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Lange hat es gedauert bis nun endlich die ersten Besprechungen diesen Jahres online sind... ein leises "Entschuldigung" vom Verfasser dieser Zeilen. Nichtsdestotrotz es gibt aber wieder viele gute Sachen zu hören! Danke an dieser Stelle auch an Konstantin für seine gelungenen Beiträge.
Asva "What You Don't Know Is Frontier" CD (Southern Records)
Rating: 8.5/10 Man kann ja zu dieser ganzen Old-School-Retro-Welle stehen wie man will; mein Ding ist das jedenfalls nicht - zumindest nicht, solange das Ganze nur simpel praktizierter Musikkonservatismus, ein musikalischer Rückgriff auf längst Bekanntes, ein Zitat eines Zitats ist. BLACK FRIDAY 29 zeigen auch auf ihrem neuen Album "The Pursuit Of Happinness" keinerlei Ambitionen irgendwie eigen zu klingen; es scheint, als gäben sie sich total mit der Wiederaufbereitung von bereits Existentem zufrieden. Dass sich das Artwork der Scheibe dann auch noch an den optischen Verkaufsargumenten der Musikindustrie orientiert, macht die Sache auch nicht angenehmer. Schmalzige Portraits und ein peinlich inszeniertes Bandfoto vor einem verpfuschten "Punks [sic!] not dead!"-Schriftzug: Die Aufmachung ist Zeugnis der Tatsache, dass es im "Hardcore the way it should be played" (Presseinfo) doch sehr viel um Äußerlichkeiten und damit generiertes Image geht. Dass die Songs, die irgendwo zwischen MOUTHPIECE (Harmonien), TRIAL (Power) und BETTER THAN A 1000 (Gesang) angesiedelte sind, eigentlich ganz lässig klingen, interessiert mich da auch nicht mehr die Bohne. Ästhetisch sind BLACK FRIDAY 29 einfach nicht herausfordernd genug, viel zu voraussagbar und unspannend.
Ohne Zweifel, Boris machen das, was sie da seit einigen Jahren machen, nicht so schlecht und der Hype um das neue Album ist recht ordentlich, aber irgendwie bin ich von der Band ziemlich angenervt, was nicht zuletzt an der Veröffentlichungspolitik der Band liegt, die auch gerne haufenweise Müll hervorbringt. Mit "Smile" ist das eine ähnlich Sache, da es wieder einmal zig verschiedene Versionen gibt. Japan vs US, CD vs Vinyl und die vorliegende Promo CD ist wieder anders. Aha. Rating: 8/10
"Crippled Lucifer" ist eine essentielle und legendäre Veröffentlichung gleichermaßen, denn einerseits waren Burning Witch essentiell für die Entwicklung des heutigen Doom Metals und andererseits markiert die Band den Ausgangspunkt für das Schaffen beider Musiker und jetzigen Sunn O))) Köpfe Steven O'Malley und Greg Anderson. Rating: 9/10
"Lie In Light" ist das neue Album der Krautis von Cloudland Canyon um Simon Wojan und Kip Uhlhorn. Die Einflüsse sind irgendwo im deutschen Untergrund der 70'er Jahre zu finden, Harmonia lassen sehr stark grüssen. Ausserdem: add some baroque Pop here and there. Das Ergebnis ist erstaunlich entspannt, aber auch nicht wirklich spannend, mehr so zum nebenher hören, sich einlullen lassen. Rumhängen und sich von den ganzen musikalischen Farbeindrücken betören lassen. Bunte Hippiefarben überall. Die sieben auf "Lie In Light" präsentierten Stücke sind dabei wenig eindimensional, vielmehr öffnen sie viele Horizonte. Extraordinäre kosmische Schwingungen, Trance, hypnotische Tiefe und eine von Sonnenstrahlen nur so getränkte Schönheit. Schöne schimmernde Fahrt über den Regenbogen. Das Artwork fängt auf dem Cover die helle, lichte und dronige Atmosphäre des Albums ein und wirkt gleichzeitig wie eine Reminiszenz an die vergangenen grossen Tage der Musikgeschichte. Innen geht's dann ziemlich hippiemässig weiter... Party hier, party da. Rating: 7/10
