das Jewelled Antlers Label gegründet hat. "Rocks Will Open" ist ein erdiges, organisches Album und man kommt nicht drum herum, an die Natur oder irgendwelche Naturmotive zu denken: Sanfte Dronen blinken und blitzen im Sonnenlicht. Reflektionen und Lichtspielereien auf der Wasseroberfläche eines weiten Waldsees. In Zeitlupe sieht man diese bunten Enten ins Wasser eintauchen. Ihre Farben leuchten stark. Anfangs findet man "Rocks Will Open" vielleicht gar nicht so spektakulär, klar ganz nett, aber mehr auch nicht. Auch die recht unspektakuläre Aufmachung vergrößert nicht unbedingt die Neugierde. Setzt man sich aber für einige Minuten bewusst hin und absorbiert das, was da auf einen einströmt, so entfaltet "Rocks Will Open" seine eher feine, intime und subtile Wirkung. Es hat eben eine erdige Farbtönung und fällt nicht beim ersten Hinsehen auf. Vielleicht auch Kopfhörer Musik beim Mittagsschlaf, wer weiß. Limitiert auf 500 Exemplare. (no cover available) "Gaitan" schließt quasi nahtlos dort an, wo die "Armor" EP endete: "Gaitan" pulsiert und expandiert sich immer wieder neu durch 10 elektronische Noise und Ambiant Stücke in etwas über 40 Minuten. Die Dronen brechen immer wieder in vereinzelte Melodiefetzen- und Ansätze. Hier fühlt man sich an die Arbeiten von JK Broadrick wie Final oder auch Jesu, erinnert. Während einem sonst die frühe Zerfahrenheit eines Tim Heckers in den Sinn kommt. "Gaitan" ist noisig, roh und auf einzigartige Weise stumpf, statisch und kalt. Nadja von Dronemeister Aidan Baker, kommen einem hier in den Sinn. Während die äußere Aufmachung im, für Inam Records gewohnten handgemachten braunen Kartonagegewand mit gestempeltem Schriftzug und Grafik daherkommt, mutet das Inlay mit seinen Farben und Formen schon fast psychedelisch an. Natürlich auf nur sehr wenige Exemplare limitiert und handnummeriert. Zu erstehen über inamrecs@yahoo.com Rating: 7.5/10
Split und Remix LP von Rapoon mit den schwedischen Newcommern Relapxych .O. Das Stück von Relapxych .O ist ein langes, beinahe mystisch und verschlossen wirkendes Drone- Stück, mit etwas Hintergrundpercussion, welche dem Stück mehr Tiefe und Dunkelheit verleiht. Gegen Ende baut sich ein etwas lauterer, dröhnender Klangwall auf, das Stück wird psychedelischer und halluzinogener. Rapoon steuern auf ihrer Seite ein recht wunderbares und schönes Klavierstück bei, das von manipulierten Stimmsamples unterlegt ist. Mit zunehmender Spielzeit wird es etwas düsterer und versprüht noch mehr Ambiancen. Dann folgt noch ein Remix desselben Tracks, welcher nicht allzu weit vom Original entfernt ist und mit etwas elektronischen Spielereien ausgestattet wurde. Die LP ist durchaus ein kleines Sammlerstück, schon alleine, weil nur 200 Exemplare davon gepresst wurden und jede handnummeriert ist. Außerdem kommt jede LP mit einem anderen handgemalten Cover, das den Händen von autistischen und behinderten Jugendlichen entstammt, das vorliegende von der 17 jährigen Tina. Es sieht ganz reizend aus.
"Two Way Mirror" von Sand Snowman ist eine reizende, auf den ersten Blick fast Singer-Songwriter- artige Platte, die aber viel mehr zu bieten hat. Denn erst mit Kopfhörern wird deutlich, wie viel an Atmosphäre da im Hintergrund mit vielen kleinen Details geschaffen wird. Der Überbau an Gesang und Akustik Instrumentierung wirkt fragil und angenehm unvorhersehbar mit viel Folk-Appeal, was nicht zuletzt durch den fast chorartigen männlichen und weiblichen Gesang getragen wird. Das sind 9 zarte, undurchschaubare Stücke die funktionieren, vielleicht auch durch ein eigenartiges Gefühl von Leere, die den Liedern in den eher dronigen und ambientartigen Grundstrukturen unterliegt. Die auf "Two Way Mirror" dargebotenen Arrangements sind minimalistisch in ihrer Instrumentierung aus Akustikgitarren, Piano und den sanften Gesängen. Es entsteht fast ein schüchternes, intimes Verhätnis zu den Stücken. Genaueres Hinhören ist bei "Two Way Mirror" durchaus gefragt und zwischen Tür und Angel werden diese Stücke ihren Glanz nicht entfalten. Erhältlich ist "Two Way Mirror neben einer 180g Vinylversion auch als CD Gatefold- Album mit dezenter und sehr schöner Aufmachung, die ersten 500 Exemplare enthalten außerdem die aus 8 zusätzlichen Stücken bestehende Bonus CD "The Magpie House".
