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Ein
Text von H. Schmitz. Er ist im Januar 70 Jahre alt geworden und laut
eigener Einschätzung: "Seit 55 Jahren intensiver Musikhörer
und Musikliebhaber".
Schmitz ist der Meinung, sein Text als Höranleitung zu "Geisterfaust"
zu verstehen, denn die könne der potentielle Hörer durchaus
gebrauchen. um zu verstehen, worin die "Schönheit" dieser
Musik liegt" und um durchzuhalten bis zum Ende, wo seiner Meinung
nach eine Auflösung des voran gegangenen Rätselhaften erfolgt
und die ganze Musik rückwirkend verständlich macht.
Geschrittene
Akkorde - ein Enigma?
1. Mittelfinger, 2. Daumen, 3.Ringfinger, 4. Mittelfinger, 5. Kleiner
Finger
"Eine "Geisterfaust" mit leisem Beginn und effektvoller
Steigerung durch Spreizung ihrer Finger in den ersten vier Sätzen.
Diese Steigerung wird durch fortwährende Akkorde bewirkt, durch
deren permanente Modulation entstehen Spannungsfelder, die Schrittmomente
suggerieren, die letztendlich als geschrittene Akkorde daherkommen und
gleichzeitig eine rätselhafte Atmosphäre erzeugen.
Vergleichbar diesem Rhythmus ist mittelalterliche Musik, auch in Begleitung
zum Schreittanz. Diese Musik war in unserem Sinne "harmoniefremd",
aber nicht unharmonisch.
In "Geisterfaust" wird eine Fortentwicklung dieser Musik präsentiert,
die klassischen Elementen folgt. Igor Strawinsky meinte dazu: "Man
knüpft an eine Tradition an, um etwas neues zu machen. Die Tradition
sichert auf solche Weise die Kontinuität des Schöpferischen."
Hierin liegt zugleich die Auflösung des Enigma's dieser Aufnahme,
arrondiert durch manifeste Harmonik im fünften Satz.
Es ist eine Terrassendynamik entstanden durch Nebeneinander von leisen
und kräftigen Partien.
Der sedative, psychomotorisch stabilisierende Effekt langsamer Musik,
wie sie sich hier dokumentiert, ist eine der verlässlichsten musiktherapeutischen
Fakten.
Eine gelungene Balance zwischen Enigma und dessen Auflösung."
Das
folgende Interview wurde mit Christoph Clöser geführt, der
auf "Geisterfaust" die meisten Instrumente eingespielt hat.
Was denkst Du hat sich musikalisch bei Euch seit dem letzten Album verändert?
Christoph Clöser: Nach der zugänglichen "Sunset
Mission" CD und der abwechslungreichen "Black Earth",
schien es uns an der Zeit, etwas kompromissloseres nachzulegen, zumal
wir uns auch nicht selbst kopieren wollten. Die Schönheit unserer
Musik ist auf "Geisterfaust" verborgener, die Melodien auf's
Klavier bzw. Vibraphon verlegt, sind schwerer zu entdecken, gleichzeitig
vielleicht noch üppiger. An der Oberfläche passiert weniger
und der Beat als nachvollziehbarer Rhythmus hat sich verabschiedet.
Langsamer sind wir auch, aber das ist und war nie nicht unser vorrangiges
Ziel.
Wie ist der Albumtitel "Geisterfaust" entstanden und hat er
für Euch irgendeine Bedeutung?
Christoph Clöser: Den Titel hatten wir, wie immer, vor
den Aufnahmen. Und für uns drückt er exakt das aus, was unseren
Hörer erwartet: Auf der einen, der vergeistigten Seite schwebende,
ruhige und endlos ausklingende Akkorde und Melodien und auf der anderen
Seite die konkrete Faust, der Schlag in die Magengrube. "Geisterfaust"
könnte übrigens auch ein Schnaps sein, der Dich Umhaut.