Darsombra ist das Soloprojekt für experimentelle Musik von Brian Daniloski (Meatjack). "Eternal Jewel" ist sein zweites Album, das in erster Linie auf einer Baritone Gitarre basiert. Strukturell gesehen ist es eine Mischung aus überlegten, komponierten Stücken und spontanen Improvisationen. Brian Daniloski beherrscht auf den fünf Stücken auf brilliante Art und Weise das Wechselspiel zwischen kraftvollem aggressivem Doom und eher lichten, schimmernden psychedelischen Dronen. "Eternal Jewel" ist eine kraftvolle Angelegenheit. Seltsame düstere Klanglandschaften, die den Hörer wie durch einen sumpfigen Märchenwald ziehen und hier und da komische Fratzen im Gebüsch entdecken lassen wechseln mit grossartig in Szene gesetzten und von langer Ruhe getragenen, weiten Sonnenplateaus. Die einzigartige Vermengung von Melodien und kalter Schwere erlaubt es Daniloski auf unbeschwerte Weise den Raum dazwischen mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Elementen, Flächen, Harmonien und Stimmungen zu füllen. Ab und an fühlt man sich gar an die Klangkonstruktionen von Steve Reich erinnert. Schönes Design des zeitgenössischen Malers Stephen Kasner. Rating: 8/10
"When Mystery Prevades The Well, The Promise Sets Fire" ist eine dezent, aber eindrucksvoll gestaltete Gatefold LP auf 180g Vinyl und limitiert auf 500 Exemplare. Rating: 8/10
Dezent gestaltete LP mit rotem Siegel auf dem Cover. Zu hören ist altes, unveröffentlichtes Material von 2004, aus den Anfangstagen von Fear Falls Burning. Der FFB-Drone Charakter war damals schon vorhanden, allerdings klingen die Stücke noch etwas luftiger und leichter. Die Idee zu dieser Platte kam mit den letzten 136 Exemplaren der "First By A Whisper, Then By A Storm" CD und so fackelte man nicht lange und veröffentlichte eine kleine Spezial Edition, bestehend aus CD plus LP, die wohl inzwischen schon so gut wie ausverkauft sein dürfte. Die Liebhaber und Kenner werden langsam aber beharrlich mehr. Die Stücke klingen noch einfacher gestrickt, ohne viele Flächen und Schichten. Einerseits wirken die Dronen dadurch primitiver, andererseits aber durchaus direkter und leichter greifbar. "First By A Whisper, Then By A Storm" kann also als Dokument einer Entwicklung betrachtet werden, die zu grossartigen Alben geführt hat, wie das unten besprochene "Frenzy Of The Absolute" Album, das ja in diesen Tagen erschienen ist. Rating: 7/10
Lange und gespannt habe ich auf das neue FFB Studio Album gewartet, denn es ist in der Herangehensweise doch etwas anderes, wie die vorhergegangenen zahlreichen Arbeiten von Dirk Serries. "Frenzy Of The Absolute" besteht aus 3 langen Stücken, die unter der Mitarbeit von Gastmusikern ihr schlussendliches Gesicht bekommen haben. Das erste Stück ist mit den Drums von Tim Bertilsson entstanden. Einerseits lebending und organisch im Klang, wirkt das Stück doch meditativ und ausladend. Die weiteren Stücke featuren Dave Vanderplas (Rubbish Heap, Ontayso) und Johannes Persson (Gitarre) sowie Magnus Lindberg (Drums) von Cult Of Luna. Die Dronen wirken mysteriös und immer wieder entstehen halluzinöse Geisterszenen beim lauten Anhören in Dunkelheit. Wie bei den vorhergegangenen FFB Veröffentlichungen ist der epische Charakter der Stücke immer noch da, und lässt sie wie ein mächtiges Band vor dem Horizont gigantisch weit ausgedehnt, hin und her wabern. Nicht mehr so licht und hell wie früher, sondern eher düster und verschlossen zeigen sich die Klanglandschaften auf "Frenzy Of The Absolute". Arktische, trockene Kälte. Das Artwork des Digipacks ist simpel und spröde aber effektiv wenn man es aus und einklappt. Es unterstreicht den statischen Unterton von "Frenzy Of The Absolute". Neben der regulären CD- Veröffentlichung, natürlich auch als auf 500 Stück limitierte Vinyl Version erhältlich, die neben einem Bonus Stück noch ein versteckten Track enthält. Rating: 8/10