"Dead Bees" ist ein gelungenes, schönes 2 Track Drone Album, welches durch seine ruhige und melancholische Länge positiv auffällt. Was soll man da eigentlich groß beschreiben, frage ich mich. Kann ja gar nicht klappen. Wer gerne Maeror Tri oder Asmus Tietchens hört, sollte sich einmal mit "Dead Bees" von Seht auseinandersetzen. Die Drohnen bauchen sich über lange Leitern auf und wabern ruhig ihrer majestätischen Bestimmung entgegen. Riesige, ruhige Wellenberge. Irgendwo weit draußen. Drohnenozean. Stephen Clovers Seht Projekt ist wie ein guter Whisky, lange Wirkung mit vielen Geschmacksnuancen, die sich immer wieder und wieder aufbauen und recht unvermutet entfalten. Man hat lange davon, im Falle von "Dead Bees" zumindest schon über 60 Minuten. Die Aufmachung ist sehr einfach und unspektakulär gehalten, vergrößerte Bienenaufnahmen usw. Da hätte man mehr und Interessanteres leisten können.
"Minenhund" ist das neueste Werk von Christoph Hess aka Strotter Inst., diesmal in transatlantischer Zusammenarbeit vom Qualitätslabel Public Guilt (USA) und dem Schweizer Hinterzimmer Label. Zuallererst fällt die schöne Aufmachung in der braunen Kartonage- Verpackung aus 100% recycleten Materialien auf. Zudem enthält die CD noch eine Art Poster mit einer sensationellen Aufnahme einer alten Bergwerksmine, aus welcher gerade Gestein in Wägen von je vier Männern hinausgeschoben wird. Harte, ehrliche und so ursprünglich wirkende Arbeit. Genauso ehrlich wirkt "Minenhund," und die 14 darauf enthaltenen Stücke kommen rhythmisch und basslastig, vielschichtig und gebrochen- stampfend daher. Tief geht's hinab in den dunklen Berg. Warm und dumpf ist es da und so fühlen sich auch die Klangtexturen von Hess an. Interessanterweise fühlt man sich immer wieder an die großen Pan Sonic erinnert, wenn man so durch den musikalischen Mikrokosmos von Strotter Inst. streift. So wie der Raubbau in einer Mine industrielle Züge haben kann, so muss im Zusammenhang mit Christoph Hess' Klangkonstrukten auf den Industrial verwiesen werden, der ähnlich mechanisch, stampfend und polternd sein Unwesen treibt. Einziger Unterschied: Die Klanggebilde und Loops von Hess klingen eben kaum kalt, sondern warm, dicht und kompakt – was auch an der Herstellungsweise liegen mag, die ja durch allerlei Plattenspielerwurstelei- und Bastelei mit verschiedenen, recht unkonventionellen Hilfsmitteln, schön analog daherkommt. "Minenhund" überzeugt durchweg und ist eine ganz großartige Angelegenheit. (no cover available) Sujo macht nosige, lärmende Drone- Stücke mit dichten, kompakten Shoegaze Anleihen. Insgesamt vielleicht etwas roh und ungehobelt in ihrer Ausstrahlung, dennoch aber irgendwie ganz ansprechend und überzeugend. Sujos abstrakte Klangbilder wirken in ihrer Ausführung schwer und durchdringend bis hin zu schwelgerischer Brachialität. Ansprechend sind auch die Aufmachungen beider CDs: einerseits die niedliche 3" CD-R mit Pergament Inlay, andererseits die "Blood Saints" CD-R in einer schönen Kartonage Hülle. Liebe für's Detail und Handarbeit, wird bei Inam Records auf jeden Fall groß geschrieben. "Blood Saints" wie auch die selbstbetitelte 3" CD-R sind im Übrigen auf nur 48 Stück limitiert. Zu erstehen über inamrecs@yahoo.com
Anknüpfend an die letzten Veröffentlichungen von To Blacken The Pages, ist "North" eine noch mehr auf den Dynamiken von puren Gitarren- Rückkopplungen basierende siebenteilige Reise, hin zu den dunkleren Regionen des Lebens. Auch neu ist der Gesang auf dem dritten Stück "Give To The Sea, welcher sachte und ruhig dahinschwebt, während im Hintergrund die Gitarrenwand kontinuierlich anschwillt und lauter wird. Hinter To Blacken The Pages versteckt sich immer noch der in Dublin, UK ansässige Paul McAree, Künstler und Kurator. Die Gitarren auf "North" schwellen meist lange über Minuten hin, an – man braucht Muse und Hingabe um "North" richtig zu ergreifen, am besten in den Abendstunden, nach getaner Arbeit und in schläfriger Stimmung. Die Aufmachung von "North" ist fragmenthaft mit grobpixeligen, ausschnittartigen Bildern – sie stehen in Beziehung mit den langsamen, einzelnen Akkorde der dunklen Gitarre und fügen "North" somit zu einem ganzen Bild zusammen. www.toblackenthepages.com