Wer genau ist dieser Herr Schmitz der obigen, meiner Meinung nach treffenden,
Pressetext oder Höranleitung zu "Geisterfaust" geschrieben
hat?
Christoph Clöser: Herr Schmitz ist ein renommierter Steuerberater
hier in Köln, der uns manchmal berät und der, obwohl seit
50 Jahren ausschliesslich Klassikhörer, ein grosser Fan unserer
Musik ist und sich immer öfter, immer länger darüber
ausgelassen hat.
Daran anschliessend, braucht ein Bohren Hörer eine Höranleitung
oder wird dadurch ein falsches Bild von Euch vermittelt, da der Text
von Schmitz sicher für einige zu verkopft und intellektuell klingt?
Wird dadurch möglicherweise bei manchen Hörern ein elitäres
Bewusstsein geschaffen? Muss man sich Deiner Meinung nach manchmal "bilden"
um Musik zu hören, um einen Zugang zu ihr zu bekommen?
Christoph Clöser: Nein, eine Höranleitung braucht
man nicht. Schadet aber auch nicht. Die Idee, "Geisterfaust"
auch mal von der klassischen Seite her einzuführen, fanden wir
ganz schön, zumal die ewigen Metal, - und Slayer/ Sade-Blutgrätschenvergleiche
spätestens mit "Geisterfaust" obsolet geworden sind.
Zum zweiten Teil Deiner Frage kann ich auch nur sagen: Ganz klar nein.
Musik, unsere wie jede andere auch, muss die Seele berühren, das
ist das einzig entscheidende Kriterium. Das gilt sowohl für uns
als Macher als auch als Konsument von Musik. Wir selbst sprechen nicht
theoretisch über unsere Musik, die kommt von Herzen.
Was
bedeutet Euch Minimalismus in Eurer Musik oder wie definierst Du ihn
in Bezug auf Bohren?
Christoph Clöser: Unsere Musik ist nicht Minimalismus
im Sinne eines Steve Reich oder Philipp Glass. Wir brauchen wenige Töne,
sind langsam und reduziert, aber in unserer Musik gibt es Melodien,
Strophen, Refrains und nicht nur rhythmische und/ oder tonale Muster,
die wiederholt werden und unmerklich ihre Textur verändern.
Wie lief Eure gerade zu Ende gegangene Tour? Ihr habt
ja unter anderem Shows mit Isis und Jesu gespielt. Gab es Unterschiede
in der Präsentation des Materials zwischen England und Deutschland?
Christoph Clöser: In England mit Isis und Jesu haben wir
nur 30 Minuten gespielt, ausschliesslich altes Material, die kennen
das ja da noch nicht. Hier in Deutschland haben wir auch neue Stücke
gespielt - hat grossen Spass gemacht, war konzentrationsmässig
noch anstrengender und das neu hinzugekommene Vibraphon hat mich in
jeder Beziehung in den Wahnsinn getrieben - superschwer, mühseliger
Auf - und Abbau, schwer abzunehmen und immer zu leise. Aber, wie gesagt,
alles in allem: Grosser Spass.
Was hat Euch dazu bewogen "Geisterfaust" im Frühling
zu veröffentlichen (Winter würde ja auch passen)? Sind damit
eher banale Gründe, wie die Fertigstellung des Albums, verbunden
oder ist das eine ziemlich bewusste Entscheidung gewesen?
Christoph Clöser: Wir, Band und Label, hätten es
lieber früher im Jahr veröffentlicht. Aber wir waren zu spät
fertig.
Wird
"Geisterfaust" auch auf Vinyl erscheinen?
So wie es aussieht, nein.
Lieblingsbier?
Christoph
Clöser: Bitburger, König - Pilsener.
Favorite Metalband?
Christoph Clöser: Entombed.
Danke
für das Interview - gibt es noch etwas was Du loswerden oder erwähnen
willst?
Christoph Clöser: Bleibt fröhlich.
Interview conducted by Magnus Jaschke in May 2005.
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