FLU.ID sind im Hardcore zu Hause; diese Energie spürt und hört man einfach. Eine musikalische Verortung des Trios fällt jedoch ungleich schwerer. Aus technisch anspruchsvollem Riffing und abgedrehtem Schlagzeugspiel werden atonale, komplexe, anstrengende Stücke geschmiedet, die über verwendete Dissonanzen und den fiesen "Gesang" eine ordentliche Portion Dreck erhalten. Aufgrund der verwendeten Stilmittel müsste man die Sachsen wohl am ehesten mit Mathcore und Noiserock der Marke BOTCH und UNSANE in Beziehung setzen. Leider bietet "iots" kein neues Material, sondern ist lediglich ein zusammenfassender CD-Release der bisherigen Veröffentlichungen. Dass die Songs aus zwei verschiedenen Sessions stammen, ist den Aufnahmen dabei (leider) deutlich anzuhören. Für meinen Geschmack sind die Stücke der "New Imperial Sadism" (Interstellar Records, 2007) zwar die besseren Songs, kommen aber etwas zu lasch produziert und deswegen zu wenig bissig daher. Der Sound der ersten, selbstbetitelten 10" (Modus Operandi, 2006) hingegen überzeugt auf ganzer Linie; jedoch weisen die Songs hier noch nicht diese abgedrehte Verspieltheit der späteren Stücke auf. Da die beiden Scheiben seinerzeit nur auf Zehn-Zoll-Vinyl gepresst wurden und mittlerweile ausverkauft sind, hat sich jetzt ein motiviertes, etabliertes Indie dazu entschlossen, die Songs zu remastern, auf eine CD zu packen und erneut - diesmal mit weltweiter Distribution - in die Umlaufbahn der Indie-Verwertungsmaschinerie zu schießen. Wer FLU.ID bereits kennt und die Platten schon im Schrank stehen hat, wird also nichts Neues von diesem Release mitnehmen. Allen anderen wird aber ein zweiter Aufguss präsentiert, der nicht minder lecker als der erste schmeckt. Insgesamt sicherlich kein Easy Listening, was uns das Trio da serviert, aber wer sich erstmal näher mit der Materie beschäftigt und begreift, was genau die Jungs da eigentlich machen, wird seine wahre Freude an FLU.ID haben. -Rezensiert von Konstantin Hanke Grey Daturas sind ein australisches Instrumental-Trio, das ohne jegliche richtig strukturierte Songs oder Melodien arbeitet und alles praktisch improvisiert. Einigermassen "rauh" klingt dann auch "Return To Disruption" und serviert ein musikalisches "Mischmasch" von Avant-Rock, Psychedelic, Noise, Industrial, Punk, Metal und vielleicht etwas Free Jazz. "Return To Disruption" ist ein einigermassen tiefgrauer bis pechschwarzer und vor dunkler Dronen und Sludge-Riffs triefender Hexenkessel, der auch durchaus in wildem, ekstatischem und alles verneinendem Lärmchaos endet und festfährt. Keine leichte Kost und schön-Wetter-Musik ist dann doch etwas anderes. Trotzdem wirkt das Ganze oft zu schnell eintönig und langweilig, erst gegen Ende bauen sich interessantere Klangkonstruktionen auf, die nicht nur so simpel und roh improvisiert klingen, sondern sich auf einer durchaus bewussten Ebene abspielen und mehr Raum für interessante, ekstatische Momente bieten. Das Artwork passt mit seinen grauen November-Tag- Nebelschwaden ganz gut zur Musik, und trifft visuell das, was die Band mit diesem nihilistischen Batzen Musik ausdrücken möchte. Rating: 7/10