Vier lange Jahre vergingen, in denen Karl Daniel Lidén seine ganz eigene Soundvision von Vaka beharrlich verfolgt und schlussendlich mit "Kappa Delta Phi" aufgenommen und der Welt zugänglich gemacht hat. Mit "Kappa Delta Phi" legt er ein außerordentlich vielschichtiges und komplexes Album vor, das im Vergleich mit den bekannten Bands des Genres regelrecht frisch und unorthodox daherkommt. Weite, ausladende und epische Rockstrukturen und Urgebrüll vermengen sich hier mit feinem Klavier, Synthie- und Orgelkompositionen. Im einen Moment kommt die rohe, brutale und brachiale Power von Neurosis an die Oberfläche, im nächsten Moment ist es die geschickte Verwegenheit einer Band wie Nine Inch Nails, die das Zepter führt. "Kappa Delta Phi" ist durchgehend schwer, bedrückend und offenbart sich in einem homogenen, eigenständigen Sound, der den Hörer mit zunehmender Spielzeit wie ein unberechenbarer Sturm mitzerrt und mitreißt und am Ende irgendwo ausgekotzt liegen lässt. Insgesamt in 6 Studios wurde "Kappa Delta Phi" aufgenommen, darunter auch die legendären Studios 301 in Stockholm, in denen schon einst Abba aufgenommen haben. Zahlreiche Gastmusiker halfen, die Klangvision von Lidén zu verwirklichen, darunter befreundete Musiker von Dozer, I Are Droid, Lowrider, Ghost Brigade, Come Sleep und A Swarm Of The Sun. "Kappa Delta Phi" ist ein reifes, durchdachtes Album, mit vielen interessanten Spannungsbögen und man kann Karl Daniel Lidén nur die Aufmerksamkeit wünschen, die dieses großartige Album tatsächlich verdient hat. Aufmachung und Artwork dieses aus 100% recycleten Materialien hergestellten Digipacks stammen von Wreck Creative Studios und überzeugen durch schöne Rottöne und großartige Logos. Übrigens, "Kappa Delta Phi" kommt erstaunlicherweise komplett ohne Gitarren aus... Anspieltips: "I Of Everything", "Somersaults", "Stalemates" Rating: 9/10
Nach ihren ersten beiden Studioalben "Diadem of Twelve Stars" und "Two Hunters" veröffentlichen die in unseren Breiten kontrovers diskutierten Öko- und Eso-Schwarzmetaller von Wolves In The Throne Room ihr neues Album "Black Cascade" über Southern Lord. Die vier gebotenen Stücke sind allesamt wie ein guter Wein, den man erst atmen lassen muss, damit er seinen vollen Charakter entfalten kann. Der mächtige, analoge Klang der Aufnahme klingt warm, fast punkig und irgendwie so erdverbunden. Aufgenommen wurde "Black Cascade" von Randall Dunn (Sunn O))),Earth, Grails...) auf ein 2 Inch Tape und auf einer 1973'er Neve Console abgemischt. "Black Cascade" ist so gesehen eine recht warme, homogene Angelegenheit, die überhaupt nicht kalt, metallisch und artifiziell klingt, was im Black Metal Bereich doch durchaus nicht ungewöhnlich wäre. Hier geht es definitiv nicht um Gesichtsbemalungen und Nietengürtel. Musikalische Alchemie nennt die Presseinfo "Black Cascade," und das zu Recht! Einfach tief in den Wald marschieren, sich unter Bäume setzen, fern ab von jeglichem menschlichen Einfluss und dort die vier langen schwarzen Tracks zu einer kleinen Andacht werden lassen. Rating: 7/10
Italiens ZU veröffentlichen mit "Carboniferous" bereits ihr 14. Album seit der Bandgründung im Jahr 1999. "Carboniferous" ist wahrlich ein monströses, gigantisches Werk an experimentellem Metal, Math, No-Wave, Noise, Punk und Jazz. Wo ZU vorbeigekommen sind, wächst kein Gras mehr. So viel ist schnell sicher. Das Saxophon klingt wie ein Schwein, das gerade abgestochen wird. Nett garniert wird "Carboniferous" von den Vocal- Einlagen von Mike Patton, der auf zwei Tracks Gesang beisteuert, wie er besser nicht passen könnte: Auch hier kommt einem Schweinegegrunze in den Sinn. Nicht verwunderlich also, dass ZU mit "Carboniferous" auf Ipecac gelandet sind. King Buzzo von den Melvins gibt auch auf einem Stück mit der Gitarre sein Bestes zur Unterstützung, was irgendwie auch ebenso wenig verwundert wie der Pattonsche Gastauftritt. ZU zeigen auf "Carboniferous" ganz hervorragend, mit welcher Leichtfertigkeit sie unorthodoxe, derbe und so herrlich kernige Kompositionen kreieren können, die man auf Anhieb nicht so leicht zu durchschauen vermag. Das Album ist sicher eine der bisher interessantesten, und soundmäßig dynamischsten Veröffentlichungen des laufenden Jahres! Rating: 8/10
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