Freudig erwartet und auf keiner Ebene enttäuscht das neue Album von Guapo und gehört mit dem Nebenprojekt Aethenor zu den Highlights dieses Frühlings. Schon beim Anblick des ganzen Artworks ahnt man, dass dieses Album wohl kaum schlecht sein kann. Die Gestaltung des Booklets ist simpel aber grandios und zum besseren Ausdruck auf glänzendes Papier gedruckt. Musikalisch sind Guapo auch dieses Mal unverwechselbar zu erkennen, denn waren die Vorgänger Alben zwar stilistisch immer unterschiedlich, so sind die Eigenheiten von Guapo auch dieses mal deutlich zu hören. Die Einflüsse sind auch die selben: Zeuhl, Prog wie Univers Zero, die noisigen Elemente und natürlich dies und das Elektronische. "Elixirs" ist nicht mehr so lautstark wie "Black Oni", dafür aber von mystischer Ruhe durchdrungen. Die Produktion klingt lebendig und homogen. Es gibt viel zu entdecken, denn die Musik ist durchaus geheimnisvoll und detailliert gestaltet. Kammer-Prog, atmosphärischer Post-Rock mit orientalischen Elementen. Meist eher langsam und quellend treten die gerade einmal 6 Stücke in einer Stunde Spielzeit aus den Boxen und verteilen sich schlangenartig im Raum. Mystische Philosophien von Athanasius Kircher, Conan Doyle oder Ragnar Hyltén-Cavallius werden auf "Elixirs" musikalisch verarbeitet und veranschaulicht. This Heat, Magma, Popol Vuh und der Miles Davis der frühen 70'er Jahre... alle fanden Einlass auf diesem, nun mehr sechsten Album von Guapo. Der Raum an dieser Stelle reicht nicht aus um die geniale musikalische Vielfalt von "Elixirs" noch weiter zu beschreiben. Gelungene Gesangseinlagen von Jarboe und Alexander Tucker gibt es auch noch zu hören. Jeder muss dieses seltsam-mystische musikalische Reich selber betreten und die vielschichtigen Ebenen und Farben selber erfahren und entdecken. Rating: 9/10 -Rezensiert von Konstantin Hanke
Wieder einmal schöne, exkuisite Aufmachung, wie fast ausnahmslos bei allen Veröffentlichungen von Verato Project. Diese CD-R ist auf nur 60 Stück limitiert. Rating: 8/10
Purge ist die musikalische Vision von Andrew Phillips, der mit der Hilfe von befreundeten Gastmusikern "Thirst" eingespielt hat. Klangen die früheren Demo-Arbeiten von Phillips noch ungleich unstrukturierter und experimenteller, so schleicht sich auf "Thirst" schon das Gefühl ein, es mit einem fein strukturierten Konzeptalbum zu tun zu haben. So ist Purge dann auch atmosphärischer Rock mit herausragendem klaren Gesang. Treibende Rhythmen voller Depression und Dunkelheit und feinere, lichtere Momente machen "Thirst" zu einem speziellen Kleinod. Elemente von Bands wie Tool, Isis oder Jesu kommen in den Sinn, verblassen aber wieder schnell, denn damit hat Phillips' Purge doch auch irgendwie nicht so viel gemein. Ich mag dieses spezielle, feine Gefühl von gepresster Finsternis und Einsamkeit, welches den 7 Stücken unterliegt. Diese Schnittlinie von "laut" und "leise", von feinen Emotionen und harscher, offener Aggression, überschreitet Andrew Phillips mit Purge präzise und gekonnt. Die Produktion ist gelungen, wenngleich sie etwas erdiger und lebendiger klingen könnte, nicht so statisch und Industrial-mäßig. Das Artwork ist dunkel und recht simpel gehalten. Mehr Infos auf: http://www.purgeme.co.uk/ Rating: 8/10
Robots And Empire haben sich im August 2004 gegründet, als die Bands When Dreams Die und Drowing Room auseinandergingen. Nach den Alben "Crawling From The Wreckage" und "Cast Shadows On Dragons" auf Glacial Records ist die Band mit ihrem neuen Album "Omnivore" auf dem New Yorker Label Trip Machine Lab. gelandet. Schon nach den ersten Sekunden hört man sofort, dass die Band wohl den ganzen Post-Hardcore Kram, der Mitte und Ende der 90'er Jahre gespielt wurde, einmal zu oft angehört hat. Im positiven Sinne. Die 14 Stücke sind kraftvoll und fahren gekonnt und eigenwillig irgendwo im musikalischen Viereck dieser Zeit und Bands wie Quicksand, Cave In, Cast Iron Hike, Only Living Witness, Orange 9mm, Vision Of Disorder, Deftones etc herum. Melodiös, laut und im mittleren Tempo- Bereich ackern sich Robots And Empire durch ihr Terrain und bauen dabei auch ordentlich schwere und harte Soundwände auf. Neben direkteren, einfachen Rock Stücken sind auf "Omnivore" auch ordentlich spacige Parts sowie sludige, doomige Jam-Batzen zu finden. Robots And Empire haben jede Menge Potential, nur schafft es die Band nicht, das konsequent und bestimmt umzusetzen. Das gelang zum Beispiel Cave In immer weitaus besser, obwohl die ja bekanntermassen auch jeden Menge Schwierigkeiten hatten. Weniger in Langatmigkeit verlieren, dafür präziser und genauer auf den Punkt spielen. Aus den 14 Stücken hätte man auch fast zwei Platten machen können, vielleicht würde dann mehr und besser hängenbleiben. So bleibt als Eindruck: Robots And Empire? Da war doch was, stimmt die hatten doch zig gute Ideen, aber welcher Song nochmal genau? Man behält keinen so richtig klar in Erinnerung. Das Artwork trifft den Gesamteindruck von "Omnivore" erstaunlich direkt: Einerseits so passend und aussagekräftig, andererseits so verwirrend und nichtssagend. Rating: 7.5/10
Schon das "Elch-Artwork" des Digipacks sieht sympathisch unkonventionell und frisch aus, es stammt vom bekannten Tatoo Künstler Jürgen Eckel (Times Of Grace Tattoos). Musikalisch sind die13 Stücke auf "In Circles" auch frisch und ungezwungen, sie greifen zwar mancherlei Elemente der melodischen Hardcore Geschichte auf, aber ohne in zu flache Gewässer zu schippern. Bands wie Youth of Today, Shelter oder auch Endstand kommen in den Sinn. Sirens schlagen auf "In Circles" im Gegensatz zum Vorgänger "Calling" etwas progressivere Wege ein, die der Band insgesamt mehr Spielraum für Variationen gibt und für Abwechslung sorgt. Entweder als CD mit 2 Bonustracks oder als limitiertes farbiges Vinyl mit Gatefold-Verpackung erhältlich. Rating: 7/10
Was Matthew Bower da in den Wuthering Heights von West Yorkshire, UK ohne da wieder einmal für Krachterrorismus konzipiert und aufgenommen hat, verblüfft mich einmal mehr. Übelste Feedback-Tiraden prügeln völlig entartet und monoton, erbarmungslos auf die Gehörgänge des Hörers ein. Morbider, musikalischer Wahn in seiner freiesten und schönsten Form. Rabenschwarz ist die Musik, so schwarz wie die Welt. Black Noise. "Desire For A Holy War", grandioser Titel für ein Album, das nach "Orange Canyon Mind" und "Tribulation" kaum besser sein könnte. Es steht da, als freies Synonym, für den uralten Traum von hunderttausenden verlassenen Seele, die tausende und abertausende von wütenden Flüchen über die Welt nur so auskotzen. Sie sind steinalt und schreien nach Vergeltung. Immer und immer wieder. Rating: 9.5/10
Hier ist der Name wohl Programm. Sludge sind ein ordentlich schwerer Brecher aus der Schweiz und walzen ganz schön voran und machen direkt nach den ersten Klängen alles platt. Sludge mischen die Einflüsse von Bands wie Celtic Frost, Cathedral und Entombed und kochen daraus ihr eigenes höllisches, metallisches Süppchen. Die Band besteht schon recht lange und hat mit verschiedenen Platten und Konzerten seit Mitte der Neunziger immer wieder von sich Reden gemacht. Nach zwei Besetzungswechseln ging die Band gestärkt mit Makro, dem Gitarristen von Samael, ins Studio und hat ein beachtliches Werk an Heaviness eingespielt. "Lava" ist kompromißlos in der Härte und knallhart im Klang. Die absolut dicke und dichte Produktion ist ein Machwerk von keinen Unbekannten: Aufgenommen von Makro (Samael), abgemischt von Serge Morattel (Knut, Shora etc.) und gemastered von Alan Douches (Mastodon, Converge etc.). "Lava" ist neunmal Feuerspucken, ist neunmal massive Eruption, ist neunmal Vulkanausbruch der gewaltigen Art.
Dass es derzeit im frankophonen Europa eine ganze Armada von Bands gibt, die diesen modernen, doomigen Hardcore spielen und dass das Qualitätslevel der Veröffentlichungen dabei auch noch extrem hoch liegt, bewiesen u.a. AMEN RA, YEAR OF NO LIGHT und TIME TO BURN mit ihren Album-Releases in den vergangenen Monaten eindrucksvoll. Nun, die Metaphorik mit der Spitze des Eisberges dürfte ja hinlänglich bekannt sein; die tradierte Annahme, dass der unter dem Wasserspiegel verborgene Teil der Unheilsbringer sei wird jedoch von der vorliegenden Split 10" von SOFY MAJOR und ONE SECOND RIOT widerlegt. Beide Bands, die sich außerhalb Frankreichs bisher noch unterhalb der Wahrnehmungsoberfläche befanden, stehen der besagten Spitze eigentlich in nichts nach. Am Anfang etwas sperrig anmutend, öffnen sich die Songs von SOFY MAJOR mit jedem Hördurchgang. Screamo-Anleihen bei GANTZ werden mit leicht chaotischen Elementen der Marke CONVERGE und Co. verdrahtet und mit einem Schuss fieser Düsterkeit der URANUS-Schule angereichert. Den Jungs aus Clermont-Ferrand in Zentralfrankreich gelingt es vorzüglich, das so abgesteckte Feld höchst Ertrag bringend zu beackern, ohne der Frucht nicht einen eigenen Geschmack verliehen zu haben. ONE SECOND RIOT aus Lyon gehen etwas dynamischer und verspielter als die Split-Partner, aber nicht minder intensiv zur Sache. Hier werden Math- und Noise-Elemente mit experimentellem Kram à la MILEMARKER (zu "Future Isms"-Zeiten) oder THE RED SCARE verknüpft. Die Songs beider Bands klingen höchst eigenwillig und spannend. Die schlechte Nachricht deshalb: von beiden Bands gibt es auf der vorliegenden EP jeweils nur drei Stücke zu hören. -Rezensiert von Konstantin Hanke
Die schier endlose Weite eines Ozeans, ein gewelltes, vor Kraft strotzendes Monstrum, blaugraue, fast schwarze Ungewissheit bis zum Horizont und auch dahinter kein Licht. Stattdessen nur grauer Himmel, dicke Wolken. Darin versunken, schwimmend, stehend: von Menschenhand geschaffener, vor sich hin rottender Tand. Diverse futuristisch anmutende Konstrukte in post-apokalyptischer Inszenierung: mit Munition gefüllte Kriegsschiffswracks, rostige Bojen, verwaiste Bohrinseln. Ein Ausschnitt aus dem aktuellen Zustand der Welt wird als Warnung und allumfassende Zukunftsvision dargeboten. Ein bedrohliches Szenario, eine schallende Ohrfeige für die Menschheit - und doch wohnt dem ganzen eine gewisse Ästhetik und Anziehung inne, die vielleicht aus der Hoffnung auf eine vom Zerstörer befreiten Welt erwächst. In etwa so wie das Artwork gestalten sich auch die Songs auf dem selbsbetitelten Album von SONS OF ALPHA CENTAURI. Die Stücke bewegen sich nah an der Motivik der im Booklet verwendeten Fotografien. Der eher rockige, als episch-flächige Postrock der Briten greift die dort abgebildete Düsterkeit und die Urgewalt des Meeres auf. Die Stücke sind sperrig, wellig und verdreht. Sie winden sich, sind unruhig und unbequem. Insgesamt musikalisch sehr solide, aber sicher keine herausragende Leistung. Was dennoch verblüfft und schlussendlich überzeugt, ist die Tatsache, dass es den Jungs aus der Grafschaft Kent vortrefflich gelingt über die Verbindung von Artwork und Klang nonverbal Inhalte zu kommunizieren. -Rezensiert von Konstantin Hanke
Bereits im Jahr 2000 begannen THE WINCHESTER CLUB aus London mit den Aufnahmen zu diesem Longplayer. In der Folgezeit ereigneten sich dann aber Dinge, an denen andere Bands wahrscheinlich zerbrochen wären: Zweimal gingen sämtliche Aufnahmen durch Laptop-Raub und Festplatten-Crash komplett verloren! Zwischen Berufen und anderen musikalischen Aktivitäten schaffte es die Band dann dennoch - sieben Jahre später! - "Britannia Triumphant" fertig zu stellen. Alle Beteiligten haben wirklich langen Atem bewiesen - und das völlig zu recht: es wäre schade gewesen, wenn diese Klänge nie den Weg in unsere Gehörgänge gefunden hätten. Langer Atem ist allerdings auch bei der Rezeption des Albums von Vorteil: Stücke von beeindruckender Länge (3 Songs in 40 Minuten!) schlängeln sich entspannt und grazil durch Ambient-/Post-Rock-Atmosphäre der Marke GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR. Flirrende Gitarren, dröhnende Bässe, dezent akzentuierte Drums, Field Recordings und vereinzelte Spoken Words sind die Zutaten, die in den spannungsgeladenen Crescendi der Briten verarbeitet werden. Alles sehr einfach gehalten, aber gewissenhaft und wirkungsvoll inszeniert. Schade eigentlich, dass dieses Album erst jetzt im Frühling erscheint und mir nicht bereits im Winter etwas Wärme hat spendieren können. "Britannia Triumphant" kommt in einer schicken Holzbox und ist weltweit strikt auf 1200 handnummerierte Exemplare limitiert. -Rezensiert von Konstantin Hanke
To Blacken The Pages ist Paul McAree. Nach zwei CD-R Veröffentlichungen ist "None" nun die erste richtige CD Veröffentlichung für Colony Records und den Künstler gleichermaßen. "None" enthält 30 Minuten und 3 lange Klangforschungen mit der Gitarre. Anfangs noch in der Nähe von Stimmungen die gut zum Dead Man Soundtrack (Neil Young) passen, verschiebt sich nach und nach der Fokus zu mehr verschrobeneren Ambiancen, die dann immer wieder im Verlauf der 3 Stücke zum Dead Man Thema zurückkehren und das gekonnt umgarnen, umspielen und uminterpretieren. Die dunklen Akkorde variieren in feinen Nuancen und werden über weite Minuten getragen und immer wieder neu unterbrochen und anschliessend wieder aufgebaut. Es ergeben sich dabei düster- dunkle Stimmungen. Visuell auch ganz dunkel und eher einfach ist das Artwork gestaltet, das dem Gesamteindruck noch mehr an Einsamkeit und Tristesse verleiht. Rating: 8/10
Tournament aus Brooklyn, NY spielen auf "Swordswallower" fünfmal spastischen Hardcore-Punk, der so lieblich-nett dahin gerotzt klingt, mit so einem 80'er Jahre Dischord Feeling dabei. Ausgangslage zur Gründung von Tournament im Sommer 2006 war und kann nur der Spass an der Sache gewesen zu sein. Sommer, rumhocken, Bier trinken, Mucke machen... just relaxing and having fun. Bands wie Drive Like Jehu, Karp, The Jesus Lizard, Hot Snakes, Wipers... kommen in den Sinn. "Swordswallower" ist wirklich ganz charmant gemacht und enthält 5 mal schweren, verspielten Punk Rock. Die braune Kartonage Verpackung macht sich ebenfalls gut und die "Swordswallower" EP ist auf 500 handnumerierte Exemplare limitiert. Anspieltip: "Traveler", "Nightlion" Rating: 7/10
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